Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS I
ABBILDUNGSVERZEICHNIS IV
BEISPIELVERZEICHNIS VI
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS VII
1.1 GEGENSTAND UND ZIELSETZUNG 1
2 WORTBILDUNG 3
3 STRUKTUREN DER DEUTSCHEN WORTBILDUNG 7
3.1 GRUNDLAGEN 7
3.1.1 ANFORDERUNGEN 7
3.1.2.1 Funktion und Bedeutung von Morphemen 8
3.1.2.3 Stellung 10
3.1.3 SYNTAX VON WORTBILDUNGSKONSTRUKTIONEN 11
3.1.3.1 Morphemschreibung 13
3.1.3.2 Kategorienschreibung 14
3.1.3.3 Klammerschreibung 14
3.1.4 SEMANTISCHE BESCHREIBUNG VON WORTBILDUNGSKONSTRUKTIONEN 15
3.1.4.2 Morphosemantische Motiviertheit 16
3.1.4.3 Paraphrasierung 17
3.1.4.4 Transformation 18
3.2 WORTBILDUNGSARTEN 19
3.2.1 KOMPOSITION 19
3.2.1.1 Determinativkomposita 19
3.2.1.3 Weitere Erscheinungsformen der Komposition 27
I
3.2.1.3.1 Reduplikation 27
3.2.1.3.2 Kontamination 27
3.2.2 DERIVATION 29
3.2.2.1.1 Präfigierung 31
3.2.2.1.2 Suffigierung 34
3.2.2.1.3 Kombinatorische Derivation 35
3.2.2.1.4 Affixoide 36
3.2.3 KURZWORTBILDUNG 39
4.1 GRUNDLEGENDES 43
4.2 VOM GLOSSAR ZUM ELEKTRONISCHEN WÖRTERBUCH 43
4.3 DIE BEDEUTUNG DES WÖRTERBUCHMEDIUMS 46
4.3.1 GEDRUCKTE WÖRTERBÜCHER 46
4.3.2 ELEKTRONISCHE WÖRTERBÜCHER 48
4.3.2.1 Spezifische Darstellungs und Zugriffsmöglichkeiten in elektronischen Wörterbüchern
51
4.3.2.1.1 Informationsdarbietung und umfang 52
4.3.2.1.3 Suchfunktionen 55
4.3.2.2 Verknüpfungen mit spezifischen Online Angeboten in elektronischen Wörterbüchern
60
5 VERANSCHAULICHUNG VON WORTBILDUNGSSTRUKTUREN 62
5.1 INTERAKTIVE ÜBUNGSMODULE 62
5.1.1.1 Einführung zum Aufgabengegenstand 63
5.1.1.3 Lernstoffverknüpfungen 64
5.1.1.4 Hilfestellungen 67
5.1.1.5 Randomisierung 69
5.1.1.6 Leistungsbewertung 71
5.1.2 EINSATZ VON INTERNET TECHNOLOGIEN 71
5.1.2.1 HTML XHTML und CSS 71
5.1.2.3 AJAX 74
I I
5.1.2.4 Java Applets 76
5.1.2.5 PHP 77
5.1.2.7 XML und SQL 80
5.2.1 EINORDNUNG UND BESTIMMUNG NACH TERMINOLOGISCHEN KRITERIEN 83
5.2.1.1 Grundlegende Ziele 83
5.2.1.2 Umsetzungsmöglichkeit 83
5.2.2 EINORDNUNG NACH WORTBILDUNGSARTEN 84
5.2.2.2 Umsetzungsmöglichkeiten 85
5.2.3.1 Ziele 87
5.2.3.2 Umsetzungsmöglichkeiten 88
5.2.3.3 Ablauf eines Assistenten 90
5.3 AUTOMATISCHE PRÄSENTATIONEN UND ÜBERPRÜFUNGSHILFEN 93
6 ZUSAMMENFASSUNG UND FAZIT 94
QUELLENVERZEICHNIS VIII
III
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 3 1: Morphemschreibung 13
Abbildung 3 2: Kategorienschreibung 14
Abbildung 3 3: Klammerschreibung 14
Abbildung 3 4: Determinativkompositum (Modell) 20
Abbildung 3 5: Determinativkompositum (Modell 2) 21
Abbildung 3 6: Hierarchie von Kopulativkomposita in Morphem
Kategorien und Klammerschreibung 25
Abbildung 3 7: Präfigierung 31
Abbildung 3 8: Suffigierung 34
Abbildung 3 9: kombinatorische Derivation 35
Abbildung 3 10: kombinatorische Derivation mit
verbalisierendem nominalisierendem Nullsuffix 36
Abbildung 3 11: Implizite Derivate in Kategorienschreibweise 38
Abbildung 4 1: Einteilung von Wörterbüchern 51
Abbildung 4 2: Textbeispiele aus dem Kernkorpus des DWDS
zum Lemma lesen 53
Abbildung 4 3: Hervorhebung zusätzlicher Informationen zu lesen
im PONSline Wörterbuch 53
Abbildung 4 4: Durch Ajax unterstütze intelligente Suchfunktion bei canoo net 56
Abbildung 4 5: Phonetische Suche im Internet Wörterbuch TLFI 58
Abbildung 4 6: Thesaurus mit Wortbildungen ausgehend von
Bundestag auf canoo net 59
Abbildung 4 7: Thesaurus mit verwandten Begriffen zu
Bundestag auf Wortschatz Portal 59
Abbildung 5 1: Interaktion mit Wörterbüchern 63
Abbildung 5 2: Events of Instruction 64
Abbildung 5 3: Beispiel für eine integrierte Hinweisfunktion 65
Abbildung 5 4: Einbindung von Wörterbuchartikeln in Übungsmodul
mithilfe von schwebenden Ebenen 67
Abbildung 5 5: Hilfeeinblendung am Rand bei Fokus des
Mauszeigers auf Auswahlfeld 67
Abbildung 5 6: Prinzip der konventionellen (links) und AJAX
gestützten Datenübertragen (rechts) 75
Abbildung 5 7: Strukturbaumdarstellungen innerhalb von Java Applets 76
