II
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Terminologie und Definition 3
3 Epidemiologie 5
3.1 Weltweite Prävalenz 5
3.2 Prävalenz in der Europäischen Region 7
3.3 Prävalenz in den USA 9
3.4 Prävalenz in der Bundesrepublik 11
4 Diagnostik 14
4.1 Broca-Index 14
4.2 Waist to Hip Ratio 14
4.2 Body-Mass Index 16
4.3 Messung der Hautfaltendicke 18
4.4 Bioelektrische Impedanzanalyse 18
4.5 Infrarot-Reflexionsmessung 19
5 Ätiologie 20
5.1 Genetik 20
5.2 Bewegungsmangel 21
5.3 Ernährungsverhalten 24
5.4 Energiebilanz 26
5.5 Familie und Umwelt 28
6 Folgen 31
6.1 Gesundheitliche Folgen 32
6.1.1 Haltungsschäden und Arthrose 32
6.1.2 Gicht 32
6.1.3 Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) 33
6.1.4 Arteriosklerose 34
6.1.5 Fettstoffwechselstörungen 34
6.1.6 Diabetes mellitus 35
6.2 Psychische Folgen 37
7 Therapien 38
7.1 Diäten 38
7.1.1 Formula-Diäten 39
7.2 Verhaltenstherapie 40
7.3 Bewegungstherapie 41
7.4 Fettabsaugung (Liposuktion) 42
7.5 Medikamentöse Therapie 42
7.5.1 Sibutramin 43
7.5.2 Ortilist 43
III
7.6 Chirurgische Therapie 44
7.6.1 Gastric Banding 44
7.6.2 Vertikale Gastroplastik 45
7.6.3 Magen-Bypass (Roux-en Y) 46
8 Unterrichtsentwürfe 47
8.1 Lehrausgangslage 47
8.2 Sachanalyse 49
8.2.1 Radfahren 50
8.2.2 Tischtennis 50
8.2.3 Krafttraining 51
8.2.4 Mannschaftssport 52
8.2.5 Laufen 53
8.2.6 Schwimmen 53
8.3 Didaktische Analyse 55
8.4 Lernziele 58
8.4.1 Primäres Ziel 58
8.4.2 Sekundäre Ziele 58
8.5 Methodische Analyse 59
8.5.1 Erste Sportstunde 59
8.5.2 Radfahren 60
8.5.3 Tischtennis 61
8.5.4 Krafttraining 62
8.5.5 Mannschaftssport 63
8.5.6 Laufen 64
8.5.7 Schwimmen 66
9 Resümee 67
10 Literaturverzeichnis 70
11 Internetrecherche 74
12 Abbildungsnachweis 76
1
1 Einleitung
„Deutschland ist zu dick“ oder „Generation-XXL“ sind Schlagzeilen, die uns fast täglich in den Medien begegnen. Übergewicht stellt eines der größten Gesundheitsprobleme unserer Zeit dar und gilt als „Epidemie“ des 21. Jahrhunderts. „Die WHO 1 nennt Übergewicht als eines der 5 wichtigsten Gesundheitsrisiken, die in den industrialisierten Ländern 40% aller Todesfälle verursachen.“ 2 Doch was ist dran an solchen Schreckensnachrichten, die uns aufrütteln und hellhörig werden lassen? Leben heute mehr dicke Menschen als früher unter uns? Und wenn ja, was bedeutet dies und welche Ursachen stecken dahinter?
Neuere Untersuchungen zeigen, dass die Adipositas mit ihren Folgen ein bedeutendes und bisher vielfach unterschätztes Problem darstellt. Die US-Amerikaner gelten weltweit als Spitzenreiter in Sachen Fettleibigkeit. Doch weisen auch immer mehr andere Industrieländer ähnliche Tendenzen auf, was reale Handlungskonzepte erfordert, um weiteres Ausmaß und die Verbreitung zu unterbinden.
