1. VORWORT
LehrerInnen machen täglich die Erfahrung, daß einige SchülerInnen mangelnde Mitarbeit im Unterricht zeigen und in Leistungssituationen versagen. Häufig wird von den Lehrern fehlende Anstrengungsbereitschaft, sprich Faulheit oder Bequemlichkeit vorausgesetzt, die lediglich als eine Sache des Willens angesehen wird. Deshalb appelliert der Lehrer an die Einsichtigkeit der Schüler und übersieht dabei häufig mögliche Ursachen für Leistungsverweigerung und Mißerfolg.
Eine Ursache kann in der Beeinträchtigung der Lernmotivation durch eine allgemeine Schulängstlichkeit liegen. Die Ängstlichkeit wird in der Regel durch eine Reihe negativer Erfahrungen in Elternhaus, Kindergarten und Schule erworben und äußert sich zum Beispiel in der
- Angst sich zu melden oder etwas an der Tafel vorzumachen (AUFTRITTSANGST)
- Angst vor dem Abfragen oder vor schriftlichen Arbeiten (LEISTUNGS- & PRÜFUNGS-ANGST)
- generellen Auffassung der SchülerIn, sie könne den gestellten Anforderungen auch bei bestem Bemühen nicht genügen (HILFLOSIGKEIT)
Eine zweite Ursache kann in der Beeinträchtigung der Leistungsmotivation, hervorgerufen durch ein Konzept eigener Fähigkeit bzw. Unfähigkeit, liegen. Dieses Konzept wird durch zahllose Erfahrungen und Leistungssituationen erworben, deren Ergebnis (Erfolg oder Mißerfolg) schon sehr früh (etwa im 3. Lebensjahr an) auf die eigene Person bezogen werden kann und von da an mitbestimmt, ob sich jemand in bestimmten Situationen anstrengt oder nicht.
Beide Ursachen sind Resultate einer langen Lerngeschichte, die tief in den Gefühlen einer Person und ihrer Auffassung von sich selbst verankert sind. Deshalb werden Ermahnungen der LehrerInnen, Aufforderungen, Strafen oder Vorwürfe nur geringe und meist auch kurzlebige Erfolge erzielen.
Neben den beschriebenen Ursachen gibt es selbstverständlich noch andere wichtige Ursachen für mangelnde Mitarbeit und fehlende Anstrengungsbereitschaft. Sie können zum Beispiel in
der Person der LehrerIn (z.B. mit eigenen Arbeitsstörungen) oder in einer ungünstigen didak-tischen Planung und Durchführung des Unterrichts begründet sein.
Auf diese Ursachen gehe ich jedoch nicht ein, sondern behandle nur motivationale Kompo-
nenten des Leistungsverhalten und sich daraus ableitende Möglichkeiten zur Verbesserung
von Anstrengungsbereitschaft.
2. MOTIVATION
2.1. Zum Begriff der Motivation
"Motivation ist in der Psychologie eine Sammelbezeichnung für vielerlei Prozesse und Effekte, deren gemeinsamer Kern darin besteht, daß ein Lebewesen sein Verhalten um der erwarteten Folgen willen auswählt und hinsichtlich Richtung und Energieaufwand steuert." (Heckhausen, Motivation und Handeln, 1980, p 10)
Motivation kennzeichnet also den Zusammenhang all jener Einflußgrößen, die ein Verhalten eines Individuums auf bestimmte Zielzustände hin ausrichten, Handlungen in Gang setzen und bis zur Zielerreichung steuernd in Gang halten.
Motivationen sind nicht identisch mit Antriebskräften, die für die Aufrechterhaltung der Funktionen des Organismus verantwortlich sind oder Trieben. Sie sind nicht angeboren, sondern entwickeln sich im Laufe der Ontogenese und sind als Ergebnisse langandauernder Erfahrungen erlernt.
Motivation bezeichnet nach Heckhausen den "Prozeß einer Person-Situations-Interaktion", der auf ein Ziel gerichtet ist.
2.2. Das Bedingungsgefüge der Lernmotivation
Nach Heckhausen wird Lernmotivation als Bedingungsgefüge definiert, das aus überdauernden Persönlichkeitsvariablen und situativen Variablen besteht.
Variablen der Lernmotivation:
(nach Heckhausen in Pädagogische Psychologie, 1976)
Die individuelle Lernmotivation entsteht demnach aus der Verflechtung von relativ überdauernden Persönlichkeitsmerkmalen und aktuellen Gegebenheiten der Lernsituation. Sie stelle sich entweder als intrinsische oder als extinsische M otivation dar. In der Motivationspsychologie bedeutet intrinsisch, daß jemand um der Sache willen lern, und extrinsisch, daß der Lernzweck außerhalb der Lernsache liegt. (nach Heckhausen in Pädagogische Psychologie, 1976, p 126)
Jede Lernmotivation ist also ein System von Ziel- und Handlungserwartungen, in dem sich die SchülerIn der Lerninhalt und Lernformen jeweils stärker oder schwächer aufsuchend oder vermeidend nähert.
Für zu erbringende Schulleistungen läßt sich daraus ableiten, daß je nach dem intraindividuellen (innerhalb des Individuums) Bedingungszusammenhang von Lernmotivation gleiche Schulleistungen verschiedener SchülerInnen unterschiedlich zustande kommen. Interindividuelle (zwischen den Individuen) Unterschiede in der Lernmotivation können bei gleichen Fä- higkeiten zu unterschiedlichen Lern- und Leistungsergebnissen führen.
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Syzane Berisha, 2000, Leistungsmotivation - Erfolg oder Misserfolg in der Schule, Munich, GRIN Publishing GmbH
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