Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Allgemeine Begriffe der Soziolinguistik 4
2.1 Sprachkontakt 4
2.2. Bilingualismus 5
2.3. Diglossie 6
2.4. Interferenz 6
3. Die Wurzeln des Spanglish: Geschichte des englisch-spanischen Sprachkontaktes 6
3.1 Immigration und gesellschaftliche Angliederung in den USA 7
3.1.1 Mexikaner und Chicanos 7
3.1.2 Puertoricaner 9
3.1.3 Kubaner 10
4. Linguistische Aspekte des Spanglish 12
4.1 Sprechergruppen 15
5. Spanglish in Literatur und Medien 16
5.1 Ilan Stavans 18
6. Spanglish und seine Bedeutung im amerikanischen Alltag 19
7. Schluss 21
8. Bibliographie 22
2
1. Einleitung
Diese Arbeit befasst sich mit dem englisch-spanischen Sprachkontakt in den Vereinigten Staaten von Amerika.
Die Bedeutung von Spanisch in der amerikanischen Gesellschaft nimmt ständig zu, obgleich es sich um eine Minderheitensprache handelt. Wichtig für die Entwicklung einer Sprache sind die sozialen und ökonomischen Einflüsse, denen sie unterliegt. Spanisch stand aus sozialen, geographischen und politischen Gründen im historischen Verlauf stets in Konkurrenz zum Englisch. Aus diesem Verhältnis entwickelten sich sprachliche Veränderungen und damit Varietäten, am dominantesten das so genannte Spanglish. Die Betrachtung des Spanglish erscheint mir sehr interessant, da sich hier zwei Weltsprachen, die einen sehr unterschiedlichen kulturellen Hintergrund aufweisen, in einer neuen Sprache vermischen.
Dieser spezielle Fall des code-switchings ist nicht nur als linguistisches Phänomen wahrzunehmen. Vielmehr zeigt sich hier beispielhaft der fortschreitende Identitätskonflikt verschiedener Kulturen, angesichts wachsender Globalisierung und schwindender Sprachgrenzen. Aus diesem Grund beschäftigt sich diese Arbeit auch mit dem Phänomen der Identitätsbildung bei Jugendlichen mit Immigrationshintergrund und der Rolle, die das codeswitching dabei einnimmt.
Um den Rahmen der Arbeit nicht zu sprengen, werden hier nur die relevanten Untersuchungsgegenstände behandelt.
Ich möchte mich vor allem auf folgende Bereiche und Fragen konzentrieren: Vorstellung der allgemeinen Begriffe der Soziolinguistik N
Die historischen Anfänge des Sprachkontaktes. N
Der Einfluss früher und heutiger Immigrationsströme in die USA auf die N Entwicklung des Spanglish. Vorstellung der verschiedenen Sprechergruppen. N
Betrachtung des Spanglish unter linguistischen Aspekten. N
Wie wirkt sich Spanglish auf den Alltag der amerikanischen Bevölkerung aus? N
Wie stellt sich Spanglish in den Medien und der Literatur dar? N
Portrait des mexikanisch-stämmigen Professor und Autor Ilan Stavans, der eine N
besondere Rolle in der jüngsten Spanglish-Bewegung einnimmt.
3
2 Allgemeine Begriffe der Soziolinguistik
2.1 Sprachkontakt
Heutzutage sind monolinguale Gesellschaften selten geworden. In den meisten Ländern existieren mehrsprachige Gesellschaften nebeneinander, die früher oder später miteinander in Kontakt treten. Dieser Kontakt kann bewusst oder unbewusst herbeigeführt werden und von einer gegenseitigen Beeinflussung bis hin zur Verschmelzung zweier Sprachen führen. Die diachrone 1 Sprachwissenschaft unterscheidet drei Konstellationen von Sprachkontakt: 2 (1) Substrat: Das eroberte Volk nimmt die Sprache der Eroberer an, lässt aber bestimmte Merkmale der eigenen Sprache in diese einfließen, um einen völligen Sprachverlust zu verhindern.
Superstrat: Die Eroberer nehmen die Sprache des eroberten Volkes an, wobei hier die (2)
Sprache der Eroberer Einfluss findet.
