Adipositas im Kindesalter - Ursachen, Folgen und Möglichkeiten der Therapie
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 4
1 Epidemiologie 6
1.1 Definition von Adipositas im Kindesalter 6
1.2 Verbreitung der Adipositas 7
2 Methoden zur Bestimmung von Adipositas 10
2.1 Der Body Mass Index 10
2.1.1 Definition 10
2.1.2 Klassifikation 10
2.2 Weitere Methoden 13
2.2.1 Der Broca Index 13
2.2.2 Calipometrie 13
2.2.3 Bioelektronische Impendanzanalyse 13
2.2.4 Waist to hip ratio 14
3 Der Energiestoffwechsel 16
3.1 Die Energiebilanz 16
3.2 Der Grundumsatz 16
3.3 Die Aktivitätsinduzierte Thermogenese 17
3.4 Die Diätinduzierte Thermogenese 18
4 Ätiologie von Adipositas 19
4.1 Multifaktorielle Entstehung der Adipositas 19
4.2 Genetische Faktoren 19
4.2.1 Vererbung: Dicke Eltern Dicke Kinder? 19
4.2.2 Molekulargenetische Faktoren 20
4.2.3 Genetische Syndrome 21
4.3 Krankheiten mit Adipositas 22
4.3.1 Hypothyreose 22
4.3.2 Morbus Cushing 22
4.3.3 Hypothalamischer Symptomenkomplex 22
4.3.4 Weitere Krankheiten 23
4.4 Ernährung und Ernährungsverhalten 23
4.4.1 Die Regulation der Nahrungsaufnahme 23
4.4.2 Die Zusammensetzung der Nahrung 24
4.4.3 Das Ernährungsverhalten von Kindern 25
4.4.4 Einflussfaktoren auf das Ernährungs- und Essverhalten 28
4.4.5 Die Set-Point Hypothese 30
4.5 Bewegung und Bewegungsverhalten 31
4.5.1 Bewegung und körperliche Aktivität 31
4.5.2 Das Bewegungsverhalten von Kindern 31
4.5.3 Einflussfaktoren auf das Bewegungsverhalten 32
4.6 Kritische Lebensphasen 33
5 Psychosoziale Faktoren als Ursache und Konsequenz von Adipositas im Kindesalter 35
5.1 Psychische Erkrankungen 35
5.2 Psychosoziale Auslöser und Folgen 36
6 Medizinische Konsequenzen von Adipositas im Kindesalter 39
6.1 Die Entstehung von Folgekrankheiten durch Adipositas 39
6.2 Diabetes-mellitus Typ 2 39
6.3 Hypertonie 41
6.4 Dyslipidämie 41
6.5 Metabolisches Syndrom 42
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Adipositas im Kindesalter - Ursachen, Folgen und Möglichkeiten der Therapie
Inhaltsverzeichnis
6.6 Respiratorische Probleme und Schlaf-Apnoe 43
6.7 Orthopädische Probleme 45
6.8 Mortalität 46
7 Therapiemöglichkeiten 47
7.1 Die Therapie im Kindesalter 47
7.2 Ernährungsumstellung und Diät 47
7.2.1 Diäten 47
7.2.2 Langfristige Ernährungsumstellung 48
7.3 Verhaltenstherapie 51
7.4 Bewegungstherapie 53
7.5 Elternschulung 55
7.6 Pharmakotherapie und Chirurgie 56
7.7 Kritische Betrachtung der verschiedenen Therapiemöglichkeiten - Kriterien für eine
erfolgreiche Therapie 57
8 Spezielle Therapieprogramme für adipöse Kinder 61
8.1 OBELDICKS 61
8.2 Das CHILT Projekt - Children´s Health InterventionaL Trial 63
8.3 FITOC - Freiburg Intervention Trial for Obese Children 65
8.4 Moby Dick 66
8.5 Vergleich und kritische Beurteilung der Therapieprogramme 68
9 Schlussfolgerung und Ausblick 72
Literaturverzeichnis 73
Darstellungsverzeichnis 79
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Adipositas im Kindesalter - Ursachen, Folgen und Möglichkeiten der Therapie
- Einleitung - Einleitung