Abbildung 5 8: Funktionsweise von PHP 78
Abbildung 5 9: Dynamische Erzeugung und Einbindung einer
Wortstrukturbaumgrafik mit PHP 79
Abbildung 5 10: Wortstrukturbaum Wortbildung und
entsprechende XML Notation 81
I V
Abbildung 5.11: Beispielübung 1 ‐ Unterscheidung von Wortschöpfung und Wortbildung 83 Abbildung 5.12: Beispielübung 1 ‐ Auflösung mit gutem und schlechtem Ergebnis 84
Abbildung 5.13: Bestimmung der Wortbildungsart 1 Abbildung 5.14: Bestimmung der Wortbildungsart 2 Abbildung 5.15: Bestimmung der Wortbildungsart 3 86 Abbildung 5.16: Ablauf mehrerer Übungsmodule zur Bestimmung von Wortbildungsarten 87 Abbildung 5.17: Morphem‐, Kategorien‐ und Klammerschreibung der Struktur von nasskalt 8 7
V
Beispielverzeichnis
Beispiel 3.1: morphologischer Head 15
Beispiel 3.2: Paraphrasierung Beispiel 3.3: Semantisches Muster Beispiel 3.4: Transformationen Beispiel 3.5: Die Lesart betreffende Segmentierung von DK Beispiel 3.6: Die Bedeutung betreffende Segmentierung von DK (2) Beispiel 3.7: Rektionskomposita Beispiel 3.8: Ambiges Rektionskompositum Beispiel 3.9: Nichtrektionskomposita Beispiel 3.10: Gleiche Wortkategorien bei Kopulativkomposita Beispiel 3.11: Vertauschen der UK bei Kopulativkomposita Beispiel 3.12: UND‐Relation von Kopulativkomposita Beispiel 3.13: Derivate Beispiel 3.14: Präfigierungen und Aktionsarten Beispiel 3.15: Präfigierungen und Transitivierung Beispiel 3.16: Substantivpräfigierung mit Präfix Ge‐ Beispiel 3.17: Partikelverben vs. Partikelpräfixverben Beispiel 3.18: Affixoide Beispiel 3.19: Implizite Derivationen Beispiel 3.20: Unisegmentales Kopfwort Beispiel 3.21: Unisegmentales Rumpfwort Beispiel 3.22: Unisegmentales Endwort Beispiel 3.23: Partielle Kurzwörter Beispiel 3.24: Multisegmentale Initialkurzwörter Beispiel 3.25: Multisegmentale Silbenkurzwörter Beispiel 3.26: Multisegmentale Mischkurzwörter Beispiel 3.27: Weitere Kurzwörter Beispiel 3.28: Kurzwörter auf ‐i, ‐o / Reduktion und Derivation Beispiel 5.1: Hilfestellung bei falscher Lösungswahl Beispiel 5.2: Speichern von Aufgabendaten in einer XML‐Datei Beispiel 5.3: Beispiel für eine Aufzählung (Liste) in HTML bzw. XHTML 72 Beispiel 5.4: PHP Quelltext zur Auswertung der Nutzereingaben einer Übung 79 Beispiel 5.5: Ablauf eines Assistenten zur Eingabe einer Wortstruktur in Klammerschreibung 90 Beispiel 5.6: Ablauf eines Assistenten zur Erstellung von Wortstrukturbäumen (Morphemschreibweise) 92
V I
Abkürzungsverzeichnis
A Adjektiv
Aff ahd. AJAX ASP BM CD‐ROM CSS DK DVD‐ROM FE FM HTML HTTP JPEG KK MK N P PC PDA PDF PHP Präf PPV PV SQL Suff UK V W3C WBK WBM XHTML XML
V I I
1 Einleitung
1.1 Gegenstand und Zielsetzung
Ein zentrales Thema der germanistischen Sprachwissenschaft ist die deutsche Wortbildung, das Teilgebiet der Lexikologie, welche sich mit den Regeln der Neu‐ bildung von Wörtern auseinandersetzt. Zum Verständnis dieser Thematik ist es nötig, dass die Terminologie und die Strukturen der deutschen Wortbildung auch innerhalb von Wörterbüchern erläutert und veranschaulicht werden. In den letz‐ ten Jahren wurden Wörterbücher jedoch einer rasanten Weiterentwicklung unter‐ zogen. Das traditionelle gedruckte Nachschlagewerk weicht dabei immer mehr einem elektronischen Pendant, das den Benutzern vor allem innovative Recherche‐ funktionen bietet. Innerhalb des elektronischen Mediums mehren sich darüber hinaus vor allem in Spezialwörterbüchern zusätzliche Möglichkeiten, bestimmte Sachverhalte effektiv zu präsentieren und das Verständnis dadurch zu fördern. Diese Arbeit beschäftigt sich daher mit den Möglichkeiten der Veranschaulichung der Strukturen der deutschen Wortbildung in einem fachlichen Lern‐ und Konsul‐ tationswörterbuch wie Lexikologie.de 1 , welches sich maßgeblich an Studierende richtet. Zu diesem Zweck werden im Verlauf dieser Arbeit Wege, Technologien und Strategien vorgestellt, die das Erlernen verschiedener Zusammenhänge der deut‐ schen Wortbildung erleichtern und fördern sollen.
