Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Das Leib-Seele-Problem 3
2.1 Das Bieri-Trilemma 4
2.2 Epiphänomenalismus 4
2.3 Typenidentitätstheorie 5
3 Anomaler Monismus 6
3.1 Die drei Prinzipien 6
3.1.1 Das Prinzip der kausalen Interaktion 7
3.1.2 Das Prinzip des nomologischen Charakters der Kausalität 8
3.1.3 Das Prinzip der Anomalie des Mentalen 9
4 Kritik 12
4.1 Vereinbarkeit der drei Prinzipien 12
4.2 Beziehung zwischen Mentalem und Physischem Supervenienz 12
4.3 Epiphänomenalismus 14
4.4 Strenge Gesetze 15
5 Fazit 15
1 Einleitung
If the moon, in the act of completing its eternal path round the earth, were gifted with self-consciousness, it would feel thoroughly convinced that it would travel its path on its own, in accordance with a resolution taken once and for all.
So would a Being, endowed with higher insight and more perfect intelli- gence, watching man and his doings, smile about this illusion of his that he was acting according to his own free will.
(Albert Einstein an Rabindranath Tagore)
Ob der freie Wille des Menschen in unserem physikalischen Weltbild noch Platz hat, ist eine vieldiskutierte Frage. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit Donald David- sons Anomalem Monismus, welcher diese Frage in einem gewissen Sinne transzen- diert: Solange man geistige Vorgänge den Gesetzen der Physik unterwerfen will, mag jede Forderung nach mentaler Autonomie und freiem Willen aussichtslos erscheinen. Daher geht Davidson davon aus, dass es für mentale Ereignisse keine „strengen“ Gesetze geben kann. Um aber dennoch zu garantieren, dass das Mentale auf die physikalische Welt Einfluss haben oder von dieser beeinflusst werden kann, sind für Davidson mentale Ereignisse identisch mit physikalischen Ereignissen. Dies macht den Anomalen Monismus zu einem möglichen Lösungsansatz für das Leib-Seele-Problem der Philosophie des Geistes, welches als erstes kurz vorgestellt werden soll. In der anschließenden Beschäftigung mit dem Anomalen Monismus werde ich versuchen, einige Schwächen in Davidsons Annahmen aufzuzeigen, um im Anschluss daran näher auf die Kritik, vor allem von Jaegwon Kim, einzugehen. Die Titelfrage wird sich im Rahmen dieser Arbeit sicher nicht abschließend zu beant- worten lassen, aber es wird sich zeigen, dass der Anomale Monismus in sich stimmig und mit dem aktuellen Stand der empirischen Forschung verträglich ist.
2 Das Leib-Seele-Problem
Unsere alltäglichen Erfahrungen erlauben es uns, intuitiv und ohne weitere Schwie- rigkeiten zu unterscheiden zwischen körperlichen, den „Leib“ betreffenden, und geis- tigen, die „Seele“ betreffenden Phänomenen: Wenn wir uns in den Finger schneiden und dabei Blut fließt, bezeichnen wir dies als ein körperliches oder physisches Ereig- nis, während wir die darauf folgende Schmerzerfahrung vom sie auslösenden physi- schen Ereignis unterscheiden und als ein geistiges oder mentales Ereignis wahrneh- men. Diese Unterscheidung von physischen und mentalen Phänomenen teilt unsere
3
Erfahrungswelt in zwei disjunkte Bereiche, den Bereich des Mentalen einerseits und den Bereich des Physischen, der neben unseren körperlichen Phänomenen auch alle physikalischen Phänomene der uns umgebenden Welt beinhaltet. Zum philosophi- schen Leib-Seele-Problem wird dieser „intuitive Dualismus“ u.a. durch die Frage nach der Beziehung zwischen dem Physischen und dem Mentalen bzw. durch die Frage, ob dieser intuitive Dualismus wirklich ontologisch ist.
2.1 Das Bieri-Trilemma
Eine Möglichkeit letzterer Frage die Form eines Problems zu geben, ist das soge- nannte Bieri-Trilemma (Bieri, 1993, S.5):
(B1) Mentale Phänomene sind nicht-physische Pänomene.