Adstrat: Zwei Sprachen beeinflussen sich nur geringfügig gegenseitig oder einseitig, (3)
existieren aber weiterhin gleichberechtigt nebeneinander.
Helmut Lüdtke beschreibt drei Phasen des divergenten 3 Sprachwandels, die die Folgen eines Sprachkontaktes in einer Sprachgemeinschaft aufzeigen. Zunächst kommt es zu einer Wortkörperschrumpfung von mehreren Wörtern zu einem. Dieses bedeutet zwar das Selbe, hat aber durch die Schrumpfung hat das Wort an Eindeutigkeit verloren. Infolgedessen entwickelt sich eine semantische Erweiterung, bei der beispielsweise eine eingliedrige Form zweigliedrig wird. Die dritte Phase des divergenten Sprachwandels bezeichnet die Verschmelzung dieser benachbarten Elemente. Dieser Wandel vollzieht sich unbewusst und langfristig durch die Kommunikation in einer Sprachgemeinschaft. 4 Das aus linguistischer Sicht am meisten untersuchte Sprachkontaktphänomen ist sicherlich das code-switching 5 , welches die Grundlage des Phänomens der sprachlichen Vermischung von Englisch und Spanisch bildet. Zunächst sollen aber die Begriffe Bilingualismus,
1 Die diachrone (historische) Sprachwissenschaft befasst sich im Gegensatz zur synchronen Sprachwissenschaft nicht mit der Sprache auf einer Zeitebene, sondern vergleicht die Sprachentwicklung einer Sprache auf verschiedenen Ebenen und zu verschiedenen Zeitpunkten ihrer Entstehung.
Vgl: Coseriu, Eugenio (1974): Synchronie, Diachronie und Geschichte: Das Problem des Sprachwandels. München: Fink
2 Pomino/Zepp (2004): Hispanistik. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag GmbH & Co. KG. S.153
3 Der divergente Sprachwandel beschreibt das Phänomen der Auseinanderentwicklung von Varianten eines sprachlichen Elements, so dass zwei unabhängige Varainten koexistieren.
4 Lüdtke, Helmut (Hrsg) (1980): Kommunikationstheoretische Grundlagen des Sprachwandels. Berlin: de Gruyter. S.9
5 Winkelmann, Sophia (2007): Spanglish als Sprache. Grundlagen, Diskussionen, Programme. VDM Verlag Dr. Müller: Saarbrücken. S.11. Siehe dazu Kapitel 3
4
Diglossie und Interferenz erläutert werden, da sie für die oben genannten Sprachkontakt bestimmend sind.
2.2. Bilingualismus
Monolingualität galt früher als Kriterium des „idealen“ Menschen 6 , Bilingualität wurde als Sprachverwirrung angesehen, belegt in Sagen wie dem Turmbau von Babel. Heutzutage findet man kaum noch ein monolinguales Land, so dass die Auseinandersetzung mit dem Phänomen Bilingualismus immer wichtiger geworden ist. Bilingualismus entsteht vor allem durch die Migration verschiedener Sprechergruppen und differenziert sich nach Lüdi in vier Arten: 7 (1) Individuelle Mehrsprachigkeit oder Multilingualität von Menschen, die mehr als eine Sprache sprechen. (2) Territoriale Mehrsprachigkeit. (3) Soziale Mehrsprachigkeit oder Gesellschaften, in denen Sprachen mit unterschiedlichen Funktionen koexistieren. (4) Institutionelle Mehrsprachigkeit von nationalen oder internationalen Verwaltungen. Eine besondere Unterscheidung muss zwischen individuellem und gesellschaftlichem Bilingualismus gemacht werden. Beherrscht ein Sprecher mehr als eine Sprache, spricht man von individuellem Bilingualismus. Werden innerhalb einer Gesellschaft mehrere Sprachen genutzt, was nicht bedeutet, dass jedes Mitglied mehrsprachig ist, trifft der Begriff des gesellschaftlichen Bilingualismus zu. 8 Die Definition von individuellem Bilingualismus zu treffen, gestaltet sich ziemlich schwierig, da die Grenzen fließend sind. So gibt es verschiedene Kriterien, die den Grad der Mehrsprachigkeit und damit die Kompetenz des Sprechers bemessen. So sind „Zeitpunkt des Zweitspracherwerbs, die Erwerbsmodalitäten (…), die Fertigkeiten in einer Fremdsprache (…), und die Domänen (…)“ 9 wichtige Gesichtspunkte.
