Inhaltverzeichnis
Öffentliche Armenfürsorge in Schwäbisch Hall im Spätmittelalter 1
Einleitung 3 NA
Betroffene der Armut in Schwäbisch Hall 4
Öffentliche Maßnahmen zur Armenfürsorge anhand der Geschichte des einstigen Johannes -
hospitals 6
Die Verwaltung des Heilig-Geist-Hospitals in Schwäbisch Hall 10
Hierarchieebenen im Spital 10
Zum Leben der Spitalinsassen 11
Die geistliche Versorgung im Spital 12
Stiftungen für das Spital 12
Regeln im Spital 13
Zusammenfassung 13
Literatur- Quellenverzeichnis und Weblinks 16
2 NA
Einleitung
Reichsstädte sind im Mittelalter eigentlich dafür bekannt, dass in ihr alle Bürger „gleich“ sind 1 . Dennoch ist es unumstritten, dass in allen Reichsstädten, so auch in Schwäbisch Hall, faktische und gesellschaftliche Ungleichheiten existieren 2 . Sogar im finanzkräftig starken Schwäbisch Hall leben etwa 33% der Einwohner in Armut leben und sind daher auf öffentliche Armenfürsorge angewiesen sind 3 .
In dieser Arbeit soll das Fürsorge- und Spendewesen untersucht werden, das in Hall immer eine große Rolle gespielt hat 4 . Die Schlüsselfrage soll daher sein, welche zentrale Einrichtung zur Armenfürsorge in Schwäbisch Hall im Mittelalter zu finden ist und welche geschichtliche Entwicklung diese durchlief. Zuerst wird hierbei untersucht, welche Personen im Spätmittelalter überhaupt als arm bezeichnet werden und welche Berufs- schichten speziell in Schwäbisch Hall demnach in die Gruppe der Armen fallen. Im An- schluss an die Einteilung in Sozialschichten wird das Johannesspital als eine Einrichtung der öffentlichen Armenfürsorge im Mittelpunkt der Arbeit stehen. Obwohl das sogenannte Johannesspital nicht die einzige Einrichtung in Schwäbisch Hall ist, die sich um die Armenfürsorge kümmert 5 , wird sich diese Arbeit ausschließlich der geschichtlichen Beschreibung der Einrichtung dieses Hospitals widmen, da es sich hierbei um die größte, wirksamste und historisch gesehen wohl interessanteste Fürsorgestätte in der Reichsstadt handelt. An die historische Behandlung schließt eine kurze Beschreibung der administra- tiven Regelungen im Spital an, um einen Überblick über das Funktionieren und die Verwaltung hinter dem karitativen Gedanken der Fürsorgeanstalt zu verschaffen. Am Ende wird ein Fazit die wesentlichen Punkte der Arbeit noch einmal aufgreifen und kurz zusammenfassen.
Da die Spitäler als selbstständige Einrichtung eine eigene, meist sorgfältig geführte 1 Vgl. http://www.g26.ch/texte_zeichen_freiheit_04.html sowie http://www.interpublic-berlin.- de/files/230.html am 28. Februar 2006.
2 Vgl. WUNDER, Gerd: Die Unterschichten der Reichsstadt Hall. Methoden und Probleme ihrer Erforschung, in: Gesellschaftliche Unterschichten in den südwestdeutschen Städten, hrsg. von Maschke, Erich/Sydow, Jürgen (Veröffentlichung der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe B, Forschungen, 41), Stuttgart 1967, S. 101- 118.
3 Vgl. WUNDER, Gerd: Die Unterschichten der Reichsstadt Hall, S. 105.
4 Vgl. WUNDER, Gerd: Die Bürger von Hall. Sozialgeschichte einer Reichsstadt 1216-1802 (For- schungen aus Württembergisch Franken, 16), Sigmaringen 1980, S.166.
5 Vgl. Museum. Hällisch-Fränkisches Museum Schwäbisch Hall, S.34: Hausarmen Leuten wurde erlaubt in den Bürgerhäusern zu nächtigen; sowie WUNDER, Gerd: Die Bürger von Hall, S.167: In Schwäbisch Hall gab es auch ein Armenhaus.
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Registratur und Archive haben 6 , ist die Quellenlage zur Untersuchung des Spitalwesens sehr gut. Ab dem Jahre 1228 finden wir eine nahtlose Überlieferung an Urkundensamm- lungen, die wertvolle Einblicke in die soziale, rechtliche und wirtschaftliche Struktur des Hospitals gewähren. Editierte Versionen der Spitalurkunden sind dagegen nur in Einzelfällen vorhanden. Das ist relativ erstaunlich, da das Hospital zum Heiligen Geist in Schwäbisch Hall in der Literatur mehrfach Gegenstand der Betrachtung ist und Druck- versionen der einzelnen Urkunden das wissenschaftliche Arbeiten teilweise erleichtern oder zumindestens ein zügigeres Arbeiten fördern könnten.
Unvermeidlich sind bei der Recherche nach Informationen zum Spital von Schwäbisch Hall vor allem die Werke der Autoren wie Kuno Ulshöfer, Gerd Wunder und Ekkehard Kaum .
Das Werk „Das Johannesspital in Schwäbisch Hall bis zum Ende des sechzehnten Jahrhunderts“ von Ekkehard Kaum beschäftigt sich sehr sorgfältig und ausführlich mit der Haller Anstalt. Kaums Werk bietet als Einheit die umfassendsten Informationen und belegt durch zahlreiche Quellenverweise und Anektdoten den Werdegang und das Wesen des Hospitals zu Hall.
