Abstract
Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Darstellung des komplexen Prozesses der betrieblichen Standortplanung für Produktionsstätten. In diesem Zusammenhang werden zuerst die Bedeutung und die Notwendigkeit einer gezielten Standortplanung aufgezeigt. Im Weiteren finden Standortfaktoren, Informationsquellen und Bewertungsverfahren besondere Berücksichtigung und werden in den dynamischen Standortplanungsprozess eingebunden. Im Anschluss wird die Thematik mit Hilfe eines Praxisbeispiels veranschaulicht.
I
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis III
Tabellenverzeichnis ................................................................................................ III III
1. Einleitung 1
2. Einführung in die Standortplanung 3
2.1. Grundlagen und Begriffe 3
2.2. Stellenwert und Bedeutung 4
2.3. Standortplanungsanlässe 5
3. Determinanten der Standortplanung 6
3.1. Standortfaktoren für Produktionsstätten 6
3.1.1. Standortfaktorensystematik nach Lüder und Küpper (1983) 7
3.1.2. Zusammenfassende Betrachtung 9
3.2. Informationsquellen für die Bewertung von Standortfaktoren 10
3.3. Verfahren zur Bewertung von Standorten 12
3.3.1. Qualitative Bewertungsverfahren 13
3.3.2. Quantitative Bewertungsverfahren 16
3.3.3. Zusammenfassende Bewertung 16
4. Standortplanungsprozess 18
4.1. Initiativphase 19
4.2. Konzeptphase 20
4.3. Informationsbeschaffungs- und Bewertungsphase 21
4.3.1. Ländervorauswahl 22
4.3.2. Grobauswahl 23
4.3.3. Feinauswahl 23
4.4. Entscheidungsphase 24
5. Standortplanung in der Praxis 25
6. Fazit und Ausblick 28
Management Summary 29
Quellenverzeichnis 30
II
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Standortplanungsprozess 18
Abbildung 2: Auszug aus dem Standortanforderungskatalog der BMW Group 26
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Informationsquellen für internationale und regionale Standortplanung 11
Tabelle 2: Verfahren zur Bewertung von Standorten 13
Tabelle 3: Bewertungsteilphasen 24
III
1. Einleitung
In den letzten Jahrzehnten im Zuge der Globalisierung ist das Thema Standortplanung und Standortwahl und dessen erhebliche Bedeutung immer mehr in das Bewusstsein der Unternehmen gerückt, denn in der Vergangenheit waren strategische und auf Analysen basierende Standortentscheidungen hauptsächlich für Großunternehmen relevant, doch heute sind sie zunehmend auch für kleine und mittlere Unternehmen wettbewerbsnotwendig und von großem Interesse. Zudem stellt sich die Frage nach dem geeigneten Unternehmensstandort in zunehmendem Maße nicht nur für neu zu gründende Unternehmen sondern auch für bereits existierende Unternehmen. Der strategische und konstitutive Charakter sowie der langfristige Einfluss und die enorme Tragweite einer Standortentscheidung untermauern die Bedeutung dieses Themas.
Die Praxis dagegen zeigt, dass die Wichtigkeit der Standortplanung und Standortwahl von vielen Unternehmen verkannt wird. Fehlentscheidungen, die einen hohen Verlust für das gesamte Unternehmen bedeuten können, resultieren oft aus unternehmerischen Gründen wie begrenzte Planungskapazitäten, insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen, aus mangelnder Kenntnis der notwendigen methodischen Werkzeuge zur Standortplanung und aus Vernachlässigung wesen- tlicher Aspekte. Somit besteht eine Diskrepanz zwischen der Wichtigkeit und der geringen Einbeziehung der Standortplanung in die strategische Unternehmenswelt.
Ein passendes Beispiel für die Aktualität der Standortdiskussion ist der Standort Deutschland. Viele deutsche Unternehmen haben in den vergangenen Jahren ihre Produktionsstätten in Niedriglohnländer wie z.B. Ungarn, Tschechien, Malaysia und China verlagert und der Trend setzt sich weiter fort. Als zwei Hauptgründe für die Abkehr vom Produktionsstandort Deutschland werden hohe Arbeitskosten sowie hohe Steuerbelastungen genannt. Doch unter diesen Standortentscheidungen sind auch Fehlentscheidungen zu erkennen, denn seit Ende der 90er Jahre ist auch das Phänomen der Rückverlagerung zu beobachten. Unternehmen verlagern enttäuscht ihre Produktion aus dem Ausland nach Deutschland zurück, weil sich ihre Erwartungen im Ausland nicht erfüllt haben. 1
1 vgl. Kinkel, S. (Hrsg.); Erfolgsfaktor Standortplanung; Berlin/Heidelberg 2004; S.1ff
1
Es stellt sich die Frage: Hätten die betroffenen Unternehmen diese Rückverlagerungen durch eine geeignete Standortplanung vermeiden können?
