Universität Freiburg Schriftliche Ausarbeitung zum Referat „Südafrika“ Seminar: Politische Anthropologie Institut für Ethnologie WS 2001/ 2002 Roland Sonntag
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Die Hausarbeit „Vom Stützpunkt der Niederländischen Vereinigten Handelskompanie zum Apartheid – Staat“ gliedert sich in zwei Abschnitte:
Im ersten Teil werde ich die historische Entwicklung Südafrikas in den Focus rücken, und den Weg des Landes zur Südafrikanischen Union aufzeigen. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht die Eroberung des Landes durch die weißen Siedler, die brutale Unterdrückung und Diskriminierung der afrikanischen Bevölkerungsmehrheit, sowie der Konflikt zwischen der burischen und der britischen Bevölkerungsschicht um die Vorherrschaft im Land. Zusätzlich werde ich die wirtschaftliche Entwicklung, vor allem im Bereich des Diamanten – und Goldbergbaus, analysieren, ohne die der Weg Südafrikas in die Apartheid nur schwer denkbar ist.
Im zweiten Teil der Arbeit steht die Entwicklung des Landes zum Apartheid – Staat im Mittelpunkt der Untersuchung. Zudem werden die auf dem Rücken der afrikanischen Bevölkerung ausgetragenen Machtkämpfe im burischen Lager behandelt. Vor allem anhand der diskriminierenden Gesetzgebung werde ich aufzeigen, wie der rassistische, totalitäre Staat die afrikanische Bevölkerung unterdrückt, und die verschiedenen Etappen der Entwicklung des Apartheid - Staates Südafrika beleuchten.
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Am 6. 04. 1652 legen drei Schiffe der Niederländischen Vereinigten Ostindienkompanie in der Tafelbucht, am Kap der guten Hoffnung, im Süden Afrikas, Anker. Sie haben den Auftrag eine Versorgungsstation aufzubauen, die Schiffe der Kompanie auf ihrer langen Reise von und nach Asien anlaufen können.
Das Gebiet der südafrikanischen Küste ist schon bewohnt. Einerseits von den Khoikhoi („Hottentotten), die ihr Überleben als Viehzüchter sichern, und andererseits den San („Buschmänner“), die ein Leben als Jäger und Sammler führen.
Die Kompanie lässt um das Lager Gärten anlegen und beginnt mit den Khoikhoi Handelsbeziehungen aufzunehmen, um der Station auch tierische Nahrungsmittel zu sichern. Allerdings werfen die Gärten nur geringe Erträge ab, so dass der Bedarf an Vieh überhand nimmt, und von den Khoikhoi nicht mehr gedeckt werden kann.
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Im Verlauf dieser ersten Krise muss die Kompanie Angestellte entlassen, die nun als „ Freibürger“ ( vrijburger Ackerbau und in Konkurrenz zu den Khoikhoi Viehzucht betreiben. Ihre Erzeugnisse müssen sie zu Festpreisen an die Versorgungsstation verkaufen. 1658 kommt es wegen Streit um Weideland, zu einem Krieg mit den Khoikhoi, die alsbald den weißen Bauern weichen müssen.
In den folgenden Jahren wird der Stützpunkt weiter ausgebaut, und um den größeren Bedarf an Arbeitskräften zu decken, werden Sklaven aus Madagaskar, Mosambik und Ostafrika „ importiert“ . Bis Ende des 17. Jahrhunderts wächst die Siedlung schnell zu einer kleinen Stadt und erhält den Namen Kapstadt. Die Siedlung entwickelt sich „ ... zur Taverne zwischen den Meeren, und schon bald reichen die Anbau – und Weideflächen in der Tafelbucht nicht mehr aus“ 1 .
Mit Hilfe ihrer überlegenen Waffentechnik entreißen die weißen Kolonisten den Khoikhoi immer mehr von ihrem angestammten Land. Diese geraten in ein Abhängigkeitsverhältnis zu den Weißen und müssen ihren Lebensunterhalt fortan als schlechtbezahlte Erntearbeiter, Hausbedienstet und Hirten bestreiten. Nur 50 Jahre nach der Landung der Holländer sind die Khoikhoi aus ihrem angestammten Land vertrieben oder als billige Arbeitskräfte geknechtet. Unter den weißen Kolonisten bilden sich bis etwa 1770 zwei Gruppen heraus. Die einen, vor allem Hugenotten, lassen sich am Südwestkap nieder und bauen Getreide und Wein an, während die andere Gruppe vor allem Viehzucht betreibt und sich, aufgrund der steigenden Nachfrage nach neuen Weideflächen, immer mehr von Kapstadt entfernt. Wegen ihrer halbnomadischen Lebensweise werden sie „ Treckburen“ (Wanderbauern) genannt. Diese Expansion des weißen Siedlungsgebietes führt zu zahlreichen Konflikten mit den Ureinwohnern der Region. Die Treckburen betreiben regelrechte Vernichtungsfeldzüge gegen die Khoikhoi und vor allem die San.
