Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis.......................................................................................... 2
1. Einleitung 3
1.1 Kommunikation nach Shannon Weaver, Watzlawick und Schulz
von Thun 3
1.2 Die Bedeutung symmetrischer Kommunikation in der Schule 5
1.3 Was sind Kommunikationsprobleme im schulischen Kontext? 6
2. Kommunikationsprobleme zwischen Schülern 8
2.1 Wie kommen sie zustande? 8
2.2 Lösungsmöglichkeiten aus der Lehrerperspektive 10
3. Kommunikationsprobleme zwischen Schülern und Lehrern 14
3.1 Wie kommen sie zustande? 14
3.2 Lösungsmöglichkeiten aus der Lehrerperspektive 21
4. Ausblick 23
5. Literaturverzeichnis 25
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1. Einleitung
In der vorliegenden Arbeit werde ich Kommunikationsprobleme in der Schule und ihre Lösungsmöglichkeiten besprechen. In der kritisch-kommunikativen Didaktik werden Lehren und Lernen als „kommunikative Prozesse“ betrachtet (Stangl 2004, Kritisch Kommunikative Didaktik). Das System Schule wird als Kommunikationsgemeinschaft gesehen, in der die Schüler die Chance bekommen, sich so in ihrer Persönlichkeit weiter zu entwickeln, dass sie schließlich fähig sind, ihr Lernen selbstverantwortlich in die Hand zu nehmen (ebenda).
Welche Probleme sind in diesem Prozess zu erwarten und welche Vorgehensweisen bei deren Lösung sind denkbar? Im Folgenden betrachte ich zu diesen Fragen schwerpunktmäßig das kommunikative Geschehen im Unterricht.
1.1 Kommunikation nach Shannon & Weaver, Watzlawick und Schulz von Thun
Unter Kommunikation versteht man einen Prozess, an dem sieben Elemente beteiligt sind: der Informationssender, der Informationsempfänger, ihr gemeinsamer Code, die Verschlüsselung einer Nachricht, die Entschlüsselung einer Nachricht, der Kanal und die Nachricht selbst (Shannon & Weaver nach Stangl 2004, Kommunikation). Dieser Kommunikationsbegriff kann auf die Schulsituation übertragen werden.
Verläuft die Kommunikation erfolgreich, so sagt eine Person etwas, d.h. der Sender versendet eine Nachricht, die er zuvor verschlüsselt hat, mithilfe des gemeinsamen Zeichenvorrats unserer Sprache, dem Code. Eine andere Person, d.h. der Empfänger, empfängt das Gesagte über einen Kanal, in diesem Fall über das Gehör. Er versteht die Nachricht, er dekodiert sie richtig. Im Normalfall können der Sender zum Empfänger und der Empfänger zum Sender werden. Dies geschieht in der Schule mehr oder weniger kontinuierlich, dabei sind Lehrer und Schüler idealer Weise Sender und
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Empfänger, also Sender-Empfänger in einer Doppelrolle. Für die schulische Kommunikation ist typisch, dass Nachrichten, die nicht immer kongruent sind, auf verschiedenen Kanälen übermittelt werden. Sender-Empfänger nutzen den visuellen Kanal, d.h. sie sehen die Aufmachung, die Körperhaltung, die Gesten, das Mienenspiel des Gegenüber. Die beteiligten Personen nehmen auch wahr, was der andere noch „nebenbei“ im Unterricht tut.
Paul Watzlawick hat darauf hingewiesen, dass jede Nachricht eine Inhaltsseite hat, aber auch die Beziehung zwischen Sender und Empfänger definiert (Watzlawick et al. 1974, S.53ff.). Diesen Ansatz erweitert - wie Watzlawick ohne einen speziellen Bezug zum schulischen Bereich - Friedemann Schulz von Thun (1981, S.13ff.), indem er von vier Aspekten einer Nachricht ausgeht. Bei ihm umfasst die Nachricht neben dem Sachinhalt und dem Beziehungshinweis die Aspekte der Selbstoffenbarung und des Appells. Die unbestimmten Gefühle, die wir als Kinder oft schon hatten, dass ganz wichtige Botschaften „zwischen den Zeilen“ versteckt sind, hat er in diesem Modell erkennbar gemacht.
