1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit 2
2. Theoretische Grundlagen 3
2.2.3 Kosten 18
3. eCommerce in der Beschaffung stationärer Einrichtungen des 21
3.4 Zwischenergebnis 31
4.5 Zwischenergebnis 47
5. Ansätze von eCommerce Lösungen für die P.E.G. 49
5.4 Strategische Empfehlung 66
6. Resümee 69
Tabelle 1: Anzahl Mitgliedshäuser nach Trägern und Ausrichtung 42
Tabelle 2: Anzahl und Betten Mitgliedshäuser nach Ausrichtung gesamt 43
Tabelle 3: Anzahl Mitgliedshäuser nach Ausrichtung pro Größenordnung 43
Tabelle 4: Anzahl Mitgliedshäuser nach Ausrichtung pro Größenordnung +50 44
Tabelle 5: Betten Mitgliedshäuser nach Ausrichtung pro Größenordnung +50 45
gesamt
1. Einleitung 1.1 Problemstellung
Stationäre Einrichtungen im Gesundheitswesen werden durch die Folgen der Gesund- heitsreform und der Umstellung auf die AR- DRG auch in Zukunft weiter steigendem Kostendruck ausgesetzt sein. Dementsprechend wird der Wettbewerb sowohl im Inland, als auch, im Hinblick auf den vermehrten „Medizintourismus“ im Ausland, untereinander verstärkt werden, so dass das Management einer Einrichtung vor die Herausforderung gestellt wird, Kosten zu sparen, während gleichzeitig Qualität und Effizienz der Dienst- leistungen gehalten oder gesteigert werden sollten. 1
Mögliches Einsparpotential für diese Herausforderung liegt unter anderem in den Berei- chen Einkauf und Logistik und somit im Beschaffungsprozess der Einrichtungen. Hier helfen schon heute Einkaufsgemeinschaften, Kooperationen und Verbunde, wie z.B. die P.E.G. e.G. in München, indem sie den Beschaffungsbedarf der Einrichtungen bündeln und somit günstigere Preise mit den Partnerlieferanten verhandeln können. Eine andere Möglichkeit, den Beschaffungsprozess zu optimieren, kann die Integration von eCom- merce sein. So schätzen Experten das mögliche Einsparpotential deutscher Krankenhä u- ser auf ca. 80%, wenn bei Bestellungen das Medium „Internet“ genutzt würde. 2
In dieser Entwicklung sieht die P.E.G., welche als Partner für Einkauf und Beratung im Gesundheitswesen seit über 30 Jahren ihre Funktion als Genossenschaft wahrnimmt, eine persönliche Herausforderung, ihre über 1500 Mitgliedshäuser und über 350 Partnerliefe- ranten zum Thema eCommerce optimal zu beraten. Auch im Hinblick auf eine vermehrte Konkurrenz an Einkaufskooperationen und der Entwicklung von Einkaufsplattformen für das Gesundheitswesen im Internet kann eCommerce als Service der P.E.G. auch eine stra- tegische Chance für die Genossenschaft bedeuten. Somit kann es mit dem Ziel einer so- genannten „win- win“ Situation, bei der für die Mitglieder der P.E.G. und für die Genos- senschaft selbst Nutzen entsteht, sinnvoll sein, dass die P.E.G. für ihre Mitglieder eCom- merce Lösungen evaluiert und anbietet.
1
Vgl. Schober, C. (2001), S. 1.
2 Vgl. Porsche, R. (2000), S. 215.
1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit
Inhalt dieser Arbeit ist die Betrachtung der Möglichkeiten, eCommerce in die Bescha f- fung stationärer Einrichtungen des Gesundheitswesens zu integrieren. Insbesondere soll die Frage geklärt werden, in welcher Form die P.E.G. in Zukunft eCommerce als zusätzli- che Serviceleistung erbringen kann, damit effektiver Nutzen für beide Seiten entsteht.
Dazu werden in Kapitel 2 zunächst Grundlagen des eCommerce und der Beschaffung in stationären Einrichtungen des Gesundheitswesens erläutert. Dieses Kapitel soll einen Einblick in die Bedeutung, die Entwicklung sowie die Erscheinungsformen des eCom- merce und die Bedeutung, Aufgaben und Kosten der Beschaffung in stationären Einric h- tungen des Gesundheitswesens geben.