Laut WHO gelten bereits 50% der Bundesbürger als übergewichtig und 20% sind adipös. 3 Erschreckend sind nicht nur die Zahlen von übergewichtigen Erwachsenen, zunehmend sind adipöse Kinder und Jugendliche anzutreffen. In Deutschland sind 10-18% der Kinder und Jugendlichen übergewichtig und 5-8% gelten als adipös. Somit ist etwa jedes 4.-5. Kind von Übergewichtigkeit betroffen und sollte sich dieser Trend fortsetzen, werden unsere Schulen irgendwann voll von kleinen „Moppelchen“ sein. Dies zwingt Schule und Sportlehrer zum Handeln, da Übergewicht häufig in Adipositas übergeht und bis in das Erwachsenenalter bestehen bleibt. Doch was kann der Sportunterricht in diesem Zusammenhang leisten? Gibt es Sportarten, die für übergewichtige Kinder besser geeignet sind als andere, und wie lockt man sie aus ihrer Bewegungspassivität heraus? Wie sollten Sportlehrer ihre Sportstunden, aufgrund steigender Anzahl von übergewichtigen Schülern, gestalten? Dies sind Fragen über Fragen, die nicht länger ignoriert werden dürfen.
Besonders als zukünftiger Sportlehrer sehe ich mich persönlich in der Verantwortung im Hinblick auf die Problematik, mir die erforderlichen Kompetenzen anzueignen, um mich diesbezüglich angemessen verhalten zu können. Somit wäre ich in der Lage, diesem Phänomen ein Stück weit entgegenzusteuern.
Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit widmet sich dieser Problematik und soll einen möglichen sinnvollen Umgang mit übergewichtigen Kindern im Sportunterricht liefern.
1 WHO = Weltgesundheitsorganisation
2 Vgl. Hipp 2004, entnommen aus Hies, S. 45
3 Vgl. www.euro.who.int/obesity
2
In dieser Examensarbeit wird das Phänomen der Adipositas für Erwachsene und Kinder teilweise gleichermaßen thematisiert, wobei im Hinblick auf die Unterrichtsentwürfe natürlich die Kinder im Mittelpunkt stehen. Eine allgemeine Auseinandersetzung erscheint mir als wichtig, da so ein Gesamtüberblick über dieses hochbrisante Problem vermittelt werden kann. Zu Beginn widmen wir uns der Definition und Terminologie des Begriffes „Adipositas“ sowie deren enger Verbindung zum Begriff „Übergewicht“.
Das weltweite Ausmaß von Übergewicht und Adipositas unter Erwachsenen und Kindern wird im dritten Kapitel behandelt. Übergewicht und Adipositas sind in vielen Industrieländern weit verbreitet und zeigten trotz jahrelanger Kampagnen und vielfältiger Interventionsmaßnahmen eine weiter ansteigende Tendenz. Dabei richtet sich unser Blick auf die Europäische Region, die USA und die Bundesrepublik Deutschland.
Ab wann jemand als übergewichtig und adipös gilt, ist nicht immer einfach zu ermitteln. Dies soll im vierten Kapitel anhand verschiedener diagnostischer und medizinischer Verfahren vorgestellt werden.
Im Mittelpunkt der Kapitel fünf und sechs liegt die Betrachtung der Ursachen und der gesundheitlichen Folgen von Adipositas. Zunächst werden die veränderten Ernährungs- und Bewegungssituationen sowie die sozioökonomischen Umstände, die eine Adipositas begünstigen können, ausführlich thematisiert. Anschließend gehen wir der Frage nach, was Übergewicht für unseren Körper bedeutet und welche gesundheitlichen Folgen daraus resultieren können. Dabei werden einige schwerwiegende Folgeerscheinungen genannt und beschrieben. Thema des siebten Kapitels sind die therapeutischen Maßnahmen in Bezug auf ihre Relevanz und ihre Ziele. Dabei wird insbesondere auf Ernährungs-, Verhaltens- und Bewegungstherapeutische Maßnahmen sowie auf medikamentöse und chirurgische Verfahren eingegangen. Nach Betrachtung dieser möglichen Therapien wird im abschließenden Teil dieser Arbeit, der Gedanke des Sports als Präventions- und Interventionsmaßnahme aufgegriffen und anhand unterschiedlicher Unterrichtsentwürfe vorgestellt. Dabei steht einerseits die Integration der übergewichtigen Kinder in den Schulsport und andererseits die Motivation und Freude an der Bewegung im Vordergrund.
