INHALT
Inhalt 2
1 Hauptteil 4
1.1 Funktion des Hindu-Tempels 4
1.2 Architektonische Auffälligkeiten 5
1.3 Der Tempelgrundriss 10
1.3.1 Bestimmung des Tempelgrundrisses 10
1.3.2 Das Vastupurushamandala 10
1.3.3 Bedeutung des Vastupurushamandalas 14
1.3.4 Typen des Vastupurushamandalas 16
1.3.5 Mandukamandala und Paramasaayikamandala 18
1.4 Bedeutung der Mathematik für den Tempelbau 20
2 Schlussbetrachtung 21
3 Literatur- und Quellenverzeichnis 22
3.1 Printquellen 22
3.2 Onlinequellen 23
2
1. VORBEMERKUNG
»Die Architektur ist die erstarrte Musik“, sagte einst FRIEDRICH WILHELM JOSEPH VON SCHELLING. Ich füge hinzu: Lasst uns die Saiten zum Klingen und Schwingen bringen.« 1 So ist es denn auch die Absicht dieser Arbeit, dem Leser und Betrachter die zugrun- deliegende Komposition und die Hintergründe des hinduistischen Tempelbaus als »be- deutendste[m] architektonische[n] Ausdruck einer lebendigen Weltreligion« 2 anhand einer näheren Untersuchung besser verständlich zu machen. Im Mittelpunkt steht hier- bei der Grundriss des Hindu-Tempels: Anknüpfend an das obige Zitat stellt er sozusa- gen den Notenschlüssel dar, ohne den sich die Bedeutung der Notenlinien – respektive des Tempels – nicht erschließen und das geforderte »Klingen und Schwingen« un- möglich werden ließe. Weiterhin soll in den anschließenden Ausführungen stets der Titel dieser Arbeit präsent sein: Kann der Hindu-Tempel ob seiner zahlreichen – und nachfolgend näher beschriebenen – kosmologischen, mythologischen sowie astronomi- schen Beziehungen womöglich als »Miniaturrekonstruktion« 3 des Universums angese- hen werden?
Der Komplexität der Thematik ist allerdings eine Beschränkung auf Grundlinien und eine bisweilen starke Vereinfachung geschuldet. Der Leser möge die teils abrupten Übergänge, die sich in einigen Passagen beim Wechsel von der Verallgemeinerung zur detaillierten Beschreibung und umgekehrt ergeben, verzeihen.
Da aus technischen Gründen auf eine korrekte Transkription der Sanskrit-Termino- logie verzichtet werden musste, orientieren sich die verwendeten Begriffe an derjenigen deutschen Übersetzung, wie sie in den Ausführungen von MICHELL, oder falls dort nicht vorhanden, in den jeweils einschlägigen Quellen verwendet wird. Zum Aufbau sei angemerkt, dass sich dieser VORBEMERKUNG ein viergliedriger
HAUPTTEIL anschließt, der wiederum von einer SCHLUSSBETRACHTUNG gefolgt wird, in der
die wichtigsten Erkenntnisse der Arbeit nochmals festzuhalten versucht werden. Den Abschluss bildet schließlich das LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS.
HETTERICH, WERNER L. (*1945), dt. Architekt.
1
MICHELL, GEORGE: Der Hindu-Tempel: Baukunst einer Weltreligion, Köln: DuMont 1991. Klappentext.
2
MICHELL, S. 89.
3
3
1H AUPTTEIL
Der nachfolgende Teil gliedert sich in drei Abschnitte: Zunächst sollen einige Aus- führungen zum Hindu-Tempel und dessen Funktion im allgemeinen ein besseres Vorverständnis ermöglichen, ehe im Anschluss auf Grundlinien der Tempelarchitektur und besondere Auffälligkeiten ebendieser eingegangen wird. Darauf folgt schließlich der eigentliche Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit, indem der Grundriss des Tempels beleuchtet wird. Die Ausführungen werden an zahlreichen Stellen immer wieder durch Bildmaterial unterstützt, das die im Text genannten Begriffe und Charakteristika veran- schaulichen, sowie ein besseres Verständnis ermöglichen soll.
