Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S 1
1.1. Zielsetzung der Untersuchung S 2
1.2. Methodik der Arbeit S 3
1.3. Aufbau der Arbeit S 5
2. Die Wohnsituation der Arbeiter im ausgehenden 19 Jahrhundert S 7
2.1. Die Situation der Arbeiter und die soziale Frage S 7
2.2. Die Stadtentwicklung im 19 Jahrhundert S 9
2.3. Modelle des Arbeiterwohnbaus S 11
2.3.1. Die Entstehung des wilhelminischen Wohngürtels in Berlin S 11
2.3.2. Der Bau von Werkswohnsiedlungen im Ruhrgebiet S 13
2.4. Alternativen zum klassischen Arbeiterwohnbau S 16
2.4.1. Das Modell der Gartenstadt S 16
2.4.2. Die Gartenstadtbewegung in Deutschland S 18
3. Die Entwicklung der Stadt Bergisch Gladbach S 20
3.1. Die Entwicklung Bergisch Gladbachs vor 1856 S 21
3.2. Die Verleihung der Stadtrechte im Jahre 1856 S 24
3.2.1. Die strukturelle Entwicklung Bergisch Gladbachs S 26
3.2.2. Die Herausbildung des Stadtzentrums in Bergisch Gladbach S 27
3.2.3. Neue siedlungsgeographische Problemstellungen S 28
3.3. Die Papierfabrikantenfamilie Zanders S 30
3.4. Das kommunale Engagement Bergisch Gladbacher Fabrikanten S 32
3.5. Die Bauzonenordung in Bergisch Gladbach S 34
3.5.1. Die dreistufige Bauzonenordnung nach Richard Zanders S 35
3.5.2. Die modifizierte Bauzonenordnung des Regierungspräsidiums S 36
3.6. Die Förderung des Kleinwohnungsbaus in Bergisch Gladbach S 38
3.6.1. Darlehen der Landesversicherungsanstalt Rheinprovinz S 39
3.6.2. Die Wohnbauförderung der Firma J W Zanders S 41
II
Inhaltsverzeichnis
4. Die Entstehung der Gartensiedlung Gronauer Wald S 43
4.1. Die Idee der Gartensiedlung Gronauer Wald S 44
4.2. Konzeption der Einfamilienhaussiedlung Gronauer Wald S 46
4.3. Die Planungsphase der Siedlung S 47
4.4. Die Verkaufsbedingungen für die Grundstücke im Gronauer Wald S 49
4.5. Die Planung der Wohnhäuser S 50
4.5.1. Die Architekten der Wohnhäuser im Gronauer Wald S 53
4.5.1.1. Architekt Ludwig Bopp S 53
4.5.1.2. Architekt Oskar Lindemann S 56
4.5.1.3. Architekt Peter Will S 57
4.6. Die erste Bauphase im Gronauer Wald 1898 1906 S 58
4.7. Das Jahr 1906: Die Zäsur in der Entwicklung der Wohnsiedlung S 61
4.8. Die Gründung der Gemeinnützigen Gartensiedlungsgesellschaft S 63
4.8.1. Die Struktur der Gemeinnützigen Gartensiedlungsgesellschaft S 64
4.8.2. Die Gemeinnützige Ansiedlergenossenschaft Gronauer Wald S 66
4.9. Die Bautätigkeit im Gronauer Wald nach der Neuorganisation S 68
4.10. Die dritte Bauphase nach dem Zweiten Weltkrieg S 72
4.11. Allgemeine Resonanz auf die Gartensiedlung Gronauer Wald S 75
5. Die Grund- und Aufrissgestaltung in der Gronauer Waldsiedlung S 78
5.1. Die Bauphasen in der Gronauer Waldsiedlung S 78
5.2. Die Struktur der Straßen und Wege S 81
5.3. Der Zustand der Gebäude in der Gronauer Waldsiedlung S 82
6. Schutz und Erhaltung in der Gronauer Waldsiedlung S 85
6.1. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen des Denkmalschutzes S 85
6.1.1. Definition Denkmal S 86
6.1.2. Definition Denkmalbereich S 87
6.1.3. Der Schutz von Orten und Siedlungen S 89
6.2. Schutz und Erhaltung der Wohngebäude im Gronauer Wald S 92
7. Satzung zur Erhaltung des historischen Erscheinungsbildes S 96
8. Vorschlag für einen Rundgang durch die Gronauerwaldsiedlung S 103
9. Die Gartensiedlung Gronauer Wald : Zusammenfassung und Ausblick S 107
10. Anhang S i
11. Literatur- und Quellenverzeichnis S xi
III
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abb 1: Villa Klingner Richard-Zanders-Straße 47 S i
Abb 2: Türsturz in der Villa Klingner S i
Abb 3: Hausbibliothek in der Villa Klingner S i
Abb 4: Arbeiterwohnhaus Talweg 1 S ii
Abb 5: Reihenhausensemble An der Eiche 1-7 S ii
Abb 6: Unterlerbacher Hof Gronauer Waldweg 32-34 S ii
Abb 7: Villa Bopp Talweg 3 S iii
Abb 8: Mehrfamilienwohnhäuser Talweg 5 5a 7 S iii
Abb 9: Reihenhäuser aus der zweiten Bauphase Am Wäldchen 16-19 S iii
Abb 10: Modernisiertes und erweitertes Arbeiterwohnhaus Talweg 26 S iv
Abb 11: Arbeiterwohnhaus mit erneuertem Dachaufbau Talweg 30 S iv
Abb 12: Arbeiterwohnhaus mit Erweiterung Gronauer Waldweg 44 S iv
Abb 13: unsanierte Doppelhaushälfte Kiefernweg 9 S v
Abb 14: benachbarte sanierte Doppelhaushälfte Kiefernweg 7 S v
Abb 15: Historische Aufnahme An der Eiche S v
Abb 16: Historische Aufnahme Gärten am Gronauer Waldweg S vi
Abb 17: Historische Aufnahme Gronauer Waldweg S vi
Abb 18: Historische Aufnahme Häusergruppe im Gronauer Wald S vi
Abb 19: Historische Aufnahme Grüner Weg S vii
Abb 20: Historische Aufnahme Villa Bopp Talweg 3 S vii
Abb 21: Skizze und Bauplan des Reihenhausensembles An der Eiche S viii
Abb 22: Skizze und Bauplan des Unterlerbacher Hofs S ix
Abb 23: Skizze und Bauplan Einfamilienhaus für Arbeiter S x
Abb 24: Skizze und Bauplan Doppeleinfamilienhaus für Arbeiter S xi
IV
Kartenverzeichnis
Kartenverzeichnis
Karte 1: Bauzonenordnung Bergisch Gladbach S. 37
Karte 2: Gronauerwaldsiedlung, Auszug aus der Deutschen Grundkarte S. 43
Karte 3: Bebauung der Gronauer Waldsiedlung im Jahre 1906 S. 62
Karte 4: Bebauung der Gronauer Waldsiedlung im Jahre 1914
Karte 5: Bebauung der Gronauer Waldsiedlung im Jahre 1937
Karte 6: Örtlicher Geltungsbereich der Denkmalbereichssatzung
Karte 7: Auszug aus dem Flurplan, Gemarkung Gronau, Flur 13 S. 100
V
Abkürzungsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
a. D. außer Dienst
BauGB Baugesetzbuch
BauO NRW Bauordnung Nordrhein-Westfalen
BLZ Bergische Landeszeitung
BGV Bergischer Geschichtsverein
DAF Deutsche Arbeitsfront
