1. Einleitung 4
2. Grundlagen 4
2.1 Die Substanz Heroin 4
2.2 Die Wirkungsweise von Heroin 5
2.3 Das Suchtpotenzial von Heroin 5
2.4 Substanzspezifische Gesundheitsfolgen des Heroinkonsums 6
2.5 Heroin im Betäubungsmittelgesetz 6
2.6 Kurzer Abriss über die Geschichte der Heroinprohibition 6
2.7 Das Phänomen Abhängigkeit Sucht 7
3. Das Prohibitive Konzept 9
3. 1 Begründungen des prohibitiven Konzepts 9
3. 2 Prinzipien des prohibitiven Konzept 9
3.2.1. Das wirtschaftliche Prinzip 9
3.2.2. Psychologisches Prinzip der Schwellen- und Signalfunktion 10
3.3. Folgen des prohibitiven Prinzips 10
3.3.1. Kriminalität 10
3.3.2 Desintegration der Heroinkonsumenten 11
3.3.3. Verunreinigung der Substanz 12
3.4. Das Abstinenzziel 12
3.5 Fazit Prohibition 13
2
4. Argumentationslinien für eine nicht-prohibitive Politik 14
4.1. Das Recht auf Selbstbestimmung 14
4.2. Der ökonomische Aspekt 15
4.3. Der ethische Aspekt 15
4.4 Der Zusammenhang von Repression und Konsumentenzahl 16
4.4.1. Vergleich der Drogenprävalenzen in den USA Deutschland und Niederlanden
16
4.4.2. Vergleich der Cannabisprävalenzen in verschiedenen europäischen Staaten 16
4.4.3 Zusammenfassung 17
4.5 Prävention 17
4.6 Integrierter Konsum als Vorrausetzung für eine konstruktive Drogenkultur 18
5. Konzepte eines repressionsfreieren Umgang mit Heroin 19
5.1. Methadonprogramme 19
5.2. Heroinprogramme 19
5.2.1 Bewertung: 21
5.3. Legalisierung von Heroin 21
5.3.1 Bewertung 22
Persönliche Stellungnahme und Fazit 23
Quellenverzeichnis: 26
3
1. Einleitung
Erklärtes Ziel der momentanen Drogenpolitik ist der Schutz der Bürger vor den Auswirkungen der illegalen Drogen, unter die auch Heroin fällt. Ein Mittel zum Schutz der Bevölkerung ist die Prohibition, also das Verbot des Handels mit Heroin und die damit verbundenen repressiven Maßnahmen.
Ich werde in meiner folgenden Hausarbeit zuerst auf die Auswirkungen der momentanen, repressiven Politik auf die Heroinabhängigen eingehen. Anschließend werde ich aufgrund der Ergebnisse weitere grundlegende Argumente und Fragen für eine Veränderung der momentanen Situation erläutern und dabei auch auf die Interessen der restlichen Bevölkerung eingehen.
In einem dritten Schritt werde ich alternative Konzepte erläutern und nach den vorher erarbeiteten Kriterien bewerten. In einer abschließenden Stellungnahme werden die Ergebnisse zusammenfassend dargestellt und in einen realistischen Kontext gestellt.
2. Grundlagen
2.1 Die Substanz Heroin
Heroin (oder auch Diamorphin) gilt als eine der am stärksten wirksamsten Drogen. Heroin ist der Substanzgruppe der Opiate zuzuordnen und ist ein Derivat (also eine chemisch leicht abgewandelte Form) des Morphins. Morphin wird aus Rohopium gewonnen. Als solches hat Heroin eine ähnliche aber leicht stärkere Wirkung als Opium und Morphin, wird aber was Wirkungsweise und Suchtpotenzial angeht weitgehend synonym verwendet. Erstmals hergestellt wurde Heroin (Diamorphin) im Jahre 1874. 1
Der Begriff Heroin geht auf das Chemieunternehmen Bayer zurück, das Diamorphin unter diesem Namen 1898 auf den Markt brachte. Es war als Husten- und Schmerzmittel und auch als Mittel gegen Morphinsucht gedacht, und als solches frei verkäuflich. 2 Konsumiert wird
Heroin heutzutage überlicherweise geschnupft, geraucht oder direkt in die Blutbahn injiziert.