Wenn man nach diesem Modell die Feststellung eines Lehrers „Du hast ja schon wieder deine Hausaufgaben nicht gemacht!“ analysiert, so ergeben sich folgende vier Botschaften:
- auf der Inhaltsebene „Die Hausaufgaben sind nicht gemacht“,
- auf der Beziehungsebene „Ich bin der Lehrer und stelle das bei dir, meinem Schüler, fest“,
- auf der Selbstoffenbarungsebene „Ich bin enttäuscht, dass du wieder ohne Hausaufgaben in meinen Unterricht kommst“,
- auf der Appellebene „Mach bitte deine Hausaufgaben!“
Schulz von Thun führt sein allgemeines Modell noch weiter aus und sagt, dass der Sender vier unterschiedliche Zungen hat, um seine Nachricht zu verschlüsseln: die Sach-Zunge, die Beziehungs-Zunge, die Selbstoffenbarungs-Zunge und die Appell-Zunge. Genauso hat der Empfänger nach Schulz von Thun vier Ohren, mit denen er die Nachricht hört: das Sach-Ohr, das Beziehungs-Ohr, das Selbstoffenbarungs-Ohr und das
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Appell-Ohr. Welches seiner vier Ohren der Empfänger besonders gespitzt hat, hängt von seinen Erfahrungen mit dem Sender, der augenblicklichen Situation und von Persönlichkeitsmerkmalen des Empfängers ab wie z.B. dem Geschlecht, dem Alter, dem Kommunikationsstil in seiner Familie, seinem Selbstbild und dem Fremdbild von sich selbst, das er dem Sender unterstellt.
1.2 Die Bedeutung symmetrischer Kommunikation in der Schule
Man unterscheidet in der Kommunikation symmetrische und komplementäre Interaktionen. In der symmetrischen Kommunikation herrscht Gleichberechtigung zwischen den Beteiligten, in der komplementären Kommunikation ergänzen sich die Kommunikationspartner; sie sind dabei ungleich (Watzlawick 1974, S.68ff.).
Im Unterricht und zwar besonders in den ersten Unterrichtsstunden, in denen der „neue“ Lehrer seine „neuen“ Schüler trifft, ist in der Regel die kommunikative Situation zwischen Lehrern und Schülern komplementär, denn der Lehrer ist von der Hierarchie im System Schule her dem Schüler übergeordnet und hat einen Wissensvorsprung, was sein Fach und was die geplanten Unterrichtsvorhaben angeht. Gleichzeitig sollte jeder Lehrer in einer Schule in einem demokratischen Staat symmetrische Kommunikation als das Ideal seines unterrichtlichen Handelns ansehen und verinnerlicht haben, denn das erklärte Erziehungsziel sollte der „mündige Bürger“ sein. Für die Schulpraxis bedeutet das allerdings nicht, dass der Lehrer gleich beim ersten Zusammentreffen mit seinen Schülern symmetrisch kommunizieren soll. Wenn er dies täte, so würden „vor allem ältere Schüler, die sich an den autoritativen Unterrichtsstil von Vorgängern und Kollegen gewöhnt haben“, ein solches Angebot als „Führungsschwäche“ interpretieren und ausnutzen (Stangl 2004, Kritisch Kommunikative Didaktik).
Deshalb sollte der Rat erfahrener Lehrerkollegen, in den ersten Stunden in einer Lerngruppe besonders streng und autoritativ zu wirken, beherzigt werden. Gleichwohl sollte der Lehrer sein Ziel, eine symmetrische Kommunikation zu erreichen, Schritt für Schritt planen und praktizieren.
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Für die Beziehung zwischen Lehrer und Schulleitung, zwischen Lehrer und Lehrer, zwischen Lehrer und Eltern, Schüler und Eltern sowie Schüler und Schüler sollte in einer Demokratie ebenfalls eine symmetrische Kommunikation angestrebt werden.
1.3 Was sind Kommunikationsprobleme im schulischen Kontext?
Im Folgenden sehe ich all diejenigen schulischen Ereignisse als Kommunikationsprobleme an, die dazu führen, dass die Kommunikation zwischen den beteiligten Menschen gestört wird oder sogar zum Erliegen kommt.