1.2 Aufbau
Eingeleitet wird die vorliegende Arbeit durch eine allgemeine Vorstellung der Wortbildungsthematik, der die Darstellung und Erläuterung der Strukturen der deutschen Wortbildung nachfolgt. Dabei werden sowohl das zur Verfügung stehende Morpheminventar der deutschen Sprache als auch die verschiedenen Wortbildungsarten mit deren Unterarten sowie deren Beschreibungsmöglichkei‐ ten besonders beleuchtet. Auf diesen Darstellungen aufbauend, wird anschließend die Entwicklung elekt‐ ronischer Wörterbücher zusammengefasst. Dazu werden insbesondere die spezifi‐
1 Hochschuldozentur für Germanistische Sprachwissenschaft, Institut für Germanistische Sprach‐
wissenschaft, Friedrich‐Schiller‐Universität Jena: Lexikologie.de. http://www.lexikologie.de,
Jena 2005, Abruf: 3.5.2007 1
schen Eigenschaften sowie Vor‐ und Nachteile von elektronischen Wörterbüchern erläutert. Diesen Ausführungen folgt schließlich die Auseinandersetzung mit mög‐ lichen Veranschaulichungsmethoden der deutschen Wortbildung innerhalb eines elektronischen Wörterbuchs. Der Fokus liegt dabei auf internetbasierten Übungs‐ modulen, die den Nutzern das interaktive Erlernen und Üben der die Wortbildung betreffenden Sachverhalte erleichtern sollen. Es werden dazu mehrere derzeit ak‐ tuellen und einsetzbaren Internet‐Technologien vorgestellt und deren Anwend‐ barkeit für einzelne Übungsformen individuell evaluiert. Im letzten Abschnitt wer‐ den exemplarische und konkrete Vorschläge für mögliche Übungsmodule gegeben, in die auch Erkenntnisse aus den Gebieten der Lern‐ und Motivationspsychologie einbezogen sind. Den Abschluss bildet eine Zusammenfassung der gewonnen Er‐ kenntnisse und ein Ausblick auf Methoden, mit denen die vorgelegten Veranschau‐ lichungsentwürfe weiter verbessert und optimiert werden können.
2
2 Wortbildung
Der Mensch besitzt die Fähigkeit, aus einem begrenzten Vorrat an Phonemen, den kleinsten bedeutungsunterscheidenden, jedoch nicht bedeutungstragenden Einheiten der Sprache, eine praktisch unbegrenzte Vielfalt an Signalen hervorzu‐ bringen. Aus einer kleinen Menge von Lauten (Phoneme) kann eine viel größere Anzahl von zunächst kleinen Bedeutungseinheiten (Morpheme 2 ) gebildet werden, durch deren Verknüpfung wiederum in einem weiteren Schritt eine fast unüber‐ schaubare Menge von Wörtern (Lexeme) entstehen. Zur Übermittlung von Gedan‐ ken, Gefühlen, Wünschen und Absichten können diese zu noch größeren und kom‐ plexeren Gebilden (Phrasen) zusammengefügt werden. Die Deutsche Sprache etwa verfügt über ca. 40 verschiedene Phoneme, diese tragen jedoch keine Bedeutungen. Erst die aus diesen Phonemen gebildeten Mor‐ pheme tragen eine Bedeutung, deren Anzahl erheblich größer ist, gleichwohl je‐ doch noch keine effiziente Kommunikation zulässt. Mit Morphemen allein ist nur ein sehr einfacher und stark begrenzter Transport von Ideen und Gedanken mög‐ lich. Ist das Inventar an Morphemen erlernt worden, kann mit der Kenntnis von bestimmten Regeln eine unbegrenzte Menge von Wörtern mit komplexen Bedeu‐ tungen erzeugt werden. Solche Regeln zur Bildung von Wörtern findet man in allen Sprachen weltweit. Das Prinzip ist dabei immer gleich. Aus einer kleinen Anzahl von Phonemen können mittels fester Regularitäten sehr viele Grundwörter (Sim‐ plexe) gebildet werden, die durch verschiedenartige Kombinationen jeweils eine feste Einheit (Lexem) im Wortschatz der jeweiligen Sprache bilden und damit die Basis für vielfältige Wortbildungen darstellen. Umgekehrt können Wörter, die auf solchen Grundsätzen beruhen, von jedem Sprecher oder Hörer verstanden werden, der diese Regeln beherrscht, selbst wenn es das betreffende Wort im realen Gebrauch der Sprache gar nicht gibt oder die Existenz des Wortes keinen Sinn machen würde. Ein Wort wie blaustreichbar gibt es nicht, dennoch erkennt jeder Sprecher des Deutschen nach kurzer Überlegung, dass es sich dabei um die Beschreibung einer Sache handeln kann oder muss, die man blau anstreichen kann. Diese Befähigung war und ist der Schlüssel zur erfolg‐
2 Stopp, Halt, Rot, Baum, Licht, … 3
reichen und effizienten Kommunikation unter verschiedenen Individuen und da‐ mit gleichsam ein bedeutender Faktor in der Entwicklung der Sprache und auf die‐ se Weise des modernen Menschen selbst.