Die Bedeutung von eCommerce für die Beschaffung stationärer Einrichtungen des Ge- sundheitswesens im Hinblick auf potentiellen Nutzen wird in Kapitel 3 dargestellt. Au- ßerdem werden hier die rechtlichen Rahmenbedingungen, welche bei der geschäftlichen Nutzung elektronischer Transferwege und in Verbindung mit der Bildung von Einkaufs- gemeinschaften in Betracht kommen, dargelegt.
Kapitel 4 stellt die aktuelle Situation der P.E.G. selbst sowie im Verhältnis zu ihren Mit- bewerbern und auch in Bezug zu ihren Mitgliedern und deren Wünschen dar. Es werden hier die Ausgangsgrundlagen für Ansätze von eCommerce Lösungen anhand von Sekun- däranalysen herausgearbeitet.
Drei mögliche Ansätze von eCommerce Lösungen werden im Kapitel 5 als Modelle vor- gestellt und im Hinblick auf Umsetzbarkeit und Nutzen für die P.E.G. und ihre Mitglieder kritisch bewertet. Außerdem wird in diesem Kapitel eine strategische Empfehlung für die zukünftige Entwicklung von P.E.G. Geschäftsfeldern gegeben.
Den Abschluss dieser Arbeit bildet ein Resümee.
2. Theoretische Grundlagen 2.1 Electronic Commerce 2.1.1 Bedeutung
Electronic Commerce aus dem Englischen übersetzt, bedeutet elektronischer Handel. Es ist ein Begriff, der zwar weit verbreitet, dessen Inhalt jedoch noch nicht abschließend geklärt ist. So finden sich in der Literatur eine Vielzahl unterschiedlicher Definitionen des Electronic Comme rce (eCommerce). 1
Haertsch hat die wesentlichen von ihnen zusammengetragen und ihre Kernaspekte in fo l- gender Definition abgebildet: ,,Unter Electronic Commerce wird die Unterstützung von Geschäftstransaktionen, Geschäftsprozessen und Beziehungen zu sämtlichen internen und externen Partnern eines Unternehmens durch Informations- und Kommunikationstechno- logien verstanden." 2 Es handelt sich somit nicht ausschließlich um einen Online- Verkauf
von Waren und Dienstleistungen. Es gilt vielmehr: "Internet sales are just the tip of the iceberg of economic value that companies can derive from e- commerce." 3
Synonym zu eCommerce werden häufig auch der Begriff Electronic Business (eBus iness) oder Electronic Service (eService) verwendet. eBusiness meint jedoch eine Geschäftstä- tigkeit, die vollständig auf das Internet konzentriert ist, wie z.B. Online-Werbung, Online- Servicedienste oder die Erstellung von Websites. eService umfasst dagegen alle Dienst- leistungen, die auf elektronische Wege angeboten und in Anspruch genommen werden. 4
Aus technologischer Sicht ist eCommerce die Bemühung, mit Hilfe von Internettechnolo- gien, Kommunikations-, Auftrags- und Klärungsprozesse sowie inner- und zwischenbe- trieblichen Workflow abzubilden. Hierzu werden das freie Internet, betrieblich geschlos- sene Intranets oder Extranets, bei denen ein Intranet ausgewählten Kunden oder Lieferan- ten geöffnet wird, genutzt. Die im eCommerce umgesetzten Prozesse sind dabei vollstän- dig medialisiert, das heißt über elektronische Medien erreichbar und bedienbar und finden somit in einem virtuellen Arbeitsraum statt. 56
1
Vgl. Siebert, A. (1999), S. 8.