DschG Denkmalschutzgesetz Nordrhein-Westfalen
f. folgende
GAG Gemeinnützige Ansiedlergenossenschaft Gronauer Wald
GAG Köln Gemeinnützige Aktiengesellschaft für Wohnungsbau Köln
GGG Gemeinnützige Gartensiedlungsgesellschaft Gronauer Wald
G.m.b.H. Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Hg. Herausgeber
IPC International Paper Company, Purchase New York, USA
J.W. Zanders Johann Wilhelm Zanders
KStA Kölner Stadtanzeiger
LVR Landschaftsverband Rheinland
m.b.H. mit beschränkter Haftung
NRW Nordrhein-Westfalen
RBS Rheinisch-Bergische Siedlungsgesellschaft
RM Reichsmark
unpag. unpagiert
vgl. vergleiche
zit. zitiert
VI
Einleitung
1. Einleitung
„Ein ganzes Stadtviertel ist besät mit den zierlichen Schöpfungen feinsinniger Architekten. Dieser „Gronauerwald“ ist eine mustergültige Anlage, vor der gar oft Fachleute des Städtebaus und der sozialen Fürsorge in stillem Staunen gestanden haben und durch die Wirklichkeit belehrt worden sind, dass das Einfamilienhaus mit Garten nicht nur eine mögliche, sondern eine glänzend lebensfähige Einrichtung ist.“ (Dr. Ferdinand Schmitz [1926]) 1
Ende Dezember 2005 zählte die Stadt Bergisch Gladbach eine Einwohnerzahl
von 110.114 Bürgern. 2 Bezogen auf die Höhe der Bewohner ist Bergisch Gladbach somit nach der Klassifizierung der amtlichen deutschen Statistik für Städtetypen eine
Großstadt. 3 Im Vergleich zu anderen Städten dieser Größenordnung verlief die Stadtentwicklung in Bergisch Gladbach jedoch untypisch. Im Jahre 1856, dem Jahr der Verleihung der Stadtrechte, lebten im Siedlungsgebiet der Kommune 5000 Menschen. Das Stadtgebiet setzte sich aus einer Vielzahl von Streusiedlungen und Kirchdörfern zusammen. An jener Stelle, an welcher sich heute das Stadtzentrum befindet, war im Jahre 1856 kein nennenswertes Dorf zu finden.
Die Ursprünge Bergisch Gladbachs liegen in einer Vielzahl von Mühlen, welche sich dicht hintereinander an den Bach „Strunde“ reihten. Einen enormen Aufschwung erlebte die Stadt im Zuge der Industrialisierung der Papierproduktion. Seitdem die Firma Zanders ab den 1850er Jahren das Papier maschinell fertigte, und mit der Gründung des Deutschen Reiches im Jahre 1871 ein großer Absatzmarkt für Papier entstand, entwickelte sich die Stadt Bergisch Gladbach zur Industriestadt. Die Entwicklung der Stadt erfolgte in der Nähe der Fabrikgelände „Gohrsmühle“ und „Schnabelsmühle“, sowie in Sichtweite des Wohnsitzes der Fabrikantenfamilie, der „Villa Zanders“. Nicht selten griffen die Papierfabrikanten direkt in die Entwicklung der Stadt Bergisch Gladbach ein: Als bedingt durch die Industrialisierung immer mehr Arbeiter aus den umgebenden Regionen in die aufstrebende Industriestadt strömten, drohte das ländliche Erscheinungsbild der Stadt unterzugehen. Das klassische Einfamilienhaus drohte dem Massenmietshaus zu weichen. Im Jahre 1897 begann
1 SCHMITZ, Ferdinand (1926): Bergisch Gladbach. Der Aufbau, o.O., S. 16-20.
2 Vgl.: www.bergischgladbach.de (24.04.2006; 21:02)
3 Vgl.: HEINEBERG, Heinz (2000): Grundriss allgemeine Geographie. Stadtgeographie, Paderborn, S. 26.
1
Einleitung
der Papierfabrikant Richard Zanders, fünf Jahre vor der Gründung der Deutschen
, mit der Planung eines beispielhaften Wohnbauprojektes: Unter Ausschluss der Bodenspekulation sollte bewiesen werden, dass weiterhin der
Bau von Einfamilienarbeiterwohnhäusern in ländlicher Umgebung möglich ist. So entstand die Gartensiedlung „Gronauer Wald“ in Bergisch Gladbach, welche in einem
Waldgelände zwischen den Ortsteilen Gronau und Heidkamp, fußläufig von der Papierfabrik zu erreichen, entstanden ist. Das Projekt der „Gronauer Waldsiedlung“
ist ein herausragendes Beispiel des sozial motivierten Wohnungsbaus im ausgehenden 19. Jahrhundert und wird in der Literatur vielfach als „mustergültig“
bezeichnet. Das Projekt der „Gronauer Waldsiedlung“ soll in der vorliegenden Arbeit näher betrachtet werden.
1.1. Zielsetzung der Untersuchung
Die „Gronauer Waldsiedlung“ in Bergisch Gladbach wird in der Literatur als ein überregional bedeutsames Modellprojekt des reformorientierten Kleinwohnungsbaus
Bis in das Jubiläumsjahr der „Gemeinnützigen
1983 wurden in der „Gronauer Waldsiedlung“ 690 Wohnhäuser mit 1378 Wohnungen errichtet. Die Anzahl der Wohngebäude untergliederte sich wiederum in 480 Eigenheime und 210
Mehrfamilienwohnhäuser. Während die Eigenheime sich zum damaligen Zeitpunkt fast ausnahmslos im Besitz von Privatpersonen befanden, waren die
Die kleinteilige Siedlungsstruktur des Wohngebietes konnte bis zum heutigen Tage erhalten werden.
Trotzdem unterliegen die Wohngebäude einem ständigen Modernisierungs- und
Umbauprozess. Da nur vereinzelte Gebäude in der „Gronauer Waldsiedlung“ dem Denkmalschutz unterliegen, besteht langfristig die Gefahr, dass durch Sanierungs-
und Umbaumaßnahmen das historische Erscheinungsbild der Wohnsiedlung überformt werden könnte. Ohne ordnendes Instrument könnte der Charakter dieser
Die Gründung der Deutschen Gartenstadtgesellschaft erfolgte im Jahre 1902.
Vgl.: KISTEMANN, Eva (2000): Gewerblich-industrielle Kulturlandschaft in Schutz- und
Planungskonzepten Bergisch Gladbach 1820-1999, Essen, S. 327.
Die Privatstiftung der Eheleute Anna und Richard Zanders wurde im Jahr 1913 durch die neu
gegründete Gemeinnützige Gartensiedlungsgesellschaft Gronauer Wald ersetzt.
Vgl.: Gemeinnützige Gartensiedlungsgesellschaft Gronauer Wald (1983): Festschrift Gemeinnützige
Gartensiedlungsgesellschaft Gronauerwald mbH 1983, Wiesbaden, S. 5.
