Inhaltsverzeichnis
Einleitung 2
1 Einführung in das Thema der interkulturellen Kommunikation 4
1.1 Gesellschaftliche Herausforderungen 4
1.2 Neue Anforderung erfordern neues Wissen 5
1.3 Was ist interkulturelle Kommunikation? 7
2 Interkulturelle Kommunikation im wissenschaftlichen Kontext 8
2.1 Begriffsklärung 11
2.1.1 Kultur (und Kommunikation) 12
2.1.2 Kommunikation (und Kultur) 14
3 Interkulturelles Lernen 18
3.1 Ziele interkulturellen Lernens 19
3.2 Formen des interkulturellen Lernens 21
4 Zusammenfassung und Ausblick 24
5 Literaturverzeichnis 27
1
Einleitung
Ausgangspunkt dieser Arbeit ist das Interesse, den Prozess des Verstehens einer fremden Kultur genauer zu untersuchen, eine wissenschaftliche Eingrenzung zu versuchen und Faktoren ausfindig zu machen, die den Prozess fördern oder behindern.
Hierzu werden zunächst die Grundzüge einer Theorie vorgestellt, die Verstehen als Kommunikationsprozess sieht. Zugleich wird aufgezeigt, wie dieser Ansatz helfen kann, Konflikte bei interkulturellen Begegnungen zu vermeiden.
Nach einer notwendigen Antwort auf die Frage ,,Was ist interkulturelle Kommunikation?" soll gezeigt werden, welcher Bezugsrahmen die interkulturelle Forschung umgibt, welche Theorien ihr zugrunde liegen und mit welchen Problemen sie sich auseinandersetzen muss. Anschliessend wird die Vermittlung von interkultureller Kompetenz und ihrer Anwendung in der Praxis untersucht. Den Schluss bilden neben einem Fazit, ein Plädoyer an die Kulturwissenschaften sich mit dem Thema interkulturelle Kommunikation stärker zu befassen.
Was wir bei der Suche nach geeignetem Material finden, sind Statements, Fragen, Probleme und manchmal schlicht Hoffnungen; handfeste Definitionen hingegen selten. Denn, so scheint es, wer definiert, legt (sich) fest. Daher soll erst nach Aufbau eines Analyseinstrumentariums den Fragen nachgegangen werden, wie Interkulturelle Kompetenz vermittelt werden kann und welche Möglichkeiten sich daraus ergeben. So gliedert sich diese Arbeit wie folgt:
Das erste Kapitel versucht gegenwärtige Gesellschaftsprozesse wiederzugeben, um deutlich zu machen, was das Thema interkulturelle Kommunikation zu einem erörterungswürdige n Thema macht.
Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit der Entstehungsgeschichte des Begriffs der Interkulturelle Kommunikation, sowie mit dem Versuch, eine fachliche Identität ausfindig zu machen.
Im dritten Kapitel wird der Versuch unternommen, die beiden Grundpfeiler des Begriffs interkulturelle Kommunikation, Kultur und Kommunikation, voneinander abzulösen und einzeln zu klären. Den nächsten Schritt bildet eine Analyse zu möglichen Auswirkungen, welche unterschiedliche Kulturteilhabe auf die Kommunik ation haben kann, Grundlagen interkultureller Kommunikation werden behandelt und zentrale interkulturelle Kommunikationstheorien vorgestellt.
2
Ziel des vierten Kapitels soll sein, aus der Fülle unterschiedlicher theoretischer Modelle und praktischer Ansätze zum Thema „Lernen interkultureller Kompetenz“ einige Ansätze und Ideen auszuwählen, die im Hinblick auf das Lernziel interkulturelle Kompetenz wichtig sind. Im abschließenden fünften Kapitel werde ich die genannten Ergebnisse sammeln und nochmals auf einige Probleme, aber auch Chancen hinweisen, die sich für eine kulturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema ergeben. Angesichts des vorgegebenen Umfangs dieser Arbeit kann hier auf sicher wichtige empirische Studien, Diskussionen oder weiterführende Studien zu einzelnen Themen nicht eingegangen werden 1 .
1 vgl. z.B. Hinnenkamp 1994 für einen umfassenden Überblick.
3
1 Einführung in das Thema der interkulturellen Kommunikation
1.1 Gesellschaftliche Herausforderungen
Ob wir es mit dem Geschäftspartner aus China oder mit dem türkischen Gemüsehändler an der Ecke zu tun haben - „Unsere Welt wächst zusammen“, darin sind sich nicht nur Experten aus Wissenschaft und Politik einig.
