Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 03
2. Definition und Abgrenzung 04
2.1 Die Krise: Eine Definition 04
2.2 Konflikt Krieg Katastrophe: Eine Abgrenzung 05
3. Krisen und Kommunikation 06
3.1 Krisen Kommunikation und Krisenkommunikation 06
3.2 Funktionen und Probleme gesellschaftlicher Krisenkommunikation 08
4. Krisen und Journalismus 10
4.1 Funktion journalistischer Krisenkommunikation 10
4.2 Selektionsmechanismen journalistischer Krisenkommunikation 12
4.3 Trends und Probleme des Krisenjournalismus 14
5. Fazit 17
Anhang
I Verwendete Literatur 19
II Verwendete Internetquellen 20
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1. Einleitung
Als im Februar 2006 auf der Insel Rügen die ersten Fälle der ‚Vogelgrippe’ bekannt wurden, wurde dieses Ereignis quer durch alle Medien als Krise bezeichnet: Der Deutschland-Funk etwa sprach von der „Vogelgrippe-Krise“ (vgl. Dradio 2006), die dpa überschrieb eine Meldung mit „Krise wegen Vogelgrippe“ (vgl. etwa Baden-Online 2006). Im selben Zeitraum sind aber auch andere Ereignisse aus Sicht der darüber berichtenden Medien krisenhaft, so titelte der ‚Focus’ „Ski-Sprungteam schlittert in die Krise“ (Focus 2006), der ‚Tagesspiegel’ vermeldete die „Kuba-Krise in der PDS“ (Tagesspiegel 2006) und ZDF heute.de stellte die Frage, ob der VW-Konzern „Mit 20 neuen Modellen aus der Krise?“ (ZDF heute.de 2006) kommt.
Diese kurze und sicherlich unvollständige Zusammenstellung offenbart mehrerlei. Ereignisse aus den unterschiedlichsten Bereichen werden in den darüber berichtenden Medien als Krise bezeichnet, egal ob es sich hier um ein ökologisches (Vogelgrippe), politisches (PDS), wirtschaftliches (VW-Konzern) oder sogar sportliches (Skisprung) Ereignis handelt. Journalisten bezeichnen also Ereignisse aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen als Krise, der Journalismus scheint gleichsam festzulegen, wann eine Krise eingetreten ist. Berichte über Krisen scheinen darüber hinaus für die Berichterstattung besonders attraktiv zu sein, der Journalismus wird folglich Krisen für besonders relevante und damit berichtenswerte Ereignisse halten.
Daraus ergibt sich zum einen die Frage, wann ein Ereignis als Krise bezeichnet wird, wie eine Krise folglich definiert werden kann und welche Rolle Kommunikation für die Entstehung und den Verlauf einer Krise einnimmt. Zum anderen gilt es, die journalistische Krisenkommunikation näher in den Blick zu nehmen: Welche Rolle spielt der Journalismus für die Kommunikation in und über Krisen? Wann wird ein Ereignis aus journalistischer Sicht zur Krise? Welche gesellschaftlichen Funktionen erfüllt der Journalismus durch seine Krisenkommunikation, wo liegen aktuelle Trends und Gefahren?
Zur Beantwortung dieser Fragen soll in Kapitel 2 zunächst der Versuch einer Definition von Krisen sowie die notwendige Abgrenzung zu verwandten Begriffen – Konflikt, Katastrophe, Krieg – unternommen werden. Darauf aufbauend soll in Kapitel 3 der Zusammenhang zwischen Kommunikation und der Entstehung und dem Verlauf von Krisen sowie Strukturen und Funktion gesellschaftlicher Krisenkommunikation umrissen werden. In Kapitel 4 wird dann die Rolle des Journalismus in der Krisenkommunikation bezüglich seiner
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Funktion für die gesellschaftliche Kommunikation über und in Krisen, seiner Selektionsmechanismen sowie den aktuellen Trends und daraus folgenden Gefahren dargestellt.
2. Die Krise: Definition und Abgrenzung
In der Einleitung wurde dargelegt, dass unterschiedliche Ereignisse aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen als Krise bezeichnet werden (können). Daher soll in diesem Kapitel zunächst der Begriff der Krise näher definiert werden, anschließend wird er von den Begriffen Konflikt, Katastrophe und Krieg abgegrenzt, da diese häufig in einem ähnlichen Kontext verwendet werden.
