1 Das Migrantenkonzept.1 Das Migrantenkonzept 3
Ungleichbehandlung von Migranten 4
3 Seiteneinsteiger.3 Seiteneinsteiger 5
4 Förder und Integrationsmaßnahmen.4 Förder und Integrationsmaßnahmen 6
Literaturverzeichnis 8
Das Migrantenkonzept
Jahrelang wurde das Ausmaß des Integrationsbedarfs von Migranten in das deutsche Bildungssystem unterschätzt. Fielen bis 2005 in die amtlichen Statistiken nur Migranten mit ausländischer Staatsbürgerschaft, die 8,9% der Gesamtbevölkerung stellten, so wird seit dem Mikrozensus 2005 des Statistischen Bundesamtes das Migrationskonzept an- gewendet. Dieses umfasst weiterhin Personen mit Migrationshintergrund. Das sind ne- ben den o.g. Ausländern Spätaussiedler, Eingebürgerte, Deutsche mit einseitigem Migrationshintergrund und die Kinder von Ausländern, die sich seit acht Jahren in Deutschland aufhalten und somit Anspruch auf die deutsche Staatsbürgerschaft haben. Demnach betrug der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund 2005 18,6% an der Gesamtbevölkerung (vgl. Konsortium Bildungsberichterstattung 2006, S. 139f.). Bei den unter 25jährigen ist der Anteil der Migranten noch höher und tendenziell steigend (0-6 Jahre: 32,5%; 6-10 Jahre: 29,2%; 10-16 Jahre: 26,7%; 16-25 Jahre: 24,3%), was eine Neugestaltung des Umgangs mit Migration im Bildungswesen notwendig macht (vgl. Konsortium Bildungsberichterstattung 2006, S. 143).
Die Gruppe der Migranten ist sehr heterogen. Man unterscheidet Arbeitsmigranten (und deren Kinder und Enkel/2. und 3. Generation), Asylberechtigte und Flüchtlinge (darun- ter De-facto-Flüchtlinge, Bürgerkriegsflüchtlinge, Konventions- und Kontingentsflücht- linge, heimatlose Ausländer), (Spät-)Aussiedler (welche die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen) und Personen aus EU-Mitgliedsländern. Jede Gruppe und Untergruppe besitzt einen unterschiedlichen rechtlichen Status und verschiedene Migrationserfahrungen und bedarf unterschiedlicher Konzepte zur Integration in die Gesellschaft und das Bildungs- system (vgl. Herwartz-Emden 2005, S. 661 f., Konsortium Bildungsberichterstattung 2006, S. 139).
Verteilung der Migranten im Schulsystem und instituti-
onelle Ungleichbehandlung von Migranten
Die Chancen für Migranten im Bildungssystem eine höhere Bildung zu genießen, hän- gen stark vom Bildungsstand der Eltern ab. Ist dieser niedrig, so schlagen ihre Kinder einen ungünstigeren Weg ein. Dies fängt mit dem Besuch des Kindergartens an. Migrantenkinder mit Eltern mit geringem Bildungsstand besuchen nicht in dem Ausmaß den Kindergarten wie Migrantenkinder, deren Eltern einen hohen Bildungsstand haben (vgl. Konsortium Bildungsberichterstattung 2006, S. 150). Dementsprechend ist der Anteil an verspäteten Einschulungen unter den Migranten höher als unter Nicht- Migranten. Gerade im Kindergarten werden wichtige Sozialisations- und Integrations- leistungen erbracht und Sprachkenntnisse vermittelt, die diesen Kindern fehlen.
Eine ungünstige Gelenkstelle im Bildungssystem ist der Übergang von der Primar- zur Sekundarstufe. Migranten werden bei der Schullaufbahnempfehlung überproportional auf Hauptschulen und unterproportional auf Gymnasien gestuft. Die Chance für Kinder, deren Eltern in Deutschland geboren ist, eine Gymnasialempfehlung zu bekommen, ist bei gleichem Leistungsstand 1,66-mal höher (vgl. Konsortium Bildungsberichterstat- tung 2006, S. 165).
Viele Hauptschulen, besonders in den großen Städten, in denen der Migrantenanteil an der Bevölkerung am höchsten ist, haben große Probleme, wenn der Migrantenanteil sehr hoch ist. Diese Schulen liegen zumeist in sozialen Brennpunkten. Hier sind die Lese- leistungen besonders gering (vgl. Konsortium Bildungsberichterstattung 2006, S. 164) und in Folge dessen auch die weiteren Schulleistungen (vgl. Stanat 2003, S. 256). Da- gegen besteht dieses Problem in den neuen Bundesländern nicht, da hier der Migrante- nanteil aufgrund der historischen Vergangenheit gering ist (vgl. Konsortium Bildungs- berichterstattung 2006, S. 153).
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Martin Schmitz, 2006, Migranten im deutschen Bildungssystem, Munich, GRIN Publishing GmbH
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