1.1 FUNKTION DES HINDU-TEMPELS 4
Ziel des Hindu-Tempel ist es, eine Verbindung zwischen Menschen und Göttern zu schaffen. In ihm erscheinen die Götter den Menschen. Der Vorgang, durch den dieser Kontakt hergestellt wird, umfasst eine Reihe von Vorstellungen und Glaubenssätzen, die eine komplexe Symbolik in sich schließen: Grundthema hinduistischen Denkens ist die Erlösung des Menschen aus einer Welt der Illusionen, in die er wiederkehrend hin- eingeboren wird. Die Architektur des Hindu-Tempels stellt dieses Streben symbolisch dar, indem sie den Versuch unternimmt, die Grenzen zwischen Menschlichem und Göttlichem aufzulösen. An erster Stelle steht die Identifizierung des Göttlichen und des Universums mit dem Gefüge des Tempels. Diese wird mittels Form- und Sinngebung jener architektonischen Elemente erreicht, die für den Tempel als fundamental gelten und an späterer Stelle detaillierter beschrieben werden. Eine Sprache präziser Bemessungen wird geschaffen, die eine symbolische Realisierung der zugrundeliegen- den kosmischen Vorstellungen zulässt. Die Beziehung, die sich im Hindu-Tempel zwi- schen Formen und ihren Bedeutungen entwickelt, ist wesentlich für die Funktion des Tempels als Brücke zwischen Göttern und Menschen. Die devotionalen Kulte, denen der Hindu-Tempel dient, konzentrieren sich zwangsläufig auf das Götterbild oder -sym- bol des Tempels, doch erstreckt sich die Verehrung übergreifend auf den Tempel insge- samt.
Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf: MICHELL, S. 75-77.
4
4
Folglich ist der Tempel nicht nur ein Ort, sondern auch Gegenstand der Verehrung. Die Gottheit, die sich im Innern des Sanktuariums zeigt, kann sich auch im Bau des Tem- pels selbst offenbaren. Aus dieser Sicht gelten auch die architektonischen Komponenten des Tempels als Beschwörungsformeln der göttlichen Anwesenheit.
1.2 ARCHITEKTONISCHE AUFFÄLLIGKEITEN 5
a) Die Götter des Hinduismus fühlen sich stets zu Bergen und Höhlen hingezogen, und diese geographischen Merkmale haben eine große Bedeutung für die Symbolik und die äußere Erscheinungsform des Tempels. Dass der Tempel selbst als ein Berg betrachtet wird, zeigt sich an den Namen Meru und Kailasa für existierende Tempel. 6 Der Berg Meru ist das Zentrum des Universums, Orientierungspunkt für die ihn umgebenden, konzentrisch angeordneten Kontinente, Meere und Himmelskörper. Kailasa ist der himmlische Aufenthaltsort Shivas, des höchsten Berggottes.
ABBILDUNG 1
Hauptschrein des aus dem 8. Jahrhundert n. Chr. stammenden und dem südlichen Stil zuzurechnende KAILASA-Tempels in ELLORA. Der freistehende Tempel ist von oben nach unten aus dem gewachsenen Fels herausgemeißelt. 7 In solchen Bezeichnungen kommt das spezifische Verlangen zum Ausdruck, den Tempel mit diesen berühmten mythologischen Bergen zu identifizieren. Er wird damit Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf: MICHELL, S. 86-89.
5
ZAUNSCHIRM, THOMAS: Zur Ikonologie des Indischen Tempels. Von der Ikonographie zum tantrischen
6
Gehalt. In: Kunsthistorisches Jahrbuch Graz 18, 1982, S. 21.
WORLD-MYTERIES.COM: Mystic Places – Kailasa Temple. Online: http://www.world-
7
mysteries.com/mpl_11.htm (Stand: 21. August 2006).