Das Teilgebiet der Lexikologie, welches sich mit der Bildung von neuen Wort‐ konstruktionen auseinandersetzt, wird Wortbildung oder Wortsyntax genannt. Neben der Übernahme von Fremdwörtern (Entlehnung) ist die Wortbildung die maßgebliche Quelle für neue Wörter und damit für den Ausbau des Wortschatzes. Dabei muss eine klare Abgrenzung von der verwandten Wortschöpfung gezogen werden, bei der bestimmte Inhalte und Bedeutungen bisher nicht verwendeten Phonemkombinationen zugeordnet werden 3 . Zunächst können das Laute nachah‐ mende, phonetisch‐phonemisch motivierte Wörter sein 4 , so genannte Onomato poetica, „[…] deren Formative einen Laut oder Schall nachbilden.“ 5 Das akustische Spektrum wird dabei jedoch nicht vollständig übernommen, lediglich ein merk‐ malsrelevanter Teil wird in der Formativbildung sprachlich verallgemeinernd er‐ fasst. Auch Kinder verfügen über große Phantasie in der Neuschöpfung von Wör‐ tern 6 . Selbst in der Werbesprache und Produktentwicklung macht die Wortschöp‐ fung heute einen bedeutsamen Aspekt aus 7 .
Die Wortbildung umfasst Modelle und Muster, mit denen aus bereits bekannten Grundelementen (Morpheme) durch Kombination und Zusammenfügung neue Wörter entstehen 8 . Dieser Prozess ist ein Vorgang, dem syntaktische und semanti‐ sche Regeln zugrunde liegen. Aus fast allen Verben lassen sich Substantive bilden. Wird Verbstämmen das Suffix bar angefügt, werden Adjektive gebildet, deren Be‐ deutung festgelegt ist. Ein Raum ist begehbar (begehen), eine Handschrift ist lesbar (lesen), ein Möbelstück ist bezahlbar (bezahlen). Zusammengefasst: Eine Sache kann geschehen. Das einführende Beispiel blaustreichbar zeigt, dass es diese strik‐ te Regelhaftigkeit möglich macht, selbst sinnlose Wortbildungen verstehen zu können. In der Sprachwissenschaft wird deshalb die Wortbildung als syntaktische 3 Haus, Baum, Knall, rot, schnell, Yrr (Bezeichnung für Lebewesen. Aus: Schätzing, Frank: Der Schwarm. 12. Auflage. Frankfurt: Fischer 2005.) 4 miauen, knurren, piepsen 5 Schippan, Thea (1992). Lexikologie der deutschen Gegenwartssprache. Tübingen: Max Niemeyer‐ Verlag. S. 99. 6 TickTack (Uhr), WauWau (Hund) 7 Nutella, Nintendo Wii 8 Hoch‐schul‐lehr‐er, Schnell‐koch‐topf
4
Erscheinung wahrgenommen. Kontrovers diskutiert ist der Status der Wortbildung als eigenständiges Teilgebiet der Linguistik, da Aspekte der Wortbildung sowohl die Grammatik als auch die Lexikologie berühren. Eine größer werdende Anhän‐ gerschaft vertritt jedoch mittlerweile die Meinung, „dass die Wortbildung ein eige nes Subsystem der Sprache mit spezifischem Regelwerk darstellt und dass deshalb die Theorie der Wortbildung den Rang einer selbstständigen Disziplin der Sprachwissen schaft einnehmen sollte.“ 9
Die Erscheinungsformen der Wortbildung erstrecken sich sowohl in synchro‐ ner als auch in diachroner sprachwissenschaftlicher Perspektive. Oftmals stimmt die Gesamtbedeutung nicht mehr mit den heute bekannten oder primär ange‐ nommenen Bedeutungen der dem Ergebniswort zugrundeliegenden Bestandteile (Konstituenten) überein, da keine Hinweise mehr auf die semantischen Beziehun‐ gen innerhalb des Wortes vorhanden sind 10 . Das Wort Datenautobahn beunruhigt mit Sicherheit niemanden, wenn es erstmals in einem Text vorgefunden wird. Die Bestandteile werden dabei auf den ersten Blick klar: Daten + Auto + Bahn. Über deren Beziehungen sind schnelle Rückschlüsse möglich, auch aufgrund bereits be‐ kannter Kombinationsmöglichkeiten aus anderen Zusammenhängen. Es ist offen‐ sichtlich, dass das Wort aus drei Teilen besteht, zwei dieser Teile können jedoch auch für sich genommen eine Einheit bilden: Auto + Bahn (Autobahn: zwei oder mehrspurige, kreuzungsfreie Schnellstraße, die nur für bestimmte Kraftfahrzeuge zugelassen ist) 11 . Aus der Sprachpraxis fließt die zutreffende Vermutung ein, dass es sich um eine Autobahn handelt, auf der Daten unterwegs sind oder transportiert werden. Die Kenntnis der Wortbildungsregeln ermöglicht es, einen ersten Ein‐ druck über den vermutlichen Sinn des Wortes zu erlangen. Jedoch reicht diese Kenntnis nicht aus, die dem Wort innewohnende Bedeutung ad hoc zu erschließen. Es bleibt zunächst unklar, dass Datenautobahn das Internet bezeichnet. Dies kann nur mithilfe des lexikalischen Zusammenhangs herausgefunden werden.
Bei dem Wort blaumachen ist eine Bedeutungserklärung auf Basis der Elemente blau und machen ebenfalls nicht mehr uneingeschränkt möglich. Die Bedeutungen 9 Schippan, 1992, S. 108. 10 Nervenkostüm, Ölpest, Milchstraße, Kopfnuss, Armbrust, Bleifuß, Sackgasse u.v.m. 11 Dudenredaktion (Hrsg.) (2006). Duden Deutsches Universalwörterbuch: das umfassende Bedeutungswörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (6., überarb. und erw. Aufl.). Mannheim (u.a.): Dudenverlag. Worteintrag Autobahn.