Übergewicht und Adipositas sind in allen westlichen Industrienationen weit verbreitete Probleme. Die Zahl der Neuerkrankungen steigt jährlich an. „Inzwischen tritt Adipositas in der Welt so häufig auf, dass sie laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Zukunft möglicherweise Unterernährung und Infektionskrankheiten den Rang als wichtigster Auslöser für Gesundheitsbeschwerden bei enormen Krankheitskosten ablaufen wird“ (Barnstorf, 2005, S. IX). Besonders die steigende Prävalenz von Adipositas im Kindes- und Jugendalter ist besorgniserregend. Während Adipositas bis vor einigen Jahren ein Problem darstellte, dass überwiegend Erwachsene betraf, leiden inzwischen immer mehr Kinder unter Adipositas und den physischen und psychischen Folgen. Veränderte Umweltbedingungen sind hierfür die Hauptursache. Wir leben in einer Umwelt, die das Entstehen von Übergewicht und Adipositas begünstigt (Laessle, 2001).
Während für die Kinder selbst die psychischen Folgen, wie Stigmatisierung und Hänseleien das größere Problem darstellen, steigt das Risiko ernsthafter Erkrankungen mit zunehmendem Alter und Gewicht. Bereits Kinder können unter adipositas-assoziierten Krankheiten- wie dem metabolischen Syndrom oder ‚Altersdiabetes’ - leiden. Je ausgeprägter die Adipositas ist, desto schlimmer sind in der Regel auch die pathologischen Folgen. Im schlimmsten Fall führen diese Krankheiten im Erwachsenenalter zum vorzeitigen Tod.
Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über die Ursachen und Konsequenzen von Adipositas im Kindesalter zu geben. Darauf aufbauend sollen geeignete Therapiemaßnahmen aufgezeigt werden, die sowohl die Adipositas als auch deren Folgen erfolgreich bekämpfen können.
Um einen Einblick in das Thema zu geben, wird im ersten Kapitel die kindliche Adipositas definiert und die Verbreitung in Deutschland dargestellt. Dieses soll die Dringlichkeit der Auseinandersetzung mit dem Problem Adipositas deutlich machen und aufzeigen wie wichtig es ist geeignete Präventions- und Therapiemaßnahmen zu schaffen. Um die Adipositas zu klassifizieren, bedarf es bestimmter Methoden. Auf diese wird im zweiten Kapitel eingegangen. Da es sehr viele Methoden zur Bestimmung von Adipositas gibt, werden besonders die berücksichtigt, die auch bei Kindern Anwendung finden bzw. Aussagen über den Verlauf adipositas-assoziierter Krankheiten machen können.
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Adipositas im Kindesalter - Ursachen, Folgen und Möglichkeiten der Therapie
- Einleitung -Da die Energiebilanz grundlegend für das Entstehen von Adipositas ist, werden im dritten Kapitel der Energiestoffwechsel und dessen Einflussfaktoren beschrieben. Die Ursachen für Adipositas scheinen auf den ersten Blick allein in der Über- bzw. Fehlernährung und in der mangelnden Bewegung zu liegen. Die Notwendigkeit zur Bewegung nimmt durch die fortschreitende Technisierung (Autos, Rolltreppen, Fahrstühle, etc.) beständig ab, während gleichzeitig das Überangebot an (süßen und fetthaltigen) Nahrungsmitteln steigt. Dennoch sind nicht alle Menschen, die sich zu wenig bewegen und zuviel bzw. falsch essen adipös. Weitere Faktoren, - wie die Genetik oder bestimmte Krankheiten - spielen eine Rolle. Diese werden im vierten Kapitel dargestellt. Psychosoziale Faktoren - wie Stress, Depressionen oder Essstörungen - können sowohl Auslöser als auch Folge einer Adipositas sein. Sie werden im fünften Kapitel erläutert. Das sechste Kapitel beinhaltet die häufigsten medizinischen Folgen einer Adipositas. Neben den Krankheiten, die bereits im Kindesalter auftreten können, wird auch das Risiko der Mortalität im Erwachsenenalter deutlich gemacht, dass durch immer früher auftretende Morbiditäten noch verstärkt wird.
