Friedrich-Schiller-Universität Jena, Institut für Soziologie
Schriftliche Ausarbeitung eines Referats zum Proseminar:
Das Geschlechterverhältnis aus Soziologischer Sicht
2. Semester
Das Geschlechterverhältnis in der Moderne:
Individualisierung und Pluralisierung von Lebensformen
von
Edda Laux
INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung... 2
2. Individualisierung und Pluralisierung... 2
2.1 Theoretischer Hintergrund und Definitionen... 2
2.2 Moderne Gesellschaften zwischen Freiheit und Zwang... 4
3. Moderne Lebensläufe und Geschlechterrelevanz... 6
3.1 Die Integration der Frau in die Erwerbsarbeit... 6
3.2 Neue Lebenslaufsmodelle junger Frauen... 8
4. Doppelte Lebensführung, doppelte Belastung... 11
4.1 Zwischen Wunsch und Wirklichkeit... 11
4.2 Beispiel: Sozialgeschichte der Ehe... 11
4.3 Beispiel: Familienalltag... 13
5. Fazit... 15
6. Literaturverzeichnis... 16
1. Einleitung
In meiner schriftlichen Ausarbeitung zu dem Referatsthema „Das Geschlechterverhältnis in der Moderne: Individualisierung und Pluralisierung von Lebensformen.“ Stütze ich mich hauptsächlich auf das Buch, von Ulrich Beck und Elisabeth Beck-Gernsheim (Hrsg.): „Riskante Freiheiten. Individualisierung in modernen Gesellschaften“. Zunächst werde ich mich mit einer Begriffsklärung (Was bedeutet Individualisierung?), sowie mit theoretischen Grundlagen und Fragen auseinandersetzen, bevor ich auf die Rolle der Frau im Allgemeinen und auch im Konkreten gesellschaftlichem Zusammenhang eingehen werde. Konzentrieren werde ich mich dabei auf die so genannte doppelte Lebensführung, auf die Lebensführung von Frauen die Beruf und Familie gleichermaßen zu bewältigen haben.
2. Individualisierung und Pluralisierung
2.1 Theoretischer Hintergrund und Definitionen
Die Individualisierungstheorie vertritt den Standpunkt, dass eine Analyse aus der Sicht der Individuen angebracht beziehungsweise notwendig sei, und dass Analysen und Theorien die diese nicht mit einbeziehen, die soziale Realität unmöglich begreifen können.1
Individualisierung ist ein Ensemble gesellschaftlicher Entwicklungen und Erfahrungen, welches besonders gekennzeichnet ist durch zwei Aspekte: Erstens die Auflösung vorgegebener sozialer Lebensformen wie etwa von Staatsformen, Familie, Klasse, Stand etc., sowie zweitens durch die Einbindung in institutionell vermittelte Beziehungen, Anforderungen, Kontrollen, Zwänge (wie dem Arbeitsmarkt, der Wohlfahrt, der Bürokratie, etc.), die auf das Individuum besonders ausgerichtet sind, sowie durch die Einbindung in neue Lebenslaufmodelle.2 Ulrich Beck und Elisabeth Beck-Gernsheim sprechen hier von einem historisch neuen Individualismus (im Gegensatz zur Renaissance), dem institutionalisierten Individualismus. Das heißt, dass immer mehr Menschen an der Individualisierung teilhaben, und dass diese von der Gesellschaft noch gefördert oder sogar auferlegt wird. „Das Neue ist erstens die Demokratisierung von Individualisierungsprozessen und zweitens (eng damit zusammenhängend) die Tatsache, dass Grundbedingungen der Gesellschaft Individualisierungen begünstigen beziehungsweise [auch] erzwingen (Arbeitsmarkt, Mobilitäts- und Ausbildungsanforderungen, Arbeits- und Sozialrecht, Rentenvorsorge etc.): die institutionalisierte Individualisierung.“3 Entgegen der zitierten These berufen sich Institutionen dennoch auf eine antiquierte Vorstellung von Individuen. Heute findet eine solche Pluralisierung von Lebensformen statt (Vielzahl neuer Lebensentwürfe, Bastel- und Drahtseilbiographien4), dass Individuen zu einem nicht mehr kalkulierbaren Störfaktor werden. Der Versuch zu normieren und zu standardisieren muss notwendigerweise fehlschlagen.5 Die Individualisierungstheorie steht zum Teil diametral entgegengesetzt zur klassischen Soziologie und stellt diese gewissermaßen in Frage. Das wird deutlich in der Kritik an der traditionellen Familiensoziologie:
„Im modernen Lebenslauf mit seiner Bildungs- und Arbeitsmarktrelevanz für den Einzelnen scheinen familienzyklische und erwerbsarbeitslineare Anforderungsprofile familial und kulturell nicht mehr über komplementäre Lebensführungen zwischen den Geschlechtern eingelöst werden zu können, und damit gerät nicht nur die Familie als Institution ins trudeln, sondern es labilisiert sich auch die familiensoziologische Grundannahme von der relativen Abgrenzbarkeit ihres Gegenstandes.“6
2.2 Moderne Gesellschaften zwischen Freiheit und Zwang
[...]
1 Vgl.: Beck, U./ Beck-Gernsheim, E.: Individualisierung in modernen Gesellschaften –Perspektiven und Kontroversen einer subjektorientierten Soziologie in Beck, U./Beck-Gernsheim, E. (Hrsg.): Riskante Freiheiten. Individualisierung in modernen Gesellschaften, Frankfurt a. M. 1994, 26-32
2 Vgl.: Beck, U./ Beck-Gernsheim, E.: Individualisierung in modernen Gesellschaften –Perspektiven und Kontroversen einer subjektorientierten Soziologie, S.11 und Geissler, B./ Oechsele, M.: Lebensplanung als Konstruktion: Biographische Dilemmata und Lebenslauf-Entwürfe junger Frauen, S.139 beide in Beck, U./Beck-Gernsheim, E. (Hrsg.): Riskante Freiheiten. Individualisierung in modernen Gesellschaften, Frankfurt a. M. 1994
3 Beck, U./ Beck-Gernsheim, E.: Individualisierung in modernen Gesellschaften –Perspektiven und Kontroversen einer subjektorientierten Soziologie in Beck, U./Beck-Gernsheim, E. (Hrsg.): Riskante Freiheiten. Individualisierung in modernen Gesellschaften, Frankfurt a. M. 1994, S.21
4 Werde ich im folgenden Kapitel näher drauf eingehen
5 V gl. : Beck, U./ Beck-Gernsheim, E.: Individualisierung in modernen Gesellschaften – Perspektiven und Kontroversen einer subjektorientierten Soziologie in Beck, U./Beck-Gernsheim, E. (Hrsg.): Riskante Freiheiten. Individualisierung in modernen Gesellschaften, Frankfurt a. M. 1994, S.32
6 Born, C./Krüger, H/Lorenz-Meyer, D.: Der unentdeckte Wandel: Annäherung an das Verhältnis von Struktur und Norm im weiblichen Lebenslauf, Berlin 1996, S.20
Quote paper:
Edda Laux, 2001, Das Geschlechterverhältnis in der Moderne: Individualisierung und Pluralisierung von Lebensformen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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