Ab 1770 gerät die Kolonie in eine Wirtschaftskrise. Mangelnde Absatzmärkte für die Produzenten und die monopolistischen Praktiken der Kompanie erzeugen einen großen Unmut innerhalb der weißen Bevölkerung, und vor allem im östlichen Grenzgebiet kommt es zu bewaffneten Aufständen.
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Als sich die wirtschaftliche und soziale Krise verschärft, nutzt das Empire das Machtvakuum.. Im Sept. 1795 besetzen britische Truppen das Kap. Die Invasoren bemühen sich in den
1 Raabe, Stephan: Die Geschichte Südafrikas von 1652 bis 1978, S.13.
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folgenden Jahren, für Recht und Ordnung zu sorgen, und eine moderne Verwaltung aufzubauen. Ab 1815 wird Südafrika offiziell zur britischen Kolonie erklärt.
Schon 1807 wird im gesamten britischen Weltreich der Verbot des Sklavenhandels umgesetzt, weshalb in Südafrika der Arbeitsmarkt reformiert werden muss. 1809 wird der „ Hottentotten
– Kodex“ erlassen, mit dem die Khoikhoi per Edikt zu Farmarbeit gezwungen werden Sie müssen eine Plakette tragen, auf der Wohnort und Arbeitsplatz eingetragen sind. Ohne diesen „ Pass“ droht ihnen eine Verhaftung wegen Landstreicherei, um dann einem weißen Farmer zur Zwangsarbeit überstellt zu werden. Ein Entkommen vor dem Dienstherrn ist für die Khoikhoi nun fast unmöglich. Zusätzlich müssen ab 1812 die Kinder der Khoikhoi bei den Herren ihrer Eltern als sog. „ Lehrlinge“ arbeiten.
Ab 1820 kommt es zu einer großen Ansiedlung englischer Einwanderer am Ostkap. Englisch wird zur Amtssprache erklärt, was bei den Buren für große Verärgerung sorgt. Der Unmut der Buren über die britischen Besatzer wächst an, als 1828 die Beschränkung der Freizügigkeit der Khoikhoi aufgehoben wird, da sich die repressiven Gesetze zur Regelung des Arbeitskräftebedarfs, als ineffizient erweisen. Arbeitsverträge werden nun registriert und deren Laufzeit auf 1 Jahr begrenzt. Allerdings soll sich dadurch nur wenig an der Ausbeutung der Khoikhoi ändern. Der burische Widerstand gegen die neuen Gesetzesregelungen richtet sich vor allem gegen den sogenannten Ordinance 50, der den Khoikhoi zumindest pro forma eine rechtliche Gleichstellung als freie Farbige verspricht.
Als das Empire 1834 die Sklavenbefreiung dekretiert erreicht der Zorn der Buren auf die britischen Kolonisten seinen ersten Höhepunkt. Die Weichenstellung für den „ Großen Treck“ ist gelegt.
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Neben dem Unmut über die neuen Gesetze, sehen sich viele Buren in ihrer vorkapitalistisch organisierten Existenz, durch die britische, auf Marktorientierung ausgerichteten Wirtschaftsordnung, bedroht. 1836 beginnt eine burische Massenabwanderung ins Landesinnere, der sogenannte „ Große Treck“ , der später „ ... in der burischen Geschichtsschreibung gern als gottgelenkter „ Zug der Auserwählten“ verklärt wird“ 2 . Bis 1838 verlassen ca. 6000 Buren zusammen mit ihren Bediensteten auf vollgepackten Ochsenwagen, die Kapkolonie.
Ein Teil des Trecks verstreut sich auf der Hochebene, während eine andere Gruppe nach Norden zieht, und die dort ansässigen Ndebele ins heutige Zimbabwe vertreibt.
2 ebd., S. 16
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Magister Artium Roland Sonntag, 2002, Südafrika: Vom Stützpunkt der Niederländischen Vereinigten Handelskompanie zum Apartheid-Staat., Munich, GRIN Publishing GmbH
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