Das Thema meiner Ausarbeitung „Reden - Formen des Gesprächs“ werde ich im folgenden unter dem Spezialfall des Unterrichtsgesprächs mit dem Hintergrund einer praktischen Didaktik für den Politikunterricht näher bearbeiten. Hauptquelle wird dabei ein Aufsatz des Leiters des Referats für politische Bildungsarbeit am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien-Universität Berlin, Dr. Peter Massing sein, welcher 1999 in der zweiten Ausgabe von Kursiv-Journal für politische Bildung erschienen ist.
Am formalen Aufbau dieses Aufsatzes werde ich weitgehend festhalten und zuerst eine begriffliche Klärung des Unterrichtsgesprächs an sich präsentieren, gefolgt von einer Verdeutlichung der enormen Bedeutung des Gesprächs und der Sprache für die politische Bildung. Diesem Hauptteil wird sich eine praxisorientierte Passage anschließen, in welcher geklärt werden soll, in welchen Unterrichtssituationen eine bestimmte Form des Gesprächs zu bevorzugen ist. Abschließend werde ich kurz die wesentlichen Ergebnisse und Punkte der Ausarbeitung noch einmal lesergerecht zusammenfassen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Begriffliche Klärung des „Redens“ und seine Abgrenzung gegenüber dem (Unterrichts-)Gespräch
2 Das Unterrichtsgespräch am Beispiel des „politischen Lernens“ als didaktische Funktion
3 Die Funktion von Sprache und Gespräch als Teil des Konstrukts der politischen Bildung
4 Formen des Unterrichtsgesprächs und ihr didaktischer Ort
Resümee
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und die Formen des Unterrichtsgesprächs mit einem spezifischen Fokus auf die politische Bildung. Ziel ist es, den Stellenwert sprachlicher Interaktion für politische Kompetenz herauszuarbeiten, verschiedene Gesprächsformen zu systematisieren und deren didaktische Einordnung in den Unterrichtsverlauf zu klären.
- Grundlagen des Unterrichtsgesprächs und Abgrenzung zum freien Reden
- Die Rolle des Gesprächs für die politische Kompetenz und Demokratieerziehung
- Ideologiekritische Funktion von Sprache im Unterricht
- Systematisierung von Gesprächsformen (offen, gelenkt, geregelt)
- Didaktische Einordnung von Gesprächsformen in Unterrichtsphasen
Auszug aus dem Buch
1 Begriffliche Klärung des „Redens“ und seine Abgrenzung gegenüber dem (Unterrichts-)Gespräch
Im Gegensatz zu dem Reden als Gesamtgruppe gesehen, das sich auf außerschulischen politischen Veranstaltungen wie zum Beispiel im Bundestag oft als Aneinanderreihungen endlos scheinender Monologe darbietet, beinhalten Lehr- und Lernveranstaltungen einen sprachlichen und sozialen Verständigungsprozess, sie bestehen also im Grunde aus verbaler Interaktion (vgl. RITZ-FRÖHLICH 1982, 20).
Da aber genau diese sprachliche Interaktion einen großen Teil sprachlicher, und dadurch auch politischer Kompetenz ausmacht, ist es für eine professionalisierte politische Bildung unerlässlich, eine systematische, theoretische und praktische Beschäftigung mit der Bedeutung und der Funktion des Gesprächs voranzutreiben, was zuvor lange Zeit vernachlässigt wurde. Für das Unterrichtsgespräch als Handlungsform in Unterrichtsprozessen bedeutet dies, zuerst einmal eine begriffliche Klärung oder auch Definition darzubieten, was durch die weit auseinanderdriftenden Ansichten und Vorstellungen der verschiedenen Autoren, die sich zu diesem Thema ausgelassen haben nicht einfacher wird. Dazu kommt noch, dass sich im Laufe der letzten Jahrzehnte jeweils verschiedene vorherrschende Meinungen und Einstellungen zum Unterrichtsgespräch etablierten. Heutzutage würde wahrscheinlich am ehesten die Definition von Sibylle Reinhardt einen Minimalkonsens, also einen Mittelweg zwischen den Extrempositionen bieten, die den Dialog im Klassenzimmer pauschalisierend ausgedrückt entweder als Fluch (MEYER) oder als Segen (THIELE) betrachten: „Unterrichtsgespräch ist eine impulsgesteuerte und breitrahmig strukturierte Kommunikationsform, in der die Lernenden selbsttätig, kooperativ und ertragreich einen Gegenstand (Thema, Material, Problem, Eigenerfahrungen u.a.m.) im Medium des sprachlichen Austauschs bearbeiten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit führt in das Thema des Unterrichtsgesprächs ein, begründet die Relevanz der Thematik für die politische Bildung und skizziert den formalen Aufbau der Untersuchung.