Da eingeleitete Präventionsmaßnahmen bislang kaum Erfolge zeigten, soll das siebte Kapitel einen Überblick über die einzelnen Therapiemöglichkeiten geben. Diese werden im Anschluss kritisch betrachtet und es werden Kriterien für eine erfolgreiche Therapie formuliert.
Im achten Kapitel werden spezielle Adipositasinterventionsprogramme für Kinder dargestellt, die verschiedene Therapien verbinden, um so einen besseren Effekt zu erzielen. Anhand der in Kapitel Sieben formulierten Kriterien werden diese Programme beurteilt und verglichen. Im letzten Kapitel folgt ein Ausblick auf die Zukunft.
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Adipositas im Kindesalter - Ursachen, Folgen und Möglichkeiten der Therapie
- Epidemiologie - 1Epidemiologie
1.1 Definition von Adipositas im Kindesalter
Der medizinische Begriff Adipositas wird allgemein häufig mit dem Begriff Fettleibigkeit übersetzt. Auch die Begriffe Übergewicht oder Obesitas werden synonym für Adipositas gebraucht. Der Begriff Fettsucht, der lange Zeit als korrekte Übersetzung für Adipositas galt, wird heute nicht mehr verwendet, da er medizinisch nicht korrekt und zudem diskriminierend ist (Wirth, 2000). „Experten definieren Übergewicht und Adipositas als eine Vermehrung des Körpergewichtes durch eine über das Normalmaß hinausgehende Vermehrung des Körperfettanteils“ (Ärzte Zeitung, 2001).
Obwohl die Begriffe Übergewicht und Adipositas häufig synonym gebraucht werden, haben sie unterschiedliche Bedeutungen und sollten unterschieden werden: „Übergewicht bedeutet ein oberhalb der Alters- und Geschlechtsnormen liegendes Körpergewicht.“ (Warschburger, 1999, S. 15). Übergewichtig können demnach auch sehr muskulöse Sportler sein. Übergewicht ist zwar aufgrund der Gefahr von weiterer Gewichtszunahme ernst zu nehmen, die medizinischen Folgen sind jedoch in der Regel noch nicht gravierend. Bei der Adipositas hingegen steigt das Risiko von Komorbiditäten und Mortalität deutlich an. „Somit besteht eine klinische Notwendigkeit zwischen Übergewicht und Adipositas zu unterscheiden“ (Wirth, 2000, S. 7). „Adipositas wird durch einen übermäßigen Anteil der Fettmasse am Körpergewicht mit deutlicher Beeinflussung der Gesundheit definiert“ (Warschburger, 1999, S. 15).
Des Weiteren werden primäres und sekundäres Übergewicht unterschieden. Während sekundäres Übergewicht angeboren bzw. vererbt wird (z.B. Prader-Willi-Syndrom, Bardet-Biedl-Syndrom, etc.), wird das primäre Übergewicht durch übermäßigen Kalorienkonsum (insbesondere Fette) bei gleichzeitigem geringen Energieverbrauch verursacht. (Benecke, 2005).
Die Behandlung von Adipositas ist sehr schwierig und langwierig. Adipositas ist daher als chronische Krankheit einzustufen und auch als solche zu behandeln (Benecke, 2005).
