Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Historisches Seminar
Mittelalterliche Geschichte
“Königsherrschaft und Kaisertum im frühen und hohen Mittelalter“
Sommersemester 2006
Hausarbeit
Otto II. und Theophanu
von
Manuela Thoma
Fächer: NDL; Komparatistik; Neuere und neueste Geschichte
Semester: 2
INHALT
EINLEITUNG 3
I. Verhandlungen mit Byzanz um eine oströmische Prinzessin 3
I.1.Vorgeschichte und Gesandtschaften 3
I.2. Wer war Theophanu? 5
II. Hochzeit in Rom 7
II.1. Ablauf der Hochzeitsfeierlichkeiten 7
II.2. Hochzeitsurkunde der Theophanu 8
III. Theophanu als Mitkaiserin Ottos II 972-983 ... 13
III.1. Tod Ottos I. - Theophanu wird coimperatrix 13
III.2. Heinrich der Zänker gefährdet Ottos Macht 14
III.3. Die Kinder der Theophanu 16
IV. Theophanu als Regentin nach dem Tode Ottos II 983-991 ... 21
IV.1 Kampf um die Herrschaft 21
IV.2 Theophanus Herrschaft und Tod 22
Fazit 25
LITERATURVERZEICHNIS 26
EINLEITUNG
I. Verhandlungen mit Byzanz um eine oströmische Prinzessin
I.1.Vorgeschichte und Gesandtschaften
Mit dem oströmischen Kaisertum auf der einen und dem weströmischen Kaisertum auf der anderen Seite standen sich im Europa des 10. Jahrhunderts zwei mächtige, politisch und staatsrechtlich aber sehr verschiedene Herrschaftssysteme gegenüber. Im griechischen Osten wurde das Kaisertum vom Basileus Romaion (dem Kaiser der Römer) vertreten, der sich als Nachfolger der römischen Kaiser sah, seinen Sitz allerdings in Konstantinopel und nicht in der eigentlichen Kaiserstadt Rom hatte. Im lateinischen Westen verkörperte der Imperator Augustus Francorum et Langobardum (der König der Franken und Langobarden) das Weltkaisertum, hatte die Stadt Rom inne und konnte sich der Unterstützung des Papstes, welcher mit Konstantinopel gebrochen hatte, sicher sein.1
So wandte sich denn auch Papst Johannes XII., als er sich der Gefahr eines Angriffs durch Berengar II. ausgesetzt sah, hilfesuchend an Otto I. und bot ihm als Gegenleistung für seine Hilfe die Kaiserkrone an. Dieser lies im Hinblick auf die bevorstehende Kaiserkrönung seinen fünfjährigen Sohn Otto II. zum König wählen und am Pfingstsonntag des Jahres 961 krönen, bevor er mit seiner Frau Adelheid im August des selben Jahres nach Rom aufbrach. Dort wurde er am 2.Februar 962, am Sonntag Mariä Lichtmess, unter Akklamation der Römer vom Papst zum Kaiser gesalbt. Von nun an trug er den Titel Imperator Augustus Romanorum et Francorum (Erhabener Kaiser der Römer und der Franken) und Adelheid wurde zur Cohnsoors imperii (Herrschaftsgenossin) gekrönt.2
Neben dem Kampf um gegenseitige Anerkennung sorgten vor allem die Kämpfe insbesondere um das süditalienische Grenzgebiet immer wieder für Konfliktstoff zwischen den beiden Kaiserreichen. Um seine Macht in Süditalien zu sichern gab es für Otto I. zwei Möglichkeiten. Entweder musste er die Griechen von dort vertreiben oder sie durch eine Familienverbindung an sich binden..3 So entsandte er zum zweiten mal (nach 949) im Jahre 967 einen Boten an den byzantinischen Hof. Der venezianische Kaufmann Dominicus sollte um die Hand der purpurgeborenen Tochter des verstorbenen Basileus Romanos II und Stieftochter des regierenden Nikephoros II. Pokas, der Prinzessin Anna, als Braut für Otto II anhalten.4 Dieses Ersuchen jedoch scheiterte an politischen Missverständnissen. Dominicus hatte seine Kompetenzen überschritten indem er versicherte, Otto I. werde im Falle einer Heirat das Oströmische Reich nicht mehr angreifen. Otto I. jedoch wollte ein Druckmittel in die Hand bekommen um Nikephoros zu einer Heirat und zum Beibehalt des Status Quo in Italien zu zwingen und griff entgegen der Versicherung des Dominicus die Hauptstadtstadt der griechischen Besitzungen in Italien, Bari, an. Bari jedoch konnte nicht eingenommen werden und so sah sich Otto I. gezwungen, erneut Verhandlungen mit Konstantinopel aufzunehmen.5 Um seinen Sohn Otto II. seiner zukünftigen purpurgeborenen Braut ebenbürtig zu machen, lies Otto I. seinen Sohn am 25. Dezember 967 in Rom von Johannes XII. nach oströmischem Vorbild zum coimperator, also zum Mitkaiser, krönen und schickte daraufhin im Sommer 968 unter der Leitung Bischofs Liudprand von Cremona eine dritte Gesandtschaft nach Konstantinopel.6 Auch diese Gesandtschaft drohte am Unwillen des Nikephoros zu scheitern, bis dieser bei einer Palastrevolution am 11. Dezember 969 ermordet wurde. Ihm folgte sein Mörder, Johannes I. Tzimiskes auf den Thron. Dieser sah sich kriegerischen Bedrohungen durch den russischen Fürsten Svjatoslav auf dem Balkan gegenüber erhoffte sich Unterstützung durch Otto I. Dieser nahm schnell die abgebrochenen Verhandlungen wieder auf, zog sich aus dem von Konstantinopel beanspruchten Gebiet zurück und schickte 971 den Kölner Erzbischof Gero zu Johannes I. Tzimiskes. Dieser allerdings brachte nicht die erwartete, purpurgeborene Anna nach Rom zurück, sondern die völlig unbekannte Theophanu, die nicht unter Purpur geborene Nichte des Johannes I Tzimiskes. Obwohl viele dazu rieten, die falsche Braut zurückzuschicken unterlies Otto I. dies, da eine Zurückweisung der Theophanu eine gefährliche Beleidigung Konstantinopels bedeutet hätte. Stattdessen gab er Theophanu seinem Sohn Otto II. im April 972 zur Frau und lies so seine politischen Ziele endlich Wirklichkeit werden.7
[....]
1 vgl. Fußbroich, Helmut: Theophanu - Die Griechin auf dem deutschen Kaiserthron; Köln 1991 S.27
2 vgl. Fußbroich, Helmut: Theophanu - Die Griechin auf dem deutschen Kaiserthron; Köln 1991 S.31 f.
3 vgl. Fußbroich, Helmut: Theophanu - Die Griechin auf dem deutschen Kaiserthron; Köln 1991 S.29
4 vgl. Fußbroich, Helmut: Theophanu - Die Griechin auf dem deutschen Kaiserthron; Köln 1991 S. 36
5 vgl. Fußbroich, Helmut: Theophanu - Die Griechin auf dem deutschen Kaiserthron; Köln 1991 37
6 vgl. Fußbroich, Helmut: Theophanu - Die Griechin auf dem deutschen Kaiserthron; Köln 1991 S.38
7 vgl. Fußbroich, Helmut: Theophanu - Die Griechin auf dem deutschen Kaiserthron; Köln 1991 S.40 f.
Arbeit zitieren:
Manuela Thoma, 2006, Otto II. und Theophanu, München, GRIN Verlag GmbH
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