1 vgl. http://www.dhs.de/substanzen_heroin.html
2 http://www.suchtzentrum.de/drugscouts/dsv3/stoff/heroinhist.html
4
2.2 Die Wirkungsweise von Heroin
Neurochemisch betrachtet sorgt Heroin für eine erhöhte Dopaminausschüttung des Gehirns. Dopamin ist gekoppelt an das Belohnungssystem, und ist somit zuständig für angenehme Gefühle und das Lustempfinden. 3 Es stellt also ein Lust- oder Belohnungssituation ohne
äußeren Anlass bzw. Grund her (abgesehen von der Droge).
Heroin wirkt u.a. beruhigend, spannungslösend, euphorisierend und außerdem schmerzlösend. Belastende Situationen werden nicht mehr als solche wahrgenommen, der Konsument empfindet ein Glücks- und Zufriedenheitsgefühl und negative Empfindungen werden ausgeblendet.
2.3 Das Suchtpotenzial von Heroin
Heroin wird ein sehr hohes Suchtpotenzial zugeschrieben, d.h. der Gebrauch kann sehr schnell zu dem Phänomen „Sucht“ führen. Zu beobachten ist hier sowohl eine psychische als auch eine körperliche Abhängigkeit. Körperliche Abhängigkeit definiert sich durch körperliche Symptome beim Absetzen der Substanz, die den Betroffenen dazu nötigen, die Substanz wieder zu sich zu nehmen. Die körperliche Abhängigkeit ist allerdings in meinen Augen zu vernachlässigen, da sie nach einigen Tagen überwunden ist. Schwerwiegender ist die psychische Abhängigkeit. Sie zeigt sich dementsprechend durch die psychischen Folgeerscheinungen bei Nicht-Einnahme der Substanz bzw. am starken Wiederholungsdruck die Droge zu konsumieren. Am Beispiel Nikotin und der Schwierigkeit, das Rauchen aufzugeben, wird die Stärke einer psychischen Abhängigkeit deutlich.
Die Suchpotenz ist aber differenziert zu betrachten, denn die wiederholte Nutzung von Heroin muss nicht zwangsläufig zu einer (endgültigen) Abhängigkeit führen. Dies zeigt Untersuchung über die Heroinabhängigkeit von Vietnamveteranen: Während des Krieges haben ca. 50% aller Soldaten Heroin zu sich genommen, insgesamt waren bei ihrer Rückkehr 20% körperlich abhängig. Über ihre Rückkehr hinaus konsumierten aber nur 1% aller Soldaten Heroin weiterhin. 4 Eine amerikanische Studie stellte bei allen illegalen Drogen eine durchschnittliche Suchtdauer von nur 8 Jahren fest. 5 Die amerikanische Soziologin Harding fand bei 40 % der Heroinuser einen regulierten Heroinkonsum vor. 6 Die These, dass Heroin
zwangsläufig und dauerhaft zu einer Sucht führt, ist also nicht haltbar.
3 vgl. http://www.dhs.de/substanzen_heroin.html
4 vgl. http://www.zeit.de/2006/21/M-Sucht_xml
5 vgl. Kaufmann, 2003, S. 105
6 vgl. http://www.junge-linke.de/drogen_und_drogenpolitik/stoffkundebroschre_opium_und_o.html
5
2.4 Substanzspezifische Gesundheitsfolgen des Heroinkonsums
Die reine Substanz „Heroin“ ist mit nur verhältnismäßig geringen negativen Gesundheitsfolgen verbunden. Die „reine Substanz“ Heroin ist hier zu trennen von dem üblicherweise mit Streckmitteln verunreinigtem Straßenheroin.
Ihre chronischen Toxititätsfolgen sowohl psychisch als auch physisch werden mit chronischer Verstopfung und Impotenz beschrieben. Damit ist sie die unter den illegalen Drogen die harmloseste, bei denen z.B. Amphetamine Psychosen auslösen können, zu erhöhter Aggression oder sozialen Anpassungsschwierigkeiten führen. 7 Dies erscheint überraschend
angesichts der häufig berichteten und allgemein verbreiteten Ansicht über die psychischen Folgen einer Heroinsucht, wie Gewissenlosigkeit, asozialer Gesinnung, Egoismus und Fixierung auf die Drogenbeschaffung usw. 8 Eine Studie von Kaplan veranschaulicht die
Erkenntnis der relativen geringen Schädlichkeit der Substanz Heroin. So zeigte ein 84jähriger, seit über 60 Jahren morphinkonsumierender Physiker keine mentalen oder körperlichen Schädigungen. Gleiches galt in einer Studie über gesellschaftlich integrierte Morphinkonsumenten aus der gesellschaftlichen Mittelklasse. 9
Eine besondere Gefahr stellt hingegen die Überdosierung von Heroin dar. Bereits 5 mg unterscheiden eine verträgliche von einer toxischen, lebensgefährlichen Dosis. 10
2.5 Heroin im Betäubungsmittelgesetz
Heroin ist in Anlage 1 des BtMG aufgeführt und ist somit nicht verkehrs- und verschreibungsfähig. Besitz, Vertrieb, Anbau etc. ist verboten, der Konsum jedoch nicht. Der Besitz geringer Mengen kann straflos bleiben, d.h. es wird möglicherweise von einer Verfolgung abgesehen. 11
2.6 Kurzer Abriss über die Geschichte der Heroinprohibition
Heroin bzw. Opium unterlag nicht immer der Prohibition bzw. Kriminalisierung/ Diskriminierung, was ja an dem kommerziellen Vertrieb von Heroin durch die Firma Bayer deutlich wird. Opium führte auch lange Zeit ein Dasein als Heilmittel unter dem Namen „Laudanum“.