Beim Erstellen dieser Arbeit bediente ich mich der Fachliteratur und Internetveröffentlichungen aus den Bereichen Medizin, Sportmedizin, Soziologie, Psychologie und Ernährungs- und Sportwissenschaften. Des Weiteren wurden Lexika und Lehrbücher aus dem Sportbereich verwendet.
3
2 Terminologie und Definition
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden enorme Fettanreicherungen mit „Dick- und Fettleibigkeit“, „Korpulenz“ und „Fettigkeit“ bezeichnet. Erst nach der Jahrhundertwende etablierte sich der Begriff der „Fettsucht“. Aufgrund dessen rückte deren Behandlungsbedürftigkeit in den Vordergrund.
Der Begriff „Adipositas“ ist aus dem lateinischen Adeps abgeleitet und bedeutet „Fettleibigkeit“. Im 20. Jahrhundert eingeführt, zeichnet er sich im Gegensatz zum Begriff der „Fettsucht“ durch seine Wertneutralität aus. 4 Wirth warnt davor, Wörter wie Dickleibigkeit, Fettleibigkeit und Fettsucht zu verwenden, da sie zum einen nicht richtig sind und zum anderen verletzend und diskriminierend wirken können. 5 In der Literatur werden die Begriffe Fettsucht, Fettleibigkeit, Übergewicht, Obesitas und Adipositas teilweise synonym verwendet. Jedoch sind die am häufigsten gebrauchten Begriffe Übergewicht und Adipositas. Die Bezeichnung „Obesitas“ ist in der deutschsprachigen Fachliteratur eher selten zu finden. Im angelsächsischen Sprachraum dagegen ist „obesity“ die normalerweise gewählte Bezeichnung für diese Krankheit.
In unserem Alltag heißt „dick“ so viel wie „zu viel Körpermasse“. In der Medizin bedeutet dick, wenn jemand übermäßig viel Fett mit sich herumträgt. Die Wissenschaft wiederum spricht von verschiedenen Stufen des Dickseins:
Dabei gilt eine leichte Überschreitung des normalen Körpergewichts als Übergewicht. Adipositas dagegen bedeutet einen übermäßigen Anteil der Fettmasse am Körpergewicht mit bedrohlichen Auswirkungen auf die Gesundheit.
In der Literatur bin ich auf folgende Definition gestoßen:
„Unter Adipositas versteht man eine Akkumulation von Fett in den Fettdepots des Körpers, die über das normale Maß hinausgeht.“ 6
Aufgrund zahlreicher Bücher und wissenschaftlicher Arbeiten gibt es viele Definitionen für den Begriff der Adipositas bzw. des Übergewichts.
Unstimmigkeit herrscht darüber, ab welchem Körpergewicht das normale Maß anzusetzen ist und ab wann dieses endgültig überschritten wurde, so dass es zu einer lebensbedrohlichen Krankheit wird und somit zu einer geringeren Lebenserwartung führt.
4 Vgl. Klotter 1990, entnommen aus Jacob 1998, S. 2
5 Vgl. Wirth 2003, S. 12
6 Schirok 1985, S. 2
4
Um das genaue Ausmaß einer Adipositas einschätzen zu können, reicht meist das persönliche Urteil nicht aus.
Der exakte Fettanteil des Körpers ist nur mit aufwendigen und kostspieligen Methoden zu bestimmen. Zurzeit hat sich die Verwendung des Körpermassenindex, des so genannten Body-Mass-Index (BMI), für Erwachsene und Kinder als gängigstes und einfachstes Verfahren zur Bestimmung von Übergewicht und Adipositas etabliert. 7 Es wird jedoch zwischen Übergewicht und Adipositas differenziert. Ein Body-Mass-Index größer als 25 gilt bei Erwachsenen als Übergewicht, und liegt der Wert bei über 30, spricht man von Adipositas. Die Bestimmung von Übergewicht bei Kindern erfolgt über so genannte Gewichtsperzentilen, die zu einem späteren Zeitpunkt genauer erläutert werden.