Als Herausgeber der „Regesten der Urkunden des Hospitals zum Heiligen Geist in der Reichsstadt Hall bis 1480“ verfasste Kuno Ulshöfer des weiteren eine kurze prägnante Monographie über die Geschichte des Spitals zum Heiligen Geist, beginnend ab der Stauferzeit bis in das 20. Jahrhundert.
Dagegen beschäftigt sich Gerd Wunder weder speziell noch ausschließlich mit der Institution des Hospitals. Vielmehr geben seine Monographien Auskunft über die sozial- geschichtliche Entwicklung in der Reichsstadt Schwäbisch Hall. Besonders in Hinblick auf die ärmeren Bevölkerungsschichten bieten Wunders Werke wertvolle Informationen.
Betroffene der Armut in Schwäbisch Hall
Die Bürger in den mittelalterlichen Reichsstädten werden tagtäglich und überall mit der Armut konfrontiert. An den Kirchenportalen lungern von Krankheit und Behinderung ge- kennzeichnete Menschen, durch die Gassen schleichen ganze Familien, die um Unter- stützung, so etwa um Nahrung betteln. 7 Auffallend hoch in Schwäbisch Hall ist der beträchtliche Anteil an Frauen- und Kinderhaushalten 8 . Diejenigen, denen „das Ihrige“ 6 Vgl. ZELLER, Bernd: Die schwäbischen Spitäler, in: ZWLG, Bd.13 (1954), S.72.
7 Vgl. PETZ, Wolfgang: Reichsstädte zur Blütezeit 1350 bis 1550. Alltag und Kultur im Allgäu und in Oberschwaben, Kempten 1989, S. 117.
8 Nicht alle Frauen oder Witwen waren automatisch arm. Obwohl es im Ausnahmefall auch
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eben nicht „wachset“ 9 , sondern die um ihr täglich Brot hart arbeiten müssen, deren Lohn aber trotzdem nicht zum Leben ausreicht, zählen zur Gruppe der Armen. In Schwäbisch Hall gehören zu dieser Gruppe vor allem die „mühselig werkenden Salzsieder“ und die armen Handwerker 10 .
Hinweise auf die Armut findet man unter anderem in Steuerlisten 11 . In der Forschung liegen unterschiedliche Kriterien zur Festlegung der Armutsgrenze vor; dem- nach werden häufig Bürger als arm bezeichnet, die einen Vermögenswert von unter 100 (Rheinischen) Gulden versteuern 12 . Dementsprechend fallen in Schwäbisch Hall rund 30% der Schuhmacher, Weißgerber, Säckler, Tucher und Binder, 23% der Schneider, 20% der Rotgerber und Müller, 15% der Bäcker und 8% der Metzger in den Bereich der Armen, da sie im Jahre 1545 einen Vermögenswert von unter 50 Gulden aufweisen und damit unter- halb des Existenzminimums liegen. 13 Um die Kategorisierung der Armut von dem an die Währung gekoppelten Ver- mögen zu lösen, wählt man eine im Verhältnis stehende Einteilung. Demnach sind Arme jene Menschen, die keinen Steuerbetrag, den sogenannten Mindestbetrag oder weniger als ein Zehntel des Durchschnitts zahlen. Leute, hinter deren Namen im Steuerregister kein Betrag verzeichnet ist, werden zu den Armen gezählt, die keine Steuern bezahlen. Eine weitere Gruppe von Personen zahlt zwar eine Art von Steuer, die aber nicht als Steuer im eigentlichen Sinn zu verstehen ist. Es handelt sich bei dieser Gebühr um eine Anerkennungsgebühr, die zwei Schilling beträgt 14 . Diese Gebühr bezieht sich nicht auf das Vermögen, sondern wird von jenen bezahlt, die so wenig verdienen, dass der übliche Steuersatz nicht bezahlt werden kann 15 .
Wählt man den relativen Ansatz zur Bestimmung der Armutsgrenze, so müssen im Beobachtungszeitraum von 1396 bis 1608 in Schwäbisch Hall sogar 40% der Einwohner- schaft als arm bezeichnet werden.
ausgesprochen reiche Witwen gab, gehörte etwa die Hälfte zu den Ärmsten; vgl. WUNDER, Gerd: Die Bürger von Hall, S.163.
9 Vgl. WUNDER, Gerd: Die Bürger von Hall, S. 162.
10 Vgl. WUNDER, Gerd: Die Unterschichten der Reichsstadt Hall, S. 101.
11 Wobei die Steuer nicht auf das Einkommen, sondern auf das Vermögen berechnet wird; vgl. WUNDER, Gerd: Die Unterschichten der Reichsstadt Hall, S. 103.
12 Vgl. MASCHKE, Erich/DIRLMEIER, Ulf: Untersuchungen zu Einkommensverhältnissen und Lebenshaltungskosten in oberdeutschen Städten des Spätmittelalters (Mitte 14. bis Anfang 16. Jahrhundert), vorgelegt am 5. Feb. 1977 (Abhandlung der Heidelberger Akad. der Wiss., 1), Heidelberg 1978, S. 526.
13 Vgl. WUNDER, Gerd: Die Unterschichten in der Reichsstadt Hall, S. 105.
14 Zwei Schilling konnte man verdienen, wenn man im Herbst einen halben Tag im Wald gearbeitet hatte; vgl. WUNDER, Gerd: Die Bürger von Hall, S. 163.
15 Es handelt sich dabei um einen speziellen Steuersatz für die, die über 13 Gulden, nach 1523 etwa 27 Gulden verdienen; vgl. WUNDER, Gerd: Die Bürger von Hall, S. 162.
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Quote paper:
Dipl. Math. Stefanie Winter, 2006, Öffentliche Armenfürsorge in Schwäbisch Hall im Spätmittelalter, Munich, GRIN Publishing GmbH
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