Einleitung
Wohnsiedlung langfristig verloren gehen. Nach Ansicht von Winfried Schenk und
Klaus Fehn ist es eine essentielle Aufgabe der angewandten Historischen Geographie, Entwicklungsleitbilder für kulturlandschaftliche Strukturen, Muster und
Elemente zu erarbeiten. Hierbei stünde jedoch nicht der Schutz isolierter Elemente im Vordergrund, sondern die Aufstellung kulturlandschaftlicher Pflege-, Nutzungs-
und Gestaltungskonzepte. 8 Ziel dieser Arbeit ist, es die heutige Grund- und Aufrissstruktur der Gronauer Waldsiedlung zu beschreiben, sowie die
Handlungsinstrumente darzustellen und zu diskutieren, die für den Erhalt des historischen Siedlungsbildes Anwendung finden könnten. Zum Einen werden die
Werkzeuge des Denkmalschutzes erläutert, zum Anderen soll dargelegt werden, wie effektiv diese Schutzmaßnahmen eingesetzt werden können. Letztlich soll ein
Schutzkonzept erarbeitet werden, welches in der Gronauer Waldsiedlung Anwendung finden könnte. Im Verlauf dieser Magisterarbeit sollen somit
nachfolgende Fragestellungen erörtert werden:
1.) Aus welcher Motivation wurde die Gronauer Waldsiedlung gegründet? 2.) Nach welchen Leitbildern und Plänen wurde die Gronauer
Waldsiedlung errichtet?
3.) Wie ist der heutige Zustand der Wohngebäude im Gronauer Wald und
wie ist das heutige Erscheinungsbild der Gronauer Waldsiedlung?
4.) Wie kann das historische Gesamtgefüge der Gronauer Waldsiedlung
nachhaltig geschützt werden?
1.2. Methodik der Arbeit
Die vorliegende Arbeit beruht auf einer ausgedehnten Quellen-, Archiv- und Literaturanalyse. Ergänzt wurden die Studien durch zahlreiche Besichtigungen des
Untersuchungsgebietes sowie durch Gespräche mit Bewohnern der Gronauer Waldsiedlung, Bergisch Gladbacher Heimatforschern und Bergisch Gladbacher
Bürgern. Im Rahmen dieser Untersuchung erfolgt eine enge Verknüpfung von Theorie und Empirie. Die Abhandlung über die Situation der Arbeiter im
8 FEHN, Klaus; SCHENK, Winfried (1993): Das historisch-geographische Kulturlandschaftskataster –
eine Aufgabe der geographischen Landeskunde, in: Berichte zur deutschen Landeskunde, 67,
1993, H.2, S. 481.
3
Einleitung
Arbeiterwohnungsbau wurde aus der Sekundärliteratur gespeist. Die Darstellung über die Entwicklung der Stadt Bergisch Gladbach erfolgt sowohl über Sekundärliteratur als auch über Archivquellen. Jener Abschnitt dieser Magisterarbeit, welcher sich detailliert mit der „Gronauer Waldsiedlung“ beschäftigt, wurde überwiegend durch Archivquellen, Festzeitschriften sowie Ortsbegehungen erarbeitet. Die lokalbezogenen Archivquellen, welche in diese Arbeit eingeflossen sind, beruhen auf Akteneinsichten im Stadtarchiv Bergisch Gladbach sowie im Archiv der Kulturstiftung Zanders. Aus den Beständen des Stadtarchivs entstammen die Dokumente zur Stadtgeschichte sowie Quellen zur Geschichte der Gronauer Waldsiedlung. Die Akten des Stadtarchivs Bergisch Gladbach beinhalten jedoch überwiegend Primärquellen aus „städtischer“ Perspektive: Hierzu gehören unter anderem Rats- und Ausschussprotokolle sowie Protokolle der Arbeiterwohnbaukommission und der Bebauungskommission. Weiterhin sind im Stadtarchiv Kartenwerke zur „Gronauer Waldsiedlung“ wie Katasterkarten und Übersichtspläne einzusehen. Da die Stadt Bergisch Gladbach Teilhaberin der „Gemeinnützigen Gartensiedlungsgesellschaft Gronauer Wald“ war, befinden sich in den Unterlagen des Archivs der Schriftverkehr bezüglich des Siedlungsbaus in der „Gronauer Waldsiedlung“ sowie Geschäfts- und Revisionsberichte der Gartensiedlungsgesellschaft. Einige Akten des Stadtarchivs Bergisch Gladbach wurden als lose Sammelwerke vorgefunden. Eine nähere Spezifizierung der einzelnen Dokumente konnte daher leider nicht erfolgen.
Aus den Beständen der Kulturstiftung Zanders wurden die Quellen zur Familiengeschichte der Papierfabrikanten Zanders entnommen. In der Kulturstiftung Zanders ist auch die private Korrespondenz des Ehepaares Anna und Richard Zanders einzusehen. In beiden Archiven existieren zudem zahlreiche Broschüren und Jubiläumsschriften der „Gemeinnützigen Gartensiedlungsgesellschaft Gronauer Wald“, welche ausführlich den Fortschritt der Bautätigkeiten beschreiben sowie einen Überblick über die Historie der „Gronauer Waldsiedlung“ geben. Diese Schriftwerke sind in gewöhnlichen Bibliotheksbeständen nicht vorzufinden. Die Sekundärliteratur zur Bergisch Gladbacher Stadtgeschichte entstammt der Bergischen Abteilung der Stadtbibliothek Bergisch Gladbach sowie den Beständen des Bergischen Geschichtsvereins, Abteilung Rhein-Berg. An dieser Stelle soll nicht vorenthalten werden, dass sich bereits im Jahre 2003 eine Untersuchung mit dem Komplex der
4
Einleitung
„Gronauer Waldsiedlung“ beschäftigte. Frau Heike Ziskoven verfasste unter dem Titel „Die Fabrikantenfamilie Zanders und ihr Projekt der Gronauer Waldsiedlung“ eine Magisterarbeit im Fach mittlere und neuere Geschichte an der Universität Köln.
1.3. Aufbau der Arbeit
Die vorliegende Magisterarbeit verfolgt das Ziel, einerseits die Entstehung und Entwicklung der Gronauer Waldsiedlung in Bergisch Gladbach zu erläutern, andererseits die Gründung dieser Wohnsiedlung in den zeithistorischen Kontext einzuordnen. Des Weiteren sollen die Bauphasen der Gronauer Siedlung sowie die heutige Gestalt näher betrachtet werden. Im abschließenden Teil dieser Arbeit wird der Komplex „Schutz und Erhaltung“ in der Gronauer Waldsiedlung abgehandelt, in welchem Schutzinstrumente, die den Erhalt des historischen Siedlungsbildes fördern könnten, erörtert werden. Die vorliegende Arbeit untergliedert sich in neun Kapitel. Nach dieser Einleitung wird zunächst der zeithistorische Kontext im ausgehenden 19. Jahrhundert erläutert. Es wird dargestellt, aus welchem Grunde alternative Modelle des Arbeiterwohnbaus entwickelt wurden. So wird die Situation der Arbeiter im Zeitalter der Industrialisierung, die Stadtentwicklung und Urbanisierung, sowie die Wohnsituation der Arbeiter im 19. Jahrhundert geschildert. Ergänzt wird diese Abhandlung mit einer Darstellung des Arbeiterwohnbaus um die Jahrhundertwende. In vielen Großstädten kam es zum Bau von so genannten „Mietskasernenwohnhäusern“. Das Kapitel befasst sich mit den zeitgenössischen Alternativen zum Mehrfamilienwohnbau und beschäftigt sich in diesem Zusammenhang mit dem Modell der Gartenstadt (Kapitel 2).
