Analyse, Prävention und Abwehr des
irregulären Verlustes von Know-how in Unternehmen
Diplomarbeit
an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät
der Universität Passau
Eingereicht durch:
stud. rer. pol. Philipp Wagner
Inhaltsverzeichnis ... II
Abkürzungsverzeichnis ... IV
Abbildungsverzeichnis ... V
Tabellenverzeichnis ... V
1 Einführung in die Thematik ... 1
1.1 Historischer und aktueller Kontext ... 2
1.2. Zielsetzung der Arbeit ... 3
1.3 Aufbau der Arbeit ... 4
2 Grundlagen zum irregulären Verlust von Know-how ... 6
2.1 Begriffsdefinitionen und verwandte Begriffe ... 6
2.1.1 Daten und Informationen ... 6
2.1.3 Der irreguläre Verlust ... 14
2.2 Vorherrschende Formen des irregulären Verlustes von Know-how ... 16
2.2.1 Wirtschaftspionage ... 16
2.2.2 Betriebs-/Industriespionage ... 18
2.3 Akteure im Umfeld des irregulären Verlustes von Know-how ... 19
2.3.1 Externe Akteure ... 19
2.3.2 Interne Akteure ... 20
2.3.3 Kollusion interner und externer Akteure ... 21
2.4 Gefährdungspotential und Schadensausmaß 22
2.4.1 Gefährdete Wirtschafts- und Unternehmensbereiche ... 22
2.4.2 Schadensausmaß ... 23
2.5 Rechtlicher Rahmen im Umfeld des irregulären Verlustes von Know-how ... 24
2.5.1 Nationale rechtliche Grundlagen ... 24
2.5.2 Internationale rechtliche Grundlagen ... 26
2.6 Wissenschaftliche Rahmenmodelle zum irregulären Verlust von Know-how in Unternehmen ... 29
3 Analyse und Bewertung vorherrschender Studien ... 31
3.1 Überblick der Studien ... 31
3.2 Fall- und Schadensanalyse bezüglich Know-how-/Informationsverlusten in Baden-Württemberg ab 1995 ... 33
3.2.1 Analyse und Bewertung der Studie ... 33
3.3 Annual Report to Congress on Foreign Economic Collection and Industrial Espionage 2005 ... 35
3.3.1 Analyse und Bewertung der Studie ... 35
3.4 Trends in Proprietary Information Loss ... 37
3.4.1 Analyse und Bewertung der Studie ... 38
3.5 Studie 2006 zur Wirtschaftskriminalität in Deutschland ... 40
3.5.1 Analyse und Bewertung der Studie ... 40
3.6 2006 ACFE Report to the Nation on Occupational Fraud & Abuse ... 42
3.6.1 Analyse und Bewertung der Studie ... 42
3.7. Wirtschaftskriminalität durch Informationsabflüsse ... 43
3.7.1 Analyse und Bewertung der Studie ... 44
3.8. Wirtschaftskriminalität in Deutschland ... 46
3.8.1 Analyse und Bewertung der Studie ... 46
3.9 Abschließende Bewertung der vorliegenden Studien ... 47
4 Gefahrenquellen, Präventions- und Abwehrmaßnahmen 53
4.1 Gefahrenquellen des irregulären Verlustes von Know-how ... 504.1.1 Personelle Gefahrenquellen ... 50
4.1.2 Technische Gefahrenquellen ... 52
4.1.3 Organisatorische Gefahrenquellen ... 53
4.1.4 Sonstige Gefahrenquellen ... 54
4.2 Präventions- und Abwehrmaßnahmen ... 55
4.2.1 Bedrohungs- und Risikoanalyse ... 57
4.2.2 IT-Sicherheitskonzept ... 60
4.2.3 Personelle Maßnahmen ... 62
4.2.4 Technische Maßnahmen ... 63
4.2.5 Organisatorische Maßnahmen ... 65
4.2.6 Rechtliche Maßnahmen ... 66
4.3 Probleme und Gefahren bei der Einführung und Umsetzung von Maßnahmen ... 68
4.4 Einbindung in ein integriertes Wissensmanagementsystem ... 70
5 Fazit und Ausblick ... 71
Anhang
Anhang A: Die „López-Affäre“: A
Anhang B: Der „Enercon-Fall“: C
Anhang C: Der Fall „Coca-Cola und PepsiCo“: E
Anhang D: Wichtige ausländische Nachrichtendienste im Rahmen der Wirtschaftsspionage G
Anhang E: Fraud-Triangle (doloses Dreieck) nach der Cressey-Hypothese: H
Anhang F: Zeitreihe für 1994-2006 der Polizeilichen Kriminalstatistik zur Entwicklung der registrierten Fälle nach § 17 UWG: ... I
Anhang G: Weitere bekannte Fälle von irregulärem Verlust von Know-how: J
Anhang H: An der Bereitstellung wichtiger Dokumente und Informationen für die Studie des ONCIX beteiligten US-Behörden und US-Ministerien: N
Anhang I: (Nach-)vertragliche Geheimhaltungsvereinbarung mit Arbeitnehmern: O
Anhang M: Protokoll eines Entlassungsgespräches: R
Literaturverzeichnis VII
1 Einführung in die Thematik
Schon Christoph Kolumbus war sich über den Wert von genauen Informationen und des damit in Verbindung stehenden Wissens bewusst. Jedoch gelten Wissen, Know-how und Informationen erst seit den ersten wissenschaftlichen Erkenntnissen zur „knowledge society“2 durch Peter Drucker im Jahr 1968 als einer der strategisch kritischsten Erfolgsfaktoren und als wichtige Ressource im Wettbewerb.3
Aus diesem Grunde ist der irreguläre, in diesem Sinne illegale, durch vorsätzliche Handlung erzwungene Verlust von Know-how in Unternehmen eine ernstzunehmende und massive Gefahr für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit.
