Einleitung 3
1
Axel Honneths Anerkennungsheorie 4
2
2.1 Rückbezug auf den Hegelschen Anerkennungsbegriff 4
Aktualisierung des Anerkennungsbegriffs 6
2 2
3. Nancy Frasers neue Konzeption der Anerkennungstheorie
Das Statusmodell 11
Deontologischer Ansatz: Anerkennung als Gerechtigkeitsproblem 11
3 1
Anti-Psychologisierung 12
3 2
Partizipatorische Parität 13
3 3
Anerkennung wovon 15
3 4
4. Kritische Stellungnahme 16
4.1 Widerspruch in der deontologischen Konzipierung des Statusmodells
16
Inkonsistenz des Konzepts der Anti-Psychologisierung 17
4 2
Literaturverzeichnis 19
5
Sekundärliteratur: 19
1. Einleitung
In Umverteilung oder Anerkennung? Eine politisch-philosophische Kontroverse setzen sich Axel Honneth und Nancy Fraser mit dem Begriff der Anerkennung in Bezug auf soziale Gerechtigkeit auseinander. Obwohl es hierbei auch um Fragen der Verteilungsgerechtigkeit geht, möchte ich in meiner Hausarbeit auf die diese weitgehend verzichten und mich statt dessen auf Frasers Ablehnung der ethischen und psychologischen Aspekte der Anerkennungstheorie beschränken.
Zunächst werde ich in meiner Arbeit darstellen, welche Bedingungen und Lösungsvorschläge Axel Honneth und Nancy Fraser für soziale Gerechtigkeit vorschlagen.
Hierbei werde ich an den traditionellen Anerkennungsbegriff von Hegel anknüpfen und die Erweiterung durch Honneth darstellen. Alsdann werde ich Nancy Frasers neue Konzeption der Anerkennung und vor allem die Abwendung von der Psychologisierung des Begriffs erläutern.
In meinem Kritikteil möchte ich dann mit Hilfe Christopher F. Zurns Aufsatz Identity or Status? die Frage klären, ob Anerkennung tatsächlich wie von Fraser behauptet von der psychologischen Komponente losgelöst werden sollte und ob dies überhaupt möglich ist.
3
2. Axel Honneths Anerkennungsheorie
2.1 Rückbezug auf den Hegelschen Anerkennungsbegriff
Die grundlegende Idee der Anerkennungstheorie geht auf die Phänomenologie des Geistes von Hegel zurück. Diese besagt, dass die menschliche Existenz sich nicht allein durch das Bewusstsein (siehe Déscartes), sondern insbesondere durch die Begierde nach Anerkennung auszeichnet. Das Selbstbewusstsein des Menschen entsteht, indem er von anderen Menschen anerkannt wird. Es reicht ihm nicht aus, sich selbst einen Wert beizumessen, er will zudem, dass der einzelne Wert seiner Person von allen, allgemein anerkannt wird 1 .
In Kampf um Anerkennung geht Axel Honneth auf weitere Schriften Hegels ein, die wichtig für das Verständnis des Anerkennungsbegriffs im traditionellen Sinne sind. Im Folgenden werde ich die für meine Hausarbeit wichtigsten Gedanken zusammenfassen:
Hegel bezieht sich zumindest formell auf Fichtes Sittlichkeitsprinzip, dass die absolute Selbständigkeit des Ichs, also dessen Autonomie bezeichnet. Das sittliche Verhältnis einer Gesellschaft konstituiert sich nun durch intersubjektive Anerkennungsbeziehungen, wobei jede einzelne Person in seiner „Ganzheit“ verstanden werden will.
Es gibt drei Stufen in der Entwicklung des Selbstbewusstseins eines Menschens:
Als erstes erfährt der Mensch als Kind die Liebe und Anerkennung seiner Familie und insbesondere seiner Eltern. In dieser Phase „erkennen die Subjekte sich reziprok als liebende, emotional bedürftige Wesen an“ 2 . Hegel stellt die These auf, dass die „Liebe“ sowohl ein „Element“, als auch eine „Ahnung“ der Sittlichkeit bezeichnet. Axel Honneth deutet diese These wie folgt:
1 Vgl. Kojève, S. 76
2 Honneth (2003), S. 34
4
„[...] nur das Gefühl, grundsätzlich in seiner Triebnatur anerkannt und bejaht zu werden, läßt in einem Subjekt überhaupt das Maß an Selbstvertrauen entstehen, das zur gleichberechtigten Partizipation an der politischen Willensbildung befähigt.“ 3
Die „Ahnung“ der Sittlichkeit betrifft das Gefühl des „Geliebtwerdens“, ohne das eine Vorstellung des sittlichen Gemeinwesens nicht möglich wäre.
Zweitens ist die Phase der Eigenständigkeit des Individuums durch den allgemeinen Rechtsanspruch gekennzeichnet, der an die Stelle des partikularen Geltungsanspruchs in der Familie tritt. Dabei handelt es sich um vertraglich geregelte Besitzansprüche und Tauschbeziehungen, die eine andere Ebene der sozialen Interaktion und Anerkennung darstellen.
Die dritte Stufe ist der Übergang von der „natürlichen Sittlichkeit“ zur „absoluten Sittlichkeit“. Sie ist ein ständiger „Kampf um Anerkennung“, indem das bisherige Beziehungsgeflecht konflikthaft unterbrochen wird.
In dem Prozess des „Anerkanntwerdens“ wächst das Selbstbewusstsein für die eigenen Besonderheiten, dies bedeutet auch, dass durch die Identitätsausbildung neue Eigenarten oder Fähigkeiten entwickelt oder entdeckt werden. Diese erfordern eine neue oder auch anspruchsvollere Stufe der Anerkennung. Die bis dahin erworbene Stufe der „natürlichen Sittlichkeit“ wird zugunsten der „absoluten Sittlichkeit“, der höchsten Form von Autonomie, verlassen.