5
der einzelnen Elemente sind zwar jedem Sprecher bekannt, auch das verwendete Wortbildungsmodell Adjektiv + Verb ist offensichtlich, einen Rückschluss auf die Bedeutung des Gesamtwortes lässt dies jedoch nicht zu. Die Konstituente blau wird in dieser Wortbildung nicht als Farbadjektiv, sondern idiomatisiert verwen‐ det. Es gibt nur zwei Wege, die Bedeutung dieses idiomatisierten Wortes zu er‐ gründen. Entweder wird das Wort mit der geläufigen Bedeutung bereits erlernt oder der Hörer kennt die historischen Hintergründe und damit die Etymologie des Wortes 12 . Das Beispiel zeigt, dass eine Betrachtung der Wortbildung unter syn‐ chronem Aspekt oftmals nicht ausreicht, um Bedeutungserklärungen zu liefern. In solchen Fällen müssen historische Fakten einbezogen werden und damit diachro‐ ne Perspektiven, die möglicherweise eine genauere Beurteilung des Begriffs erlau‐ ben. 13
Die Modelle der Wortbildung sind unbewusst jedem Sprecher bekannt. Sie er‐ möglichen es, aus bislang völlig unbekannten Wörtern Rückschlüsse auf deren mögliche Bedeutung, Wortart und Gebrauch zu ziehen. Selbst extrem lange und zufällig generierte Wörter wie Kaffeemaschinensicherheitsschaltkreisanalysebericht können zu einem gewissen Grad von jedem Mitglied der Sprachgemeinschaft ver‐ standen werden. Im Folgenden sollen die Strukturen der deutschen Wortbildung dargelegt werden.
12 Angenommen wird, dass der Begriff auf den mittelalterlichen Brauch zurückgeht, den Hand‐ werksgesellschaften einen Tag frei zu geben. Dieser Tag wurde blauer Montag genannt, blau geht dabei auf die Farbe der Kirche zurück. Die Zahl der blauen Montage war immer stark um‐ stritten, jedoch meist festgesetzt und oftmals waren zusätzliche blaue Montage ausdrücklich verboten. Darauf geht bis heute zurück, einen „unberechtigten“ freien Tag zu nehmen. Kluge, Friedrich (2002). Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache / Kluge. Bearb. von Elmar Seebold. (24., durchgesehene und erweiterte Aufl.). Berlin; New York: Walter de Gruyter. S. 130. 13 Römer, Christine und Matzke, Brigitte (2005). Lexikologie des Deutschen. Eine Einführung (2., aktualisierte und ergänzte Aufl.). Tübingen: Gunter Narr Verlag. S. 61.
6
3 Strukturen der deutschen Wortbildung
3.1 Grundlagen
3.1.1 Anforderungen
Um die Wortbildung zu beschreiben, ist es zunächst erforderlich, deren Anfor‐ derungen und Aufgaben zu klären. Die Wortbildung erfolgt nach syntaktischen, morphologischen und semantischen Regeln und dient der Erklärung und Charak‐ terisierung des Vermögens einer Sprache und seiner Sprecher zur Bildung von Wörtern. Wie bereits erwähnt, beruht die Wortbildung dabei auf einer universell anwendbaren Regelhaftigkeit, die es jedem Mitglied einer Sprache ermöglicht, un‐ ter Anwendung der Wortbildungssystematik Wörter zu interpretieren, zu verste‐ hen, abzuwandeln und neu zu bilden. Wie die Erzeugung von Sätzen einem be‐ stimmten Muster folgt, so lassen sich auch die Prozesse der Wortbildung auf syn‐ taktische Modelle zurückführen. Es liegt hierbei der Gedanke nahe, dass es sich dabei um die gleichen Mechanismen handelt. Einer Oberflächenstruktur liegt eine Tiefenstruktur zugrunde, die eine vollständige Analyse einer Wortbildungskon‐ struktion ermöglicht. Doch dies reicht nicht aus, um die vielen Fälle von Lexikali‐ sierung, Demotivierung, Idiomatisierung und historischer Tradierung zu erklären. Die Wortbildung muss also als eine weiter gefasste Disziplin angesehen werden, die sowohl ein syntaktisches Regelsystem als auch semantische Interpretations‐ modelle und Methoden umfasst. Ob die Wortbildung damit eine selbstständige Teildisziplin der Sprachwissenschaft und damit ein autonomes Subsystem der Sprache darstellt, ist umstritten. Es liegen einige Überschneidungen mit anderen Teilgebieten (z. B. Lexikologie, Syntax und Morphologie) vor, die den potentiellen Status als eigene sprachwissenschaftliche Teildisziplin beschränken. Dennoch kann man die Wortbildung auch klar von anderen Gebieten abgrenzen. Eine klare Einordnung ist bisher allerdings nicht geschehen, es gibt jedoch Tendenzen für die Betrachtung der Eigenständigkeit der Wortbildung. 14 Nach SCHIPPAN (1992) um‐ fasst die Wortbildung folgende Inhalte: I. Beschreibung und Kategorisierung des Inventars der zur Wortbildung ver‐ fügbaren sprachlichen Mittel.
