I
Inhaltsverzeichnis
Seite
Abkürzungsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis V
Tabellenverzeichnis VI
1. Einleitung 1
1.1. Problemstellung 1
1.2. Zielsetzung 1
1.3. Vorgehensweise 1
1.4. Begriffsverwendung 3
2. Key Account Management 4
2.1. Einordnung 4
2.1.1. Begriff 4
2.1.2. Bedeutung 5
2.1.3. Historie 6
2.1.4. Grundprinzip 6
2.2. Zielsetzungen Instrumente Prinzipien 7
2.2.1. Strategische Ziele 7
2.2.2. Abgeleitete Ziele 7
2.2.3. Instrumente und Prinzipien im Zusammenhang 8
2.3. Aufgabenspektrum des Key Account Managements 9
2.4. Organisatorische Verankerung 10
2.4.1. KAM als Haupt oder Nebenaufgabe 11
2.4.2. KAM als Linienorganisation 11
2.4.3. KAM als Matrixorganisation 12
2.4.4. KAM als Stabsorganisation 13
2.5. Vertrieblicher Ansatz 14
2.5.1. Abgrenzung vom herkömmlichen Vertriebsansatz 14
2.5.2. Von der oberflächlichen Beziehung zur Partnerschaft 15
II
2.6. Key Account der Schlüsselkunde 16
2.6.1. Bedeutung des Schlüsselkunden für den Anbieter 16
2.6.2. Gesichtspunkte zur Bestimmung von Key Accounts 17
2.7. Ausgestaltung in der Praxis 19
2.7.1. KAM als Nebenaufgabe 20
2.7.2. Organisationsformen 20
2.7.3. Gestaltungsformen 21
2.7.4. Anforderungen an professionelle Key Account Manager 25
2.7.5. Erfolgsfaktoren des KAM 26
2.8. Aktualität des KAM 27
3. Kundenintegration 28
3.1. Einordnung 28
3.1.1. Begriff 28
3.1.2. Bedeutung 29
3.1.3. Historie 31
3.1.4. Grundprinzip 32
3.2. Besonderheiten Prozesstypen Integrationspunkte Formen 33
3.2.1. Leistungsdimensionen 33
3.2.2. Prozesstypen 35
3.2.3. Integrationspunkte und Formen 38
3.3. Ein und mehrstufige Kundenintegration 40
3.3.1. Einstufige Kundenintegration 40
3.3.2. Mehrstufige Kundenintegration 42
3.4. Theoretische Gestaltungsansätze 43
3.4.1. Lead-User Ansatz 44
3.4.2. Transaktionskostentheorie 46
3.5. Wesentliche Grundlagen 49
3.5.1. Strategische Grundlagen 49
3.5.2. Grundlegende Schlüsselfaktoren 51
3.6. Leitlinien als Erfolgsfaktoren der Kundenintegration im
Produktentwicklungsprozess 51
3.6.1. Prozessorientierung 52
3.6.2. Vermeidung von Verschwendung und Blindleistung 53
III
3.6.3. Vorverlagerung von Erkenntnisprozessen 54
3.6.4. Erhöhung deterministischer Prozessanteile 54
3.6.5. Steigerung der Prozessevidenz 55
3.6.6. Integrativität 55
3.7. Kundenintegration im Vergleich mit anderen Formen der
Kundeneinbindung 56
4. Möglichkeiten der Kundenintegration im KAM 58
4.1. Unterstützung durch das Top-Management 59
4.2. Auswahl zur Integration geeigneter Key Accounts 60
4.3. Organisatorische Verankerung 63
4.3.1. Eingliederung 63
4.3.2. Interdisziplinäre Integrationsteams 65
4.4. Beziehungsvariablen als Integrationsbasis 69
4.4.1. Commitment 69
4.4.2. Vertrauen 70
4.4.3. Kommunikation 71
4.5. Erfolgskontrolle 72
4.5.1. Kostensenkung durch Integration des Key Accounts 73
4.5.2. Abhängigkeit vom Zulieferer 75
4.6. Anforderungen an die Vergütung des Integrationserfolges 77
5. Fazit 78
5.1. Chancen und Risiken der Kundenintegration im KAM 78
5.2. Ausblick 80
Literaturverzeichnis 81
IV
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung
a.M. am Main
Aufl. Auflage
Bd. Band
B2B Business-to-Business
B2C Business-to-Consumer
BM Beziehungsmarketing
bzw. beziehungsweise
CRM Customer Relationship Management
Diss. Dissertation
ebd. ebenda
et al. et alii
e.V. eingetragener Verein