5
zu einer architektonischen Replik der heiligen Göttersitze und verheißt dem Gläubigen denselben Verdienst, den er durch einen tatsächlichen Besuch dieser Berge erlangen würde. 8 Mittels des SHIKHARA kann der Gläubige die himmlischen Regionen erreichen. 9 Im Oberbau des Hindu-Tempels, möglicherweise seinem charakteristischsten Merkmal überhaupt, wird die Gleichsetzung von Tempel und Berg augenfällig; der Oberbau selbst wird als SHIKHARA – Bergspitze oder Gipfel – bezeichnet. Die geschwungenen Konturen einiger Tempelaufbauten und ihre gestaffelte Anordnung haben viel dem Wunsch zu verdanken, die visuelle Wirkung einer Bergspitze zu suggerieren.
ABBILDUNG 2
Südansicht des 1002 n. Chr. erbauten VISHVANATHA-Tempels in KHAJURAHO. 10
In den Oberbausystemen vieler Hindu-Tempel lässt sich der bewusste Versuch erkennen, einen ganzen Gebirgszug nachzubilden. Hierzu sei angemerkt, dass im südin- dischen Stil der höchste Punkt stets über dem Sanktuarium liegt, während der nordindi- sche Stil genau gegenteilig erscheint, indem der niedrigste Punkt über dem Sanktuarium liegt und die Türme umso höher werden, je weiter man sich entfernt. 11
SHATTUCK, CYBELLE: Hinduismus. Freiburg: Herder 2000, S. 104.
8
DIEZ, ERNST: Die Kunst Indiens. Handbuch der Kunstwissenschaft, Potsdam: Wildpark 1925. S. 45.
9
UNIVERSITY OF PENNSYLVANIA LIBRARY: American Institute of Indian Studies – Varanasi Slide Collection,
10
Khajuraho: Slides 1-19. Online:
http://oldsite.library.upenn.edu/etext/sasia/aiis/architecture/khajuraho/025.html (Stand: 21. August 2006).
ZAUNSCHIRM, S. 25.
11
6
Quote paper:
Sven Köhler, 2006, Der Hindu-Tempel - Mikrokosmos im Makrokosmos?, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Geheimnis und Detektion - Edgar A. Poes "Die Morde in der Rue Mor...
German Studies - Modern German Literature
Scholary Paper (Seminar), 14 Pages
Business Plan für einen Buchladen
Business economics - Company formation, Business Plans
Presentation (Elaboration), 10 Pages
Medien und Politik in Italien - Berlusconi und die Frage nach der Medi...
Politics - Political Systems - General and Comparisons
Scholary Paper (Seminar), 16 Pages
John F. Kennedy und die Wahl zum amerikanischen Präsidenten von 1960
American Studies - Culture and Applied Geography
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 34 Pages
Über Kommunikationsstörungen, speziell auf der Beziehungsebene, und mö...
Pedagogy - Pedagogic Psychology
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 21 Pages
Mobbing - ein ethischer Konflikt u.a. mit ökonomischen Auswirkungen
Nursing / Foster Care Management / Social Services
Scholary Paper (Seminar), 20 Pages
Benares - Heilige Stadt der Hindus am Ganges
Scholary Paper (Seminar), 13 Pages
Religion, Flucht und Aufnahme ...
Romance Languages - French - Linguistics
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 35 Pages
Der Einfluss der Popmusik auf die Gesellschaft aus Sicht der Kritische...
Communications - Theories, Models, Terms and Definitions
Scholary Paper (Seminar), 17 Pages
Sven Köhler's text Der Hindu-Tempel - Mikrokosmos im Makrokosmos? is now available as a printed book
Sven Köhler has published the text Der Hindu-Tempel - Mikrokosmos im Makrokosmos?
Sven Köhler has uploaded a new text
Aus Der Buchhaltung Des Weinmagazins Im Edfu-Tempel: Der Demotische P....
Maren Schentuleit
0 comments