Kindliche Adipositas (childhood-onset obesity) kann sowohl im 1. Lebensjahr als auch zwischen dem 4. und 11. Lebensjahr auftreten. Ebenso ist die Pubertät ein typisches Alter für die Entwicklung kindlicher Adipositas (Wirth, 2000, S. 10). Nicht zuletzt aufgrund der möglichen Folgeerkrankungen sollte die Adipositas bereits im Kindesalter sehr ernst
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Adipositas im Kindesalter - Ursachen, Folgen und Möglichkeiten der Therapie
- Epidemiologiegenommen werden. Neben schweren psychosozialen Beeinträchtigungen, die häufig zu einer weiteren Gewichtszunahme führen, weisen adipöse Kinder „deutlich erhöhte Risiken für Folgeerkrankungen wie Diabetes, Herzkreislauferkrankungen, Schäden des Bewegungsapparates, metabolisches Syndrom, … auf“ (Moebus, 2005, S. 9). „Auch scheint Übergewicht im Kindesalter eine höhere Prädikation für Herzkreislauf-Erkrankungen zu haben, als Übergewicht im Erwachsenenalter“ (Moebus, 2005, S. 10).Da viele Folgeerkrankungen erst im Erwachsenenalter auftreten, wird die Adipositas im Kindes- und Jugendalter oft unterschätzt.
Es ist sehr wichtig Adipositas bereits im Kindesalter ernst zu nehmen, da übergewichtige Kinder- und Jugendliche häufig auch im Erwachsenenalter unter Übergewicht oder Adipositas leiden. „Junge Erwachsene im Alter von 21 bis 29 Jahren waren 1,3 bis 22,3mal häufiger adipös, wenn sie als Kinder oder Jugendliche übergewichtig waren“ (Wirth, 2000, S. 310). Das Risiko war doppelt so hoch bzw. 6fach höher, wenn ein Elternteil bzw. beide Elternteile unter Adipositas litten. (Wirth, 2000; Moebus, 2005)
1.2 Verbreitung der Adipositas
In Deutschland und den anderen westlichen Industriestaaten nimmt der prozentuale Anteil der Bevölkerung, die unter Übergewicht und Adipositas leiden, beständig zu. „Aus den Ergebnissen des Bundes-Gesundheitsurveys 1998 (BGS 98) geht hervor,…, dass nur etwa ein Drittel der männlichen Bevölkerung als normalgewichtig zu klassifizieren ist, bei den Frauen ist es etwas weniger als die Hälfte. Über die Hälfte der Bevölkerung ist mindestens übergewichtig, ca. 20% sind als adipös zu bezeichnen“ (Benecke, 2005, S.9). Auffällig ist, dass übergewichtige und adipöse Personen häufiger in sozial niedrigeren Schichten zu finden sind.
„Die Inzidenz der Adipositas mit all ihren Folgestörungen nimmt, insbesondere im Kindes-und Jugendalter, in den westlichen Industrieländern rasant zu“ (Hebebrand in Petermann, 2003, S. 60). Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass zwischen 10 und 20% der Kinder und Jugendlichen übergewichtig oder adipös sind. „Ergebnisse des Projektes CrescNet aus Leipzig, das Daten von Kindern und Jugendlichen aus Kinderarztpraxen sammelt, zeigen für 2001/2002 bei 7,5% der Mädchen und 7% der Jungen eine Adipositas“ (Benecke, 2005, S. 11). Wabitsch, 2002 zeigt anhand folgender Tabelle die Häufigkeit von Übergewicht und
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Adipositas im Kindesalter - Ursachen, Folgen und Möglichkeiten der Therapie
- Epidemiologie -Adipositas bei Kindern in verschiedenen deutschen Städten. Liegt der BMI innerhalb der 90. Perzentile leidet das Kind unter Übergewicht. Ab der 97. Perzentile spricht man von Adipositas.
Darstellung 1: Prävalenz von Übergewicht und Adipositas (in %) bei Kindern in verschiedenen deutschen Regionen (Wabitsch, 2002, S. 100)
Außerdem „findet sich bis zum Jahr 2001 ein kontinuierlicher Anstieg der Prävalenz von Adipositas bei Jungen und Mädchen“ (Wabitsch, 2002, S. 101).