F&E Forschung & Entwicklung
H. Heft
Hrsg. Herausgeber
IT Informationstechnologie
Jg. Jahrgang
KAM Key Account Management
KA-M Key Account Manager
M. Main
No. Number
Nr. Nummer
OEM Original Equipment Manufacturer
S. Seite
SWOT Strength, Weaknesses, Opportunities, Threats
Tab. Tabelle
vgl. vergleiche
Vol. Volume
WS Wertschöpfungsstufe
V
Abbildungsverzeichnis
Seite
Abb 1: Aufbau der Arbeit 3
Abb 2: Beziehung zwischen strategischen Zielen Prinzipien und
Instrumenten des KA-MBeziehungsmarketings 9
Abb 3: Phasenmodell Aufgaben des KAM 10
Abb 4: KAM als Linienorganisation 12
Abb 5: KAM als Matrixorganisation 13
Abb 6: KAM als Stabsorganisation 13
Abb 7: Arbeitsebenen des Key Account Managements 16
Abb 8: Grundprinzip der Customer Integration 32
Abb 9: Integrative Leistungserstellung 34
Abb 10: Mögliche Ansatzpunkte für Kundenintegration 39
Abb 11: Zeitlicher Ablauf von Transaktionen bei einstufiger Integrativität 41
Abb 12: Zeitlicher Ablauf von Transaktionen bei mehrstufiger Integrativität 43
Abb 13: Transaktionskosten 47
Abb 14: Ex-ante und ex-post Transaktionskosten 47
Abb 15: Strategische Grundlagen der Kundenintegration 51
Abb 16: Integratives Marktpotenzial-Innovationspotenzial Portfolio 62
Abb 17: Kundenteam-Organisation 65
VI
Tabellenverzeichnis
Tab 1: Typologie der Gestaltungsalternativen des KAM 21
Tab 2: Zusatzvariablen zur Typologie der Gestaltungsalternativen
des KAM 22
Tab 3: Schwerpunktanforderungen an Key Account Manager im
Vergleich zu klassischen Verkäufern 25
Tab 4: Dienstleistungsmerkmale unterschiedlichen
Integrativitätsgrades 37
Tab 5: Formen der Kundenintegration 40
Tab 6 1: Vergleich möglicher Formen der Kundeneinbindung
in der Innovationsfrühphase (Teil 1) 57
Tab 6 2: Vergleich möglicher Formen der Kundeneinbindung
in der Innovationsfrühphase (Teil 2) 58
1
1. Einleitung 1.1. Problemstellung
Die Vorstellungen vieler Unternehmen hinsichtlich der absatzorientierten Ausrichtung ihrer Unternehmensziele, haben sich in der Vergangenheit dahingehend gewandelt, dass nicht mehr ausschließlich das Gewinnen neuer Kunden im Vordergrund des Handelns steht, sondern vielmehr die langfristige Bindung vorhandener Kunden in das Zentrum der marketingpolitischen Überlegungen rückt. 1 Nur kundenorientierte Unternehmen sind auf lange Sicht in der Lage im Wettbewerb zu überleben, dies besonders im B2B- Sektor, der dadurch gekennzeichnet ist, dass die von Anbietern offerierten Leistungen von Nachfragern investiv oder produktiv verwendet werden 2 und in dem weitestgehend Denken und Handeln am Markt durch technische und naturwissenschaftliche Denkwei- sen geprägt ist. 3
Key Account Management als Mittel der Kundenbindung ist bereits in vielen Unter- nehmen verbreitet, bietet jedoch nicht ausreichend Sicherheit gegen alternative Beschaf- fung des Kunden, letztlich dessen Wechsel zum Wettbewerb und die Beendigung der Geschäftsbeziehung. Somit ist es notwendig nach Möglichkeiten zu suchen, die die Abwanderung von Kunden zum Wettbewerb zugunsten einer langfristig orientierten Geschäftsbeziehung verhindern. Ein mögliches Mittel gegen die Abwanderung des Kunden stellt dessen Integration in die Leistungserstellung des Anbieters sowie eine damit verbundene Betreuung des Kunden über das Instrument des Key Account Mana- gements dar.