(B2) Mentale Phänomene sind im Bereich physischer Phänomene kausal wirksam.
(B3) Der Bereich physischer Phänomene ist kausal geschlossen.
Wie man leicht erkennen kann, sind diese drei Sätze nicht mit einander in Einklang zu bringen. „Zwei von ihnen implizieren jeweils die Falschheit des dritten“ (Bieri, 1993, S.6). Die einzige Möglichkeit dieses Trilemma zu „lösen“ besteht darin es aufzulösen, d.h. einen der drei Sätze aufzugeben.
Beginnen wir mit dem letzten: Wenn man die Annahme über die kausale Geschlos- senheit des Bereichs physischer Phänomene aufgibt, stellt man hiermit das bisher äußerst erfolgreiche Prinzip der Naturwissenschaften in Frage, zur Erklärung von physischen Phänomenen nur physische Ursachen zu betrachten, und dies kann man sicher nicht so leichtfertig tun. Aber selbst wenn man nicht soweit gehen will, dieses Prinzip generell in Frage zu stellen, sondern es z.B. nur für die dem Mentalen nahe- stehenden physischen Prozesse im Gehirn außer Kraft setzt, lässt sich hierfür keine stichhaltige Begründung finden, da auch diese Prozesse Teil der Natur sind. Also bleiben nur die beiden ersten Sätze. Wenn man auf den zweiten Satz, d.h. auf die Annahme mentaler Verursachung verzichtet, ergeben sich hieraus zwei klassische Theorien der Philosophie des Geistes: der psychophysische Parallelismus und der Epiphänomenalismus, wobei letzterer im folgenden kurz betrachtet werden soll.
2.2 Epiphänomenalismus
Für einen Epiphänomenalisten besteht ein ontologischer Unterschied zwischen men- talen und physischen Ereignissen und er erkennt an, dass es kausale Beziehungen zwischen dem Physischen und dem Mentalen gibt, aber nur in eben dieser Rich- tung. Der Epiphänomenalismus verneint neben kausalen Beziehungen zwischen zwei
4
mentalen Ereignissen also auch die uns eigentlich naheliegende Möglichkeit, dass das Mentale auf das Physische kausal wirksam ist und dass unser Verhalten durch unsere mentalen Zustände verursacht wird. Stattdessen werden unsere mentalen Zustände nur als Epiphänomene physischer Ursachen betrachtet und sind somit für unser „Ver- halten kausal genauso irrelevant wie der Rauch aus dem Schornstein einer Fabrik für das Geschehen in der Fabrik“ (Bieri, 1993, S.7). Die kausal relevanten Ursachen für unser Verhalten sind statt dessen physischer Natur, auch wenn wir diese u.U. noch nicht gefunden haben.
Als letzte Möglichkeit, das Bieri-Trilemma aufzulösen, bleibt schließlich noch die Aufgabe des ersten Satzes, d.h. die Annahme, dass es sich bei dem intuitiv wahrge- nommenen Dualismus des Physischen und Mentalen nicht um einen ontologischen, sondern um einen Schein-Dualismus handelt. Diese als Monismus bezeichnete Po- sition wird von allen Vertretern des Materialismus eingenommen, die annehmen, dass mentale Phänomene irgendwie physische Phänomene sind und mentale Verur- sachung somit einen Spezialfall von physischer Verursachung darstellt.
Nach dem Scheitern des Behaviorismus war die Typenidentitätstheorie, die von J. Smart, U. Place und H. Feigl Ende der fünfziger Jahre entwickelt wurde, der erste Versuch, mentale Phänomene mit physischen zu identifizieren.