2 Haertsch, P. (2000), S. 13.
3 Masterson, M. (1999), (o. S.).
4 Vgl. Müller-Hagedorn, L., Kaapke, A. (1999), S. 195.
5 Vgl. Mocker, H., Ahlreep, J. (2000), S. 20.
6
Aus Sicht einer Unternehmung kann eCommerce eine Verbesserung in der gesamten Wertschöpfungskette bedeuten, indem es eine Vielzahl von geschäftlichen Transaktionen und Operationen erleichtert oder neu erschließt. Als Beispiele sind ein schnellerer Infor- mationsaustausch, mit einer Erleichterung der Erstellung des Erstkontaktes zwischen po- tentiellen Kunden und Anbietern sowie ein detaillierterer Kunden-Support vor und nach dem Kauf durch Detailangaben zu verfügbaren Produkten aus einem Online- Katalog zu nennen. Über das Medium Internet wird eine weltweite Marktpräsenz ermöglicht und Dienstleistungen, technische Anweisungen zur Produktverwendung, Reaktionen auf Kun- denfragen, sowie der Verkauf von Produkten über elektronischen Za hlungsverkehr, wie Electronic Funds Transfer, Kreditkarten, elektronische Schecks, Electronic Cash erleic h- tert. Weiterhin bedeutet eCommerce für Unternehmen eine Verbesserung des Vertriebs, in den Bereichen Vertriebsmanagement und Verwaltung physisch vorhandener Produkte und von Produkten, die elektronisch geliefert werden können, wie Softwarelizenzen oder Datenmaterial. Ein weiterer Vorteil ergibt sich in der Möglichkeit ein virtuelles Unter- nehmen zu gründen, indem unabhängige Unternehmen durch einen Zusammenschluss ihre Kompetenz zusammenführen, so dass Produkte oder Dienstleistungen angeboten werden können, die ohne eine Zusammenarbeit nicht bereitgestellt werden könnten. 1
Aus Sicht der Verbraucher kann eCommerce eine Erleichterung in der Abwicklung alltäg- licher Prozesse darstellen. Beispiele dafür sind zum Beispiel die online Bestellung eines Buches, Ersteigerungen von Flugtickets über das Internet, Bestellung von Produkten di- rekt beim Hersteller und nicht über einen Zwischenhändler, online Sammelbestellungen, Homebanking, elektronische Beglaubigung von Online-Verträgen über online Notare aber auch das schnellere Auffinden von speziellen Firmen oder Produkten über Suchmaschi- nen.
Für stationäre Einrichtungen des Gesundheitswesens hat eCommerce dieselbe Bedeutung wie für andere wirtschaftliche Unternehmen und für Verbraucher. Zusätzlich kann es in Bezug auf die Beschaffung eine Reduk tion der Beschaffungskosten bedeuten. 2 Über ei-
nen zentralen Einkauf, der an ein hauseigenes Intranet gekoppelt ist, lassen sich mehrfa- che Lagerhaltung und Doppelbestellungen vermeiden. Durch Transparenz über die Lager
1
Vgl. Haf, A. (1998), S. 3 f..
2 Vgl. Menne, M. (2000), S. 13.
bestände und das jährliche Bestellvolumen können online Ausschreibungen erfolgen. e- Commerce- Handelsdatenbanken verschaffen dem Einkäufer Übersicht bei der Preisre- cherche und in Zukunft könnte der beste Preis „nur einen Mausklick weit entfernt sein“. Weiterhin könnten Bestellungen per eMail und nicht mehr per Fax, Telefon oder Brief erfolgen, wodurch Kosten gespart werden könnten. Eine weitere Bedeutung erhält der eCommerce durch die Möglichkeit der Bildung von virtuellen Einkaufs- Communities, welche durch Bündelung ihres Bedarfes Preisnachlässe bei Lieferanten erreichen kön- nen. 1
Die Bedeutung des eCommerce in seiner heutigen Funktion ergibt sich aus den techni- schen Möglichkeiten eCommerce Lösungen anzuwenden. Deshalb soll im Folgenden die Entwicklung und die technische Basis des eCommerce näher betrachtet werden.