Die stetig zunehmende Globalisierung,4 die damit einhergehende Öffnung und Integration neuer Märkte und Länder in den Welthandel sowie der sich rasant beschleunigende Technologiewandel5 - gekennzeichnet durch immer kürzere Produktlebenszyklen mit immer wissensintensiveren Gütern und Dienstleistungen -6 gelten primär als einer der Ursprünge für vielfältige und allgegenwärtige Bedrohungen durch den irregulären Verlust von Know-how.
Infolgedessen stellen diese Bedrohungen neue Herausforderungen an das Management von Wissen, Know-how und Informationen in Unternehmen. Sie erhöhen die immanente Notwendigkeit für den Schutz gegen den irregulären Verlust.
1.1 Historischer und aktueller Kontext
Die ersten historisch überlieferten Ursprünge von irregulärem Verlust von Know-how gehen bis in die Steinzeit zurück. Damals wurden Angehörige fremder Sippen verschleppt, um sie zur Auskunft über die neusten und effizientesten Techniken des Behauens von Feuersteinen verhören zu können.7 Im Laufe der Geschichte wurden die Techniken der Seidenherstellung,8 der Herstellung von Porzellan,9 die Gewinnung von Kautschuk10 sowie die Konstruktion der Dampfmaschine11 mittels irregulärem Verlust von Know-how verbreitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Jedoch ist der irreguläre Verlust von Know-how in Unternehmen bzw. dessen Prävention und Abwehr auch in der Neuzeit weiterhin ein akute Herausforderung: Beispielhaft dafür stehen die „López-Affäre“ und der „Enercon-Fall“ Mitte der 90er Jahre. Im Jahr 2006 sorgte der Fall zwischen Coca-Cola und PepsiCo für weltweites Aufsehen.12
Die sich immer schneller wandelnden Umwelt- und Wettbewerbsbedingungen zwingen Unternehmen dazu ihre Organisation und Unternehmensstrategie stetig anzupassen und weiterzuentwickeln.13 Steigende Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) sowie damit einhergehende komplexere, zeit- und wissensintensivere Produktentwicklungen tragen zu diesem Erfordernis maßgeblich bei.14
Als eine entscheidende Basis für den Erfolg oder Misserfolg dieser Bemühungen gelten Informations- bzw. Wissensvorsprünge.15 Durch sie hebt sich ein Unternehmen von seinen Konkurrenten ab und ermöglicht so eine schnellere und effektivere Anpassung an sich fortwährend ändernde Umweltbedingungen. Menschen und Organisationen waren deswegen seit der Steinzeit darum bemüht nach Informations- bzw. Wissensvorsprüngen zu streben.
Unterstützend wirkt dabei im gegenwärtigen Informationszeitalter, dass sich durch die modernen Technologien der Kommunikation die Übermittlungszeiten von Wissen, Knowhow und Informationen drastisch reduziert und die Kosten dafür minimiert haben.16 Die gleichsam hohe wie schnelle Verfügbarkeit dieser Schlüsselressourcen trägt zudem dazu bei,17 dass sich viele Menschen und Organisationen zu illegalen Handlungen verleiten lassen, um die legale, zeit- und ressourcenintensive sowie risikoreiche Generierung von Informationsbzw. Wissensvorsprüngen zu umgehen.
1.2. Zielsetzung der Arbeit
Ziel der Arbeit ist es, Einblicke in den Themenkomplex des irregulären Verlustes von Knowhow in Unternehmen zu geben und somit dessen Hintergründe und die wichtigsten Ursachen zu erörtern. Folgende Ziele sollen zu diesem Zweck im Detail erarbeitet werden:
[...]