2.1 Krise: Eine Definition
Löffelholz führt zu Krisen folgendes aus: „Krisen können als (vermutete) Bedrohungen zentraler Werte eines Systems definiert werden. Dabei wird Sicherheit – bis hin zur Gefährdung der Existenz – reduziert, Zeitressourcen werden verknappt und hoher situativer Entscheidungsdruck induziert“ (2005: 48). Nach dieser Definition sind Krisen also erstens systemabhängige Phänomene, wenn zweitens zentrale Werte bedroht werden. Ähnlich definiert Luhmann: „Krisen sind unerwartete (thematisch nicht vorbereitete) Bedrohungen nicht nur einzelner Werte, sondern des Systembestands in seinem eingelebten Anspruchsniveau. Sie stimulieren und sammeln Aufmerksamkeit dadurch, dass sie den Erfüllungsstand zahlreicher Werte diffus, unbestimmt und unter Zeitdruck gefährden“ (Luhmann 1971: 16). Mit den angeführten Definitionen wird auch deutlich, dass es sich bei Krisen – zumindest aus Perspektive des betroffenen Systems - um negativ bewertete Ereignisse handelt, da sie für die betroffenen Systeme existenzrelevant sind (vgl. auch Görke 2004: 123).
Die Verknappung von Sicherheit und Zeitressourcen sowie ein hoher Entscheidungsdruck sind dann weitere Charakteristika oder Merkmale einer Krise. Gerade sie existieren aber nicht – wie aus der Definition zunächst abzuleiten wäre - an sich: „Krisen-Charakteristika wie Unsicherheit, Entscheidungsdruck und Zeitknappheit sind Phänomene, die in kognitiven und sozialen Prozessen generiert, verstärkt oder reduziert werden“ (Löffelholz 2005: 48). Diese Einschränkung kann aber darüber hinaus nicht nur für die Merkmale einer Krise gelten, sie muss vielmehr den gesamten Krisenbegriff umfassen. So ist z.B. nicht nur Zeitdruck ein Phänomen, das in sozialen
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Prozessen generiert wird. Vielmehr lassen sich Krisen auch insgesamt (und nicht nur ihre Charakteristika) als beobachterabhängige und damit kontingente Zuschreibungen definieren, die Beobachtungen strukturieren und Ereignisse durch die Zuschreibung Krise / Nicht-Krise unterscheidbar machen (vgl. Kohring / Görke / Ruhrmann 1996: 284-285). Das heißt, ein Ereignis ist nicht ‚an sich’ eine Krise, sondern wird erst durch die Beobachtung und entsprechende Differenzbildung des Beobachters zu einer solchen. Denn auch in Bezug auf Krisen lässt sich festhalten, dass es ‚die Wirklichkeit’ nicht gibt. Vielmehr: „[…] Wahrnehmen und erkennen [liefern] keine getreuen Abbildungen der Umwelt, sie sind Konstruktionen, die […] auch anders ausfallen können“ (Schmidt 1994: 7).
Wenn Krisen also beobachterabhängig sind, lassen sich die oben aufgeführten Definitionen wie folgt erweitern: Eine Krise liegt dann vor, wenn aus Sicht eines Beobachters zentrale Werte eines Systems dermaßen bedroht sind, dass eine Existenzgefährdung des jeweiligen Systems vorliegt.