Vor dem Hintergrund dieser Frage und der Feststellungen ist das Ziel dieser schriftlichen Arbeit die Ermittlung und Erläuterung der Kerninhalte der Standortplanung und der Standortwahl für Produktionsstätten. Zu diesem Zweck erfolgt eine Darstellung der Standortfaktoren, der Informationsquellen und der Bewertungsverfahren, die zusammen die drei wichtigsten Determinanten der Standortplanung darstellen. Im Anschluss werden die Determinanten in einen dynamischen Entscheidungsprozess, der detailliert vorgestellt wird, eingebunden. Zum Schluss wird ein Bezug zur Thematik Standortplanung und Standortwahl der Unternehmen in der Praxis anhand eines ausgewählten Beispiels hergestellt und die Notwendigkeit für ein permanentes Standortcontrolling aufgezeigt.
Im Rahmen dieser Arbeit wird nur die betriebliche Standortplanung behandelt, die sich deutlich von der innerbetrieblichen Standortplanung abgrenzt. Der direkte Bezug zu Produktionsstätten wird nicht in jedem Kapitel hergestellt, da die allgemeine betriebliche Standortplanung mit der spezifischen betrieblichen Standortplanung für Produktionsstätten in vielen Hinsichten übereinstimmt.
2
2. Einführung in die Standortplanung
2.1. Grundlagen und Begriffe
In der Betriebswirtschaftslehre wird der Begriff Standort meistens als geographischer Ort, an dem ein Unternehmen Produktionsfaktoren einsetzt und Güter erstellt oder verwertet, definiert. 2 Im Rahmen der Standortplanung befassen sich Unternehmen mit der Suche nach einem geeigneten Standort. Es wird versucht Antworten auf die Fragen warum, wo, wie, wie viel und wann investiert werden soll zu finden. Die Beantwortung dieser Fragen erfordert eine systematische Analyse alternativer Standorte. Zur Ermittlung des optimalen Standortes bedarf es einerseits der Kenntnis der relevanten Standortfaktoren und andererseits eines Verfahrens, das es ermöglicht die quantitativen und qualitativen Wirkungen der relevant erachteten Standortfaktoren zu bewerten. 3 Die Standortplanung kann auch als ein Entscheidungsprozess bezeichnet werden, der die Aufgabe hat, aus einer Menge potentieller Standorte für ein Unternehmen einen bzw. mehrere so auszuwählen, dass eine weitestgehende Übereinstimmung zwischen Standortanforderungen und Standortbedingungen mit dem Ziel der Maximierung des wirtschaftlichen Erfolgs gewährleistet werden kann. 4 Dies kann realisiert werden, wenn für eine komplexe und unsichere Entscheidungssituation eine möglichst optimale Informationsgrundlage geschaffen wird. Die Standortplanung bzw. der Standortplanungsprozess ist auch durch eine hohe Komplexität gekennzeichnet und es kann erwähnt werden, dass die Initiierung und der Ablauf dieses Prozesses stets individuell und einzelfallabhängig sind. Dennoch lassen sich bei den Ergebnissen der empirischen Untersuchungen erhebliche Übereinstimmungen erkennen, insbesondere in Bezug auf die Unterscheidung einzelner Phasen des Standortentscheidungsprozesses. 5 Im Allgemeinen wird der Standortentscheidungs- prozess grob in vier bis fünf Phasen unterteilt: Initiativphase, Konzeptphase, Informationsbeschaffungs- und Bewertungsphase sowie Entscheidungsphase.
2 vgl. Hansmann, K.-W.; Entscheidungsmodelle zur Standortplanung der Industrieunternehmen; Wiesbaden 1974; S.15 3 vgl. Hansmann, K.-W.; Industriebetriebslehre, München/Wien 1987; S.70f 4 vgl. Domschke, W.; Drexl, A.; Logistik: Standorte; München 1990; S.7 5 vgl. Lüder, K.; Küpper, W.; Unternehmerische Standortplanung und regionale Wirtschaftsförderung; Göttingen 1983; S.9
3
Es kann noch angemerkt werden, dass sich das Problem der Standortplanung und Standortwahl nicht nur im Rahmen der Unternehmensgründung stellt, sondern auch im Laufe der Unternehmensentwicklung immer wieder auftreten kann, wenn z.B. der bestehende Standort unter Beachtung veränderter Bedingungen nicht mehr als optimal erachtet wird und das Unternehmen andere Standorte für attraktiver hält.