Die Konsequenzen von Innovation, technischem Fortschritt und globalen politischen und ökonomischen Veränderungen sind vielfach erwünscht; weniger erwünscht und für einige unerwartet sind hingegen die Reaktionen vieler Betroffener, die auf die Öffnung aller möglichen Grenzen zunehmend mit Abschottung nach außen antworten. Die Schwächung oder Auflösung lokaler Werte und Normen, das fortschreitende Erlöschen lokaler Sprachen und Ethnien verlaufen parallel zur Stärkung neuer, globaler Werteelemente. Effizienz, Zweckrationalität, Konsumdenken, Kosten-Nutzen-Kalkül, Mobilitäts-und
Fortschrittsdenken und andere Prinzipien drängen viele traditionelle Werte zurück und untergraben die Stabilität sozialer Beziehungen. Die Angst vor einer multikulturellen Gesellschaft, vor einer Vielfalt ohne Einheit, vor dem Schwinden der Heimat und der eigenen Identität breitet sich aus und fördert die Attraktivität lokaler Zugehörigkeiten und partikularer Bindungen. In seinem Buch „The Clash of Civilizations“ 2 sieht Samuel P. Huntington statt eines harmonischen Zusammenwachsens in einer zunehmend vernetzten Welt neue Konflikte globalen Ausmaßes entstehen: Konflikte zwischen den Kulturen. Wird sich diese bedrohliche Prognose erfüllen, oder gibt es Ansätze, die ein friedliches Zusammenleben unterstützen?
Rückt die Welt zu einem globalen Dorf zusammen, nehmen Kontakte zwischen Institutionen, Gruppen und Individuen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen zu. Menschen mit z.T. sehr unterschiedlichen Denk-, Wahrnehmungs- und Lebensformen begegnen einander und sind zu einem friedlichen Zusammenleben aufgefordert. Mehr Begegnungen mit fremden Kulturen bedeuten jedoch nicht zugleich besseres Verstehen der fremden Kulturen. Verstehen allerdings ist eine der Voraussetzungen für störungsfreie Begegnungen und Interaktion. Komplementäre Reaktionen bestimmen auch hier den sozio-kulturellen Wandel: Vielfalt und Unterschiedlichkeit auf der einen Seite und Verständigungsbemühungen und Grenzziehungen
2 Vgl. Huntington 1997.
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auf der anderen. Welche (sozio-kulturellen) Kompetenzen sind also gefragt, um ein positiven Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen zu gewährleisten?
Aus dieser Frage ergibt sich die Notwendigkeit, den Prozess des Verstehens einer fremden Kultur genauer zu untersuchen und mit Hilfe von Theorien zu erklären, d.h. die Faktoren zu bestimmen, die ihn fördern oder behindern. In einem weiteren Schritt sollen Handlungshilfen entwickelt werden, um Konflikten bei interkulturellen Begegnungen entgegenzuwirken.
1.2 Neue Anforderung erfordern neues Wissen
Der Dialog der Kulturen, der nicht nur Sprachkenntnisse verlangt, ist heute überaus notwendig geworden, um Toleranz, Achtung und Respekt für fremde Identitäten zu fördern und Frieden und solidarische Partnerschaft zu gewährleisten. Die Frage nach den Fähigkeiten, interkulturelles Zusammenleben produktiv zu gestallten, spielt eine immer wichtigere Rolle und gehört zu den unverzichtbaren Qualitäten von Managern, Wissenschaftlern, Künstlern, Lehrern und vielen anderen. Kleine und große Institutionen in den Regionen und auf globalen Plattformen reagieren und bringen zahlreiche Programme auf den Weg: Von Einzelprojekten über EU-weite Förderprogrammen, Partnerschaften zwischen Gemeinden, Schulen, Universitäten, bis zu Verbänden europäischer Länder. Hinzu kommen binationale Verträge, dazu eine Fülle privater und privatwirtschaftlicher Initiativen. Auf allen Kanälen stößt man hier auf den Begriff -oder soll man sagen: das Schlagwort“interkulturelle Kompetenz“. Es werden Tagungen und Workshops dazu angeboten, Trainingsprogramme, Kurse, in denen die Vermittlung allgemeiner „Schlüsselkompetenzen“ annonciert wird. Vor allem die unter Erfolgsdruck stehenden w irtschaftsorientierten Unternehmen, die durch kulturell bedingte Probleme eine Verschlechterung ihrer Marktchancen befürchten, treiben die Entwicklung interkultureller Lehrmodelle voran. Hier geht es um konkrete Informationen, Methoden und Modelle, mit denen die in der Praxis entstehenden Probleme gelöst werden können 3 . Auffallend bei der unüberschaubaren Fülle an
Angeboten spezieller und allgemeiner Trainings ist, dass i.d.R. weder die Lernziele selbst, noch die Wege, wie diese erreicht werden sollen klar formuliert sind. Welchen Prämissen und
3 Andere Beispiele, wo interkulturelle Kompetenz eine stärker werdende Rolle spielt: Sozialarbeit, medizinischpsychologische Beratungsfelder, internationaler Jugendaustausch, Entwicklungshilfe, (primäre -, sekundäre-, tertiäre-) Bildungseinrichtungen, Gericht, Medien etc.; vgl. zu einem Literaturüberblick Hinnenkamp 1994.