2.1.2 Entwicklung und technische Basis
Electronic Commerce wird in Form von Elektronic Data Interchange (EDI) bereits seit den 70er Jahren betrieben. EDI umfasst Standardformate zur Übertragung von Datenvo- lumen zwischen zwei Parteien und setzt eine entsprechende Vereinbarung voraus. Betrie- ben wird EDI über eigene, nicht öffentliche Netze, sogenannte Value Added Networks (VAN). 2
Mit der Nutzung des Multimediadienstes World Wide Web (WWW) innerhalb des Inter- net wird seit den 90er Jahren der eCommerce auf eine wesentlich breitere Basis gestellt. Die Gründe hierfür liegen vor allem in der leichten Zugänglichkeit zu niedrigen Kosten sowie der globalen Reichweite, so dass Nutzergruppen von großen Unterne hmen bis hin zu Endverbrauchern der Zutritt möglich wird. 3
Das Internet wiederum entwickelte sich Anfang der 70er Jahre aus dem ARPANet, wel- ches damals vom amerikanischen Verteidigungsministerium mit vier Rechner- Netzkno- ten in Betrieb genommen wurde, um ein ausfallsicheres Netzwerk zu schaffen. Das Inter- net ist heute sozusagen ein Vielfaches dieses ARPANet, indem es einen Verbund einzel-
1
Vgl. Riegel, F. (2000), S. 104.
2 Vgl. Haertsch, P. (2000), S. 10.
3 Vgl. Nath, R. (1998), S. 97.
ner Computer- Netzwerke darstellt. Die Kommunikation der verschiedenen Netzwerke
erfolgt über ein gemeinsames Protokoll, das Transmission Control Protocol/ Internet Pro-
tocol (TCP/IP). 1
Die Nutzung des Internet erfolgte bis in die 90er Jahre durch Internet- Dienste, wie Te l-
net, einem Dienst für Remote- Computing, dem File Transfer Protocol (FTP) zum Über-
tragen von Daten zwischen entfernten Rechnern, Usenet oder auch News oder NetNews,
einer Art elektronischer Datenpinwand und eMail, zum Verschicken und Empfangen e-
lektronischer Post. 2
Heute ist, wie in Abbildung 1 dargestellt, durch die gemeinsame Sprache TCP/IP und die
darauf aufbauenden Protokolle eine Kommunikation zwischen verschiedensten Rechnern
und Diensten möglich. 3
Abb.1: Protokolle und Dienste im Internet
Quelle: Schwickert, A.C., Theuring, T.E. (1998), S. 77.
So sind heute im Internet die Dienste eMail, FTP, Telnet, WWW und News vertreten.
Dabei bildet das WWW innerhalb dieser Dienste einen neuen multimedialen Internet-
dienst, der erstmals die Nutzung der Internetressourcen über eine graphische Benutzer-
oberfläche erlaubt.
1 Vgl. Siebert, A. (1999), S. 45.
2 Vgl. Siebert, A. (1999), S. 46.
3 Vgl. Schwickert, A.C., Theuring, T.E. (1998), S. 76 f..
Entwickelt wurde das World Wide Web zu Beginn der 90er Jahre vom Kernforschungsin- stitut CERN und stellt neben dem eMail Dienst heute mit Abstand den wichtigsten Dienst im Internet dar. 1 Als Hypermediasystem ermöglicht das WWW Objekte wie Texte, Gra-
phiken oder Animationen über Querverweise (Links) miteinander zu verbinden. Als Be- nutzerschnittstelle dienen sogenannte Browser, welche eine graphische Oberfläche dar- stellen auf welcher der Benutzer per Mausklick die gewünschten Links anklickt. Die Ver- bindung zu dem Server auf dem die erwünschte Information liegt, wird automatisch auf- gebaut und die Daten werden per HTTP (Hyper Text Transfer Protocol) übertragen. 2
Die Seiten im WWW werden durch die Seitenbeschreibungssprache HTML (Hypertext Markup Language) programmiert und so können Hypermedien in die jeweiligen Seiten integriert werden. Damit die verschiedenen Datenpakete im Netz sich nicht gegenseitig stören, werden die einzelnen Netzknoten (Hosts) über das System der Namensvergabe DNS (Domain Name System) mit einer Adresse versehen. So werden die Domains in der Bundesrepublik Deutschland unter der Top Domain „de“ von der zentralen deutschen Verwaltungs- und Vergabestelle „DE- NIC“ (Deutschland Network Information Center) mit Sitz in Karlsruhe, vergeben. Neue Sub- Domain Namen können nur über die DE- NIC vergeben werden, damit Doppeldomains vermieden werden. 3
Das ökonomische Potential des WWW erkannten zunächst Unternehmen in den USA, jedoch wurde im Jahr 1995 auch in Deutschland und Europa dieses Medium entdeckt und vermehrt genutzt, um das eigene Unternehmen über eine Homepage darzustellen oder über Produkte zu informieren. Dabei wurde die Homepage über HTML Format erstellt, welches trotz der Möglichkeit Dateien anzubinden starre Strukturen hat. Um eine flexible Transaktionsfähigkeit für eCommerce zu erreichen, wurden externe Applikationen über Schnittstellen wie ISAPI (Internet Server Application Programming Interface) von Micro- soft, NSAPI (Netscape Server Application Programming Interface) von Netscape oder über CGI (Common Gateway Interface) an die HTML angebunden. 4
1
Vgl. Köhler, T., Best, R.B. (1998), S. 22.