Darstellung 2: Anstieg der Prävalenz von Adipositas zwischen Juni 1999 und Juni 2001 bei Kindern im CrescNet-Projekt (Wabitsch, 2002, S. 102)
Des Weiteren zeigen Studien, dass der prozentuale Anteil von übergewichtigen und adipösen Kindern und Jugendlichen größer wird, je älter sie sind.
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Adipositas im Kindesalter - Ursachen, Folgen und Möglichkeiten der Therapie
- Epidemiologie -Da Übergewicht und Adipositas sehr persistent sind, ist ein Rückgang in nächster Zeit nicht zu erwarten. Sowohl das Ausmaß als auch die Häufigkeit von Adipositas werden vermutlich in den kommenden Jahren weiter ansteigen (Reinehr, 2003).
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Adipositas im Kindesalter - Ursachen, Folgen und Möglichkeiten der Therapie
- Methoden zur Bestimmung von Adipositas - 2Methoden zur Bestimmung von Adipositas
2.1 Der Body Mass Index
2.1.1 Definition
Um herauszufinden, ob eine Person normal-, unter- oder übergewichtig ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die bekannteste und verbreiteteste Methode ist der Body Mass Index. „Der Body Mass Index (BMI=Gewicht in kg/Größe in m²) ist ein um die Körpergröße korrigiertes Maß des Körpergewichtes“ (Müller in Petermann, 2003, S.30). Der Vorteil des Body Mass Indexes ist, dass er sehr einfach zu errechnen ist und im Unterschied zu einigen anderen Messmethoden keiner Kosten bedarf. Die tatsächliche Fettgewebsmasse bestimmt er sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern relativ genau (Warschburger, 1999). Lediglich bei sehr muskulösen Menschen kann es zu Ungenauigkeiten kommen, da er nicht zwischen Muskel- und Fettgewebsmasse unterscheidet. Als einziges Maß für Übergewicht und Adipositas ist er somit nur begrenzt aussagefähig (Benecke, 2005). Der Body Mass Index ist für die Bestimmung der Adipositas bei Kindern sehr gut geeignet, da für ihn alter- und geschlechtsspezifische Normtabellen vorliegen.
2.1.2 Klassifikation
Zur Klassifikation von Adipositas müssen Indizes verwendet werden, die einfach messbar und verständlich sind (Wirth, 2000). Den Body Mass Index kann jede Person selbstständig errechnen und anhand folgender Abbildung einordnen.
Darstellung 3: Klassifikation der Adipositas (Müller in Petermann, 2003, S. 29)
Bei Personen mit Übergewicht besteht ein erhöhtes Risiko, dass sie an Adipositas erkranken. Daher ist auch ein BMI-Wert zwischen 25 und 29,9 ernst zu nehmen. Bereits bei der Adipositas Grad I ist eine Behandlung notwendig, da eine erhöhte Mortalität und Morbidität besteht. Diese Folgen sind bei der Adipositas Grad II noch schwerwiegender. Bei der Adipositas Grad III (meistens Personen über 130 kg) „sind fast immer gravierende
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Adipositas im Kindesalter - Ursachen, Folgen und Möglichkeiten der Therapie
- Methoden zur Bestimmung von Adipositas -Komorbiditäten vorhanden, die meisten Patienten sind multimorbide“ (Wirth, 2000. S. 8). Laut Wirth, 2000 reichen hier konventionelle Therapien und häufig auch medikamentöse Maßnahmen nicht mehr aus. Wenn adipositas-assoziierte Krankheiten so weit fortgeschritten sind, dass die Gefahr eines vorzeitigen Todes stark erhöht ist, sollte eine operative Therapie in Erwägung gezogen werden (Wirth, 2000).