1.2. Zielsetzung
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, Möglichkeiten der Kundenintegration im Key Account Management des B2B-Sektors aufzuzeigen und darzustellen wie eine Integra- tion des Kunden in die Leistungserstellung des Anbieterunternehmens im Rahmen des Key Account Managements vorgenommen werden kann.
1 Vgl. Bruhn, Homburg (2005), S. VII.
2 Vgl. Kleinaltenkamp (2005), S. 363.
3 Vgl. Kleinaltenkamp (1996), S. 14.
2
1.3. Vorgehensweise
Um eine Aussage auf die im Rahmen der Zielsetzung genannte Aufgabenstellung zu erhalten wurde die vorliegende Arbeit in fünf Abschnitte unterteilt. Im Anschluss an Abschnitt 1 ist die Arbeit wie folgt aufgebaut:
Abschnitt 2: Dieser Abschnitt beschäftigt sich mit dem Key Account Management. Da- bei wird ausgehend von einer Einordnung des Key Account Managements auf Zielset- zungen und Instrumente, das Aufgabenspektrum und Möglichkeiten der organisatori- schen Verankerung im Unternehmen eingegangen. Im weiteren Verlauf wird ein mögli- cher vertrieblicher Ansatz und der Kunde als Schlüsselkunde betrachtet. Daran an- schließend folgt eine Darstellung der Ausgestaltung des KAM in der Praxis. Eine Aus- sage zur Aktualität des Key Account Managements schließt diesen Bereich ab.
Abschnitt 3: Der Abschnitt geht auf den Bereich der Kundenintegration ein, beginnt mit einer generellen Einordnung und befasst sich im weiteren Verlauf mit den Leistungsdi- mensionen, Prozesstypen, Integrationspunkten und Formen der Kundenintegration. Dem schließt sich eine Darstellung der ein- und mehrstufigen Kundenintegration, theo- retischer Gestaltungsansätze sowie wesentlicher Grundlagen zur Integration des Kunden in die Produktentwicklung an. Nach der Darstellung von Leitlinien als Erfolgsfaktoren der Kundenintegration schließt der Abschnitt mit einem Vergleich der Kundenintegrati- on mit anderen Formen der Kundeneinbindung.
Abschnitt 4: Es werden die Möglichkeiten der Kundenintegration im Key Account Ma- nagement betrachtet. Ausgehend von der Unterstützung durch das Management der be- teiligten Unternehmen und der Auswahl integrierbarer Key Accounts, wird auf die mög- liche organisatorische Verankerung sowie auf wesentliche Beziehungsvariablen als Ba- sis der Integration eingegangen. Dem schließen sich Aussagen zur Erfolgskontrolle an, denen Anforderungen an die Vergütung des Integrationserfolges folgen.
Abschnitt 5: In diesem Abschnitt wird ein Fazit mittels einer Betrachtung der Chancen und Risiken der Kundenintegration im Key Account Management gezogen sowie die vorliegende Arbeit mit einem Ausblick auf die weitere Gestaltung abgeschlossen.
3
Abb. 1: Aufbau der Arbeit
1.4. Begriffsverwendung Für den in den weiteren Betrachtungen verwendeten Begriff „Key Account“ wird im
Folgenden auch synonym der Begriff „Kunde“ verwendet.