1 Begriffliche Klärung des „Redens“ und seine Abgrenzung gegenüber dem (Unterrichts-)Gespräch: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Unterrichtsgesprächs als strukturierte Kommunikationsform und grenzt es von rein monologischen Redeweisen ab.
2 Das Unterrichtsgespräch am Beispiel des „politischen Lernens“ als didaktische Funktion: Hier wird die Verknüpfung von Gespräch und Demokratie erläutert und die Funktion des Unterrichtsgesprächs als Methode zur Förderung politischer Kompetenz analysiert.
3 Die Funktion von Sprache und Gespräch als Teil des Konstrukts der politischen Bildung: Der Abschnitt beleuchtet die Notwendigkeit, Sprache ideologiekritisch zu hinterfragen, um rhetorische Strukturen der Politik zu durchschauen.
4 Formen des Unterrichtsgesprächs und ihr didaktischer Ort: Dieses Kapitel systematisiert verschiedene Gesprächsformen und ordnet sie den Phasen einer Unterrichtsstunde zu.
Resümee: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass das Unterrichtsgespräch zwar methodisches Wissen erfordert, in seiner Anwendung jedoch als pädagogische Kunstfertigkeit zu betrachten ist.
Schlüsselwörter
Unterrichtsgespräch, politische Bildung, politische Kompetenz, sprachliche Interaktion, Demokratie, didaktische Funktion, Gesprächsformen, Ideologiekritik, Kommunikation, Unterrichtsphasen, Politikunterricht, Diskurs, Dialog.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Unterrichtsgespräch als zentraler Form der sprachlichen Interaktion in schulischen Lernprozessen, insbesondere im Fachbereich Politik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Definition von Unterrichtsgesprächen, deren Bedeutung für die demokratische Bildung, die ideologiekritische Analyse von Sprache sowie die methodische Systematisierung verschiedener Gesprächsformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch gezielte Gesprächsführung im Unterricht politische Mündigkeit und Kompetenz gefördert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine theoretische Aufarbeitung fachdidaktischer Literatur, insbesondere auf die Konzepte von Dr. Peter Massing und Sibylle Reinhardt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Klärung, die Darstellung der Bedeutung für politisches Lernen, eine ideologiekritische Reflexion der Sprache sowie eine Typisierung und didaktische Einordnung von Gesprächsformen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Unterrichtsgespräch, politische Bildung, kommunikative Kompetenz, ideologiekritische Sprachbetrachtung und didaktische Phasenplanung.
Was ist das „Paradoxon“ des Unterrichtsgesprächs laut Reinhardt?
Das Paradoxon liegt darin, dass ein Unterrichtsgespräch zugleich strukturiert durch die Lehrkraft und inhaltlich offen für die Beiträge der Lernenden sein muss.
Warum ist das Gespräch für die politische Bildung essenziell?
Da Politik selbst auf sprachlichen Konstrukten beruht, ist die Fähigkeit, Sprache präzise zu nutzen und in einen Diskurs zu treten, eine Grundvoraussetzung für politische Mündigkeit.
In welchen Phasen bietet sich welches Gespräch an?
Während offene Gesprächsformen sich für Einstiegsphasen und Metakommunikation eignen, sind für Anwendungs- und Problematisierungsphasen gelenkte, aber gleichberechtigte Gesprächsformen vorteilhaft.
- Arbeit zitieren
- Wolfgang Holste (Autor:in), 2003, Reden – Formen des Gesprächs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79186