Castillon, Marc
3. Fachsemester Geschichtswissenschaft Humboldt Universität zu Berlin Sommersemester 2002
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Hausarbeit
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Seite
Einleitung 1
I. Forschungsstand zu den Frauenbildern bei Tacitus 1
II. Tacitus Bild römischer Frauen 3
1. Interaktionäre Beziehungen zwischen Frauen
a) Positive unberechnete Beziehungen
b) Positive berechnete Beziehungen
c) Negative berechnete Beziehungen
d) Zwischenergebnis 7
2. Interaktionäre Beziehungen zwischen Frau und
a) Liviabild bei Tacitus
b) Historische Würdigung des Liviabildes bei Tacitus
c) Zwischenergebnis 10
III. Frauenbild der Germaninnen bei Tacitus 11
1. Sittsamkeit der Germaninnen 11
Fazit 14
Literaturverzeichnis
(LQOHLWXQJ Cornelius Tacitus, der von zirka 55 bis 120 n. Chr. lebte, wird vielerorts als der größte, zumindest jedoch als einer der größten Geschichtsschreiber im antiken Rom beurteilt. Mit dieser Hausarbeit habe ich mir zur Aufgabe gestellt, die „Frauenbilder bei Tacitus“ zu erfassen, zu erläutern und zu bewerten.
Der formulierte Arbeitstitel lässt vor dem Hintergrund, dass Tacitus „sein eigenes Urteil meist sorgfältig zurück[hielt] hinter der Darlegung der Widersprüchlichkeiten seiner Zeit“ 1 offen, wie anteilig die Frauenbilder zu werten sind, eher aufgrund der von Historikern im weiteren Rahmen als objektiv eingeschätzten Geschichtsschreibung des Tacitus oder aber eher in Bezug auf das private Frauenbild des Tacitus, sprich auch aufgrund seiner suggestiv erkennbaren subjektiven Meinung. Wichtig erscheint hier, zumindest keine Ambivalenz aufkommen zu lassen.
Erleichternd könnte mir entgegen kommen, dass wie Syme 2 und Späth 3 aufzeigen, die Frauen das Bild der römischen Geschichte, anders als männliche Hauptpersonen, nicht aufgrund von Posten und Machtpositionen imponieren, sondern einzig allein als Frauen. Ob diese These jedoch tatsächlich hier im ganz konkreten Falle und auf alle Frauen zutrifft, wird im Rahmen dieser Arbeit zu klären sein. Zweifel, ob sich Frauen dem entziehen konnten, bestehen jedenfalls, da auch von Albrecht den Menschen bei Tacitus nicht so sehr an seiner Persönlichkeit gemessen, sondern diesen „im Spannungsfeld von Mächten und Gruppen“ 4 sieht.
Die Aufarbeitung dieses Themas wird somit neben den historischen auch frauensoziologische Züge tragen und wird deshalb vom Verfasser als Beitrag zur gesellschaftshistorischen Untersuchung angesehen. Ziel ist es jedoch nicht nach rein namentlich-biographischen und frauengeschichtlichen Aspekten vorzugehen, sondern eher die Frau als Individuum innerhalb einer Gruppe darzustellen.
Anzumerken bleibt allgemein, dass eine repräsentative Untersuchung des Frauenbildes an sich weitgehend nur im Rahmen des damaligen Verständnisses von familia und domus erfolgen kann, da Frauen zum ganz überwiegenden Teil nur dort präsent waren 5 , und dass das spezielle Frauenbild des Tacitus eingeengt ist durch seine Fixierung des
1 Lamer, Hans/Kroh, Paul (Hrsg.): Wörterbuch der Antike, Stuttgart 1995 10 , S. 733.
2 Syme, Ronald: The Augustan Aristocracy, Oxford 1986, S. 168.
3 Späth, Thomas: Männlichkeit und Weiblichkeit bei Tacitus. Zur Konstruktion der Geschlechter in der römischen Kaiserzeit, Frankfurt a. M., New York 1994, S. 9.
4 Albrecht, Michael von: Die Gedankenwelt des Tacitus zwischen Tradition und Zukunft; in: Der Altsprachliche Unterricht. 31, 1988, S. 60.
5 Herrmann-Otto, Elisabeth: Soziologie der Geschlechter; in: Soziologische Revue, München 18, 1995, S. 379.
1
Gesichtskreises vor allem auf die oberen Gesellschaftsschichten und auf das Kaiserhaus des 1. Jh. n. Chr., wie der Verfasser übereinstimmend mit Deissmann 6 feststellen musste.
Die Frauenbilder des Tacitus werden anhand dreier unterschiedlicher Untersuchungsfelder analysiert und bewertet: Erstens – das taciteische Frauenbild der Frauen im domus unter sich. Zweitens – das Bild der Frau-Mann-Beziehungen, am Beispiel der Livia. Drittens – das Germanenfrauenbild des Tacitus außerhalb der römischen Gesellschaft. Alle drei Untersuchungsfelder ergeben eine ausführliche Skizze, die jedoch nicht den Anspruch einer umfassenden Darstellung hat und lassen so allgemeingültige Wertungen und Erkenntnisse zu, die im Fazit präsentiert werden.
