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1. Ansichten und Gedanken zum Begriff des Humors 3
2. Gottfried Kellers Humor vor dem Hintergrund seiner Biographie 5
3 Merkmale und Intention des Humors bei Keller in seinem Werk „Kleider
machen Leute“ 7
3.1 Das „arme Schneiderlein“ als Ausgangspunkt 7
3.2 Humoristische Gesellschaftskritik „Kleider machen Leute“ als Satire? 8
3.3 Form und Technik des Humors bei Keller 10
3.3.1 Charakterkomik 10
3.3.2 Situationskomik 12
3.3.3 Stilmittel des Humors 13
4. Kleider machen Leute - Leute machen Kleider: Das Schein- und Sein-Thema
der Novelle 16
Literaturverzeichnis: 18
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1. Ansichten und Gedanken zum Begriff des Humors
Die Wurzeln des Begriffes „Humor“ sind in der Antike zu suchen. Aus dem Lateinischen stammend hat „Humor“ ursprünglich die Bedeutung „Saft“, „Nässe“, „Feuchtigkeit“. Mit „humores“ wurden in der antiken Medizin die vier Körpersäfte bezeichnet, welche ausschlaggebend für Temperament und Charakter eines Menschen waren. Die Bezeichnung wurde auf diesem Wege in die Psychologie übernommen und besagte bis ins 19. Jahrhundert soviel wie „Laune“ oder „Stimmung“. 1
Mit der Wesenserfassung und ästhetischen Einordnung des Humors befassten sich zahlreiche Denker von Platon und Aristoteles bis heute, ohne eine endgültige Lösung des Problems zu finden. 2
Eine allgemeine Definition bieten Jan Bremmer und Herman Roodenburg, die Herausgeber der „Kulturgeschichte des Humors“. Diese bezeichnen Humor „als jede durch eine Handlung, durch Sprechen, durch Schreiben, durch Bilder oder durch Musik übertragene Botschaft, die darauf abzielt, ein Lächeln oder ein Lachen hervorzurufen.“ 3
„Der Humorist faßt das Leben in all seinen Gegensätzen und vermag damit in freiem Scherz zu spielen, wenngleich der Scherz sich zutiefst auf dem Ernst begründet.“ 4
Bei Schopenhauer spielt der Ernst eine entscheidende Rolle bei der Unterscheidung zwischen Humor und Ironie: „Ernst, der sich hinter Scherz versteckt, ist (...) Humor. Umgekehrt versteckt sich (...) in der Ironie Scherz hinter dem Ernst.“ 5
Auch für Jean Paul, den ersten „Ästhetiker des Humors“, unter dem der deutsche Humor eine Blütezeit erfährt, ist der Ernst die Bedingung des Scherzes. Lachende sehen oftmals in den Belachten ein Spiegelbild ihrer selbst.
1 vgl. Demeter, S. 13
2 vgl. Demeter, S. 11
3 Bremmer/Roodenburg, S. 9
4 Demeter, S. 13
5 Walzel, S. 190
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„Die Einsicht des Humoristen in die Fragwürdigkeit der menschlichen Ansprüche nimmt seinem Verlachen die verletzende Schärfe des Satirikers, der (...) einzelne Schwächen aufs Korn nimmt, um sie tödlich zu treffen.“ 6 Humor zielt somit nicht auf die Verurteilung eines Individuums, sondern auf allgemein Menschliches. Er kritisiert Hintergründe, für ihn existiert keine individuelle Torheit, sondern nur die allgemeine Torheit und eine „tolle Welt“. 7
Die Einschätzung Kellers als Humorist ist in der Literaturwissenschaft unumstritten. Im Folgenden werden die Eigenarten von Kellers Humor anhand seines Werkes „Kleider machen Leute“ herausgestellt.
6 Demeter, S. 18
7 ebd.