2.2 Konflikt, Krieg, Katastrophe: Eine Abgrenzung
Neben dem Begriff der Krise werden die verwandten Begriffe ‚Konflikt’, ‚Krieg’ und ‚Katastrophe’ in ähnlichen Zusammenhängen verwendet. Löffelholz grenzt die Begriffe ausgehend von seiner Krisen-Definition wie folgt ab: „Damit unterscheiden sich Krisen von Konflikten (die nicht zwangsläufig die Existenz gefährden), […] und Katastrophen (die stets negativ enden). Kriege wiederum können als fortbestehende Krisen gesehen werden, die gewaltsam zugespitzt werden“ (2005: 48). Ausgehend davon wären Kriege eine besondere Form von Krisen. Konflikte und Katastrophen dagegen wären in diesem Sinne nicht krisenhaft. Diese Abgrenzung erscheint jedoch wenig überzeugend: Selbst wenn Konflikte nicht zwangsläufig die Existenz des Systems gefährden, so können sie als existenzgefährdend beobachtet und damit als Krise wahrgenommen werden. Und dass eine Katastrophe ebenso existenzgefährdend sein kann, erscheint ebenso einleuchtend. Sinnvoller ist es daher, die Begriffe zunächst isoliert zu definieren. „Von Konflikten wollen wir immer dann sprechen, wenn einer Kommunikation widersprochen wird. […] Ein Konflikt ist die operative Verselbstständigung eines Widerspruchs durch Kommunikation“ (Luhmann 1985: 530). Ein Konflikt liegt damit immer dann vor, wenn die Erwartungen zweier (oder mehrerer) Systeme nicht übereinstimmen und diese Nicht-Übereinstimmung auch kommuniziert wird (vgl. Luhmann 1985: 530-531). „Kriege können dagegen als Eskalation von
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Konflikten verstanden werden. Diese Eskalation tritt ein, sobald die Kommunikation von Widersprüchen mit der Anwendung von (organisierter, extremer, physischer) Gewalt verbunden wird“ (Görke 2004: 122). Damit ist jeder Krieg auch zugleich ein Konflikt. Der Begriff der Katastrophe dagegen bezeichnet ein Ereignis mit großem Schädigungspotential, ein Krieg kann demnach auch als Katastrophe bezeichnet werden. Insgesamt können die drei Begriffe also nicht trennscharf von einander abgegrenzt werden (vgl. Kohring / Görke / Ruhrmann 1996: 284). Vielmehr sind auch sie beobachterabhängig:
Konflikte, Kriege und Katastrophen sind keine Naturereignisse, sondern das Ergebnis von äußerst komplexen und voraussetzungsreichen sozialen Konstruktionsprozessen. Das heißt, sie existieren nicht unabhängig von der Wahrnehmung eines Beobachters. Konflikte, Kriege und Katastrophen stellen in diesem Verständnis Beobachterdispositionen dar, die (Welt-)Geschehen strukturieren, indem unterscheidbare Ereignisse konstruiert werden (Kohring / Görke / Ruhrmann 1996: 284-285).
So betrachtet lässt sich der Begriff der Krise als eine weitere und zusätzliche Beobachterdisposition abgrenzen; Ereignisse, die als Konflikt, Krieg oder Katastrophe beobachtet werden, können in einem weiteren Selektionsprozess auch als Krise beobachtet werden (vgl. Kohring / Görke / Ruhrmann 1996: 285). Diese Unterscheidung wird jedoch im jeweiligen System getroffen, da, wie in Kapitel 2.1 aufgezeigt, ein Ereignis dann als Krise wahrgenommen wird, wenn zentrale Werte des Systems gefährdet scheinen. Diese Unterscheidung kann aber nur im jeweiligen System selbst getroffen werden. Damit wird auch deutlich, warum nicht jeder Konflikt, jeder Krieg oder jede Katastrophe von allen Beobachtern als Krise beobachtet wird. Prägnant formuliert: „Krisenbeobachtungen setzen […] vor allem die betroffenen Systeme unter Zugzwang“ (Görke 2004: 123).
3. Krisen und Kommunikation
Im vorhergegangenen Kapitel wurde der Begriff der Krise definiert und von anderen verwandten Begriffen abgegrenzt. In den folgenden Abschnitten soll nun zum einen das Verhältnis von Krisen und Kommunikation, zum anderen die Funktion von gesellschaftlicher Krisenkommunikation erläutert werden.
3.1 Krisen, Kommunikation und Krisenkommunikation
Wenn Krisen beobachterabhängige Zuschreibungen sind, könnte jedes (psychische) System jedes Ereignis als Krise beobachten. Damit wäre aber unterstellt, dass jedes System seine Wirklichkeitskonstruktionen willkürlich
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Arbeit zitieren:
Magister Artium Sascha Vogt, 2006, Krisen durch Kommunikation?, München, GRIN Verlag GmbH
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