Da die Adipositas im Kindesalter nicht anhand der Mortalität gemessen werden kann und auch Komorbiditäten häufig erst im frühen Erwachsenenalter auftreten, ist diese Klassifikation für Kinder nicht sinnvoll.
Bei Kindern muss der Gewichtsstatus anhand von geschlechts- und altersspezifischen Tabellen eingeordnet werden, da der Körperfettanteil bei verschiedenen Altersgruppen und auch bei Mädchen und Jungen stark variiert. „Nach einer anfänglichen Zunahme des Fettgewebes, kommt es nach dem ersten Lebensjahr zu dessen sukzessiver Verminderung, während ungefähr ab dem sechsten Lebensjahr das Fettgewebe wieder ansteigt“ (Warschburger, 1999, S. 16).
Der Gewichtsstatus wird dann anhand der Perzentile bestimmt. Perzentile geben an auf welcher Position sich eine Person innerhalb einer bestimmten Gruppe befindet. Liegt der BMI-Wert im Bevölkerungsdurchschnitt (50. Perzentile), ist die Person normalgewichtig. Untergewichtig ist eine Person deren BMI-Wert unterhalb der 10. Perzentile liegt, wohingegen eine Person mit einem BMI-Wert oberhalb der 90. Perzentile unter Übergewicht leidet. Als adipös bezeichnet man alle Personen mit einem BMI-Wert oberhalb der 95. bzw. der 97. Perzentile (je nach Studie) (Müller in Petermann, 2003). Nach Berechnung des BMIs kann man anhand der folgenden Tabelle die Perzentile bestimmen.
Ein kontinuierlicher Übergang von der Definition der Adipositas im Kindes- und Jugendalter zur Definition der Adipositas im Erwachsenenalter ist möglich, da für die Definition von Übergewicht und Adipositas die BMI-Perzentile verwendet werden, die beim Erreichen des Erwachsenenalters in einem BMI von 25 bzw. 30 münden (Barnstorf, 2005).
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Adipositas im Kindesalter - Ursachen, Folgen und Möglichkeiten der Therapie
- Methoden zur Bestimmung von Adipositas - Darstellung4: Perzentile (P) des BMIs (Body Mass Index) für Jungen und Mädchen im Alter von 0-18
Jahren (Müller in Petermann, 2003, S. 34f)
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Adipositas im Kindesalter - Ursachen, Folgen und Möglichkeiten der Therapie
- Methoden zur Bestimmung von Adipositas - 2.2Weitere Methoden
2.2.1 Der Broca Index
Der Broca Index ist neben dem BMI die bekannteste Methode zur Bestimmung des Gewichtstatus. Lange Zeit galt er als sinnvolle Methode zur Klassifizierung von Normal- und Idealgewicht. Hierzu wird die Körpergröße in Zentimetern minus 100 errechnet, um das Normalgewicht zu ermitteln. Eine Person, die 1,70 m groß ist, ist demnach normalgewichtig, wenn ihr Körpergewicht 70 kg beträgt. Zur Berechnung des Idealgewichtes werden bei Frauen 15% (=59,5 kg) und bei Männern 10% (=63 kg) abgezogen (Boggio, 2004). Der Broca Index gilt inzwischen als veraltet. Dieses liegt überwiegend daran, dass „er relativ schlecht mit der Körperfettmasse bei kleinen und großen Leuten korreliert“ (Wirth, 2000, S. 20). Er eignet sich somit weder als Ergänzung noch als Alternative zum Body Mass Index. Hinzu kommt, dass der Broca Index im Gegensatz zum BMI nicht für Kinder gebräuchlich ist (Benecke, 2005).