Diese birgt jedoch eine konfliktgeladene Dynamik in sich: Warum eine Person „X“ einer anderen Person „Y“ die Anerkennung verwehrt und scheinbar absichtlich die bestehende Anerkennungsbeziehung zerstört, bleibt bei Hegel offen. Es könnte aber daran liegen, dass die Person „Y“ zuvor auch einmal Missachtung erfahren hat. 4
3 Honneth (2003), S. 66
4 Vgl. Honneth (2003), S. 40
5
2.2 Aktualisierung des Anerkennungsbegriffs Wie kommt es in einer Gesellschaft zu sozialem Leid und Unrechtserfahrungen und wie kann man dem entgegen wirken? Diese Frage ist der Ausgangspunkt für Honneths Konzipierung des Anerkennungsbegriffs. Was Anerkennung für die menschliche Existenz bedeutet, wurde bereits in 2.1 ausgeführt. Wie sich allerdings das Bedürfnis nach Anerkennung in einer Gesellschaft äußert, wird in Hegels Rechtsphilosophie durch die drei Anerkennungssphären der Sittlichkeit „Familie“, „Gesellschaft“ und „Staat“ gezeigt, die Honneth wie folgt umdeutet.
Nach einer soziologisch empirischen Hypothese wird soziales Unrecht dann empfunden, wenn rational nicht mehr einsehbar ist, warum bestimmte Maßnahmen oder Regelungen institutionalisiert wurden und andere wiederum nicht.
Allein aufgrund dieses verallgemeinerbaren empirischen Befunds ist aber noch keine kategoriale Entschlüsselung sozialen Unrechts möglich. Erst durch die Untersuchungen der politischen Philosophie und der Sozialtheorie gelangt man zu einer „normativ gehaltvollen Gesellschaftstheorie“ 5 , die die Anerkennungs-forderungen begründen kann.
Die Wahrnehmung sozialen Unrechts hängt nämlich nicht nur von etablierten Legitimationsprinzipien ab, sondern auch von unterschiedlichen Erwartungen auf soziale Anerkennung.
Nun hat sich in der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaftsform eine Anerkennungsordnung institutionalisiert, die bestimmt wird durch die drei Sphären „Liebe“, „Recht“ und „Leistung“: Diese Sphären sind gesellschaftlich ausdifferenzierte Formen der Sozialbeziehung, die konstitutiv für die Persönlichkeitsausbildung sind, weil sie intersubjektive Anerkennung erfordern.
5 Fraser/Honneth (2002), S. 156
6
Quote paper:
Nina Reißler, 2006, Welche Form der Anerkennung bedingt soziale Gerechtigkeit? - Das Statusmodell von Nancy Fraser vs. Anerkennungstheorie von Axel Honneth, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Umverteilung oder Anerkennung?
Inhaltsanalyse des Buches von ...
Sociology - Classics and Theoretical Directions
Scholary Paper (Seminar), 18 Pages
Über die Rolle der Schule als Instanz sozialer Kontrolle
Pedagogy - Pedagogic Psychology
Scholary Paper (Seminar), 19 Pages
Soziale Gerechtigkeit im Gesundheitswesen in Deutschland
Termpaper, 12 Pages
Berufliche Rehabilitation von Menschen mit Behinderungen
Termpaper, 19 Pages
Max Weber: Protestantismus und Kapitalismus
Sociology - Classics and Theoretical Directions
Essay, 6 Pages
Die Situation der Schüler mit Migrationshintergrund im deutschen Bildu...
Pedagogy - School System, Educational and School Politics
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 34 Pages
Multidisziplinäre Einführung in Human- und Gesellschaftswissenschaften
Termpaper, 18 Pages
Die Bedeutung von Arbeit und Beruf für Menschen mit Behinderung
Zur beruflichen Sozialisation ...
Sociology - Work, Profession, Education, Organisation
Scholary Paper (Seminar), 23 Pages
Sociology - Social System, Social Structure, Class, Social Stratification
Termpaper, 19 Pages
Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus - Eine kritis...
Sociology - Classics and Theoretical Directions
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 22 Pages
Macht Arbeitslosigkeit krank? Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf di...
Sociology - Work, Profession, Education, Organisation
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 29 Pages
Honneths Anerkennungsmodell vs. Frasers Statusmodell
Ansatzpunkte zur Verknüpfung d...
Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
Scholary Paper (Seminar), 18 Pages
Arbeit - eine multidisziplinäre Einführung in Human- und Gesellschafts...
Termpaper, 16 Pages
Nina Reißler has published the text Welche Form der Anerkennung bedingt soziale Gerechtigkeit? - Das Statusmodell von Nancy Fraser vs. Anerkennungstheorie von Axel Honneth
Nina Reißler has uploaded a new text
Recognition and Power: Axel Honneth and the Tradition of Critical Soci...
Bert Van Den Brink, David Owen
Axel Honneth Gerechtigkeit und Gesellschaft
Potsdamer Seminar
Christoph Menke, Juliane Rebentisch
Beyond Communication. a Critical Study of Axel Honneth's Social Philos...
J-P Dr Deranty, Jean-Philippe Deranty
Adding Insult to Injury: Nancy Fraser Debates Her Critics
Debating Redistribution, Recog...
Nancy Fraser, Richard Rorty, Kevin Olson
Anerkennung und Gerechtigkeit in Heilpädagogik, Pflegewissenschaft und...
Auf dem Weg zu einer nichtexkl...
Markus Dederich, Martin W. Schnell
0 comments