14 Schippan, 1992, S. 108 f. Römer & Matzke, 2005, S. 5. 7
II. Beschreibung von Regeln und Modellen zur Entstehung von Wortbildungs‐ konstruktionen und Erfassung der Bedingungen, unter denen Wortbil‐ dungskonstruktionen gebildet und verhindert werden können. III. Beschreibung von Modellen zur semantischen Interpretation und Erschlie‐ ßung von Wortbildungskonstruktionen. IV. Beschreibung der Methoden, die zur Interpretation von Wortbildungskon‐ struktionen herangezogen werden können. Dies umfasst auch sprachhisto‐ rische Untersuchungen zur Auflösung von Idiomatisierungs‐, Demotivie‐ rungs‐ und Lexikalisierungsprozessen. 15
3.1.2 Wortbildungsinventar: Morpheme
Die Modelle und Muster der Wortbildung unterscheiden sich vorwiegend in der Art und Weise der Anordnung von Sprachbausteinen, den Morphemen, im Prozess der Bildung (Konstituierung) eines neuen Wortes. Morpheme sind die kleinsten nicht aufteilbaren Abfolgen von bedeutungsunterscheidenden lautlichen Zeichen (Phoneme). Ihnen ist entweder eine semantische Bedeutung oder eine nichtlautli‐ che (grammatische) Eigenschaft zugeordnet, die sie eindeutig identifiziert 16 . Durch die Kombination dieser Morpheme werden neue Wortformen und Wörter gebildet, wobei die Eigenschaften der Morpheme und die Art und Weise der Anordnung ausschlaggebend für das zugrunde liegende Wortbildungsmodell sind. Morpheme stellen damit die Konstituenten einer Wortbildungskonstruktion dar und unter‐ scheiden sich in mehreren Gesichtspunkten. Nach ihrer Funktion und Bedeutung, nach dem Grad ihrer Selbstständigkeit, nach ihrer Stellung und nach ihrer Repro‐ duzierbarkeit 17 .
3.1.2.1 Funktion und Bedeutung von Morphemen
SCHIPPAN (1992) folgend, lassen sich Morpheme nach Funktion und Bedeutung in mehrere Gruppen einteilen.
15 Schippan, 1992, S. 110.
16 Schippan, 1992, S. 80.
17 Schippan, 1992, S. 80 f. 8
I. Basis oder Grundmorpheme
Basismorpheme (BM) bergen die lexikalisch‐begriffliche Bedeutung der Wort‐ stämme und können für sich allein ein Wort bilden 18 .
II. Wortbildungsmorpheme
Wortbildungsmorpheme (WBM) dienen zur Bildung neuer Wörter nach bestimm‐ ten Wortbildungsarten. Wortbildungsmorpheme besitzen lexikalisch‐begriffliche und grammatische Bedeutungen 19 .
III. Flexionsmorpheme
Flexionsmorpheme (FM) oder grammatische Morpheme tragen grammatische Be‐ deutungen und sind verantwortlich für die grammatische Kategorie eines flektier‐ ten Wortes. 20 Außerdem dienen Sie der Bildung und Organisation von Sätzen und zur Erzeugung semantisch‐grammatischer Beziehungen.
IV. Fugenelemente
Fugenelemente (FE) sind eine besondere Art der grammatischen Morpheme und tragen keine Bedeutung. Sie treten nur wortintern auf und dienen der Verbindung zweier Konstituenten. Dabei sind sie ein freiwillig eingefügtes Funktionszeichen mit oftmals historischer Traditionen oder Gleitlaute, die das Aussprechen eines Wortes erleichtern sollen 21 . Neben zusätzlich eingefügten Fugenelementen können sie auch die verbundenen Konstituenten abwandeln, indem z. B. ein auslautendes –e vom ersten Glied entfernt wird 22 . Eine Kombination aus beiden Erscheinungen ist ebenfalls möglich 23 . Einen Einfluss auf die Bedeutung haben die Fugenelemente in solchen Fällen nicht, sie beeinflussen lediglich die phonetische Struktur eines Wortes. Dennoch gibt es Fugenelemente, die auch die Bedeutung eines Wortes differenzieren können 24 . Nach DONALIES (2002) werden Fugenelemente als Elemente bezeichnet, die nicht als Flexionsmorphem der betreffenden 18 Berg, rot, hell, Tisch 19 Tischler: WBM ‚ler‘ ‚abstrakt‘, ‚Person‘ oder ‚Gruppe‘ (lexikalisch‐begriffliche Information); ‚Sub stantiv‘, ‚maskulin‘ oder ‚feminin‘ (grammatische Information) 20 Männern: FM ‚ern‘ ‚Plural‘ (Numerus), ‚Dativ‘ (Kasus) 21 Forschung’s’zweig, Hochzeit’s’feier, Therm’o‘meter 22 Waag’Ø’schale, Filial’Ø’angestellter, Kirch’Ø’turm, Erd’Ø‘mantel 23 Geschicht’Øs‘buch 24 Schafkopf (Kartenspiel) und Schafskopf (Schimpfwort: einfältiger Mensch, Dummkopf)
9
Konstituente in Frage kommen, die also „nicht im Flexionsparadigma der ersten Einheit vorkommen.“ 25
3.1.2.2 Grad der Selbstständigkeit
Unterschieden werden Morpheme in freie und gebundene Morpheme. Basis‐ morpheme können dabei frei auftreten, d. h. sie sind an kein zusätzliches Morphem gebunden und können ein Wort darstellen 26 . Gebundene Morpheme hingegen sind vor allem Wortbildungsmorpheme und grammatische Morpheme (z. B. Funkti‐ onswörter wie der, dass). Diese können nur in Verbindung mit Basismorphemen auftreten und auf diese Weise zur Wortbildung beitragen 27 . Ein Wortbildungs‐ o‐ der Flexionsmorphen für sich allein kann kein eigenständiges Wort bilden. Es exis‐ tieren jedoch auch Basismorpheme, die gebunden sind und nur in Verbindung mit anderen Morphemen Wörter bilden 28 . Auch etymologisch überlieferte Basismor‐ pheme zählen zu den gebundenen Morphemen. Diese treten meist in ganz be‐ stimmten und festgelegten Wortbildungen auf und können nicht zur Neuwortbil‐ dung hinzugezogen werden 29 . Solche Morpheme werden als unikale (versteinerte) Morpheme bezeichnet.
