Johann Wolfgang Goethe Universität
Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
Literatur und Psychoanalyse- Thomas Manns Mario und der Zauberer aus der Sicht der Massenpsychologie Sigmund Freuds
Deniz Tavli
SS 06
Inhalt
Einleitung ... 4
1. Thomas Mann und die Psychoanalyse ... 5
2. Siegmund Freud: Massenpsychologie und Ich- Analyse ... 6
2.1 Die Ich- Analyse: Libido und sexuelle Neutralisation ... 6
2.2 Der Urvater und die Urhorde: Ich- Ideal- Konflikt und archaische Erbschaft ... 7
2.3 Lustvolle Regression in der entsexualisierten Masse ... 8
3. Thomas Manns Mario und der Zauberer aus der Sicht der Massenpsychologie Sigmund Freuds ... 8
3.1 Der deplazierte Körper ... 9
3.2 Cipollas Zaubervorstellung als massenpsychologisches Szenarium ... 12
3.2.1 Cipolla, das Charakterbild eines Führers ... 13
3.2.2 Das Publikum als psychologische Masse ... 17
4. Mario und der Zauberer: Wechselbilder der Geschlechter und die Erfüllung des heroischen Mythos ... 20
5. Fazit ... 24
Literaturverzeichnis ... 25
Einleitung
Thomas Manns Novelle Mario und der Zauberer. Ein tragisches Reiseerlebnis., 1930 erschienen, wurde sowohl in Deutschland als auch Italien mehrfach aus politischer Sicht rezipiert. Besonders in Italien sorgte die Erzählung für Aufruhr und wurde von Mussolini und seinen Fasci di Combattimento auf den Index gesetzt. Trotz aller Erklärungen von Thomas Mann selbst und seiner Bitte die Novelle nicht als politische Satire auf Mussolini oder als Kritik am italienischen Volk zu verstehen, wurde die Novelle sowohl zur Zeit ihres Erscheinens als auch nach dem zweiten Weltkrieg mehrfach politisch interpretiert. “Ich will nicht leugnen, dass kleine politische Glanzlichter und Anspielungen aktueller Art darin angebracht sind, aber das Politische ist ein weiter Begriff, der ohne scharfe Grenze ins Problem und Gebiet des Ethischen übergeht, und ich möchte die Bedeutung der kleinen Geschichte, vom Künstlerischen abgesehen, doch lieber im Ethischen als im Politischen sehen.”1 Dies schrieb Thomas Mann in einem Brief an Bedrich Fucík im Jahr 1932. Fünfzehn Jahre später, nach Ende des zweiten Weltkriegs, äußerte er sich wie folgt zu seiner Novelle: “Als ich sie schrieb, glaubte ich nicht, dass Cipolla in Deutschland möglich sei. Es war eine patriotische Überschätzung meiner Nation. […] Im Grunde war die Novelle wohl eine erste Kampfhandlung gegen das, was damals schon die europäische Gesamtatmosphäre erfüllte und durch den Krieg nicht restlos aus ihr vertrieben worden ist.”2
Somit war Thomas Mann selbst in Anbetracht der historischen Hintergründe nicht ganz sicher über die Bedeutung und Absichten seiner kurzen Erzählung. Wohl deshalb wurde es auch für Rezipienten der Nachkriegszeit besonders einfach die Novelle aus verschiedenen Bereichen der Gesellschafts- und Geisteswissenschaften zu betrachten. Mein Augenmerk richtet sich dabei besonders auf das Kapitel Thomas Manns Mario und der Zauberer aus massenpsychologischer Sicht aus einer Studie von Bernd Widdig, der in seinem Buch Männerbünde und Massen- zur Krise männlicher Identität in der Literatur der Moderne einschlägig die Novelle aus dem Aspekt der Massenpsychologie Freuds heraus untersucht. Die folgende Arbeit wird sich ebenfalls diesem Themenschwerpunkt widmen, wobei ich bereits hier betonen muss, dass zwar Bernd Widdigs Studie dabei ein Leitfaden für mich war und ich meine Thesen und Belege oft an seinen Aussagen stärke, ich allerdings nicht seine Meinung zu diesem Thema übernommen habe.
[...]
1Erläuterungen und Dokumente, Thomas Mann, Mario und der Zauberer, Hg.v. Karl Pörnbacher, Stuttgart: Reclam, 1980, S. 41 f.
2Ebd., S. 50
Arbeit zitieren:
Deniz Tavli, 2006, Literatur und Psychoanalyse, München, GRIN Verlag GmbH
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