2 Vgl. DRUCKER (1968), S.245-290; BELL (1973); Vgl. zudem folgende Autoren zu Ausführungen über eine „Informationsgesellschaft“: BELL (1979), S. 20-22 u. S. 26; NAISBITT (1982), S. 1; BETTIS/HITT (1995), S. 9f.; PROBST/RAUB/ROMHARDT (1997), S. 17f.
3 Vgl. DRUCKER (1968), S: 245-290; BELL (1979), S. 20-22; PORTER (1980), S. 107; NAISBITT (1982), S. 6-8 u. S. 11; LIEBL (1987), S. 5; PICOT/FRANCK (1988), S. 544f.; PAUTZKE (1989), S. 7f; LEHNER (1993), S. 3; PICOT/REICHWALD (1994), S. 548; KROGH/VENZIN (1995), S. 417 u. S. 431f.; EARL (1997), S. 1; NONAKA/TAKEUCHI (1997), S. 16-18; PROBST/RAUB/ROMHARDT (1997), S. 21; DAVENPORT/ PRUSAK (1998), S. 12-17; BULLINGER/WAGNER/ OHLHAUSEN (2000), S. 77; TEECE (2000), S. 131 u. S. 138f.; ZAHN/FOSCHIANI/ TILEBEIN (2000), S. 244f.; LEHNER (2006), S. 14f. u. S. 17.
4 Vgl. PICOT/REICHWALD/WIGAND (1996), S. 2f.; DAVENPORT/PRUSAK (1998), S. 13; CASTELLS (2001), S. 114-116; BRAKMAN et al. (2006), S. 19 u. S. 26-28 ; KRUGMAN/OBSTFELD (2006), S. 17-20.
5 Vgl. PROBST/BÜCHEL (1994), S. 3; BETTIS/HITT (1995), S. 8f.; GRÜBLER (1998), S. 75-79; BRAKMAN et al. (2006), S. 19.
6 Vgl. TOFFLER (1975), S. 41; BETTIS/HITT (1995), S. 8f.; PROBST/RAUB/ROMHARDT (1997), S. 23; ZAHN/FOSCHIANI/TILEBEIN (2000), S. 243, LAUDON/LAUDON/SCHODER (2006), S. 28f.
7 Vgl. BERGIER (1972), S. 20f.; ULFKOTTE (1999), S. 276.
8 Vgl. BERGIER (1972), S. 20f; AMELUNXEN (1973), S. 54; BOTTOM/GALLATI (1984), S. 11; PIEKALKIEWICZ (1988), S. 69f.; ULFKOTTE (1999), S. 277f.
9 Vgl. BERGIER (1972), S. 23-26; PIEKALKIEWICZ (1988), S. 180-182; ULFKOTTE (1999), S. 281f.
10 Vgl. BERGIER (1972), S. 49f.; AMELUNXEN (1973), S. 54; BOTTOM/GALLATI (1984), S. 12; PIEKALKIEWICZ (1988), S. 186f.; ULFKOTTE (1999), S. 301-303.
11 Vgl. PIEKALKIEWICZ (1988), S. 182-184; ULFKOTTE (1999), S. 291-295.
12 Vgl. dazu die Ausführungen in den Anhängen A, B und C.
13 Vgl. PORTER (1980), S. 3-5 u. 29-33 u. S. 149-152; PAUTZKE (1989), S. 7; PICOT/REICHWALD (1994), S. 548f.; BETTIS/HITT (1995), S. 11; KOGUT/ZANDER (1995), S. 76; LEHNER (2006), S. 2.
14 Vgl. PORTER (1980), S. 30; PICOT/REICHWALD (1994), S. 548; PROBST/RAUB/ ROMHARDT (1997), S. 30.
15 Vgl. PORTER (1980), S. 95f.; BOWER/HOUT (1988), S. 110-113; PICOT/FRANCK (1988), S. 544; STALK (1988), S. 41 u. S. 50f.; KOGUT/ZANDER (1992), S. 390; REHÄUSER/KRCMAR (1996), S. 13f.; NONAKA/ TAKEUCHI (1997), S. 18; PROBST/RAUB/ROMHARDT (1997), S. 42f.; SITT (1998), S. 27f.
16 Vgl. BETTIS/HITT (1995), S. 10; HAMEL/PRAHALAD (1995), S. 57; DAVENPORT/PRUSAK (1998), S. 18; SITT (1998), S. 82; LEHNER/WILDNER/ SCHOLZ (2007), S. 34.
17 Vgl. BELL (1979), S. 21f.; PICOT/REICHWALD/WIGAND (1996) S. 6; GAMM (1998), S. 1; STEWART (1998), S. 7; KRUGMAN/OBSTFELD (2006), S. 18.
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Philipp Wagner, 2007, Analyse, Prävention und Abwehr des irregulären Verlustes von Know-how in Unternehmen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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on Saturday, March 06, 2010-