Anschließend wird in Kapitel 3 die Siedlungsentwicklung der Stadt Bergisch Gladbach geschildert. Hierbei wird die Historie der Siedlungsgeographie in Bergisch Gladbach vor der Stadtwerdung im Jahre 1856 thematisiert, sowie die strukturelle Entwicklung Bergisch Gladbachs geschildert. Mit der Verleihung der Stadtrechte im Jahre 1856 hatte die junge Kommune eine Vielzahl neuer siedlungsgeographischer Probleme zu bewältigen. Dieser Komplex soll zudem in einem weiteren Teil des dritten Kapitels beschrieben werden, da diese Angelegenheiten zum kommunal geförderten Kleinwohnungsbau sowie zur Entstehung der Gronauer Waldsiedlung führten. Mit der Bauzonenordnung, welche der Papierfabrikant Richard Zanders ausarbeitete, sollte der Stadtentwicklung Bergisch Gladbachs ein ordnender Rahmenplan gegeben werden. Diese Bauzonenordnung wird in einer weiteren
5
Einleitung
Abhandlung des dritten Kapitels thematisiert. Abschließend werden in diesem Kapitel die Maßnahmen erörtert, welche in Bergisch Gladbach zur Förderung des Kleinwohnungsbaus eingeleitet wurden.
beschreibt die die Entstehung der Siedlung „Gronauer Wald“. Hierbei wird zunächst die Idee der Gartensiedlung „Gronauer Wald“ thematisiert, anschließend wird auf die Konzeption, das Gelände, sowie auf die Planung der Häuser eingegangen. Der Themenkomplex beschreibt explizit die Bauphasen im „Gronauer Waldviertel“ und schließt mit einer Zusammenstellung der diversen Rückmeldungen aus Forschung und Politik hinsichtlich des Modellprojektes der „Gronauer Waldsiedlung“.
folgt eine Bestandsaufnahme der Siedlung, in welcher auf die Grund- und Aufrissgestaltung des Viertels eingegangen wird. Hierauf folgen eine Beschreibung der Bauphasen im Viertel, sowie eine Beschreibung der Straßen und Wege in der Gartensiedlung „Gronauer Wald“. In einem weiteren Abschnitt dieses Kapitels wird der gegenwärtige Zustand der Wohngebäude in der Siedlung dargestellt. Im Anschließenden werden die gesetzlichen
Kapitel 6
fasst die Ergebnisse dieser Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf die Entwicklungspotentiale der „Gronauer Waldsiedlung“.
Die Wohnsituation der Arbeiter im ausgehenden 19. Jahrhundert
2. Die Wohnsituation der Arbeiter im ausgehenden 19. Jahrhundert
Im folgenden Kapitel soll die Situation der Arbeiter im Zeitalter der
Industrialisierung abgehandelt werden. Zudem soll der Fokus auf die Wohnsituation der Industriearbeiter im ausgehenden 19. Jahrhundert gerichtet werden. Durch die
Darstellung dieser Sachverhalte lassen sich die Ideen der Papierfabrikantenfamilie Zanders hinsichtlich der Entstehung der Gartensiedlung „Gronauer Wald“ in Bergisch
Gladbach in den zeithistorischen Kontext einordnen. Des Weiteren werden die im 19. Jahrhundert entwickelten alternativen Stadtmodelle abgehandelt.
2.1. Die Situation der Arbeiter und die soziale Frage
Die Lebensumstände der Arbeiter im 19. Jahrhundert, sowie die Diskussion bezüglich der „sozialen Frage“ sind eng verknüpft mit einem tief greifenden
Strukturwandel, welcher sich innerhalb weniger Jahrzehnte vollzog. Als Ursache hierfür gilt eine Verknüpfung aus den Ereignissen der Industrialisierung, des
Bevölkerungswachstums sowie der aus diesen beiden Ereignissen resultierenden Binnenwanderung. Es handelt sich hierbei um höchst komplexe Vorgänge, dessen
Determinanten sich nur schwer isolieren lassen und ebenso exakt zu gewichten
Vor allem der technische Fortschritt beschleunigte die „industrielle Revolution“. Als Schlüsselerfindung ist die Dampfmaschine zu nennen, die bedingte, dass der mechanische den biologischen Geräteantrieb ersetzte. Produktionsprozesse konnten
Diese Erfindung drängte den Standortfaktor „Wasser“ als Antriebs- und Transportmittel in den
Hintergrund. Neue Standortfaktoren bestimmten den Produktionsort: Für die
Ansiedlung und Entwicklung eines Industriegebietes war die Anbindung an das moderne Verkehrsnetz vonnöten. Durch die Erfindung der dampfbetriebenen
Eisenbahn und den Ausbau des Schienennetzes ab den 1830er Jahren kam es zu einer steigenden Mobilität, welche den Rohstofftransport und den Warenabsatz
erleichterte. Güter konnten im gesamten Land kostengünstig und schnell transportiert
REULECKE, Jürgen (1985): Geschichte der Urbanisierung in Deutschland, Frankfurt am Main, S. 68.
5
: Die Industrialisierung in Deutschland 1800 bis 1914,
Paderborn, S. 112.
Die Wohnsituation der Arbeiter im ausgehenden 19. Jahrhundert
Der Einsatz der neuen Techniken setzte eine größere Kapitalbasis der Unternehmen voraus, und bedingte zudem eine rationellere und konzentriertere Einordnung der menschlichen Arbeit in den Herstellungsprozess. Es kam zur
Gründung zahlreicher industrieller Unternehmen, welche sich zum wirtschaftlichen
Die für die Entwicklung der Industrialisierung notwendigen Arbeitskräfte stammten überwiegend aus den ländlichen Regionen, sie arbeiteten
Die Hochindustrialisierungsphase war gleichzeitig die Epoche des größten Bevölkerungswachstums in der deutschen Geschichte, welches durch einen
umfassenden Werte- und Systemwandel, sowie durch medizinische Fortschritte
Die Gesellschaft im ländlichen Bereich war vor allem geprägt durch das Feudalsystem: Das Lehnswesen bedingte, dass Landwirte sowie ihre
Im Feudalismus bestanden personenrechtliche und grundherrliche Abhängigkeitsverhältnisse sowie wirtschaftliche Verpflichtungen der bäuerlichen
Bevölkerung gegenüber dem Grundherrn. Durch die Aufhebung der ständischen
Medizinische Fortschritte und Verbesserungen in der Hygiene ließen die Sterberate im Laufe des 18. Jahrhunderts sinken, die Anzahl der großen Epidemien und Seuchen ging zurück. Des Weiteren
gab es für die Bevölkerung eine verbesserte Ernährungsgrundlage. Entgegen der Sterberate blieb die Geburtenrate weiterhin auf hohem Niveau, da das traditionelle
Eine Ursache, aus welchem Anlass die Landbewohner ihre Geburtsorte bzw.
ihre Wohnsitze verließen und in die wachsenden Städten übersiedelten, konnte
einerseits die Aussichtslosigkeit sein, im ländlichen Lebensumfeld ein dauerhaftes Auskommen zu finden, andererseits auch die Hoffnung, in den expandierenden
Städten sowie in den Industrieagglomerationen den eigenen Lebensstandard zu
: Die Industrialisierung in Deutschland, S. 163.
FASSMANN, Heinz (2005): Stadtgeographie 1, Braunschweig, S. 81.
Vgl.: GEURTS, Gerhard(2000): Karren, Kessel und Granaten. Geschichte der Metallindustrie in
Bergisch Gladbach, Bergisch Gladbach, S. 9.