2.3 Typenidentitätstheorie
Unter Typenidentität versteht man „eine empirisch feststellbare Beziehung zwischen zwei Typen von Entitäten“ (Pauen, 2001, S.114) wie sie z.B. im Fall von H 2 O
und Wasser vorliegt: Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Wasser nichts anderes ist als eine Ansammlung von H 2 O-Molekülen, d.h. dass alle Entitäten vom Typ „Wasser“ auch Entitäten vom Typ „H 2 O“ sind. Auf das Leib-Seele-Problem
angewandt besagt die Typenidentitätstheorie, dass eine ebensolche Identität besteht zwischen mentalen und neuronalen Ereignissen, bzw. zwischen Typen von mentalen und neuronalen Ereignissen. Wenn sich also ein Typ S von neuronaler Aktivität fin- den ließe, der immer dann und nur dann auftritt, wenn der mentale Zustand Schmerz vorliegt, so wären mentale Ereignisse des Typs Schmerz und neuronale Ereignisse des Typs S äquivalent. Die Schmerzerfahrung einerseits und die neuronale Aktivität vom Typ S andererseits stellten also lediglich zwei verschiedene Zugänge zu einem einzigen Prozess dar. Auf diese Weise ließen sich mentale Ereignisse auf äquivalen- te bzw. typenidentische physische Ereignisse reduzieren und wären auf Grund ihrer Identität mit physischen Ereignissen in der physischen Welt auch kausal wirksam. Jedoch kann die Typenidentität nicht erklären, was passiert, wenn das Gehirnareal, in dem die neuronalen Aktivitäten vom Typ S auftreten, beschädigt ist und dennoch
5
Quote paper:
Peter Baumann, 2007, Anomaler Monismus als Lösung für das Leib-Seele-Problem?, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Formulierungsmuster in der 'Geblümten Rede'
Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 32 Pages
Mentale Repräsentation - Vorzüge und Nachteile von Jerry Fodors Theori...
Philosophy - Philosophy of the Present
Presentation (Elaboration), 9 Pages
Descartes: Prinzipien der Philosophie
Philosophy - Philosophy of the 17th and 18th Centuries
Scholary Paper (Seminar), 18 Pages
Analyse von Fodors Arbeit in der Identitätstheorie
Philosophy - Philosophy of the Present
Termpaper, 24 Pages
Methoden zum Emotionsausdruck bei Interfaceagenten
Scholary Paper (Seminar), 21 Pages
Die vermeintliche Revolution Darwins bei Daniel C. Dennet
Anmerkungen zu Dennetts "...
Philosophy - Philosophy of the Present
Essay, 14 Pages
Wilfrid Sellars Kritik am Mythos des Gegebenen
Philosophy - Philosophy of the Present
Intermediate Examination Paper, 25 Pages
Darstellung und kritische Würdigung von D. M. Armstrongs "A mater...
Philosophy - Philosophy of the Present
Termpaper, 23 Pages
Immanuel Kant Kritik der Urteilskraft: Die Analytik des Schönen
Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 31 Pages
Vertragstheorie - Rousseau vs. Locke
Philosophy - Philosophy of the 17th and 18th Centuries
Scholary Paper (Seminar), 20 Pages
Haben Bienen wirklich Empfindungen?
Zu Michael Tyes Repräsentation...
Philosophy - Philosophy of the Present
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 21 Pages
Einführung in die Philosophie des Geistes
Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
Termpaper, 20 Pages
Bewusstsein - Aspekte der Philosophie des Geistes
Philosophy - Philosophy of the Present
Thesis (M.A.), 108 Pages
Thomas Metzinger und das Versc...
Philosophy - General Essays, Eras
Scholary Paper (Seminar), 30 Pages
Friedrich Barbarossa und die lombardischen Städte
Weg zur Diplomatie oder Nachge...
History Europe - Other Countries - Middle Ages, Early Modern Age
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 30 Pages
Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
Termpaper, 24 Pages
Zur Stellung von Philosophie und Neurowissenschaften
Philosophy - Philosophy of the Present
Scholary Paper (Seminar), 17 Pages
Peter Baumann has published the text Anomaler Monismus als Lösung für das Leib-Seele-Problem?
Peter Baumann has uploaded a new text
Das Leib-Seele-Problem in der Phänomenologie
Cathrin Nielsen, Michael Steinmann, Frank Töpfer
Die Erkenntnis des Menschenwesens nach Leib, Seele und Geist
Über frühe Erdzustände. Zehn V...
Rudolf Steiner
0 comments