4
2. Key Account Management
In den folgenden Ausführungen wird auf das KAM näher eingegangen. Die Bedeutung des KAM, seine Historie, der Begriff als solcher und das Grundprinzip werden im Rahmen der Einordnung des KAM angesprochen. Der Betrachtung der Zielsetzungen und Instrumente, die sich mit strategischen und abgeleiteten Zielen sowie einer Darstel- lung der Instrumente und Prinzipien des KAM in ihrem Zusammenhang befasst, folgt eine Beschreibung des Aufgabenspektrums des KAM. Im Rahmen der organisatori- schen Verankerung wird dieses als Haupt- oder Nebenaufgabe und als Linien-, Matrix- und Stabsorganisation betrachtet. Auf diese Ausführungen folgt ein vertrieblicher An- satz, welcher im Vergleich zum herkömmlichen Vertriebsansatz aufgezeigt wird sowie die Thematik der Entwicklung einer Partnerschaft zwischen Kunde und Anbieter. Der Key Account und seine Bedeutung für den Anbieter sowie Gesichtspunkte für die Be- stimmung von Key Accounts stellen die Wertigkeit des Schlüsselkunden für das Anbie- terunternehmen dar. Ihnen folgt die Ausgestaltung des KAM in der Praxis, wobei auf
KAM als Nebenaufgabe, auf Organisations- und Gestaltungsformen, Anforderungen an
professionelle Key Account Manager sowie Faktoren für die erfolgreiche Gestaltung des KAM eingegangen wird. Der Abschnitt schließt mit Ausführungen zur Aktualität des KAM.
2.1. Einordnung
2.1.1. Begriff
Verschiedenste Begriffe wurden im Zeitablauf in der Literatur als auch in der unter- nehmerischen Praxis geprägt, die das Management der wichtigsten Kunden eines Anbieterunternehmens beschreiben sollen und weitestgehend auch synonym verwendet werden. So verwendet man im englischen Sprachraum die Begriffe Key Account Mana- gement, Key Account Selling, National Account Management, National Account Sel- ling, Strategic Account Management, Major Account Management, Global Account Marketing, International Account Management, während man im deutschen Sprachraum Key Account Management, Großkundenmanagement und Schlüsselkundenmanagement
5
vorfindet. 4 Die vorliegende Arbeit subsummiert all diese Begriffe unter dem Begriff Key Account Management (KAM).
Der Begriff Key Account ist eine Zusammensetzung aus den englischen Worten „key“, welches „der Schlüssel“ und „account“, welches „das Konto“ bedeutet, wobei sich ac- count auch als Begriff für den Kunden als solchen eingeprägt hat. 5 Unter dem Begriff Key Account Management wird eine Organisationsform für den Verkauf an Schlüssel- kunden verstanden, bei der in der Aufbauorganisationsform spezielle Stellen gebildet werden und der Stelleninhaber sich nur mit dem Verkauf an Schlüsselkunden befasst. 6 Dabei werden spezielle Arbeitsmethoden und Arbeitstechniken aus Verkauf und Marke- ting angewendet, mit deren Hilfe geschäftliche Möglichkeiten mit Schlüsselkunden bes- ser gesichert und ausgeschöpft werden können, sodass eine grundsätzlich kundenbezo- gene Grundeinstellung und Arbeitsweise des Unternehmens besteht, die für die Unter- nehmen eine strategische Erfolgsposition bzw. einen strategischen Wettbewerbsvorteil darstellen kann. 7 Nach Müllner / Zupancic geht es im Key Account Management darum, aktuell oder potenziell bedeutende Schlüsselkunden des Unternehmens systematisch zu analysieren, auszuwählen und zu bearbeiten. 8 Kurz / Gut beschreiben das Key Account Management als Form einer Aufbauorganisation, bei der die Verkaufsorganisation nicht nach Regionen oder Produkten, sondern nach Kunden und Kundengruppen gegliedert und sich im Wesentlichen mit der Pflege der Beziehungen zu Schlüsselkunden befasst, um durch den Aufbau eines systematischen Beziehungsmanagements mehr Kundennähe und eine tiefere Kundenbindung zu erreichen. 9
2.1.2. Bedeutung
Der Aufbau partnerschaftlicher Geschäftsbeziehungen mit den wichtigsten Kunden des Unternehmens sowie die konsequente Ausrichtung des Anbieterunternehmens auf die Bedürfnisse des Kunden ist von fundamentaler Bedeutung für den Erfolg des Unter- nehmens. 10 Solche Unternehmen, denen es durch ein speziell auf den Kunden abge- stimmtes Key Account Management gelingt, enge und langfristige Beziehungen mit