3.1.2.3 Stellung
Morpheme können in der Wortbildung verschiedene Positionen einnehmen. So können gebundene Morpheme als Affixe links oder rechts vom Basismorphem ste‐ hen. Wortbildungsmorpheme und grammatische Morpheme, die links von der Ba‐ sis stehen, werden als Präfixe bezeichnet 30 , ein Morphem, das rechts von der Basis steht, trägt die Bezeichnung Suffix 31 und eine Kombination aus beiden Möglichkei‐ ten, die auch bei der Bildung des Partizip Perfekts genutzt wird, heißt Zirkumfix 32 . Diese Form der Positionierung von Morphemen um das Basismorphem wird auch
25 Donalies, Elke (2002). Studien zur Deutschen Sprache: Die Wortbildung des Deutschen: ein Überblick (Bd. 27). (Ulrike Haß‐Zumkehr, Werner Kallmeyer, & Ulrich Waßner, Hrsg.) Tübingen: Gunter Narr Verlag. S. 45. 26 Haus, Baum, rot, blau, klein 27 Frei’heit‘, grün’lich‘, frucht’bar‘ 28 ‚gess‘ in vergesslich, ‚lier‘ in verlieren 29 ‚Him’beere, ‚Sint’flut, ‚Schwieger’mutter, ‚Mett’wurst 30 ‚be’stellen, ‚ab’halten, ‚zer‘stören 31 trag’bar‘, schmerz’lich‘ 32 ‚ge’such’t‘ (Partizip Perfekt von suchen), ‚be’schön’ig’en (es gibt weder die Form *beschönen noch die Form *schönig)
1 0
als additiv, die Morpheme selbst als additive Morpheme bezeichnet, dem Basismor‐ phem werden dabei neue Morpheme einfach hinzugefügt.
Eine weitere Variante sind eingeschlossene oder einsetzbare Morpheme. Dies sind implizite Morpheme oder so genannte Allomorphe. Implizite Morpheme zei‐ gen durch eine phonemische Variation eine Bedeutungsänderung des Basismor‐ phems an. So werden im Deutschen alle Formen des Präteritums starker Verben mit einer Änderung des Stammvokals erzeugt. Auf gleiche Weise werden auch Än‐ derungen im Numerus von Substantiven gebildet 33 . Allomorphe stellen nur eine phonemische Variation dar, ändern aber nichts an der Bedeutung des Wortes 34 . Die Bestandteile, die im Basismorphem weder ein implizites Morphem noch ein Allomorph sind, werden als diskontinuierliches Morphem bezeichnet 35 .
3.1.2.4 Reproduzierbarkeit
Morpheme werden im mentalen Lexikon dauerhaft gespeichert und können daher zur Wortbildung stets herangezogen werden. Sie sind reproduzierbar bzw. wiederholbar. Das Wortbildungsmorphem –bar kann an fast jeden Verbstamm angefügt werden, um ein Wort zu bilden, welches eine abstrakte Idee von etwas enthält, das Geschehen kann 36 , auch wenn dabei unsinnige Wörter entstehen.
3.1.3 Syntax von Wortbildungskonstruktionen
Wie bereits erwähnt, gibt es auffällige Parallelen zwischen der syntaktischen Struktur von Sätzen und Wörtern. Wie bei ganzen Sätzen lässt sich der Aufbau ei‐ nes Wortes in einer meist binären Struktur erfassen, die verdeutlicht, in welchem Verhältnis die Konstituenten stehen, die der Wortbildungskonstruktion zugrunde liegen. Diese Struktur ist ebenso streng hierarchisch angelegt und betrachtet die einzelnen Konstituenten als Teile eines Ganzen, die durch Kombination auf ver‐ schiedenen Ebenen Teilwörter (bzw. Wortgruppen, Phrasen) und schließlich das Gesamtwort (bzw. Satz) bilden. Maßgeblich für diese Prozesse sind Regelhaftigkeit und Produktivität 37 . Im Gegensatz zu Sätzen können Wortbildungskonstruktionen jedoch in gewisser Hinsicht einen Bedeutungswandel erfahren, der über die Be‐ 33 l’a‘g (Präteritum), M’ü’tter (Plural) 34 ‚hof‘ und ‚höf‘: H’ö’flich 35 legen, lag: l…g 36 machen: machbar; putzen: putzbar; hören: hörbar 37 (Schippan, 1992, S. 108)
1 1
deutungen der Wortkonstituenten nicht mehr erschlossen werden kann. In sol‐ chen Fällen ist die Bedeutung eines Wortes mehr als die Summe seiner Teile 38 . Es kann daher lexikalistisch davon ausgegangen werden, dass Wortbildungskonstruk‐ tionen im Gegensatz zu Phrasen im mentalen Lexikon gespeichert werden. Dies ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal der sich stark ähnelnden Satz‐ und Wort‐ strukturen.