5
Zielen müssen also Trainings und Ausbildungen folgen, die Verständnis für fremdkulturelles Denken und Handeln fördern und praxisnah wirken wollen?
Nicht nur ein steigendes Interesse an Themen der interkulturellen F orschung in anwendungsorientierten Bereichen wie der Wirtschaft und der (Auslands- und Ausländer-) Politik, sondern auch ihr Einzug als eigenes wissenschaftliches Fach, sprechen für eine wachsende Hoffnung auf die Aussagekraft der Konzepte. Denn auch für die Universität ergeben sich aus dem veränderten gesellschaftlichen Umfeld wichtige Konsequenzen und Aufgaben in Lehre und Forschung. 4 „Aus ihrer Pflicht, zur Lösung gesellschaftlicher
Probleme beizutragen, leitet sich für die geistes- und sozialwissenscha ftlichen Fächer die Forderung ab, in Zusammenarbeit mit ähnlich betroffenen Fächern ein wissenschaftliches Instrumentarium zu entwickeln, mit dem die Probleme von Kulturkontakt und Kulturkonflikt erfasst und gedeutet werden können.“ 5
4 vgl. J. Roth 1996.
5 J. Roth S. 253.
6
1.3 Was ist interkulturelle Kommunikation?
Interkulturelle Kommunikation ist ein “klassisches” interdisziplinäres Thema. Auf der Suche nach einem Konsens, einem kleinsten gemeinsamen Nenner auf dem wissenschaftlichen Feld der interkulturellen Kommunikation, trifft man auf auffällige Vielfalt. Einen ersten Eindruck sollen folgende Zitate verleihen:
“Intercultural communication is the sending and receiving of messages whithin a context of cultural differences producing differential effects” 6
“Intercultural communication can be defined simply as that interpersonal communication on that individual level between members of distinctly different cultural groups” 7
“(…) the notion of ‘cross-cultural’ encompasses more than just speakers of different languages or from different countries; it includes speakers from the same country of different class, region, age, and even gender.” 8
“Cultural differences will have a negative effect if they impede the flow of communication between participants. They will have a positive effect if they motivate two individuals to work harder at understanding each other. Thus the crux of the whole process is HOW cultural differences are managed by the participants in any act of communication from other forms or contexts of communicatio n” 9
Die kleine Zitatenauswahl vermittelt einen ersten Eindruck zentraler Fragestellungen, potenzieller Streitfragen und möglicher Begrifflichkeiten innerhalb der Sprach-, Kommunikations- und Kulturwissenschaften: Dodd und Prosser versuchen sich in knappen Definitionen mit Begriffen, wo die Fragen zu Kommunikation und Kultur, Kontext, Differenz, Individuum und Gruppe erst anfangen. Tannen weitet hingegen den Begriff ins Beliebige aus, indem er auch die verschiedenen Typen von Gruppen einbezieht. Casimir/ Asuncion-Lande machen sich Gedanken um Effekte interkultureller Kommunikation. Nicht
6 Dodd 1982, S. 9.
7 Prosser 1978, S. xi.
8 Tannen 1985, S. 203.
9 Casimir/ Asuncion-Lande 1989, S. 284.
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Quote paper:
Andreas von Richthofen, 2002, Interkulturelle Kommunikation aus kulturwissenschaftlicher Sicht, Munich, GRIN Publishing GmbH
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