4 Vgl. Jensen (2004), S. 25.
5 Vgl. Sidow (2002), S. 11.
6 Vgl. ebd.
7 Vgl. ebd.
8 Vgl. Müllner, Zupancic (2002), S. 18 ff.
9 Vgl. Kurz, Gut (2005), S. 102.
10 Vgl. Lambe, Spekman (1997), S. 61 ff.
6
ihren wichtigsten Kunden aufzubauen und zu halten, arbeiten oft effizienter als Unter- nehmen, denen dies nicht gelingt. 11 Für den Anbieter kann das jedoch mit beträchtlich hohem Aufwand verbunden sein. Beispielsweise kann es bedeuten, dass Aktivitäten für Kunden initiiert, interne Strukturen angepasst und in Ressourcen investiert werden muss 12 und auch nach außen, gegenüber dem Kunden, oftmals der Einsatz multifunktio- naler Vertriebsteams erforderlich wird. 13 Ein Anbieterunternehmen kann einen solchen Aufwand nicht in jede Kundenbeziehung investieren und muss eine Entscheidung über die Intensität der Beziehung zu einzelnen Kunden treffen. 14
2.1.3. Historie
Es ist kaum möglich exakt zu bestimmen, wann Anbieterunternehmen begannen sich in besonderem Maße um ihre wichtigsten Kunden zu bemühen. Die Erforschung von An- sätzen zum Management der wichtigsten Kunden eines Unternehmens begann vor etwa
25 Jahren im angloamerikanischen Raum, in dem der Begriff des National Account
Managements geprägt wurde, der sich in der unternehmerischen Praxis und durch zu- nehmende internationale Aktivitäten von Kunden zum Global Account Management wandelte. 15
2.1.4. Grundprinzip
Grundprinzip des Key Account Managements ist die Betreuung von großen, oft interna- tional agierenden Kunden, die Schaffung attraktiver Leistungsbündel für diese Kunden sowie die Optimierung und Koordination der internen Aktivitäten des Anbieters auf internationaler und multihierarchischer Ebene in Verbindung mit der Herausbildung länder- und produktübergreifender Denkweisen und kundenbezogener Organisations- strukturen. 16
11 Vgl. Jensen (2004), S. 23.
12 Vgl. Joshi, Stump (1999), S. 291 ff.
13 Vgl. Krafft, Frenzen, Jeck (2002), S. 40 ff.
14 Vgl. Day (2000), S. 25.
15 Vgl. Jensen (2004), S. 3.
16 Vgl. ebd., S. IX.
7
2.2. Zielsetzungen, Instrumente, Prinzipien
2.2.1. Strategische Ziele
Die wesentlichen strategische Ziele des Key Account Managements im Rahmen eines Beziehungsmarketings sind: 17 Aufbau von Kundennähe und Kundenbindung durch aus- geprägtes Beziehungsmanagement, das Erschließen von Synergien und die Senkung von Transaktionskosten, unter denen man Kosten für die Anbahnung, Vereinbarung, Abwicklung, Kontrolle und den Austausch eines Leistungsangebotes 18 versteht. Dies ist im Wesentlichen verbunden mit einer Spezialisierung der Key Account Manager auf die Zusammenarbeit mit Schlüsselkunden, wobei unter Ausnutzung professioneller Arbeits- techniken aus Verkauf, Marketing und strategischem Management eine Zusammenar- beit mit dem Kunden gesichert und ausgeschöpft wird. 19 Die Key Account Manager befassen sich mit der eigentlichen Kundenbindung, wobei im Vordergrund ihres Inte- resses insbesondere die Durchleuchtung der Wertschöpfungskette des Kunden und de- ren Optimierung 20 sowie das Ziel steht, die Beziehung zwischen Kunde und Anbieter bezüglich aller Produkte zu optimieren. 21
2.2.2. Abgeleitete Ziele
So lassen sich aus den oben genannten strategischen Zielen weitere Ziele des Key Ac- count Managements ableiten: 22
• Verbesserung der Qualität der Kundenbearbeitung
• Vertiefung und Verbesserung der Kundenbindung
• Pflegen und Sichern des Kundenkontakts durch regelmäßige Information und Kommunikationsimpulse