6 Lüdi, Georges (1996a): „Mehrsprachigkeit“. In: Goebl, Hans (Hrsg): Kontaktlinguistik. Ein internationales Handbuch zeitgenössischer Forschung. 1. Halbband. Berlin/New York: Walter de Gruyter. S.233
7 Ebenda, S.234
8 Winkelmann, Sophia (2007): Spanglish als Sprache. (…). VDM Verlag Dr. Müller: Saarbrücken. S.12
9 Vgl.: Lüdi, Georges (1996a): Mehrsprachigkeit. In: Goebl, Hans (Hrsg): Kontaktlinguistik. (…)1. Halbband. Berlin/New York: Walter de Gruyter. S.235
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2.3. Diglossie
Charles Ferguson führte den Begriff Diglossie 1959 in seinem Aufsatz Diglossia ein, „um funktionelle kollektive Mehrsprachigkeit zu bezeichnen und beschreibt die spezielle Beziehung zwischen zwei oder mehreren Varietäten derselben Sprache, die in einer Sprachgemeinschaft mit verschiedenen Funktionen verbunden sind.“ 10 Man unterscheidet hierbei zwischen der Standardvarietät, die in der Schule gelernt wird und die öffentliche (schriftliche) Kommunikation beherrscht (high variety). Sie verfügt über eine komplexe Grammatik. Ihr gegenüber steht die weniger angesehene Varietät, welche im Alltag im verbalen Kontakt mit Freunden und Familie genutzt wird (low variety). Im Vergleich zur Standardvarietät erscheint die Grammatik hier modifiziert. 11 Diese Positionen können beispielsweise die Standardsprache und ein regionaler Dialekt zueinander einnehmen. Überträgt man dieses Modell auf den Sprachkontakt zwischen Englisch und Spanisch in den USA, lässt sich sagen, dass Englisch das höhere gesellschaftliche Prestige hat und somit high variety ist. Spanisch ist demnach die low variety, auch wenn sich diese Benennung je nach territorialer Betrachtung variieren kann.
2.4. Interferenz
Im Fall der Interferenz überträgt ein Sprecher der eine Fremdsprache lernt, seine muttersprachlichen Sprachstrukturen unbewusst auf die zu erlernende Sprache und es kommt zu einer ungewollten Beeinflussung. Im Verlauf der Interferenz verschwimmen die sprachlichen Eigenheiten der beiden Sprachen, so dass sich ihre Strukturen letztlich überlappen und Fehler bei der Sprachverwendung gemacht werden. 12
3. Die Wurzeln des Spanglish: Geschichte des englisch-spanischen
Sprachkontaktes
Bei der Betrachtung des Sprachphänomens Spanglish ist der Einbezug geschichtlicher Ereignisse zwischen der englischen bzw. amerikanischen und der hispanischen Kultur von großer Bedeutung. Die Beziehungen dieser Kulturen verliefen selten spannungsfrei, und die
10 Winkelmann, Sophia (2007): Spanglish als Sprache. (…). VDM Verlag Dr. Müller: Saarbrücken. S.13
11 Vgl.: Stehl, Thomas (2005): “Sprachkontakt und Konvergenzdynamik. Aktuelle Dimensionen der historischen romanischen Sprachwissenschaft”, in: Thomas Stehl (Hrsg.), Unsichtbare Hand und Sprecherwahl. Typologie und Prozesse des Sprachwandels in der Romania, Tübingen: Narr. S.1-24
12 Vgl.: Winkelmann, Sophia (2007): Spanglish als Sprache. (…). VDM Verlag Dr. Müller: Saarbrücken. S.25
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Kristina Hellhake, 2006, Spanglish: Englisch-Spanischer Sprachkontakt in den USA, Munich, GRIN Publishing GmbH
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