2 Vgl. Schwickert, A.C., Theuring, T.E. (1998), S. 78.
3 Vgl. Siebert, A. (1998), S. 47.
4 Vgl. Köhler, T., Best, R.B. (1998), S. 23.
Ein CGI Programm wird in Echtzeit ausgeführt und kann dynamische Informationen aus- geben, wie zum Beispiel nach Eingaben des Nutzers bestimmte Aktionen folgen lassen, individuelle Rückmeldungen generieren oder den Zugriff auf Datenbanken erlauben. Be i- spiele hierfür sind Gästebücher, Zugriffszähler und andere Anwendungen für die Auswer- tung von Dialogformularen. CGI und die anderen Schnittstellen ermöglichen es somit, dass Webseiten aufgrund vorliegender Datenbankinformationen automatisch erstellt und aktualisiert werden können. Weiterhin können so über das WWW gewonnene Benutzer- daten in Datenbanken gespeichert werden, so dass Transaktionen abgebildet werden kön- nen.
Die Möglichkeit der Transaktionsabbildung liefert die Basis für eCommerce in Form von Onlineinteraktionssystemen, Implementierungen von Warenkörben sowie Zugriffen auf Artikeldatenbanken als Grundlage für einen Onlineshop und andere Variationen. 1 Zur
Systematisierung der möglichen Ausprägungen soll im Folgenden auf die verschiedenen Erscheinungsformen des eCommerce näher eingegangen werden.
2.1.3 Erscheinungsformen
eCommerce wird in verschiedenen Formen praktiziert. Je nach Art der am Geschäft betei- ligten Parteien wird unterschieden in:
Business-to-Business-Commerce (B2B)
Business-to-Consumer-Commerce (B2C) Business-to-Administration-Commerce (B2A) Consumer-to-Consumer-Commerce (C2C) Administration-to-Consumer-Commerce (A2C) Administration-to-Administration-Commerce (A2A) 2
1
Vgl. Köhler, T., Best, R.B. (1998), S. 34.
2 Vgl. Merz. M. (1999), S. 23 f..
Business- to- Business- Commerce umfasst den Online- Handel zwischen verschiedenen Unternehmen entlang der Zulieferbeziehung einer bestehenden Wertschöpfungskette. eCommerce hilft hierbei den Einkaufsabteilungen, den Beschaffungsbedarf eines Unter- nehmens zum richtigen Zeitpunkt zu erkennen und beim Zulieferer rechtzeitig Kapazitä- ten zu reservieren. Dazu ist eine präzise Überwachung von Ein- und Verkaufstransaktio- nen der Unternehmen erforderlich. Wal- Mart, eine amerikanische Supermarkt-Kette, gilt als Paradebeispiel für eine B2B Geschäftsbeziehung. Bei Wal- Mart werden die Waren- abgänge an den Point of Sales Terminals direkt an den Lieferanten gemeldet, so daß die- ser in Echtzeit den Lagerbestand des Geschäfts verfolgen kann. Ein Schlüsselelement ist dabei der Zugriff des Lieferanten auf die Datenbank von Wal- Mart über dessen Extranet.