• Antizipieren von Änderungen des Kundenverhaltens
• Minimierung des Koordinationsaufwandes zwischen Unternehmen und Kunde
• Minimierung des Koordinationsaufwandes innerhalb des Unternehmens
17 Vgl. Storp (2003), S. 102.
18 Vgl. Meffert (2000), S. 921.
19 Vgl. Kurz, Gut (2005), S. 104.
20 Vgl. Storp (2003), S. 102.
21 Vgl. Gruner, Garbe, Homburg (1997), S. 238.
22 Vgl. Kurz, Gut (2005), S. 104.
8
• Eine einheitliche Strategie für den Umgang mit allen Kunden
• Integration aller Marketing-Aktivitäten gegenüber dem Kunden
• Verbesserung der Kontrolle der Verkaufsziele
• Verbesserung der Wettbewerbssituation des Anbieterunternehmens
In der Konsequenz führen diese Ziele dazu, dass der Key Account Manager eine Infor- mations-, Koordinations-, Integrations-, Planungs- und Kontrollfunktion übernimmt. 23 Auf dieser Basis funktioniert Key Account Management als Frühwarnsystem, welches die Key Account Manager für neue Markttrends und Wettbewerbsprodukte sensibilisiert und somit die Möglichkeit zur frühzeitigen Reaktion bietet. Durch den Aufbau von Ver- trauen des Kunden in die die Kundenbeziehung gestaltenden Personen wird ebenfalls Vertrauen in das Anbieterunternehmen und dessen Leistung aufgebaut, sodass oftmals ein Cross-Selling ermöglicht wird. Der Aufbau persönlicher stabiler Beziehungen zwi- schen Key Account Manager und seinem Kunden ermöglicht es, dass Schwierigkeiten in der Kundenbeziehung persönlich aufgefangen und gemildert werden können. Bei erfolgreichem Abschluss der Problematik ist eine erhöhte Kundenloyalität die Folge. Durch den Einsatz von KAM wird der Lieferant zum Partner und die Wechselbereit- schaft des Kunden zum Wettbewerb schwindet in dem Maße, in dem die partnerschaft- liche Beziehung zwischen Anbieterunternehmen und Kunde wächst. 24
2.2.3. Instrumente und Prinzipien im Zusammenhang
Die wesentlichen Ziele des KAM werden in Abb. 2 anschaulich dargestellt. Das Errei- chen der strategischen Ziele Kundennähe und Kundenbindung aufzubauen, die Er- schließung von Synergien und die Senkung von Transaktionskosten kennzeichnen die Ziele der Phasen des Verkaufsprozesses. So kann Kundennähe in der Pre-Sales-Phase durch eine auf den Kunden bezogene Individualisierung mittels auf ihn zugeschnittener Produkte und Systeme, aber auch durch kundenindividuelle Ansprechpartner im Rah- men der Betreuung durch einen Key Account Manager aufgebaut werden. In der Sales- Phase gilt es, eine Bindung des Kunden durch verstärkte Interaktion mit dem Kunden zu erreichen sowie Synergien über die Integration des Kunden zu erschließen. Dies kann
23 Vgl. Kurz, Gut (2005), S. 104.
24 Vgl. http:/www.business-wissen.de/de/pro-manager/?pmlink=docsdtl.asp%3Fcid%3D422%26id%
3D15731%26p%3D1, Stand 17.04.2006.
9
im Wesentlichen über spezielle Key Account-Preise (oder Leistungen) bzw. durch die Übernahme von Aktivitäten des Kunden (Integration des Kunden) erfolgen. In der Af- ter-Sales-Phase schließlich gilt es die Transaktionskosten zu senken, indem Leistungen selektiert werden und durch individuelle Beratung des Key Account Managers Betreu- ungs- und Betriebsaufgaben übernommen werden.