REULECKE (1985): Geschichte der Urbanisierung in Deutschland, S. 69.
: Die Industrialisierung in Deutschland, S. 37.
Vgl.: Ebenda, S. 37-41.
: Bevölkerungsgeographie. Verteilung und Dynamik der Bevölkerung in
globaler, nationaler und regionaler Sicht, Stuttgart, S. 200.
Die Wohnsituation der Arbeiter im ausgehenden 19. Jahrhundert
Die Ausbreitung der städtischen Bevölkerung sowie die Übernahme städtischer Verhaltensweisen durch die Landbewohner wird in der Literatur als
Die Industriestädte wuchsen rasant an, ohne dass
Durch die mangelnde Kanalisation, durch die Überbevölkerung und der Mehrfachbelegung von
Wohnungen entstanden katastrophale hygienische Verhältnisse. Die Wohnungsnot der Industriearbeiter und ihrer Familienangehörigen wurde zum bedeutendsten
Das enorme Wachstum der Städte sowie die größtenteils desolaten Lebensverhältnisse in den städtischen
Wohnquartieren bedingten, dass sich die Stadtplaner der Metropolen mit der
22
2.2. Die Stadtentwicklung im 19. Jahrhundert
Die Flächenexpansion Deutscher Städte begann im Vergleich zur Entwicklung
Nach einer Phase der „inneren Verstädterung“, welche die extensive Ausnutzung des vorhandenen Baubestandes beinhaltete, sowie einer Stadterweiterung, in welcher der Siedlungskörper über die traditionellen
Bebauungsgrenzen in die „städtische Feldmark“ erweitert wurde, begannen die großen Städte ab den 1860er Jahren, das Umland und die Vororte außerhalb ihres
Die Entschädigungszahlungen Frankreichs nach dem deutsch-französischen Krieg sowie
die Reichsgründung im Jahre 1871 gaben einen weiteren ausschlaggebenden Impuls zur Expansion der Großstädte. Insbesondere in den Perioden des
wirtschaftlichen Aufschwungs von 1871 bis 1873 und in der Zeitspanne zwischen
1890 und 1905 wurde eine Vielzahl neuer Industrieunternehmen gegründet, welche der Landbevölkerung Erwerbsmöglichkeiten boten. Die Stadtentwicklung, welche
durch die Industrialisierung hervorgerufen wurde, beschränkte sich nicht nur auf die
Vgl.: REULECKE (1985): Geschichte der Urbanisierung in Deutschland, S. 71.
Vgl.: FASSMANN (2005): Stadtgeographie 1, S. 51.
Vgl.: FASSMANN (2005): Stadtgeographie 1, S. 81.
Vgl.: Landschaftsverband Rheinland (Hg.) (2006): Wohn- und Arbeitersiedlungen im Rheinland. Eine Zwischenbilanz aus denkmalpflegerischer Sicht (= Arbeitsheft der rheinischen Denkmalpflege 67), Worms, S. 28.
3
: Bevölkerungsgeographie, S. 82.
Vgl.: REULECKE (1985): Geschichte der Urbanisierung in Deutschland, S. 78.
Die Wohnsituation der Arbeiter im ausgehenden 19. Jahrhundert
neuen Industriereviere: Auch Großstädte wie Berlin, Hamburg, München, Frankfurt
etc., erlebten eine starke Wirtschaftsentfaltung, da ihnen zentrale Rollen als Verkehrsknotenpunkte im neuen Eisenbahnnetz zukamen. Durch das schnelle
Wachstum der Städte, hatten die Kommunen eine Vielzahl neuer Aufgaben zu bewältigen: Die Infrastruktur musste den neuen Bedingungen angepasst werden, für
die zugezogenen Industriearbeiter musste die Entwicklung des Wohnungsbaus
Die ungeklärte Wohnungsfrage entwickelte sich zum gesellschaftlichen Problem, an dessen Lösung sich unter anderem Terraingesellschaften, Investoren, Baugenossenschaften, Industrieunternehmen und
zu einem späten Zeitpunkt auch die Kommunen beteiligten. Die diversen
Die Errichtung von Wohnraum war eine Existenzgrundlage für Wirtschaft und Industrie. Der Arbeiterwohnbau des 19. Jahrhunderts war ein Mittel im
Im europäischen Vergleich entwickelte sich der Wohnbau unterschiedlich: Während in britischen Städten die wachsende
befriedigt wurde, kam es in den kontinentaleuropäischen Großstädten zur Errichtung von
gründerzeitlichen Massenmietshäusern.
Auch in Deutschland entfaltete sich der Arbeiterwohnbau regional
unterschiedlich: Insbesondere in den bereits bestehenden Großstädten bildeten sich
. In den Industrierevieren kam es neben der Entstehung von überfüllten und schlecht ausgestatteten Massenquartieren zur Errichtung von als mustergültig bezeichneten Industriewohnsiedlungen und
Das ökonomische Fundament dieser Siedlungen bildeten industrielle Großbetriebe, in deren direkter Umgebung innerhalb kurzer Zeitperioden Arbeiterwohnsiedlungen hochgezogen
Vgl.: Landschaftsverband Rheinland (Hg.) (2006): Wohn- und Arbeitersiedlungen im Rheinland, S. 36.
Ebenda, S. 20.
Bei diesem Haustyp wurden die Reihenhäuser Rückseite an Rückseite gebaut, so dass das Wohnhaus nur eine „offene“ Seite aufwies.
Die Literatur definiert Mietskasernen mehrstöckige Mehrfamilienhäuser aus dem Zeitalter der Industrialisierung, welche für die unteren Bevölkerungsschichten gebaut wurden. Da die Hausanordnung dem Stil des Kasernenbaus glich, sprach man umgangssprachlich von Mietskasernen.
Vgl.: REULECKE (1985): Geschichte der Urbanisierung in Deutschland, S. 98.
Die Wohnsituation der Arbeiter im ausgehenden 19. Jahrhundert
wurden. Zur dominanten Hausform entwickelte sich auch hier die
Mietskasernenbebauung, bevor es zur Entstehung von Kleinwohnungssiedlungen
31
2.3. Modelle des Arbeiterwohnbaus
Die Frage nach dem „richtigen Wohnbautypen“ zur Unterbringung der
In der nachstehenden Abhandlung sollen exemplarisch zwei regionale Modelle des
Arbeiterwohnbaus im 19. Jahrhundert erläutert werden. Für den großstädtischen Bau
von Mietswohnhäusern soll das Beispiel Berlin diskutiert werden. Rund um den
historischen Stadtkern entstand durch den Bevölkerungszuzug der „wilhelminische
Wohngürtel“.
Im Ruhrgebiet kam es durch den Aufstieg der Montanindustrie zu einem
enormen Wachstum. Die traditionellen Dörfer wurden überformt, innerhalb weniger
Jahre entstand eine Agglomeration von Städten. Der Bevölkerungsdruck der in das
Ruhrgebiet ziehenden Arbeiter verlangte eine rasche Lösung der Wohnprobleme.
Dieser Komplex wird im zweiten Teil dieser Abhandlung erörtert.