2.2.2 Calipometrie
Eine weitere Möglichkeit der Bestimmung des Gewichtsstatuses ist die Calipometrie. Hier wird mittels einer Messzange (Caliper) die Dicke bestimmter Hautfalten gemessen, um so Informationen über den Körperfettanteil und die Fettverteilung zu erhalten. Der Nachteil ist, dass verschiedene Rechnungen erforderlich sind, „um die Daten in Aussagen über die Körperzusammensetzung zu transformieren“ (Warschburger, 1999, S. 15). Außerdem kann
mit dieser Messmethode nur der subkutane 1 Fettanteil bestimmt werden, der lediglich 75% der Gesamtkörperfettmasse ausmacht (Wirth, 2000). Die Calipometrie ist besonders bei Kindern sehr gut für die Bestimmung des Körperfettanteils geeignet und sollte daher als Ergänzung zum BMI in Betracht gezogen werden. „Bei ca. 2/3 aller Adipösen kann jedoch die Hautfalte … nicht korrekt abgehoben werden, am Abdomen trifft das sogar für die meisten zu“ (Wirth, 2000, S. 22). Dieses kann zu Ungenauigkeiten führen. Somit ist die Calipometrie als alleinige Bestimmungsmethode ebenfalls nur begrenzt aussagekräftig.
2.2.3 Bioelektronische Impendanzanalyse
Die Bioelektronische Impendanzanalyse (BIA) bestimmt mittels Schwachstrom den Wasseranteil des Körpers. Um Rückschlüsse auf den Körperfettanteil zu ermöglichen sind „Informationen über die Hydrierung der fettfreien Masse nötig“ (Warschburger, 1999, S. 15).
1 Unter der Haut
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Adipositas im Kindesalter - Ursachen, Folgen und Möglichkeiten der Therapie
- Methoden zur Bestimmung von Adipositas -Diese Methode ist sehr schnell und ohne großen finanziellen Aufwand, jedoch nur in Kliniken oder Arztpraxen, die mit dem entsprechenden Gerät ausgestattet sind, durchführbar. Aufgrund ihrer Genauigkeit ist diese Methode „für klinische Zwecke gut geeignet“ (Wirth, 2000, S. 26). Ungenauigkeiten entstehen lediglich bei Patienten, die an einer Krankheit leiden, die den Wasserhaushalt beeinflusst. „Im Unterschied zur Hautfaltendickenmessung ist sie bei allen Patienten anwendbar, auch bei extrem Adipösen“ (Wirth, 2000, S. 26). Auch bei Kindern kann diese Methode problemlos angewandt werden (Wirth, 2000) und eignet sich somit als Alternative und als Ergänzung zum Body Mass Index.
2.2.4 Waist to hip ratio
Beim waist to hip ratio wird die Relation von der Hüfte zur Taille bestimmt und anhand von Normwerten eingeordnet. Diese Methode ist jedoch nicht sehr genau, da es Personen gibt, „bei denen sich der Body Mass Index im Laufe der Jahre ungünstig entwickelt, bei denen aber das Taillen-Hüft-Verhältnis konstant bleibt“ (Ärzte Zeitung, 2001). Somit sagt das waist to hip ratio lediglich genaueres über die Fettverteilung aus, nicht aber über den Gewichtsstatus. Außerdem ist diese Methode für die Klassifikation von Adipositas im Kindesalter ungeeignet, weil sich das Fettverteilungsmuster erst am Ende der Pubertät manifestiert (Laessle, 2001). Da man jedoch durch das Verhältnis der Taille zur Hüfte Aussagen über das Risiko von Folgekrankheiten machen kann, soll es hier dennoch näher erläutert werden. Man unterscheidet:
Darstellung 5: Phänomenologie der abdominalen
• Den androiden Typ (Apfelform) peripheren (gynoiden, glutealfemoralen)
•
Den gynoiden Typ (Birnenform)
Androide Fettverteilung:
Frauen: WHR > 0,85 Männer: WHR > 1,0
Gynoide Fettverteilung:
Frauen: WHR < 0,85 Männer: WHR < 1,0
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Adipositas im Kindesalter - Ursachen, Folgen und Möglichkeiten der Therapie
- Methoden zur Bestimmung von Adipositas -Während der gynoide Typ häufiger bei adipösen Frauen vorkommt (ca. 85% Frauen, ca. 20% Männer), ist der androide Typ charakteristisch für an Adipositas erkrankte Männer (ca. 80% Männer, ca. 15% Frauen). Bei der gynoiden Adipositas „sind metabolische Begleitkrankheiten nur geringgradig häufiger anzutreffen als bei Normalgewichtigen“ (Wirth, 2000, S. 9). Folgeerkrankungen sind hier hauptsächlich durch die statische Belastung bedingt. Die androide oder auch abdominale 2 Form der Adipositas beinhaltet dahingegen ein stark vermehrtes Risiko für Stoffwechselerkrankungen. Erkrankungen, „die vorwiegend mit der vermehrten statischen Belastung zusammenhängen“ (Wirth, 2000, S. 9), treten bei beiden Formen der Adipositas gleich häufig auf. (Wirth, 2000; Laessle, 2001).