7 Vgl. http://www.kabumm.com/
5
3 Epidemiologie
3.1 Weltweite Prävalenz
Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden über 1 Milliarde Menschen weltweit an Übergewicht und 300 Millionen gelten als adipös:
„Obesity has reached epidemic proportions globally, with more than 1 billion adults overweight – at least 300 million of them clinically obese.” 8
Übergewicht hat sich über die letzten Jahrzehnte zur globalen Epidemie des 21. Jahrhunderts entwickelt. Verschiedenen Studien zufolge sterben jährlich 2,6 Millionen Menschen an den Folgen von Übergewicht und Adipositas. In einigen westlichen Industrienationen gelten mehr als 30% der Bevölkerung als übergewichtig. Adipositas gilt zudem als führender Auslöser für Todesfälle und Invalidität und wird somit als Todesursache Nummer Zwei, nach dem Rauchen, angesehen.
Erstaunlicherweise sind nicht nur Industrienationen von Übergewicht und Adipositas befallen, sondern zunehmend auch Entwicklungs- und Schwellenländer. 9 Die beiden folgenden Graphiken der International Association for the Study of Obesity (IASO) zeigen den prozentualen Anteil von übergewichtigen Menschen an der Gesamtbevölkerung eines Landes aus verschiedenen Regionen der Erde. Dabei wird zwischen Männern und Frauen unterschieden. Hieraus geht hervor, dass neben den Industriestaaten zunehmend auch Länder aus ärmeren Regionen, wie z.B. Mittel- und Südamerika, von der Verbreitung der Adipositas, betroffen sind. 10 So liegt der Anteil übergewichtiger Menschen in Mexiko und Peru zwischen 30 und 50%. In Brasilien hat sich die Anzahl der übergewichtigen Männer von 1985-2000 sogar verdoppelt. 11 Nicht nur für Erwachsene nimmt die globale Häufigkeit und der Schweregrad von Übergewicht und Adipositas in erschreckender Weise zu.
Global gesehen sind ca. 10% der Kinder und Jugendlichen zwischen 5 und 17 Jahren von Übergewicht betroffen, von denen wiederum 25% als adipös gelten. Alles im allem spricht man weltweit von ungefähr 155 Millionen übergewichtigen und 30-45 Millionen adipösen Kindern und Jugendlichen. 12 8 Vgl. http://www.who.int/dietphysicalactivity/publications/facts/obesity/en/
9 Vgl. Faeh 2006, S. 1453
10 Vgl. Heseker 2000, entnommen aus Suter 2000 S. 478
11 Ebd., S. 480
12 Vgl. http://www.iotf.org/childhoodobesity.asp
6
Abb 1: Globale Prävalenz von Adipositas unter Männern International Obesity Taskforce Januar 2007 13
Abb 2: Globale Prävalenz von Adipositas unter Frauen International Obesity Taskforce Januar 2007 14
13 http: www spiegel de fotostrecke 0 5538 20972 00 html
14 Ebd
7
3.2 Prävalenz in der Europäischen Region
Laut dem Weltgesundheitsbericht 2002 hat Europa mit einem durchschnittlichem BMI-Wert von ca. 26,5 einen der höchsten unter den Regionen der WHO. 15 Aus dem WHO-Bericht vom Jahr 2005 geht hervor, dass ca. 25-75% der erwachsenen Bevölkerung in Europa überwichtig sind. In den meisten Mitgliedsstaaten liegt das Gewicht von mehr als der Hälfte der Erwachsenen über dem Grenzwert, von denen 20-30% wiederum als adipös gelten.