Die Syntax von Wortbildungskonstruktionen stellt sich wie folgt dar. Wie be‐ reits erwähnt, bilden Morpheme die Grundlage von Wörtern, dabei können zu‐ nächst auch allein stehende Morpheme Wörter bilden, wie es bei freien (ungebun‐ denen) Basismorphemen der Fall ist 39 . Darüber hinaus können durch Kombinatio‐ nen von Morphemen (z. B. Basismorphem + Wortbildungsmorphem 40 ) immer komplexere Konstruktionen erzeugt werden, so genannte Morphemkonstruktio‐ nen 41 . Morpheme und Morphemverbindungen, die einer Wortbildungskonstrukti‐ on zugrunde liegen, werden dabei Konstituenten genannt. Eine unmittelbare Kon‐ stituente (UK) ist eine Einheit, die in der hierarchischen Ordnung einer Wortbil‐ dungskonstruktion ohne möglichen Zwischenschritt auf der direkt untergeordne‐ ten Ebene steht. Bei dem Wort Stammbaum sind zwei unmittelbare Konstituenten vorhanden: Stamm und Baum. Briefkastenschloss kann noch weiter unterteilt wer‐ den: Briefkasten ist die erste UK, Schloss die zweite UK. Ebenso lässt sich Briefkas ten in Brief (erste UK) und Kasten (zweite UK) zerlegen. Die binäre Struktur von Wortbildungskonstruktionen ermöglicht die Darstellung in Hierarchiebäumen, die entweder die Morphemarten (Abbildung 3.1) oder die Wortkategorien (Abbildung 3.2) der beteiligten Konstituenten darstellen. Außerdem ist eine lineare Klammer‐ schreibung möglich (Abbildung 3.3).
38 Hühnerauge, Milchstrasse 39 Bild, Tisch, grün 40 Schul+ung, grün+lich 41 (Römer & Matzke, 2005, S. 66)
1 2
3.1.3.1 Morphemschreibung
Wort
Wort bild ung
Abbildung 3.1: Morphemschreibung In der Morphemschreibweise wird das Wort u. a. in Stämme und Flexionsmor‐ pheme zerlegt. Ein Stamm besteht dabei aus mindestens einem Basismorphem und weiteren Wortbildungsmorphemen. Auch ein Stamm aus zwei Basismorphemen ist möglich. Außerdem kann ein Stamm weitere Stämme auf niedrigeren Ebenen ent‐ halten. Flexionsmorpheme werden nicht zum Stamm hinzugezählt, da diese das Flexionsparadigma einer Konstituente oder Wortbildungskonstruktion ausma‐ chen. In der Morphemschreibweise werden auch Wurzeln berücksichtigt, Basis‐ morpheme, die der Wortbildung zugrunde liegen. Dies ist der wesentliche Kern einer Wortbildungskonstruktion, der durch alle anderen Bestandteile näher be‐ stimmt wird. In komplexen Wörtern können durchaus mehrere Wurzeln auf ver‐ schiedene Konstituenten verteilt sein. Das Fugenelement erhält nicht den Status einer Konstituente, sondern wird an die (meist erste unmittelbare) Konstituente angefügt.
1 3
3.1.3.2 Kategorienschreibung
N
Wort bild ung
Abbildung 3.2: Kategorienschreibung Die Kategorienschreibung ist etwas platzsparender als die Morphemschrei‐ bung, da hier nur die Kategorien (Nomen, Verb, Adjektiv, Affixe) der Konstituenten verzeichnet werden und auf die Darstellung von Wurzeln und Stämmen in der Ka‐ tegorienschreibung verzichtet wird.
3.1.3.3 Klammerschreibung
[ N [ N Wort ] [ N [ V bild ] [ Aff/Suff ung ] ] ]
Abbildung 3.3: Klammerschreibung
Als lineare und kompakte Möglichkeit kann zuletzt eine Klammerschreibung angewandt werden. Diese Schreibweise orientiert sich maßgeblich an der Katego‐ rienschreibung und ist nach folgendem Muster aufgebaut. Der Kategorienhierar‐ chiebaum wird als binärer Baum angesehen, der einen Kopf (Wurzel) besitzt, wel‐ chem wiederum ein linker und ein rechter Teilbaum untergeordnet ist. Jede Mar‐ kierung einer Kategorie wird wiederum als Kopf zweier weiterer Teilbäume be‐ trachtet. Beginnend vom Kopf wird nun zuerst jeder linke Teilbaum bis zur unters‐ ten Ebene durchlaufen und jede dabei angetroffene Markierung linear mit öffnen‐ den Klammern aufgeschrieben. Im Beispiel Wortbildung ist der Kopf die Markie‐ rung für ein Nomen ([ N ). Die erste Markierung des linken Teilbaums ist nochmals die Markierung für ein Nomen, dem das entsprechende Morphem mit angehängt ist ([ N Wort). Der linke Teilbaum ist vollständig durchlaufen, daher wird die erste Konstituente mit einer schließenden Klammer markiert (]). Der Vorgang wieder‐ holt sich schließlich im rechten Teilbaum des Kopfes. Dort tritt zuerst eine Markie‐ rung eines Nomens auf ([ N ), deren linker Teilbaum ein Verb ([ V bild]) und deren rechter Teilbaum ein Affix/Suffix ([ Aff/Suff ung]) darstellt. Um die Klammerschrei‐ bung zu vollenden, werden nun während des abschließenden Anstiegs in den Ebe‐
1 4
Quote paper:
Steffen Kuegler, 2007, Die Strukturen der deutschen Wortbildung und deren Veranschaulichung in einem elektronischen Wörterbuch, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 25 Pages
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 35 Pages
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 15 Pages
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 25 Pages
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 20 Pages
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Termpaper, 14 Pages
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Script, 46 Pages
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 39 Pages
Steffen Kügler's text Die Strukturen der deutschen Wortbildung und deren Veranschaulichung in einem elektronischen Wörterbuch is now available as a printed book
Steffen Kügler has published the text Die Strukturen der deutschen Wortbildung und deren Veranschaulichung in einem elektronischen Wörterbuch
Steffen Kügler has uploaded a new text
Thematisches Wörterbuch Deutsch - Schwedisch / Schwedisch - Deutsch
Love Strandberg, Michelle Hansen, Liv Beate Stechlicka
Technisches Wörterbuch Deutsch - Norwegisch
85000 Stichwörter. - Teknisk o...
Jan E. Prestesæter
0 comments