2 größter Fettanteil im Bereich des Abdomen
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Adipositas im Kindesalter - Ursachen, Folgen und Möglichkeiten der Therapie
- Der Energiestoffwechsel - 3Der Energiestoffwechsel
3.1 Die Energiebilanz
Für die Regulation des Körpergewichts ist der Energiestoffwechsel zuständig. Die Energiebilanz entscheiden, ob man zu- oder abnimmt. „Unterschreitet der Energieverbrauch die Energiezufuhr (Fasten, Diätieren), so wird das Körpergewicht reduziert. Überschreitet die Energiezufuhr den Energieverbrauch (Überernährung), so kommt es zu einer Gewichtszunahme“ (Laessle, 2001, S. 12). Diese Gewichtszunahme resultiert daraus, dass der Körper „überschüssige Energie in Form von Fett“ (Schusdziarra in Schusdziarra, 2000, S. 20) speichert. Daher spielt bei der Entstehung einer Adipositas die Energiebilanz 3 eine große Rolle. Wird die Energiezufuhr bei gleich bleibendem Energieverbrauch nur minimal erhöht, würde man langfristig zunehmen. Die Erhöhung bzw. Verminderung des Energieverbrauchs kann jedoch durch eine gesteigerte bzw. reduzierte Energiezufuhr zum Teil kompensiert werden.
Zu den Komponenten des Energieverbrauchs gehören der Grundumsatz (GU), die Aktivitätsinduzierte Thermogenese (AIT) und die Diätinduzierte Thermogenese (DIT). Diese werden im Folgenden beschrieben.
3.2 Der Grundumsatz
Der Grundumsatz hat mit etwa 70% den größten Anteil beim Energieverbrauch. Zur Messung des GUs dient die Kalorimetrie 4 . Der Grundumsatz setzt sich aus den lebenswichtigen Funktionen zusammen, die auch unter Ruhebedingen ständig aktiv sind. Hierzu gehören u. A. der Herzschlag, der Blutkreislauf und die Atmung. „Die höchsten prozentualen Anteile am Grundumsatz haben die Leber und das Gehirn mit jeweils 25%“ (Platte in Petermann, 2003, S. 47). Die größten Unterschiede zwischen verschiedenen Personen liegen im Grundumsatz der Muskulatur und der inneren Organe (in der mageren bzw. fettfreien Körpermasse). Je größer die fettfreie Körpermasse, desto höher ist auch der Energieverbrauch. Da bei Adipösen durch die vermehrte Fettmasse auch eine vermehrte fettfreie Masse, in Form von Muskelmasse, vorliegt, ist der Grundumsatz bei ihnen höher als bei Normalgewichtigen.
3 Verhältnis von Energiezufuhr zu Energieverbrauch
4 Errechnung des Energieverbrauchs über die Sauerstoffaufnahme und Kohlendioxidabgabe im Ruhezustand
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Mareike Duensing, 2007, Adipositas im Kindesalter - Ursachen, Folgen und Möglichkeiten der Therapie, Munich, GRIN Publishing GmbH
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