Neueren Untersuchungen aus verschiedenen Ländern der Region zufolge, sind 5-20% der Männer und bis zu 30% der Frauen von der Krankheit betroffen. Abb.1 zeigt eine breite Streuung der Adipositas in verschiedenen Ländern der Europäischen Region. Hieraus wird ersichtlich, dass der Unterschied in der Prävalenz zwischen dem westlichen und östlichen Teil Europas immer geringer wird. Laut der Monica-Studie der WHO leben in Schweden und Südfrankreich mit 7-14% die wenigsten Adipösen. Die osteuropäischen Länder hingegen verzeichnen Prävalenzen von über 40% und sind somit Spitzenreiter in Europa. 16 Nach Schätzungen sind gegenwärtig ca. 400 Millionen Erwachsene in Europa übergewichtig und 130 Millionen adipös.
Abb. 3: Übergewicht und Fettleibigkeit in 25 EU-Staaten - März 2007 17
15 Vgl. http://www.who.int/whr/2002/en/
16 Vgl. Heseker 2000, entnommen aus Suter 2000, S. 478
17 http:// www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,grossbild-850419-478167,00.html
8
In vielen europäischen Ländern hat sich die Krankheitshäufigkeit von Adipositas seit 1980 mindestens verdreifacht. Wenn die Prävalenz weiterhin so schnell ansteigt, wie in den 1990er Jahren, so rechnet man bis 2010 mit ca. 150 Millionen adipösen Erwachsenen in dieser Region. Selbst Länder wie Frankreich, die Niederlanden und Norwegen, die ein traditionell geringes Wachstum haben, verzeichnen einen deutlichen Anstieg.
Schätzungen sprechen von einem durchschnittlichen Anstieg bei Männern von 2,2% und bei Frauen von 2,4%.
Demnach werden Länder wie Finnland, Deutschland, Griechenland, Tschechien und Großbritannien, die ohnehin hohe Wachstumsraten verzeichnen, eventuell einen noch stärkeren Anstieg registrieren.
Die Prävalenz der Adipositas im Kindesalter ist noch weitaus erschreckender. Unterschiedliche Studien zeigen, dass 10-30% der europäischen Kinder zwischen 7-11 Jahren und 8-25% der Jugendlichen im Alter von 14-17 Jahren einen hohen Anteil an Körperfett aufweisen. 18 Experten beziffern die Zahl der übergewichtigen Kinder auf 14 Millionen und die der adipösen auf 3 Millionen.
Abb. 4: Anteil übergewichtiger Kinder im alter von 7-11 Jahren in 22 Ländern der Europäischen Region nach
Cole et al. 19
18 Vgl. http://www.euro.who.int/document/mediacentre/fs1305g.pdf, S. 2
19 http://www.euro.who.int/document/mediacentre/fs0605g.pdf, S. 5
9
Abb. 4 zeigt das Ausmaß des Problems in den Regionen. Dabei wird ersichtlich, dass die größte Anzahl von übergewichtigen Kindern in Ländern wie Vereinigtes Königreich (Großbritannien), Griechenland und Italien anzutreffen sind. Auf den hinteren Rängen befinden sich unter anderem Russland und die Niederlande.
Im Allgemeinen liegt der Anteil übergewichtiger Kinder zwischen 13 und 15 Jahren bei 3 und 30%. Auf Eigenangaben beruhend, glaubt jedes dritte Mädchen und jeder fünfte Junge er bzw. sie sei zu dick. Demnach sind 11,7% der 13-Jährigen und 11,4% der 15-Jährigen übergewichtig und 2% adipös.
Die Epidemie breitet sich unter Kindern mit alarmierender Geschwindigkeit aus. In der Zeit von 1969 bis 2000 ist die Anzahl von übergewichtigen Kindern in Frankreich von 3 auf 16% gestiegen. Zwischen 1994 und 2000 verdoppelte sich die Prävalenz in Polen von 8 auf 16% und in Ungarn gelten 20% der 11-14 Jährigen als adipös. Laut International Obesity Task Force hat sich der Anstieg in den letzten Jahren stark beschleunigt und die jährliche Wachstumsrate beläuft sich auf mittlerweile 2%. 20
3.3 Prävalenz in den USA
Die US-Amerikaner belegen beim Thema Übergewicht den ersten Platz mit einem mittleren BMI von 28 kg/m 2 . 21 Der Anteil von übergewichtigen Menschen in den USA ist seit 1960 so rasant angestiegen, dass man schon bald von einer Epidemie sprach. Dies wurde anhand von konkreten Zahlen durch zahlreiche epidemiologische Studien belegt.