Business- to- Consumer- Commerce, auch Electronic Retailing genannt, bezeichnet Akti- vitäten von Unternehmen, Waren direkt an den Endkunden abzusetzen. Ein Beispiel hier- für ist der Verkauf der Ware eines Softwareherstellers über das Internet direkt an den pri- vaten Endverbraucher. Andere Beispiele sind Einkaufszentren im Internet, die alle Arten von Konsumgütern, von Lebensmitteln bis hin zu Computern und Kraftfahrzeugen anbieten. B2C Handelstransaktionen sind durch Spontanität, mittlere bis kleine Transakti-
onsvolumen (bis zu einigen hundert Euro) und keiner vertraglichen Bindung zwischen den Transaktionspartnern gekennzeichnet. Neben der Produktauswahl findet meist auch die Bezahlung online statt. Als Kunde tritt zumeist eine einzelne Person auf. Zu Verhand- lungen zwischen den Geschäftspartnern kommt es aus Kostengründen kaum.
Business- to- Administration- Commerce umfasst alle Transaktionen zwischen Unterne h- men und staatlichen Behörden. Der Anwendungsbereich des B2A Commerce liegt vor allem in öffentlichen Beschaffungsverfahren und dort im Bereich der öffentlichen Aus- schreibungen. Neben dem staatlichen Beschaffungswesen haben Behörden ebenfalls die Möglichkeit, elektronischen Datenaustausch für Transaktionen wie Mehrwertsteuerrück- erstattungen und die Bezahlung von Körperschaftssteuern anzubieten. 1
Consumer- to- Consumer- Commerce beschreibt den eCommerce zwischen Endverbrau- chern, also Konsumenten. C2C Commerce erfolgt zum Beispiel, indem Privatanwender füreinander Werbung betreiben (Bannertauschringe). Ebenso bieten C2C- Systeme wie
eBay (www.ebay.com) Privatpersonen die Möglichkeit, Produkte einander direkt anzu- bieten und einen Online- Verkauf auf Basis von Auktionen auszuhandeln oder abzu- schließen. Hier ergeben sich Vorteile, wenn geschlossene Benutzergruppen entstehen, für die eine C2C- Infrastruktur bereitgestellt werden kann, ohne daß "offizielles Geld" fließt. Ein Beispiel dafür wäre, wenn ein Online- Dienst über mehrere Millionen Mitglieder ver- fügt und beispielsweise T - Taler als Verrechnungseinheit einsetzt, den Umlauf von T- Talern lediglich als Kundenbindungsinstrument einsetzt und alle Teilnehmer dann Diens- te, Waren und T- Taler gegeneinander austauschen, ohne steuerlich belastet zu werden.
Administration- to- Consumer- Commerce beschreibt die Transaktionen zwischen Staat und Konsumenten. A2C- Commerce hat nur wenig kommerziellen Charakter, jedoch bie- ten sich Möglichkeiten des eCommerce in Bezug auf elektronische Steuererklärungen, Online- Vermittlung Arbeitssuchender oder Online- Mechanismen zur Bürgerbeteiligung bei Wahlen. Weiterhin kann der Staat die Bürger beim B2C- Commerce unterstützen, indem er Produktempfehlungen ausspricht, schwarze Listen für unzuverlässige Unter- nehmen führt oder Qualitätsmerkmale von Unternehmen feststellt und publiziert und so- mit dem Konsumenten bei der Auswahl eines Angebots hilft.
Administration- to- Administration- Commerce beschreibt die eCommerce Transaktionen zwischen staatlichen Einrichtungen und hat wie A2C- Commerce nur geringen kommer- ziellen Charakter. Beispiele für A2A- Commerce wären Auktionssys teme, über die inter- nationale Rechte erworben werden können, wie zum Beispiel das Recht zur Emission bestimmter Mengen von Kohlendioxyd oder FCKW, den Einschlag von Tropenholz oder Walfangquoten. A2A- Commerce beschränkt sich jedoch eher auf die Unterstützung von Unternehmen beim internationalen Handel, indem Firmeninformationen durch Amtsge- richte oder Handelskammern vertrauenswürdig bereitgestellt werden. 1
Die Grenzen zwischen diesen eCommerce- Kategorien sind nicht klar bestimmbar, weil durchaus Unterne hmen als Consumer auftreten oder ein Consumer als Anbieter eines Dienstes auftreten kann, so dass diese Art von Handel auch als Business- to- Business- Consumer- Commerce (B2BC-Commerce) bezeichnet werden könnte.