Strategische
Ziele des
BM
Prinzipien
des BM
Verkaufs-
phase
Instrumente
des KAM-BM
Abb. 2: Beziehung zwischen strategischen Zielen, Prinzipien und Instrumenten des KAM-Beziehungs-
marketings 25
2.3. Aufgabenspektrum des Key Account Mangements
Um die dargestellten strategischen und abgeleiteten Ziele zu erreichen ergibt sich ein Aufgabenspektrum, welches im Rahmen eines Phasenmodells (siehe Abb. 3) dargestellt werden kann und aus folgenden Phasen besteht:
• Analyse
• Planung
• Umsetzung
• Kontrolle
25 In Anlehnung an: Storp (2003), S. 102.
10
Zu den Aufgaben in der Analysephase gehört es, mögliche Bedürfnisse des Kunden, Cross-Selling-Potenziale, die Strategien des Kunden sowie Verbesserungspotenziale in der Geschäftsbeziehung zu analysieren. Die sich daran anschließende Planungsphase dient der Planung einer Strategie zur Entwicklung von Kundenbindung, zur Planung von Maßnahmen, die Kundenbindung und -durchdringung zur Folge haben, sowie zur Planung von Maßnahmen zur Verbesserung der Geschäftsbeziehung. Hieran schließt sich die Umsetzungsphase an, in der die geplanten Maßnahmen durchgeführt werden und eine Verbreitung von auf den Kunden bezogenen Informationen im Unternehmen erfolgt. In der Umsetzungsphase ist es notwendig, eine Abstimmung der Aktivitäten mit anderen Funktionsbereichen und die Einbindung dieser in das KAM sowie kundenbe- zogene Schulungen anderer beteiligter Personen oder Abteilungen vorzunehmen. In der Kontrollphase hat das KAM die Aufgabe, das Erreichen potenzialbezogener Ziele (z.B. Kundenzufriedenheit, Qualität der Geschäftsbeziehung), markterfolgsbezogener Ziele (z.B. Kundendurchdringung) und wirtschaftlicher Ziele (z.B. Kundenprofitabilität) zu kontrollieren.
Abb. 3: Phasenmodell Aufgaben des KAM 26
2.4. Organisatorische Verankerung
Die globale und lokale Einbindung in die Organisation, die Einbindung in die Prozesse, die Schulung der Key Account Manager sowie die Entwicklung von KAM-Teams sind
26 In Anlehnung an: Homburg, Schäfer, Schneider (2002), S. 302.
11
mit größten Herausforderungen für das KAM verbunden, 27 da dies aufgrund der Auf- gaben, Entscheidungskompetenzen und Verantwortlichkeiten des Key Account Mana- gers und der Teammitglieder entscheidend für den Erfolg des KAM ist. 28 KAM kann Haupt- oder Nebenaufgabe für Mitarbeiter sein bzw. kann nach den klassischen Organi- sationsformen als Linien-, Matrix- oder Stabsorganisation etabliert werden. 29
2.4.1. KAM als Haupt- oder Nebenaufgabe
Bevor es zu einer Verankerung des KAM im Rahmen der Unternehmensorganisation kommt, muss geklärt werden, ob dafür eine Notwendigkeit besteht. 30 Es kann sinnvoll sein, in Abhängigkeit von der Intensität einer Kundenbeziehung und des dafür erforder- lichen Bearbeitungsaufwands, KAM als Nebenaufgabe für Vertriebsmitarbeiter festzu- legen, die primär andere Aufgaben wahrnehmen oder auch Verkaufsmitarbeiter mit der Account-Planung für Kunden zu betrauen, für die sie bisher schon verantwortlich wa- ren. 31 Dabei ist die Kenntnis des Kunden von entscheidendem Vorteil, sodass in der Praxis oft Mitarbeiter mit dieser Aufgabe betraut werden, in deren Verkaufsgebiet die Zentrale des Kunden angesiedelt ist und denen somit die notwendigen verantwortlichen Ansprechpartner auf Kundenseite bereits bekannt sind. Auf diese Weise ist es möglich, dass mehrere Kunden gleichzeitig und darüber hinaus auch ein Verkaufsgebiet betreut werden kann. 32 Von KAM als Hauptaufgabe spricht man, wenn es mindestens eine Person im Unter- nehmen gibt, die sich ausschließlich mit Aufgaben des KAM beschäftigt und die im Hinblick auf ihre hierarchisch organisatorische Ansiedlung im Unternehmen in Form der Stabs-, Linien- oder Matrixorganisation angesiedelt werden kann. 33
2.4.2. KAM als Linienorganisation
Im Rahmen der Linienorganisation ist KAM z.B. Teil des Vertriebs oder auch dem Ver- trieb als separate Einheit gleichgestellt, bei der die Key Account Manager in eine eigene