Die dabei am häufigsten herangezogenen Untersuchungen sind die NHANES-Studien (National Health and Nutrition Examination Survey) von den Centers for Desease Control and Prenvention (CDC). Demzufolge galten 34% der erwachsenen Amerikaner im Jahre 1999 als übergewichtig und 27% wurden als adipös eingestuft. Somit lagen 61% der Menschen über dem Normalgewicht.
Weitere Daten aus der NHANES-Studie bezifferten für die Jahre 1999-2002 einen weiteren Anstieg. Demnach wuchs in diesem Zeitraum die Anzahl der Übergewichtigen von 64,5 auf 65,7% und die der Adipösen von 30,5 auf 30,6% an. Der minimale Anstieg von 1,2 bzw. 0,1 Prozentpunkten bedeutet jedoch keine signifikante Veränderung.
20 Vgl. http://www.euro.who.int/document/mediacentre/fs1305g.pdf, S. 3
21 Vgl. Wirth 2003, S. 40
10
Abb. 5: Adipositas Trends in den U.S.A in den Jahren 1991, 1996 und 2004 22
Bei einer Gesamtbevölkerung von ca. 300 Millionen Menschen, gelten ca. 185 Millionen US-Bürger als übergewichtig. Im Zeitraum von 1960-2002 stieg der durchschnittliche BMI-Wert um drei Punkte, von 25 kg/m² auf 28 kg/m², an. 23 In den U.S.A sterben jährlich 300000 Menschen an den Folgen des Übergewichts. Somit übersteigt sie die Zahl derer, die an Rauchen sterben. 24 Die Anzahl der übergewichtigen Kinder ist ebenfalls erschreckend. Nach einer in Maryland veröffentlichen Studie des Bundesamts für Gesundheitsstatistik hat sich die Zahl der übergewichtigen Kinder von 5 auf 15% in den letzten 20 Jahren verdreifacht. Als Ursache werden unter anderem die zahlreichen Fastfood-Restaurants genannt. 30-40% der 2-19-jährigen Kinder und Jugendlichen speisen mindestens jeden 2. Tag bei McDonalds & Co. 25
22 http://www.dnr.state.md.us/education/growfromhere/lesson18/obesity_maps.ppt 23 Vgl. http://origin.cdc.gov/nchs/data/ad/ad347.pdf 24 Vgl. http://www.andriankreye.com/Esskultur.html 25 Vgl. Film von Morgan Spurlock 2004, “Super Size Me”
11
3.4 Prävalenz in der Bundesrepublik
Aufgrund rasant ansteigender Zahlen hat sich Adipositas zu einem höchst aktuellen Thema entwickelt. Es vergeht fast kein Tag, an dem nicht von Übergewicht und Adipositas berichtet wird. „Generation XXL“ (Stern 2000) oder „Dick, dicker, deutsch“ (Spiegel 2007) sind Schlagzeilen die uns täglich begegnen. Auch die deutsche Politik hat jüngst die Problematik mit dem Slogan „Fit statt fett“ aufgegriffen. Übergewicht und Adipositas haben in Deutschland erschreckende Ausmaße erreicht und stehen somit ganz oben auf der politischen Agenda. Experten aus Politik, Ernährung, Wirtschaft und Bildung sollen Handlungskonzepte erarbeiten, um der Epidemie entgegenzuwirken. Laut dem Spiegel-Artikel (2007) „Deutsche haben in der Moppel-Liga den Bauch vorn“ leben im EU-Vergleich die meisten übergewichtigen Menschen in Deutschland. Genauer betrachtet bringen 75% der Männer und 50% der Frauen zu viele Pfunde auf die Waage. Nach Leopold gelten insgesamt mehr als 50% der Deutschen als übergewichtig und 20% als adipös. 26 Das Statistische Bundesamt berichtet davon, dass jede(r) zweite Deutsche übergewichtig und jeder Fünfte adipös sei. 27 Des Weiteren ist der Anteil von Adipösen in den neuen Bundesländern höher als in den alten, wobei der Anstieg in den alten Bundesländern von 17,4 auf 19,4% im Vergleich zu den neuen Bundesländern von 20,6% auf 21,8% weitaus höher ist. 28