2.2. Stellenwert und Bedeutung
Im Rahmen der langfristigen Unternehmensentscheidungen kommt der Frage der Standortwahl eine wichtige Bedeutung zu. Das gilt einerseits für die Errichtung neuer Produktionsstätten und andererseits für die Erweiterung oder Verlagerung bestehender Betriebe. Für den Betriebswirt ist in erster Linie der Standort als Parameter der Kosten- und Ertragssituation von großer Bedeutung und somit entscheidend für den Erfolg des Unternehmens. So gehört die Wahl des Standortes, an dem sich die betriebliche Leistungserstellung vollziehen soll, ebenso wie die Wahl der Rechtsform und der Organisationsstruktur zu den konstitutiven Entscheidungen eines Unternehmens. Fehler bei dieser langfristigen Weichenstellung sind später schwer zu revidieren und mit hohen Kosten verbunden. Somit zählt die Standortwahl zu den wichtigsten Entscheidungen eines Unternehmens und gewinnt in der jetzigen Zeit immer mehr an Bedeutung. Die hohe Bedeutung des Standortes für die Überlebensfähigkeit eines Unternehmens und die geringe kurzfristige Flexibilität hinsichtlich Veränderung des Standortes sind wichtige Gründe für die Notwendigkeit einer zukunftsorientierten Standortplanung und deren Einbeziehung in die strategische Unternehmensplanung. 6
Um sich Wichtigkeit und Tagweite einer derartigen Investition bewusst zu machen, sollte erwähnt werden, dass die Produktionsstätte auf die Produktions- und Funktionsbereiche des Unternehmens sowie auf das Finanzierungsvolumen bezogen die umfangreichste Direktinvestition darstellt. Das Investitionsvolumen eines solchen Projektes beträgt üblicherweise mehrerer Milliarden Euro. 7
6 vgl. Domschke, W.; Drexl, A.; Logistik: Standorte; München 1990; S.3f
7 vgl. Autschbach, J.; Internationale Standortwahl; Wiesbaden 1997; S.86
4
2.3. Standortplanungsanlässe
Die Frage nach der Standortplanung und Standortwahl stellt sich bei der Gründung, Standortverlagerung, Standorterschließung und auch zum Teil bei der Zusammenlegung und Stilllegung von Standorten eines Unternehmens. 8 Bei der Gründung eines Unternehmens liegt eine sehr komplexe Planungssituation vor. In dieser Situation ist nicht nur die Standortplanung alleine gefragt sondern eher eine Simultanplanung und Abstimmung der unterschiedlichsten Unternehmens- bereiche wie z.B. Planung des zukünftigen Beschaffungs-, Produktions- und Absatzprogramms. Somit stehen viele Planungsbereiche bei einer Neugründung in enger Beziehung und Abhängigkeit mit der Standortplanung. Ohne die Planung der verschiedenen Unternehmensbereiche kann auch keine Standortplanung stattfinden. Standortverlagerungen können aus Gründen des Vorhandenseins unternehmens- interner oder –externer Standortunzulänglichkeiten resultieren. Interne Unzulänglich- keiten können z.B. aus der Änderung des Produktionsprogramms oder der Produktionsstruktur entstehen. Die Änderung der Produktion könnte eine neue Layoutplanung der Produktionsflächen zur Folge haben. Falls die neue Layout- planung wegen Platzmangels nicht durchführbar ist, wäre eine Standortverlagerung eine mögliche Lösung. Externe Unzulänglichkeiten können z.B. durch Versorgungsschwierigkeiten (Energie, Wasser, Dienstleistungen usw.) oder durch zusätzliche Auflagen und Handelshemmnisse seitens der Behörden entstehen. Standorterschließung bietet einen weiteren Anlass zur Standortplanung und der Standortwahl. Bei dieser Variante werden neue zusätzliche Standorte erschlossen. Dies kann entweder an dem vorhandenen oder an einem neuen Standort geschehen. Gründe für eine Standorterschließung können z.B. Produktions- und Kapazitätsausweitung, Erschließung neuer Märkte oder Unternehmenspräsenz sein. Zusammen- und Stilllegungen von Standorten können dann als Alternative auftreten, wenn das Unternehmen eine Konzentration auf Kernkompetenzen, eine Bereinigung der Produktpalette oder eine Rationalisierung vorsieht. Hier spielt dann die Standortplanung in dem Sinne einer unternehmerischen Optimierung der Standortstruktur eine Rolle. 9
8 vgl. Domschke, W.; Drexl, A.; Logistik: Standorte; München 1990; S.5f und Lüder, K.; Küpper, W.;
Unternehmerische Standortplanung und regionale Wirtschaftsförderung; Göttingen 1983; S.138ff
9 ebenda
5
Quote paper:
Diplom-Betriebswirt Roman Karl, 2006, Standortplanung für Produktionsstätten, Munich, GRIN Publishing GmbH
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