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Das zentrale Quellenwerk auf das sich diese Arbeit und zum weiten Teil auch die Sekundärliteratur stützt, sind die „ Annalen“ 7 des Tacitus, die etwas 110 bis 120 n. Chr. entstanden. Sie behandeln die Zeit vom Regierungsantritt des Tiberius 14 n. Chr. bis zum Tode Neros im Jahre 68 n. Chr. und erlauben es, trotz nur noch teilweiser vollständig erhaltener Bücher, Ergebnisse zu oben formulierter Aufgabenstellung zu präsentieren. Weitere genutzte taciteische Werke sind: „ Germania“ 8 und „ Die Historien“ 9 .
Der Fundus der wissenschaftlichen Sekundärliteratur zu den Frauenbildern bei Tacitus ist aus meiner Sicht, gemessen an der eher thematischen Enge, recht voluminös 10 und geht jedoch dabei über den Focus dieser Hausarbeit hinaus.
Aus Verfassersicht bleibt jedoch kritisch zu bemerken, dass im Vergleich zu den bisherigen historischen Untersuchungen aller Personen bei Tacitus, die frauengeschlechtliche Perspektive bisher nicht adäquat belichtet ist. Anders sind auch
6 Deissmann, Marie-Luise: Aufgabe, Rollen und Räume von Mann und Frau im antiken Rom; in: Martin, Jochen/Zoepfel, Renate: Aufgaben, Rollen und Räume von Frau und Mann, Freiburg, München 1989, S. 501.
7 Tacitus, Publicus Cornelius: Annalen, hrsg. von Koestermann, Erich, 4 Bände, Heidelberg 1963-1968. 8 Tacitus, Publicus Cornelius: Germania, hrsg. von Lund, Allan A., Heidelberg 1988.
9 Tacitus, Publicus Cornelius: Die Historien, hrsg. von Heubner, Heinz Germania, 5. Bände, Heidelberg 1963-1982.
10 Wallace verschafft einen Überblick über die Forschungsentwicklung zum Thema „ Frauen bei Tacitus“ seit Beginn des letzten Jahrhunderts und deutet methodische Phasen der Frauenforschung an. Vgl. Wallace, Kristine Gilmartin: Women in Tacitus 1903-1986; in: ANRW II 33.5, 1991, S. 35563574.
2
Beiträge von Römer 11 bzw. Krohn 12 schwer zu werten, in denen trotz markanter und geschlechterunspezifischer Titelstichworte wie „ Kontrastfiguren“ oder „ Personendarstellungen“ in keiner Weise Frauen als Figuren kontrastiert bzw. als Personen dargestellt werden.
Vor allem Späth 13 schafft es mit seinen historischen Beiträgen über das weibliche Geschlecht bei Tacitus zu imponieren. Diese bestimmen den Stand der aktuellen Forschung. Ältere Monographien von Königer 14 , dessen Arbeit Wallace 15 immerhin rühmt, die erste umfassende Publikation zu dem Thema, wenn auch mit Schwächen gewesen zu sein, und von Schürenberg 16 schufen zu diesem Problemkreis erste deutschsprachige Werke, die wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht werden. Weiterhin stützt sich diese Arbeit auf diverse Aufsätze oder Beiträge in Sammelbänden, sowie anerkannte Nachschlagewerke der Antiken Geschichte, die an dieser Stelle nicht im Einzelnen benannt werden.
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Im Folgenden werden die von Tacitus beschriebenen Beziehungen innerhalb der domus exemplarisch unter Frauen, aber auch zwischen Mann und Frau beschrieben und versucht Erkenntnisse in Höhe des Forschungsstandes zu vermitteln.
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Frauen können in unterschiedlichen Verwandtschaftsverhältnissen, so in einer Mutter-Tochter-, einer Großmutter-Enkelinnen- oder einer Herrinnen-Sklaven-Beziehung zu einander stehen. Im Verwandtschaftsverhältnis können Frauen des Weiteren Positionen der Schwester, Cousine, Schwiegermutter oder -tochter innehabe.
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¡ 6FLHQWLDUXP +XQJDULFDH6 12 Krohn, Friedrich: Personendarstellungen bei Tacitus, Leipzig 1935. 13 Vgl. Späth: Männlichkeit und Weiblichkeit bei Tacitus; ferner Späth, Thomas: ‚Frauenmacht’ in der frühen römischen Kaiserzeit? Ein kritischer Blick auf die Konstruktion der ’Kaiserfrauen’; in: Dettenhofer, Maria H.: Reine Männersache? Frauen in Männerdomänen der antiken Welt, Köln 1994, S. 159-205; ferner Späth, Thomas/Wagner-Hasel, Beate: Frauenwelten in der Antike. Geschlechterordnung und weibliche Lebenspraxis, Stuttgart [u.a.] 2000. 14 Königer, Hans: Gestalt und Welt der Frau bei Tacitus, Erlangen, Nürnberg 1966. 15 Wallace: Women in Tacitus, S. 3556.
16 Schürenberg, Dorothee: Stellung und Bedeutung der Frau in der Geschichtsschreibung des Tacitus, Marburg, Lahn 1975.
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Marc Castillon, 2002, Frauenbilder bei Tacitus, Munich, GRIN Publishing GmbH
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