Abb. 6: Anteil der Männer und Frauen mit Übergewicht bzw. Adipositas in der jeweiligen Altersgruppe - 2003 29
26 Vgl. Leopold 2005, S. 45 27 Vgl. http://www.medizinauskunft.de/artikel/wohlfuehlen/28_04_dick.php 28 Vgl. Benecke 2003, S. 10 29 Benecke 2003, S. 9
12
Abb. 7: Verteilung des Body-Mass-Index in der deutschen Bevölkerung (18-79 Jahre), getrennt nach alten und neuen Bundesländern (AL, NL) - 2003 30
Laut International Association for the Study of Obesity (IASO) sind 75,4% der Männer und 58,9% der Frauen in Deutschland zu dick. Im Vergleich dazu liegen die Werte in Italien für Männer bei 51,4% und für Frauen bei 34,5%. Bei den Fettsüchtigen hingegen schneiden die Deutschen besser ab. Hier liegen einige osteuropäische Länder, sowie Griechenland und England weiter vorn.
Im Jahre 2006 veröffentlichte das Robert-Koch-Institut eine Studie, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und vom Bundesministerium für Gesundheit in Auftrag gegeben wurde, die derzeit als aktuellste und repräsentativste zu erachten ist. Hieraus geht ebenfalls klar hervor, dass das durchschnittliche Körpergewicht der Deutschen angestiegen ist und dass wir unaufhaltsam auf dem Weg sind, „von einer aktuellen übergewichtigen zu einer zukünftig adipösen Gesellschaft“ zu werden. 31 Nach Schulte war diese Entwicklung bereits seit Mitte der 1980er Jahre absehbar. Er warnte vor einer gewaltigen Ausbreitung der Adipositas in der deutschen Bevölkerung, wonach die Deutschen auf dem besten Weg sind, sich zu einer „Nation von Dicken“ zu entwickeln. 32 Zahlreiche Verzehrsstudien und Ernährungsberichte haben gezeigt, dass seit den 1980er Jahren die Anzahl der übergewichtigen und adipösen Kinder und Jugendlichen ebenfalls rasant angestiegen ist und weiterhin ansteigt. 33 Laut Lehrke sind mittlerweile 20% der 7-14-jährigen Kinder und Jugendlichen in Deutschland von Übergewicht und Adipositas betroffen. 34
30 Benecke 2003, S. 10
31 Vgl. Berg 2004, entnommen aus Hies, S. 17 32 Vgl. Schulte 1985, entnommen aus Viebahn 2006, S. 14 33 Vgl. Koertzinger 1996, S. 455
13
In einer Langzeitstudie, die von Kronmeyer-Hausschild in Jena durchgeführt worden ist, wurde im Zeitraum von 1975 – 1995 ein signifikanter Zuwachs an übergewichtigen Kindern und Jugendlichen zwischen 7-14 Jahren registriert. Demnach erhöhte sich die Prävalenz bei den Jungen von 10 auf 16,6% und bei den Mädchen von 11,7 auf 20,7%. 35 Allgemein lässt sich je nach Definition sagen, dass 10-20% der Schulkinder und Jugendlichen als übergewichtig oder adipös gelten.
34 Vgl. Lehrke 2004, S. 86
35 Vgl. Kronmeyer-Hausschild 1999, entnommen aus Viebahn 2006 S. 14
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Ami Mudhar, 2007, Adipöse Kinder im Sportunterricht, Munich, GRIN Publishing GmbH
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