27 Vgl. McDonald, Millman, Rogers (1997), S. 750.
28 Vgl. Schmitz (2005), S. 158.
29 Vgl. Belz, Müllner, Zupancic (2004), S. 285.
30 Vgl. ebd., S. 284.
31 Vgl. Schmitz (2005), S. 159.
32 Vgl. ebd.
33 Vgl. Homburg, Krohmer (2003), S. 977 f.
12
KAM-Linie oder gemeinsam mit Verkäufern in eine Verkaufslinie eingebettet sind. 34
Abb. 4: KAM als Linienorganisation 35
Der Vorteil einer Verankerung des KAM in einer Linienorganisation besteht in der kla- ren Eingliederung in die vorhandenen Strukturen, der klaren Zuordnung von Kosten und Erträgen, der Konzentration des Kunden auf die KAM-Aufgaben und in der Kommuni- kation der Bedeutung des KAM nach außen. 36 Die Nachteile können in einer niedrigen hierarchischen Eingliederung und einer damit eventuell geringeren Durchsetzungsfä- higkeit der Key Account Manager, der Gefahr, des Aufgebens des Gesamtziels zuguns- ten von Bereichsegoismen, in strukturbedingter Bürokratie in der Zusammenarbeit mit anderen Bereichen und der Gefahr der Einführung einer Zweiklassengesellschaft liegen, bei der einige Kunden und Mitarbeiter bevorzugter behandelt werden als andere. 37
2.4.3. KAM als Matrixorganisation
Unter einer Matrixorganisation versteht man eine Organisationsform, in der die Mitar- beiter zwei direkte Vorgesetzte, mit sich unterscheidenden Verantwortungsbereichen (z.B. Länder oder Produkte) haben. 38
Die Vorteile einer Implementierung des KAM mittels einer Matrix liegen im Wesentli- chen in der Transparenz der Notwendigkeit von Querbeziehungen zwischen unter- schiedlichen Bereichen im Unternehmen und im offenen Umgang mit den Notwendig- keiten zur Koordination. 39 Nachteile dieser Organisationsform im KAM sind in der
34 Vgl. Schmitz (2005), S. 160.
35 In Anlehnung an: Belz, Müllner, Zupancic (2004), S. 285.
36 Vgl. Schmitz (2005), S. 161.
37 Vgl. ebd.
38 Vgl. Staehle (1999), S. 710.
39 Vgl. Schmitz (2005), S. 161.
13
Verzögerung von Entscheidungen, der Tendenz zur Bürokratisierung, der persönlichen Belastung der Mitarbeiter und hohen Koordinationskosten zu sehen. 40
Abb. 5: KAM als Matrixorganisation 41
2.4.4. KAM als Stabsorganisation
Stabsstellen haben im Unternehmen eine beratende und unterstützende Funktion inne und sollen Instanzen (z.B. Geschäfts- oder Vertriebsleitung) bei der Erfüllung ihrer Lei- tungsfunktion unterstützen und beraten. 42
Als sinnvoll und von Vorteil kann diese Organisationsform im KAM dann angesehen werden, wenn man den Key Account Managern Unterstützung im operativen Geschäft bieten möchte. 43 Mangelnder Einfluss und Koordinationsmöglichkeit markieren die Nachteile einer Organisation des KAM nach Stabsstellen. 44
Abb. 6: KAM als Stabsorganisation 45
40 Vgl. Schmitz (2005), S. 161.
41 In Anlehnung an: Belz, Müllner, Zupancic (2004), S. 285.
42 Vgl. Kieser, Walgenbach (2003), S. 145 f.
43 Vgl. Belz, Müllner, Zupancic (2004), S. 287.
44 Vgl. Schmitz (2005), S. 162.
45 In Anlehnung an: Belz, Müllner, Zupancic (2004), S. 285.
Quote paper:
Dipl.-Kfm. (FH) Uwe Schindler, 2007, Kundenintegration im Key Account Management, Munich, GRIN Publishing GmbH
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