2.3.1. Die Entstehung des „wilhelminischen Wohngürtels“ in Berlin
Infolge der Industrialisierung und dem Zuzug von Arbeitern aus den ländlichen
Regionen kam es in Berlin zu einem erheblichen Bevölkerungswachstum. Im Jahre
1800 betrug die Einwohnerzahl der Stadt Berlin 172.000 Einwohner, im Jahre 1872
lebten in Berlin bereits 774.000 Menschen. Das starke Bevölkerungswachstum
machte eine Verbesserung der städtischen Lebensverhältnisse notwendig. Im
Auftrag des preußischen Innenministeriums sollte ab 1858 eine Planungskommission
des Königlichen Polizeipräsidiums einen Plan zu Verbesserung der Berliner
Infrastruktur entwerfen. Vorsitzender der Kommission war Regierungsbaumeister
. Ziel der Planungen war, in der Stadt ein leistungsfähiges Straßensystem zu installieren. Zu diesem Zwecke war geplant, die bestehenden
Wege zu verbreitern. Des Weiteren sah der Plan vor, die Vorraussetzungen für eine
Vgl.: ZEHNER, Klaus (2001): Stadtgeographie, Gotha, S. 122.
FASSMANN (2005): Stadtgeographie 1, S. 51.
Regierungsbaumeister James Hobrecht lebte von 1825 bis 1902.
Die Wohnsituation der Arbeiter im ausgehenden 19. Jahrhundert
Kanalisation sowie für Versorgungsleitungen zu schaffen. Für die schnell
anwachsenden Eisenbahnstrecken und Bahnhöfe sollten zudem hinreichend große Flächen geschaffen werden. Im Jahre 1862 wurde der so genannte „Hobrecht“-Plan
vorgestellt. Der Straßenfluchtlinienplan legte den Verlauf der Straßen sowie deren Grenzen fest, weitergehende Vorschriften zur Bebauung enthielt der Plan nicht. Der
Fluchtlinienplan sollte die Entwicklung Berlins regulieren und war für einen Zeitraum von 100 Jahren ausgelegt. Der Plan sah eine Maximalbevölkerung von vier Millionen
Einwohnern vor. Vorbild für die städtebaulichen Planungsprinzipien des „Hobrecht- Plans“ waren die Pläne des Barons Georges-Eugène Haussmann, der in Paris
Der Plan James Hobrechts sah zwei ringförmige Gürtelstraßen vor, die die Städte Berlin und Charlottenburg
umgeben sollten. Die dazwischen liegenden noch unbebauten Flächen sollten durch
Der wilhelminische Mietskasernengürtel konnte jedoch erst in Verbindung mit der Baupolizeiordnung aus dem Jahre 1853 entstehen. Dieses Regelwerk schrieb
innerhalb der Baublöcke lediglich eine Mindestfläche der Innenhöfe von 5,34 auf 5,34 Metern vor, damit bei einem Notfall das Sprungtuch der Feuerwehr ausgebreitet
Des Weiteren durfte die Bebauung maximal sechs Vollgeschosse bei einer Traufhöhe von 20 Metern umfassen. Das Fehlen vor weitergehenden
Reglementierungen führte zu Immobilienspekulationen und dem rasanten Wachstum
Für den Mietskasernenbau in den Großstädten der Gründerzeit gab es verschiedene Gründe: So hatten die Kommunen selten eigenes Bauland
vorzuweisen, umfangreiche Bestände an Baugrundstücken befanden sich im
Privateigentum. Durch die Bau– und Bodenspekulation, sowie durch eine optimierte Ausnutzung der Bauplätze konnten lukrative Gewinne erzielt werden. Die völlig
unzureichenden Bauordnungen sowie die Entwicklung von Terraingesellschaften begünstigten die Bodenspekulation. Die Terraingesellschaften entstanden nach 1870
vornehmlich in Berlin und im östlichen Deutschland und traten als eigenständiges Gewerbe neben die Bauunternehmen. Ziel der Terraingesellschaften war unter
Vgl.: ZEHNER (2001): Stadtgeographie, S. 119.
Vgl.: HEINEBERG (2000): Grundriss allgemeine Geographie. Stadtgeographie, S. 214.
Vgl.: ZEHNER (2001): Stadtgeographie, S. 119.
Vgl.: HEINEBERG (2000): Grundriss allgemeine Geographie. Stadtgeographie, S. 215.
Die Wohnsituation der Arbeiter im ausgehenden 19. Jahrhundert
anderem der Zwischenhandel mit Grundstücken, was wiederum das Bauland in den
Bedingt durch eine hohe Ausnutzung des Baugrundstückes schlossen sich an
das repräsentativ gestaltete Vorderhaus oft mehrere aneinander gebaute
Hinterhäuser an, so dass in den hinteren Bauabschnitten nur noch enge, meist
rechteckige Höfe frei blieben. Die Hinterhöfe waren nur durch Durchfahrten unter den
Häusern zugänglich. Die Gestaltung der Vorderhäuser lehnte sich an die
Bürgerhäuser an und bot für Bewohner, Facharbeiter und Kleinbürger akzeptable
Wohnverhältnisse. In den Wohnungen der Hinterhäuser mangelte es dagegen an
Durch die Überbelegung vieler Wohneinheiten entstanden die unwürdigen Wohnverhältnisse, die in der
Literatur häufig bemängelt wurden. Oft wurden zusätzliche Räume der beengten
Wohnungen untervermietet, sämtliche Wohnmöglichkeiten in Kellerräumen oder
unter den nackten Ziegeln ungedämmter Dächer wurden ausgenutzt. Weit verbreitet
40
2.3.2. Der Bau von Werkswohnsiedlungen im Ruhrgebiet
Der Landesteil Nordrhein-Westfalens, welcher als Ruhrgebiet bezeichnet wird,
war Ende des 18. Jahrhunderts naturräumlich mit dem Münsterland oder dem
Niederrhein vergleichbar. Das Ruhrgebiet bestand aus einzelnen Städten und
Dörfern, die vor allem landwirtschaftlich geartet waren. Die größten Kommunen
waren zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Orte Duisburg und Dortmund mit jeweils
mehr als 5000 Einwohnern. Ansiedlungen wie Herne oder Gelsenkirchen, welche im
nördlich gelegenen Emscherland liegen, hatten lediglich einige hundert Einwohner.
Mit dem Beginn des wirtschaftlichen Abbaus der Steinkohle und der damit
verbundenen Industrialisierung entstanden im Ruhrgebiet über 220 Zechen – in den
Städten des Ruhrgebietes kam es durch den Bevölkerungszuwachs aus den
Landregionen zu einem großen Anstieg der Einwohnerzahlen. Schnell musste daher
Wohnraum für verheiratete Vorarbeiter und Meister geschaffen werden. Der
Arbeiterwohnbau im Ruhrgebiet wurde vor allem durch den Werkswohnungsbau der
Vgl.: REULECKE (1985): Geschichte der Urbanisierung in Deutschland, S. 79.
Vgl.: HEINEBERG (2000): Grundriss allgemeine Geographie. Stadtgeographie, S. 213.
Landschaftsverband Rheinland (Hg.) (2006): Wohn- und Arbeitersiedlungen im Rheinland, S. 20.