Eine andere Differenzierung des eCommerce erfolgt nach Art und Umfang der eCommer- ce- Lösung. So wird unterschieden in:
Kommerzielle Internet- Präsenz:
Diese Form des eCommerce beschränkt sich auf eine reine Präsentation des Unterne h- mens im Internet durch eine Homepage oder Website. Das Internet wird hierbei nicht für den Verkauf, sondern lediglich für Information und Werbung genutzt. Bestellmöglichkei- ten bestehen außer für weiteres Informationsmaterial, nicht.
Elektronischer Versandhandel:
Hierunter fallen alle kommerziellen Internetseiten, die Produkte und Dienstleistungen anbieten und online verkaufen wollen. Benutzerhilfen wie Kataloge und Suchmaschinen, elektronische Warenkörbe, Kontenübersicht und bequeme Zahlungsmöglichkeiten e r- leichtern den Kunden den Online- Einkauf.
Integrierte Wertschöpfungskette:
Mit diesem Begriff wird die Vernetzung zwischen dem Unternehmen, seinen Geschäfts- partnern und seinen Kunden beschrieben. Realisiert werden kann diese Integration über ein allen Beteiligten zugängliches aber Unbefugten unzugängliches Extranet. In dieser Integration können Zulieferer Lieferdaten und Auftragsvolumina abfragen und die Händ- ler die Bestellungen tätigen. Diese umfassende eCommerce Variante kommt vor allem im Bereich B2B- Commerce in Betracht, da hier die Einbindung von Kunden und Partnern Einspareffekte und somit Wettbewerbsvorteile bieten kann.
Weitere Varianten des eCommerce sind Bank- Automaten, Terminals für elektronische Überweisungen, und sogenannte „Kiosk- “ oder „Point of Sales-“ Anwendungen, wie Bildschirm Terminals im Ba hnhof, Supermarkt oder im Krankenhaus, die auf Knopfdruck Fahrscheine ausgeben, Sonderangebote anzeigen oder Informationen über die Abteilun- gen anzeigen. 1
Neben den Grundlagen über eCommerce sollen im Folgenden Grundlagen der Bescha f- fung in stationären Einrichtungen des Gesundheitswesens näher dargestellt werden.
2.2 Beschaffung in stationären Einrichtungen des Gesundheitswesens 2.2.1 Bedeutung
Beschaffung oder auch „procurement“ bedeutet in der Betriebswirtschaftslehre die Ge- samtheit aller Aktivitäten, welche für eine kostengünstige und sichere Versorgung eines Unternehmens mit Produktionsfaktoren notwendig sind. 1 Übertragen auf stationäre Ein- richtungen des Gesundheitswesens ist die Beschaffung die erste Stufe im Gesamtprozess der Ver- und Entsorgung und bedeutet die Zusammenfassung sämtlicher Aktivitäten, die zur Bereitstellung der zum Leistungsprozess erforderlichen Leistungsfaktoren, also Sach- güter und Dienstleistungen, notwendig sind. 2
So ergeben sich in der vertikalen Ebene folgende Funktionsbereic he für die Beschaffung: 1. Lebensmittel 2. Medizinischer Bedarf 3. Wasser, Energie, Brennstoffe 4. Wirtschaftsbedarf 5. Verwaltungsbedarf 6. Zentrale Verwaltungsdienste 7. Zentrale Gemeinschaftsdienste 8. Steuern, Abgaben, Versicherungen 9. Instandhaltung 10. Gebrauchsgüter
In der horizontalen Ebene umfasst die Beschaffung vorwiegend: 3
• Beschaffungsmarktforschung • Bedarfsprognose
• Materialdisposition
• Bestellabwicklung
• Einkauf
• Lagerwirtschaft
1
Vgl. Jung, H. (2001), S. 292.