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2. Gottfried Kellers Humor vor dem Hintergrund seiner
Biographie
Eine wichtige Grundlage für Gottfried Kellers Humor stellt seine Weltanschauung dar. Entscheidend geprägt wurde diese bereits während seiner Studienzeit in Heidelberg, wo er Vorträge von Jakob Henle über Anthropologie und von Ludwig Feuerbach über das Wesen der Religion besuchte. Den Glauben an eine jenseitige Welt gab Keller auf, das diesseitige Leben erfasste er allerdings mit umso größerer Kraft und Liebe. Ebenso wie beim Humor deutscher Realisten wie Raabe, Reuter oder Wilhelm Busch, ist der Humor Kellers fest in dieser Welt verwurzelt. 8 Somit zählt Keller zu den Vertretern des Realismus und des realistischen Humors, der nicht mehr - wie im Idealismus - mit metaphysischer Spekulation belastet ist, sondern sich ganz der Erde, dem schönen Leben und der Freude widmet. 9
Kellers Humor ist oftmals geprägt durch die direkte Rede. Seine Figuren werden als lebensbejahende, ausgeglichene Menschen charakterisiert, die es verstehen, die Dinge des Lebens zu beurteilen. Dies trifft bei Keller insbesondere auf Personen aus dem Volk, aus dem kleinbürgerlichen Milieu zu. 10 Dadurch wird eine Sympathie Kellers zu diesen Leuten deutlich. Diese kann mit der Tatsache in Verbindung gebracht werden, dass Keller selbst in einfachen Handwerker- und Bürgerkreisen aufwuchs und dass gerade die einfachen Menschen mit ihren Eigentümlichkeiten auf Kellers Gemüt eingewirkt und auf diese Weise seine ausgeprägte Beobachtungsgabe geweckt haben. Keller hatte einen Großteil seines Lebens mit Armut zu kämpfen. Glück in der Liebe konnte er zeit seines Lebens nicht erfahren. Zu einer Heirat kam es aufgrund des Freitodes seiner Verlobten nie. Trotzdem war sein Glaube an den guten Sinn des Lebens unerschütterlich. Er betrachtete alle Misere des Lebens als unbedeutend und vorübergehend und glaubte fest an die Zukunft. 11 Während Kellers Humor in der Lage ist, Kraft zu schenken, um im eigenen Leben Schwerstes zu überwinden, so kommt ihm auch in seinem Werk eine befreiende Wirkung zu und wird zu einem Grundsatz für schwere Augenblicke im Leben, zu einem vor Leid bewahrenden Heilmittel. 12
8 vgl. Demeter, S. 16
9 ebd. S. 20
10 vgl. Graichen, S. 346
11 vgl. Demeter, S. 24
12 vgl. Walzel, S. 191 ff.
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Nicht unerheblich wurde der Stil und somit auch der Humor des in der Schweiz geborenen Gottfried Keller wohl durch seinen fast sechsjährigen Aufenthalt in Berlin beeinflusst, wo er unter anderem seinen Roman „Der grüne Heinrich“ und unter dem Titel „Die Leute von Seldwyla“ veröffentlichte Novellen verfasste. Dass die Macht des Humors im Deutschland des 19. Jahrhunderts zunahm, wurde vor allem in Berlin deutlich, wo der volkstümliche Humor, der sogenannte Berliner Witz, in die literarische und künstlerische Szene vordrang. 13 Wie für die deutschen Liberalen die erfolglose Revolution, so war für Kellers Entwicklung der Vorgang der Freischarenzüge prägend. Ihre Beteiligung am revolutionären Geschehen sahen die Altliberalen Deutschlands als „notwendigen Irrtum“ oder als „Jugendsünde“. Diese Einstellung hatte Keller gegenüber den Freischarenzügen in der Schweiz, die als Auftakt der europäischen Bewegungen verstanden werden können. Nach dem Scheitern des zweiten Freischarenzuges verfasste Keller sein erstes humorvolles Gedicht, in dem er seine Teilnahme als „Sonntagsjägerei“ bezeichnet. Laut Winter leitete dieses Gedicht die Geburtsstunde des Humors bei Keller ein. 14
13 vgl. Townsend in „Kulturgeschichte des Humors“, S. 149
14 vgl. Winter, S. 416
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Wolfgang Kulzer, 2001, Humor in Gottfried Kellers "Kleider machen Leute", Munich, GRIN Publishing GmbH
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Gottfried Keller und Theodor Fontane
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