Die Wohnsituation der Arbeiter im ausgehenden 19. Jahrhundert
In der Schrift des Landschaftsverbands Rheinland „Wohn- und Arbeitersiedlungen im Rheinland“, wird der Zeitraum zwischen 1850 und 1914 als Hochphase des Arbeitersiedlungsbaus beschrieben. Die Autoren des
Werkes sehen vor allem ökonomische Ursachen als Grund für das Engagement der Unternehmer: In der Epoche der fortdauernden Wohnungsnot war die Bereitstellung
von Wohnraum eine Notwendigkeit, um die Arbeiter zum Umzug an den Produktionsstandort zu bewegen und die Facharbeiter an das Unternehmen zu
Wohnungen, die zum Industriebetrieb gehörten, waren neben Unfall-, Kranken- und Altersversicherungen sowie Konsumvereinen, Sparkassen und
Mit der Kopplung von Miet- und Arbeitsverträgen beabsichtigten die Unternehmer, die
Als einer der ersten Betriebe im Ruhrgebiet errichtete die
„Gutehoffnungshütte“ in Oberhausen-Eisenheim ab 1844 eine Wohnsiedlung für Hüttenarbeiter und Hüttenbeamte. Der Grundriss der Wohnkolonie war geprägt durch
ein einfaches Straßenraster, an welchem zweistöckige, verputzte Reihenhäuser entstanden. Die Gebäude beherbergten vier Wohnungen, welche so angeordnet
Hierdurch wurde in Anlehnung an die englische „Cottage-Architektur“ die Illusion eines freistehenden
Bezogen auf die städtebaulich-architektonische Gestaltung untergliedert sich
der Werkswohnungsbau im Ruhrgebiet in mehrere Zeitphasen: Bis ca. 1850 wurden ein- bis anderthalb-geschossige lang gestreckte Häuser mit einer Länge von 100 bis
200 Metern errichtet. In dieser Periode waren die Siedlungen geprägt von
schematisch gerasterten, beliebig erweiterbaren Straßengrundrissen an denen einfache, gleichmäßig gereihte Wohnhäuser, verputzt er aus Backsteinmauerwerk,
An die Tradition des Landarbeiterhauses knüpften von 1850-1870 kleine Wohnsiedlungen an, in welchen gereihte Einzelhäuser für zwei bis vier
Ebenda, S. 14.
Vgl.: Landschaftsverband Rheinland (Hg.) (2006): Wohn- und Arbeitersiedlungen im Rheinland, S. 37.
Ebenda, S. 27.
Ebenda, S. 36.
Die Wohnsituation der Arbeiter im ausgehenden 19. Jahrhundert
Familien entstanden. In diesen Kolonien wurden streng lineare oder rasterartige
Baukörper errichtet. Die Wohnhäuser, häufig mit Backsteinen versehen, wiesen streng geometrische Bauformen auf, wie beispielsweise Wohngebäude im „Kreuz-
Grundriss“. Die Gebäude hatten zwei Geschosse und beinhalteten vier Wohnungen. Zu den Häusern gehörte ein Garten, in welchem sich zudem ein Schuppen für Stall
und Toilette befand. In der Periode ab 1871 wurden mit dieser Bauform größere zusammenhängende Siedlungskomplexe erbaut. Bedingt durch die verstärkte
Wohnungsnachfrage wurden jedoch die Grundstücke mit einer höheren Baudichte versehen. In der Zeitspanne von 1890-1900 erhöhten sich die Ansprüche an die
bauliche Gestaltung der Wohnhäuser. Es wurde verstärkt auf die Breite, Form, Farbe und Lage der Gebäude geachtet. Durch die vielschichtigere Planung der Häuser
Im Zeitraum von 1900 bis 1906 besann man sich verstärkt auf das malerisch-schlichte Bild alter Städte und Dörfer. Man
Ab ca. 1905 entstanden in der Ruhrregion gartenstadtähnliche Werkskolonien,
welche sich als Gegenbewegung zur Mietskasernenbebauung sowie rasterförmigen Werkskolonien sahen. Es wurden zudem die topographischen Gegebenheiten
Trotz der umfangreichen Baumaßnahmen konnten die Werkswohnsiedlungen in den Industrierevieren den massiven Zustrom an
Arbeitskräften kaum auffangen, so dass sich viele Familien eine Wohnung teilen mussten oder auch Kostgänger aufnahmen. Beim Bau neuer Häuser wurde diese
Entwicklung dadurch berücksichtigt, dass die Küche zur Wohnküche umfunktioniert wurde. Der Zugang zu den Wohn- und Schlafräumen wurde so geplant, dass der
Untermieter die Zimmer erreichen konnten, ohne die Zimmer der Familie betreten zu
müssen.
2.4. Alternativen zum klassischen Arbeiterwohnbau
Die Teils katastrophalen Lebensumstände in den Großstädten erklären,
weswegen gerade im ausgehenden 19. Jahrhundert neue Siedlungskonzepte
Vgl.: HEINEBERG (2000): Grundriss allgemeine Geographie. Stadtgeographie, S. 217.
Landschaftsverband Rheinland (Hg.) (2006): Wohn- und Arbeitersiedlungen im Rheinland, S. 26.
HEINEBERG (2000): Grundriss allgemeine Geographie. Stadtgeographie, S. 217-218.
Die Wohnsituation der Arbeiter im ausgehenden 19. Jahrhundert
Im folgenden Kapitel soll das Modell der Gartenstadt als alternatives Konzept des Arbeiterwohnbaus diskutiert werden. Darauf folgt eine
Abhandlung über die Gartenstadtbewegung in Deutschland.
2.4.1. Das Modell der Gartenstadt
Die „Idee der Gartenstadt“ wurde im Jahre 1898 vom Briten Ebenezer
als Reaktion auf die unwürdigen Wohnverhältnisse in den stark
Ziel war es, die Entwicklung der in der Industrialisierung rasant angewachsenen Städte zu steuern, das unkontrollierte
Wachstum neuer Stadtviertel am Rande der Stadt sowie die drohende Verdichtung
im Stadtinneren zu verhindern. Stattdessen schlug Ebenezer Howard
Siedlungsneugründungen im Umland der historischen Kernstadt vor. Diese neu
errichteten Großsiedlungen waren als selbständige Einheiten am Rande der Städte
mit einem effektiven Transportsystem zur Verbindung des Trabanten mit der
Eine Gartenstadt sollte nach den Plänen Howards maximal 32000 Einwohner und einen „gewissen Abstand“ zur „Zentralstadt“ haben.
Gartenstädte und Zentralstädte waren durch einen geschützten Grüngürtel getrennt
geplant, welche unbebautes Land und Grünflächen enthielten. Das Modell der
Gartenstadt sah zudem die so genannte „Gartenstadtdichte“ vor: Es wurde auf eine
angegeben. Des Weiteren sollte die Gartenstadt durch vom Zentrum abgehende
Radialstraßen in Nachbarschaften gegliedert werden. Im Zentrum der Gartenstadt
sahen die Pläne Ebenezer Howards zentrale Einrichtungen wie Theater, Bücherei,
Die Gartenstadt sollte mit allen erforderlichen Arbeitsplätzen ausgestattet sein. Die kreisförmige Gartenstadt wurde
tangential durch eine Eisenbahn erschlossen, die die Verbindung zu anderen
Vgl.: ZEHNER (2001): Stadtgeographie, S. 122.
Ebenezer Howard wurde 1850 geboren und starb im Jahre 1928. Howard erlebte schon in jungen Jahren die Verschmutzung, räumliche Verdichtung sowie die katastrophalen sozialen Verhältnisse in den modernen Industriemetropolen.
Vgl.: HOWARD, Ebenezer (1898): „Author’s Introduction and „The town-Country Magnet“: From Garden Cities of tomorrow, in: LEGATES, R.T.; STOUT, F. (Hg.): The City Reader, London, New, York 1996, S. 345-353.
Ein „acre“ entspricht der Größe von 0,4 Hektar.