7 vgl. Böker, 1991, S. 185
8 vgl. z.B. Kielholz/Ladewig zit. in Schmidt/Semisch, 1990, S. 44
9 vgl. Kaplan, 1985, S. 128: zit.in Schmidt-Semisch, 1999, S. 43
10 vgl. http://www.dhs.de/substanzen_heroin.html
11 vgl.: http://www.presroi.de/hfaq/hfaq4300.html
6
Entstanden ist die Verbotspolitik von Opium in Europa unter amerikanischem Einfluss. Dort wurde Opiumkonsum überwiegend von chinesischen Gastarbeitern praktiziert und lange Zeit nicht reglementiert. Er war sogar als Mittel zur Leistungssteigerung willkommen. Erst als die chinesischen Gastarbeiter zu einer Konkurrenz für einheimische Arbeiter wurden, begann eine Diskriminierung dieser, die sich in einer negativen Darstellung des Opiumkonsums und schließlich seines Verbotes niederschlug. Das erste Gesetze 1878 verbot so auch nur die Konsumformen, die Chinesen betraf, also z.B. die überwiegend von Chinesen aufgesuchten
Opiumhöhlen. 12 Ähnliche Vorgehensweisen, in denen eine Droge zur Diskriminierung bzw. Unterdrückung von Minderheiten genutzt wird, sieht z.B. Strobl 13 auch in Bezug auf die schwarze Bevölkerung in den USA oder den mexikanischen Einwanderern. Kokain im Falle der Schwarzen und Cannabis im Falle der Mexikaner wurden entsprechend diskreditiert. Bemerkenswert hierbei ist auch, dass die Drogennutzer als Arbeitskräfte beliebt waren. Auch bei den folgenden Bemühungen der USA das Opiumverbot international durchzusetzen, standen wirtschaftliche Interessen im Vordergrund. England sollte als Opiumhändler geschwächt und die Beziehungen zu China, das von den Opiumimporten der Engländer überrollt wurde, verbessert werden. Nachdem England um Deutschland und Japan als Hauptproduzenten von Kokain und Heroin wirtschaftlich ebenso zu schwächen, das Verbot dieser zwei Substanzen einforderte, kam es erst nach dem 1. Weltkrieg zu einer internationalen Einigung gegen diese Drogen. Deutschland musste aufgrund des Versailler Vertrages dann die Haager Konvention unterschreiben. 14 So entstand 1920 das erste deutsche Drogengesetz.
2.7 Das Phänomen Abhängigkeit/Sucht
Sucht ist eine mögliche Folge des Drogen bzw. Heroinkonsums.
Generell wird Abhängigkeit von der WHO als "einen seelischen, eventuell auch körperlichen Zustand, der dadurch charakterisiert ist, dass ein dringendes Verlangen oder unbezwingbares Bedürfnis besteht, sich die entsprechende Substanz fortgesetzt und periodisch
zuzuführen“ definiert. 15
Genauso wie aber die Definition von Drogenabhängigkeit/sucht unter Wissenschaftlern nicht eindeutig geklärt ist, gibt es auch keine eindeutigen Erklärungsmodelle für die Entstehung von Drogenabhängigkeit.
12 Schmidt-Semisch, 2000, S. 33 ff.
13 vgl. Böker, 1991, S. 106
14 vgl. Schmidt-Semisch, 2000, S. 33 ff
15 http://de.wikipedia.org/wiki/Sucht#_note-1
7
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Karsten Lenz, 2007, Heroin: Prohibition und Legalisierung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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