Sommersemester 2002
Abgabetermin: 31.07.2002
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Metropolis und Apoikie
Die 0etropolis und ihre $poikie
I) Gründe für das Entsenden eines Kolonistenzuges .............................................. 2 II) Die Entfernung zwischen Metropolis und Apoikie als entscheidender Faktor für das Verhältnis der beiden Städte ................................................................................ 4 III) Das Beziehungen zwischen Metropolis und Apoikie ........................................ 6 Fazit: ......................................................................................................................... 15 Bibliographie ............................................................................................................. 17
Die Mutterstädte der meisten Kolonien 1 , die während der „Großen Kolonisation“ 2 von
750-550 v.Chr. gegründet wurden, sind der Forschung bekannt. Dieses Wissen ist größtenteils nicht auf archäologische Funde 3 zurückzuführen, sondern auf die Tatsache, dass Herodot 4 , Thukydides 5 und andere griechische Schriftsteller der
Antike in ihren Werken bei Nennung einer Kolonie häufig die dazugehörige Mutterstadt und eventuell weitere Ableger der Kolonie selbst aufzählen. Für die Leser der damaligen Zeit transportierten solche Hintergrund-Informationen eine Vielzahl von Botschaften über Bündniskonstellationen, Machtpositionen und Heeresstärke. 6
Diese versteckten Informationen können wir heute nicht mehr nachvollziehen, aber die Nennung von Metropolis und Apoikie als einer Einheit bei antiken Schriftstellern hilft der Forschung, Verbindungen herzustellen, Ansatzpunkte für gezielte Grabungen zu finden und genaue historische Aussagen treffen zu können.
1 Kolonie: der Begriff „Kolonie“ ist in diesem Zusammenhang historisch ungenau. Wird im Folgenden das Wort „Kolonie“ verwendet, ist es im Sinne von „Apoikie“ zu verstehen 2 Große Kolonisation: Fachbegriff der Historie. Bezeichnet die Zeit von 750-550 v.Chr. im griechischen Kulturraum. In diese Zeit fällt die Hochphase der griechischen Kolonisationstätigkeit im Mittelmeergebiet 3 Die historische Forschung stützt sich bei der wissenschaftlichen Untersuchung der „Großen Kolonisation“ vor allem auf Quellen des Überrests (Archäologische Funde), und auf die wenigen Quellen der Tradition (Thukydides, Herodot,...), die aus unterschiedlichen Gründen kritisch betrachtet werden müssen (zeitlicher Abstand vom aufgezeichneten Geschehen, Sympathielage/Interessenlage des Autors, Ziel/Intention des Autors). Die Siedlungstätigkeit der Griechen im Mittelmeerraum ist aber kein einheitlicher, immer gleich strukturierter Prozess. Jede Koloniegründung muss eigenständig betrachtet werden. Es finden sich folglich viele verschiedene archäologische Überreste der gr. Siedlungstätigkeit im Mittelmeerraum, die sich kaum auf einen Nenner bringen lassen, sondern vielmehr die Unterschiede der einzelnen Koloniegründungen belegen. Aus diesem Grund werden Quellen im Sinne des Überrests in dieser Arbeit kaum als Beleg für historische Zusammenhänge herangezogen, da es den Rahmen der Arbeit sprengen würde, die vielen unterschiedlichen Funde in ihrer Bedeutung gebührend zu untersuchen, ohne zu verallgemeinern.
4 z.B. Herodot: Historien 3,19.2 und 1,174,2 5 z.B. Thukydides: Der Große Krieg 1,26,2 und 4,88,2 6 sinngemäß nach: Miller, Theresa: Die griechische Kolonisation im Spiegel literarischer Zeugnisse (Classica Monacensia), Band 14, Tübingen 1997, S. 280
1
Metropolis und Apoikie werden von antiken griechischen Schriftstellern in einer Einheit genannt. Diese immer wieder betonte Verknüpfung von Kolonie und Mutterstadt legt nahe, dass zwischen der kolonisierenden Stadt und der Kolonie Verbindungen auch über den Vorgang der Koloniegründung hinaus bestanden haben, und zwar in Form eines Mutter-Kind-Verhältnisses. Welcherart diese Beziehungen waren, soll im Folgenden geklärt werden. Um die Beziehungen untersuchen zu können, ist es zunächst nötig, sich über den Zweck und die Beweggründe einer Koloniegründung bewusst zu werden.
I) Gründe für das Entsenden eines Kolonistenzuges
1) Politische/Soziale Konflikte
2) Überbevölkerung
2
geografisch bedingten Landmangel und den stark gestiegenen Reichtum der
3) Die Oberschicht als „Motor“ der Kolonisationsbewegung
Sinn.
4) Handelspolitische Ambitionen
7 Oikistes -> Ktistes (Gründer): neben Ktistes die Bezeichnung für den wirklichen oder mythischen Gründer einer Stadt, einer
Kolonie oder dgl... (Roloff, K.-H.: Ktistes, in: Lexikon der Alten Welt (Hrsg: Andresen u.a.), Band II, Augsburg 1994, Sp.
1633-1634)
3
und den Erwerb von Rohstoffen und neuer Sklaven. Die Aristokraten waren
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Um 600 v. Chr. entstand die ionische Kolonie Massilia (Marseille) an der südfranzösischen Küste. Als Mutterstadt der Siedler gilt die griechische Stadt Phokaia. Für damalige Verhältnisse befand sich diese Apoikie in sehr großer Entfernung zur Mutterstadt. Zwangsläufig wurde so der Kontakt zwischen den beiden Städten erschwert (zwischen Phokaia und Massilia erschöpfte sich der Kontakt auch bald, vor allem da die griechische Stadt Phokaia von den Persern erobert wurde). Es stellt sich die Frage, warum eine Kolonie so weit entfernt gegründet wurde, wenn selbst große griechische Städte wie Athen trotz ihres Machtpotentials nur in der näheren Umgebung kolonisierten (wodurch Athen allerdings ihre Apoikien stärker kontrollieren konnte, vor allem nachdem die Stadt durch den Sieg in den Perserkriegen zur militärisch einflussreichsten Macht avanciert war und auf gewisse Art als politische Führung Griechenlands auftrat):
8 Die Informationen zu dem Kapitel „Gründe für das Entsenden eines Kolonistenzuges“ sind im Wesentlichen folgenden Werken entnommen:
- Bengtson, Hermann: Griechische Geschichte – Von den Anfängen bis in die Römische Kaiserzeit, München
- Kinder, H.; W. Hilgemann: dtv-Atlas zur Weltgeschichte, Karten und chronologischer Abriss, Band 1, München 1990, S.51
4
Arbeit zitieren:
Benjamin Körner, 2002, Metropolis und Apoikie, München, GRIN Verlag GmbH
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