Zur Entstehung von Kommunikationsproblemen tragen wohl auch die von Schulz von Thun beschriebenen Kommunikationsstile bei. Zu untersuchen wäre hierbei, inwiefern sie in der Realität tatsächlich auftreten und zu welchen Kommunikationsproblemen sie führen können. Schulz von Thun unterscheidet acht Kommunikationsstile: den bedürftig-abhängigen, den helfenden, den selbst-losen, den aggressiv-entwertenden, den sich beweisenden, den bestimmend-kontrollierenden, den sich distanzierenden und den mitteilungsfreudig-dramatisierenden Stil. Er selbst sieht diese Stile als „kunstvoll geformte Maske“, die „die Züge des Dahinterliegenden erahnen“ lässt (Schulz von Thun 1989, S.16). Versucht man allerdings realen Personen, z.B. bestimmten Lehrerpersönlichkeiten, jeweils einen dieser Stile zuzuordnen, dann stellt man fest -Schulz von Thun sieht dies auch -, dass meist ein „Stilgemisch“ die betreffende Person passend charakterisieren würde. Dabei scheint jeweils ein Stil bei einigen Personen zu dominieren.
In unserem Kontext zu bemerken ist, dass auch Schüler bestimmte Kommunikationsstile entwickelt haben bzw. sich angewöhnt haben, bestimmte Rollen in der Klasse zu übernehmen. Wenn ein Schüler sich angewöhnt, den Klassenclown zu spielen, so könnte dies nach Schulz von Thun einer Kombination aus dem mitteilungsfreudig-dramatisierenden Stil und dem sich beweisenden Stil entsprechen. Dabei stellt dieser Schüler als „Narr der Klasse“ seinen Intellekt unter den Scheffel.
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Dies wird besonders dann passieren, wenn der Lehrer einen aggressiv-entwertenden oder den sich beweisenden Stil praktiziert.
Derselbe Schüler kann bei einem Lehrer, der von ihm Leistung fordert, ihn respektiert und wertschätzt, diese Rolle ablegen und Höchstleistungen bringen. Dann kann der betreffende Schüler sogar vorwiegend den helfenden Stil für seine Kommunikation nutzen. In dem geschilderten Fall hat der Stil des Lehrers die Rolle und den Stil des Schülers verursacht, den Schüler in eine innere Immigration gezwungen und ein schwerwiegendes Kommunikationsproblem bewirkt. Der „Klassenclown“-Schüler stört sein eigenes Fortkommen und das der anderen Schüler. Der Lehrer, der den Schüler, vielleicht auch aus Angst, nicht intellektuell fordert, ist letztendlich für alle Störungen, die damit zusammenhängen, verantwortlich.
Keiner der genannten Stile lässt eine symmetrische Kommunikation zu. Allen Stilen ist gemeinsam, dass sie das Innerste der Person ganz oder zum Teil verbergen. Es muss folglich eine besondere Art der Verständigung gefunden werden, die eine authentische Kommunikation in der Schule ermöglicht, eine Kommunikation, in der der Sprecher auch seine „Innenseite“ (Schulz von Thun 1989, S.16) zulassen darf. Mit den Worten einer stärker anthropologisch ausgerichteten Autorin gesagt: „Es sind immer Personen, die miteinander kommunizieren. …Es sind Umstände und Geschichte eines Einzelmenschen, der eine einmalige, unverwechselbare Ganzheit ist“ (Bock 1978, S. 429).
Die „gewaltfreie Kommunikation“ nach Marshall B. Rosenberg (2002) erscheint mir als ein Modell für eine authentische Kommunikation, die zur Symmetrie in den Beziehungen führen kann. Diese Art der Kommunikation betrachtet die vier zwischenmenschlichen Faktoren Beobachtungen, Gefühle, Bedürfnisse und Bitten und versucht so einen Kommunikationsfluss aufzubauen, der große Aufmerksamkeit, Empathie und gegenseitige Wertschätzung bei Sender und Empfänger erfordert: „Was ich beobachte, fühle und brauche; um was ich bitte, um mein Leben zu verschönern; was du beobachtest, fühlst und brauchst; worum du bittest, um dein Leben zu verschönern…“ (Rosenberg 2002, S.22). Rosenbergs Kommunikationsfluss, der sich
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Nele Bach, 2005, Kommunikationsprobleme im schulischen Kontext und Lösungsmöglichkeiten aus der Lehrerperspektive, Munich, GRIN Publishing GmbH
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