Universität Duisburg-Essen, Germanistik
Proseminar: Einführung in die Gedichtanalyse
Wintersemester 2004/2005
Vers versus Prosa
von
Kevin Masalon
Inhaltsverzeichnis
1. Grundlegung 3
2. Vers versus Prosa 4
2. 1. Das Zusammenspiel von Vers und Satz 5
2. 2. Zur Rolle des Metrums 9
2. 2. 1. Die Rekurrenz im Vers 10
2. 2. 2. Die Bedeutung von Strophen 13
2. 2. 3. Restriktion aus metrischer Gebundenheit 14
3. Fazit 16
4. Literaturverzeichnis 17
1. Grundlegung
Der Titel dieser Seminararbeit „Vers versus Prosa“ deutet bereits an, dass sie sich mit zwei verschiedenen Redeweisen auseinandersetzt. Es geht um die Frage, in welcher Weise sich Vers und Prosa unterscheiden und welche Möglichkeiten sowohl dem Verfasser beim Schreiben eines Textes als auch dem Leser zum Verständnis eines Textes in Versform bzw. Prosaform zur Verfügung stehen.
Hierzu ist zunächst einmal eine Begriffsbestimmung beider Redeweisen notwendig. Um einen ersten Unterschied so evident wie möglich zu gestalten, erfolgt hierauf im Hauptteil eine Gegenüberstellung eines Verstextes und eines Prosatextes. Als Verstext dient Joseph von Eichendorffs „Morgenlied (Ein Stern still nach dem andern fällt...)“, welcher von mir in Prosaform umgeschrieben wurde und somit den für diese Arbeit notwendigen Prosatext darstellt. Ausgehend von diesem Textmaterial wird im weiteren Verlauf das Zusammenspiel von Vers und Satz sowie die Rolle des Metrums genauer beleuchtet.
Nomen est omen: Der Name ist eine Vorbedeutung. Dieser Satz lässt sich ohne weiteres auf die Begriffe Vers und Prosa anwenden. Etymologisch betrachtet leitet sich der Begriff Vers von lateinisch versus ab und meint ursprünglich die Umwendung des Pfluges.1 Der Begriff Prosa hingegen hat seinen Ursprung in prorsa oratio und bedeutet „die geradeausgerichtete Rede“.2 Würde man sich in diesem Zusammenhang rein auf das optische Erscheinungsbild eines Textes beschränken, hätte man sehr schnell ein differenzierendes Merkmal von Vers und Prosa gefunden, denn „wenn auf einer Seite um das Gedruckte herum sehr viel weißer Raum ist, dann haben wir es gewiß mit Versen zu tun.“3 Doch diese Erklärung reicht bei weitem nicht aus und vernachlässigt grundlegende Tatsachen. Verstexte zeichnen sich „durch ihre besondere Art der Segmentierung“4 aus. „Das Prinzip dieser Segmentierung ist die Setzung von Pausen [...]“.5 „Das Segment, das durch zwei solche, aufeinander folgende Pausen geschaffen wird, ist der Vers.“6 Anders als bei Prosatexten kommt somit der Art und Weise der Beendigung der Zeile eine besondere Bedeutung zu. Diese Seminararbeit ist traditionell in Prosaform geschrieben und es ist reiner Zufall und völlig unbeabsichtigt, dass die vorangegangene Zeile auf Zufall endet. Durch das bewusste Setzen von Pausen durch Verssegmentierung in Verstexten werden die Zeilen gebrochen. Es liegt Zeilenbrechung vor, die den Ausgangspunkt für den weiteren Verstext- und Prosatextvergleich darstellt, auf den im nächsten Kapitel ausführlich eingegangen wird.
2. Vers versus Prosa
[...]
1 vgl. Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8., verbesserte und erweiterte Auflage. Stuttgart. 2001, S. 876.
2 vgl. Ebd., S. 640.
3 Wolfgang Kayser: Kleine deutsche Versschule. 27. Auflage. Tübingen. 2002 (UTB Bd. 1727), S. 9.
4 Dieter Lamping: Das lyrische Gedicht. Definitionen zu Theorie und Geschichte der Gattungen. Göttingen. 1989, S. 24.
5 Ebd.
6 Ebd.
Arbeit zitieren:
Kevin Masalon, 2005, Vers versus Prosa, München, GRIN Verlag GmbH
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