2 Vgl. Gronemann, J. (1988), S. 98.
3 Die Aufgaben, welche mit diesen Teilfunktionen verbunden sind, werden im Kapitel 2.2.2 näher erläutert.
Oberstes Ziel einer Beschaffungsabteilung ist es, die benötigten Güter und Dienstleistun-
gen optimal bereit zu stellen. Dabei geht es darum, bei gleicher oder besserer Ergebnis-
qualität die Kosten in der Beschaffung zu senken. Bezogen auf die horizontale Ebene
setzt dieses Ziel voraus, dass die Einkäufer der Einrichtungen über kaufmännisches Wis-
sen, Produkt- Know- how und Marktkenntnisse ve rfügen, denn die Einkaufsabteilung hat
hier drei Bedingungen zur Zielerreichung zu erfüllen. Die Versorgungssicherheit, die
Kostenminimierung und die Anwenderunterstützung. 1
Abbildung 2 zeigt die Zielsetzung der Beschaffung, mit ihren Nebenbedingungen und den
dafür erforderlichen Anforderungen an die Einkaufsabteilung in stationären Einrichtun-
gen des Gesundheitswesens, anhand eines Flussdiagramms.
Abb.2: Anforderungen an die Beschaffung
Modifiziert nach Haake, D., Moseler, W. (1996), S. 18.
1 Vgl. Gronemann, J. (1988), S. 98.
Es wird hier deutlich, dass die drei Nebenbedingungen und das Ziel der Beschaffung in Beziehung zueinander stehen. Hierbei kann es zu Konflikten kommen, weil z.B. die Ver- sorgungssicherheit in der Beschaffung stationärer Einrichtungen des Gesundheitswesens eine übergeordnete Bedeutung hat. Um zuverlässige Materialbereitstellung zu gewährleis- ten ist häufig ein bestimmter Lagerbestand nötig, welcher durch zu hohe Kapitalbin- dungskosten dem Ziel der Kostenminimierung entgegenwirken kann. Hier bedeutet Be- schaffung somit nicht nur „Einkauf“, sondern eine funktionsübergreifende Betrachtungs- weise des gesamten Versorgungsbereiches. 1
Weiterhin fungiert die Beschaffung als Schnittstelle sowohl zum Lieferanten als auch zur internen Lagerwirtschaft und somit zum Anwender bzw. Verbraucher, indem die Bedarfs- träger durch Information und Produkterklärungen unterstützt werden und auf der Liefe- rantenseite Preise und Mengen verhandelt werden. Hierbei bedeutet Beschaffung, Kennt- nisse der Anwender über Funktionalität, Qualität und Verträglichkeit der Artikel zu erha l- ten und mit in den Beschaffungsprozess einzubeziehen und bei den Lieferanten Preisver- gleiche, technische Neuerungen und andere Marktinformationen zu berücksicht igen. 2
Eine weitere Bedeutung kommt der Beschaffung bei der Koordination der Bestellungen zu. Als Einkäufer für nicht investive Sachgüter ist in der Regel eine Einkaufsabteilung zuständig. Die Arzneimittelversorgung erfolgt dagegen häufig durch die Apotheke. Dabei können sich Überschneidungen im Bereich des medizinischen Sachbedarfs ergeben, der sowohl von der Apotheke, als auch von den Einkäufern der entsprechenden Abteilung eingekauft werden kann. Weiterhin könnten auch betroffene Abteilungen, wie die Küche, das Labor oder die Wäscherei als anfordernde Leistungsstellen in den Bestellvorgang involviert sein, so dass der Einkauf nicht zentral erfolgt. 3 Bei einem Einkauf über mehrere
Leistungsstellen, kann das insgesamt betrachtet in der Beschaffung der jeweiligen Ein- richtung zu Unwirtschaftlichkeiten führen, denn jeder Vorgang des Bestellens, Lieferns und Fakturierens verursacht Kosten.
Beschaffung bedeutet somit nicht nur Einkauf als operative Tätigkeit, sondern eine strate- gische Planung des gesamten Versorgungsprozesses mit seinen interdisziplinären Anfor-
1
Vgl. Müller, J. (1999), S. 6.
2 Vgl. Goldermann, O. (1996), S. 28.
3 Vgl. März, C. (1997), S. 3.
Quote paper:
Gertrud Mackenbrock, 2001, eCommerce als Bindeglied zwischen der Beschaffung stationärer Einrichtungen des Gesundheitswesens und einer Einkaufsgemeinschaft am Beispiel der P.E.G. e.G. München, Munich, GRIN Publishing GmbH
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