Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Deutsch als Fremdsprache Institut
Semesterarbeit Sprachwissenschaft
SS 2003
Thema: Der Lexikonerwerb bei Kindern
Vorgelegt von:
Antonina Bespalova
Inhalt
1 Einführung 3
2 Von nichtsprachlichen und vorsprachlichen Mitteln der Referenz zu den ersten Wörtern 4
3 Wortschatzwachstum und vocabulary spurt 6
4 Erste Wörter und ihre Bedeutungen 9
4.1 Überextension und Überrestriktion 14
5 Der Lexikonerwerb bei bilingualen Kindern 16
5.1 Spracheneinfluss 18
5.2 Sprachentrennung 20
5.3 Interferenzen 21
6 Schluss 24
7 Literaturverzeichnis 25
1 Einführung
Sprache ist ein wichtiges Mittel der Kommunikation. Kinder stehen von Anfang an vor der Aufgabe die sprachlichen Zeichen zu erwerben und sie richtig zu benutzen. Nach dem Organon-Modell von Karl Bühler steht ein sprachliches Zeichen in der direkten Verbindung zwischen Sender und Empfänger und in der indirekten Verbindung zwischen Gegenstand und Sachverhalt (Symbol). Die Beziehung zwischen Zeichen und Symbol ist nicht eine zeicheninterne, sondern eine, die in jeder Situation neu vom Sender hergestellt wird.
Kinder benutzen zuerst nichtsprachliche Referenzen, d.h. Symbole, die auf etwas Bezug nehmen und erst danach sind sie dazu imstande sprachliche Referenzen richtig zu benutzen. Kinder sollen Verständnis über die fortdauernde Existenz eines Objektes, unabhängig von der eigenen Wahrnehmung, erwerben. Dieses Verständnis ist die erste Stufe auf dem Weg zur Entwicklung der Symbolfunktion.
In dieser Semesterarbeit wird die Aufgabe gestellt den Prozess zu zeigen, wie monolinguale und bilinguale Kinder Lexikon erwerben. Anschließend wird die Entwicklung des Lexikons bei diesen Kindern verglichen.
Im ersten Kapitel wird beleuchtet, wie das Kind von nichtsprachlichen und vorsprachlichen Mitteln der Referenz zu den ersten Wörtern kommt.
Ein besonders interessanter Punkt im Lexikonerwerb ist ein sprunghafter Anstieg des Wortschatzwachstums. Forscher bezeichnen diese Phase mit einem englischen Fachausdruck dem vocabulary spurt. Es wird die Frage gestellt, ob der vocabulary spurt bei allen Kindern obligatorisch ist. Im dritten Kapitel werden die Beispiele der ersten Wörter bei englischsprachigen und deutschsprachigen Kindern angeführt. Es wird auch angesprochen wie und in welchem Kontext diese ersten Wörter verwendet werden. Manchen Wörtern misst das Kind eine andere Bedeutung zu als ihnen tatsächlich zusteht. Das führt zur Entstehung von Überextensionen, Überrestriktionen, Überlappungen und mismatch.
Im vierten Kapitel wird auf den Lexikonerwerb bei bilingualen Kindern eingegangen. Hier werden auch die zwei Theorien zum simultanen Erwerb zweier Erstsprachen erwähnt. Diese sind Sprachentrennung und Spracheneinfluss. Zum Schluss werden die lexikalischen Interferenzen erläutert, die besonders häufig bei bilingualen Kindern auftreten.
2 Von nichtsprachlichen und vorsprachlichen Mitteln der Referenz zu den ersten Wörtern
Die nichtsprachlichen Formen des Referierens kann man als Vorläufer der Lexikonentwicklung betrachten und dieser Entwicklungsprozess beginnt schon im ersten Lebensjahr. Beim Erwerb referentieller Mittel lernt das Kind einen Bezug zwischen verbalen und nichtverbalen Ausdrucksformen und allen wahrnehmbaren Objekten aus der Umwelt herzustellen (vgl. Kauschke 2000:8)
Zuerst entwickelt das Kind die Fähigkeit, über Blickverhalten Referenz zu stiften. Es schaut auf das Objekt und dann auf den Gesprächspartner. Damit bekommt das Kind die Information, ob der gemeinsame Bezug zum Objekt hergestellt ist.
Die anderen Referenzmittel sind die Gesten. Bruner (1987) unterscheidet die Gesten des Hinlangens mit der offenen Hand (reaching) und die gezielte Zeigegeste mit dem Zeigefinger. Mit der Zeit entwickelt sich beim Kind die Fähigkeit die Zeigegeste in Kombination mit Protowörtern und dann mit konventionellen Wörtern zu verwenden. Der Endpunkt dieser Entwicklung ist, wenn das Kind sprachliche Referenzen zu benutzen lernt.
„Sobald eindeutigere, sprachliche Referenz möglich ist, verringert sich die Anzahl der Gesten. Im weiteren Verlauf übernehmen Gesten dann andere Funktionen z.B. Untermalung, Akzentuierung und Ergänzung der Rede. Das allmähliche Verschwinden der Gesten kann also als Indikator für das Auftauchen der sprachlichen Referenz gewertet werden. Obwohl hier ein gradueller Übergang von präverbalen zu verbalen Mitteln aufgezeigt wird, können diese Befunde noch keine Auskunft darüber geben, warum ab einer gewissen Altersstufe ein drastischer Anstieg an Vokalisationen und dann an Wörtern zu beobachten ist“ (Zinober&Matlew 1985: 302)
Um die Aufmerksamkeit der anderen auf sich zu ziehen, benutzt das Kind schon die Vokalisationen. Die Lenkung der Aufmerksamkeit durch ein stimmliches Medium hat gegenüber Gesten den Vorteil, dass die Erwachsenen auch dann das Signal hören, wenn sie das Kind nicht sehen. Mittels Vokalisation drückt das Kind seine Emotionen aus: es girrt und lacht und zeigt, ob es zufrieden ist.
Dore (1976) erfasst dieses Phänomen unter dem Begriff der „phonetisch konsistenten Formen“ (PCF).
„Die (PCF) sind damit Zeichen, die zu ihrem Inhalt in einem losen assoziativen oder expressiven Bezug stehen und unter kontextspezifischen Bedingungen gebraucht werden.“ (Kausch-ke 2000: 10).
Arbeit zitieren:
Antonina Bespalova, 2003, Der Lexikonerwerb bei Kindern , München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
DOI
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