Vgl.: ZEHNER (2001): Stadtgeographie, S. 125.
Die Wohnsituation der Arbeiter im ausgehenden 19. Jahrhundert
Städten sicherstellte. Nach der Errichtung der Gartenstadt plante man, die Siedlung
nicht weiter auszubauen. Ebenezer Howard sah den Aufbau weiterer Gartenstädte vor, die ebenfalls eigenständige Einheiten bildeten. Im Umfeld einer Zentralstadt
konnte so ein Ring von Gartenstädten entstehen, die sowohl von der Kernstadt als
In Howards Plänen hatte auch die Finanzbasis der Stadt eine erhebliche Bedeutung: Der gesamte Grund und Boden war als öffentliches oder
genossenschaftliches Eigentum vorgesehen. Es sollte eine gemeinnützige, kapitalkräftige Gesellschaft gegründet werden, die im Interesse der Wohnungsreform
und der gewerblichen Tätigkeit ein großes Gelände ersteht und nach zweckmäßiger Aufschließung die Planung der Gartenstadt organisiert. Die Überschüsse aus den
potentiellen Bodenrenten sollten dazu genutzt werden, die Infrastruktur der Gartenstadt zu erhalten. Die Planer der Gartenstadt sollten sich von den
nachstehenden Grundgedanken leiten lassen: Von Beginn an auf die Gesundheit, auf die planmäßige Erschließung des Geländes, sowie die räumliche und
Nach Ebenezer Howards Plänen wurden die beiden Gartenstädte
errichtet, die in ihren Grundrissstrukturen zwar von dem kreisförmigen Idealmodell abweichen, trotzdem jedoch wesentliche
Merkmale der Gartenstadt aufweisen. Jene Städte waren zunächst die einzigen Siedlungen, welche als „reine“ Gartenstädte verwirklicht wurden. Die Ideen Ebenezer
Howards führten zur Gründung von 100 neuen Städten in Großbritannien, die nach dem Gartenstadtideal gebaut wurden. Es entstanden jedoch keine reinen
Gartenstädte – vielmehr wurden Wohnsiedlungen mit gartenstadtähnlicher Bebauung
errichtet. Von den Gestaltungsprinzipien der Howardschen Gartenstadt wurden in den „Gartenvorstädten“ nur grundsätzliche Kriterien niedergelegt: Dazu gehörte die
Gartenstadtdichte mit überwiegender Doppelhaus-Bauweise sowie die starke
61
HEINEBERG (2000): Grundriss allgemeine Geographie. Stadtgeographie, S. 117.
Vgl.: KAMPFFMEYER, Bernhard (1908): Von der Kleinstadt zur Gartenstadt, Berlin-Nikolassee, S. 5.
Letchworth wurde ab 1903 50 km nördlich von London gebaut.
Vgl.: HEINEBERG (2000): Grundriss allgemeine Geographie. Stadtgeographie, S. 118.
Die Wohnsituation der Arbeiter im ausgehenden 19. Jahrhundert
2.4.2. Die Gartenstadtbewegung in Deutschland
Das Modell der Gartenstadt des Briten Ebenezer Howards fand auch in
Deutschland Zustimmung. Im Jahre 1902 wurde die „Deutsche
In der Publikation „von der Kleinstadt zur Gartenstadt“ aus dem Jahre 1908 bezeichnet sich die Deutsche
Gartenstadtgesellschaft als eine reichsweit agierende „Propagandagesellschaft“. Ihr
Ziel sieht die Vereinigung darin, das Volk zur Gründung von Gartenstädten zu
sensibilisieren. In der Gartenstadt sieht die Gesellschaft eine planmäßig gestaltete
Siedlung, die sich im Eigentum der Gemeinschaft befindet und eine Spekulation mit
dem Grund und Boden dauerhaft unterbindet. Die Gartenstadt wird als neuer
Stadttypus gesehen, welcher eine umfassende Wohnreform zulässt. Für Industrie
und Handwerk würden in der Gartenstadt vorteilhafte Produktionsbedingungen
gewährleistet, große Teile des Gebietes würden dauerhaft für Garten- und Ackerbau
Eine fortschreitende Gartenstadtbewegung hatte nach der Broschüre der
Deutschen Gartenstadtgesellschaft das Endziel einer „Innenkolonisation“: Durch die
planmäßige Gründung von Gartenstädten sollte die Industrie dezentralisiert werden
und damit eine ebenmäßige Verteilung des Gewerbelebens in der Region bewirkt
werden. Die Gesellschaft vertrat den Standpunkt, dass diese Siedlungskörper das
städtische Leben gesünder und vielseitiger gestalten würden. Die benachbarte
Landwirtschaft würde vom Kulturwerte, dem technischen Rüstzeug der Stadt und
dem direkten Absatzmarkt in der Stadt profitieren. Die Deutsche
Gartenstadtgesellschaft sah es als ihr Ziel, derartige Siedlungen durch besondere
Gründungsgesellschaften zu bilden. Öffentliche Körperschaften sollten zudem für die
Idee der Gartenstadt gewonnen und gefördert werden. So begünstigte die Deutsche
Gartenstadtgesellschaft vor allem die Begründung von Wohnsiedlungen,
In Deutschland fand die Gartenstadtbewegung Niederschlag in einer Reihe
von Wohnsiedlungen, die vom Gartenstadtgedanken beeinflusst wurden. Nach einer
Auflistung aus dem Jahre 1915 gab es im Rheinland drei Anlagen im Sinne der
Gartenstadtbewegung: Dies war die Siedlung Margarethenhöhe in Essen, die
Landschaftsverband Rheinland (Hg.) (2006): Wohn- und Arbeitersiedlungen im Rheinland, S. 55.
Vgl.: KAMPFFMEYER (1908): Von der Kleinstadt zur Gartenstadt, S. 18.
Vgl.: Ebenda, S. 18.
Die Wohnsituation der Arbeiter im ausgehenden 19. Jahrhundert
Gartenstadt Wedau in Duisburg und die Siedlung Gronauer Wald in Bergisch
Es entwickelten sich lediglich „gartenumgebene Kleinhaus- oder Villensiedlungen“ oder
Diese gartenstadtähnlichen Wohnsiedlungen hatten keine zugeordneten Arbeitsstätten, keine funktionale Selbständigkeit und keine eigenen Versorgungszentren –
wesentliche Merkmale der Howardschen Gartenstadt wurden in diesen Siedlungen nicht realisiert. Viele Siedlungen jedoch verdanken dem Gartenstadtgedanken ihre
Auch wenn vom ursprünglichen Gartenstadtgedanken Ebenezer Howards in
der Praxis nur wenige Grundsätze realisiert worden sind, so sind wichtige Gestaltungsprinzipien aus dem Modell der Gartenstadt in den Siedlungsbau mit
eingeflossen: Insbesondere die Planmäßigkeit der Wohnungssiedlungsanlagen, die Offenheit und Durchgrünung der Bebauung und die räumliche Entflechtung wichtiger
Funktionen (Wohnen, Arbeiten, Erholung) sind als positiv zu bezeichnen. Sie stehen
69
Vgl.: Ebenda, S. 30.
Vgl.: NOVY, Klaus (Hg.) (1986):Wohnreform in Köln. Geschichte der Baugenossenschaften. Zur Ausstellung „Anders Leben“, Kölnisches Stadtmuseum, Köln, S. 38.
Vgl.: Ebenda, S. 218.
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