1. Einleitung
In dieser Hausarbeit erörtere ich das Phänomen des Burnout-Syndroms. Hierfür erläutere ich das typische Krankheitsbild, mit dessen Ursachen, den Symptomen und dem Krankheitsverlauf, woraus sich die Fragestellung ergibt, ob das Burnout Syndrom eine Auswirkung auf die Arbeitswelt hat. Dabei gehe ich von der These aus, dass Burnout sowohl für den Betrieb, als auch für den Arbeitnehmer negative Folgen hat.
Bevor der Bezug zum Berufsleben hergestellt wird, werden zunächst in Punkt 2 Definitionen des Begriffes „Burnout“ vorgestellt und auf die Problematik, die ein Definitionsversuch mit sich bringt, eingegangen. Im darauf folgenden Unterpunkt 2.1 stelle ich die Ursachen und die gängigen Symptome des Burnout-Syndroms dar. Da es hierbei eine Vielzahl an Merkmalen und Kennzeichen gibt, habe ich mich auf die in der Fachliteratur Gebräuchlichsten konzentriert. Nachfolgend wird in Unterpunkt 2.2 der Krankheitsverlauf anhand verschiedener Verlaufsmodelle vorgestellt.
In Punkt 3 werden Verfahren zur Ermittlung und Behandlung von Burnout benannt. Hierfür stelle ich das international anerkannteste Messverfahren für Burnout und ein Beispiel für eine gängige Behandlungsform aus einer psychotherapeutischen Klinik vor. Im Unterpunkt 3.1 werden notwendige Maßnahmen zur individuellen und organisationsbezogenen Prävention des Burnout-Syndroms benannt.
Daraufhin wird in Punkt 4 der Zusammenhang zur Arbeitswelt hergestellt. Die Auswirkungen von Burnout auf das Berufsleben werden dabei durch empirische Ergebnisse belegt.
Abschließend diskutiere ich in Punkt 5 die Problematik bei der Definition und Feststellung von Burnout, die Folgen, die sich daraus ergeben können und die Auswirkungen auf die Arbeitswelt.
Für diese Hausarbeit habe ich vorwiegend wissenschaftliche Beiträge aus Fachliteratur und themenbezogenen Zeitschriften genutzt. Zudem wurden Materialien und Statistiken von Instituten und des Betriebskrankenkassenverbandes verwendet.
2
2. Definition von Burnout
Der Begriff „Burnout“ wird in der Forschung noch nicht lange genutzt. Die erste Erwähnung geht auf den amerikanischen Psychoanalytiker Herbert Freudenberger aus dem Jahr 1974 zurück, der in einem Aufsatz seine Beobachtungen über die Arbeitseinstellung von ehrenamtlichen Mitarbeitern einer Hilfsorganisation festhielt. Demnach veränderte sich deren Verhalten von zuerst motivierten und engagierten Mitarbeitern zu leicht reizbaren und demotivierten Personen. Er schloss daraus, dass dies im Zusammenhang mit einer „außerordentlichen Verausgabung an Energie, Kraft oder psychischen und physischen Ressourcen [der Mitarbeiter]“ stehen musste und beschrieb diesen Vorgang als „Ausbrennen“ (engl. „Burnout“). 1
Es gibt in der Fachwelt bis heute keine generelle Übereinstimmung bezüglich der Definition von Burnout. Es besteht jedoch weitestgehend Einigkeit darin, dass „die Person des Arbeitenden, die Organisations- und Arbeitsbedingungen oder die sozialgesellschaftlichen Verhältnisse im Mittelpunkt der Analyse stehen [sollten].“ Eine der angesehensten Definitionen stammt von Christina Maslach aus dem Jahr 1976. Sie beschrieb Burnout als eine Folge des Zusammenwirkens von emotionaler Erschöpfung, Depersonalisation und reduzierter Leistungsfähigkeit, das besonders bei Mitarbeitern der Humandienste mit engem und beständigem Kontakt zu Menschen auftrete. 2
Es ist allerdings weiterhin problematisch, eine exakte Definition des Burnout-Begriffes zu formulieren. „Beispielsweise ist die Abgrenzung zu Depressionen erschwert, weil in der Symptomatik deutliche Parallelen anzutreffen sind“. Dies bedeutet, dass es aufgrund der großen Reichweite und Anzahl der Krankheitszeichen schwer ist, das Phänomen „Burnout“ von anderen psychischen Erscheinungen zu unterscheiden. Aus selbigem Grund sei es auch generell kaum möglich, alle wesentlichen Aspekte zu benennen, weshalb ein ungenaues Bild der Krankheit und eine undifferenzierte Betrachtungsweise entstehen. „Dies kann darin gipfeln, grundsätzlich bei einem anstrengenden, auch von Misserfolgen begleiteten Beruf von einer Burnout-Symptomatik auszugehen.“ 3
1 vgl. Freudenberger, 1974, S. 159 f
2 vgl. Richter/Hacker, 1998, S. 144
3 vgl. Pfennighaus, 2000, S. 6 f
3
In der 10. Auflage der Internationalen Klassifikation der Erkrankungen (ICD-10) zur Verschlüsselung von Diagnosen in der ambulanten und stationären Versorgung, wird das Burnout-Syndrom in der Kategorie „Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen“ eingeordnet. In der Unterkategorie „Personen, die das Gesundheitswesen aus sonstigen Gründen in Anspruch nehmen“, findet man unter dem Diagnoseschlüssel Z73.0 die Beschreibung „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“, was den Zustand des „Ausgebranntseins“ (Burnout) und den „Zustand der völligen Erschöpfung“ mit beinhaltet. 4
Im Folgenden werden nun die Ursachen der Entstehung von Burnout benannt, sowie die gängigen Symptome und der Krankheitsverlauf erläutert.
2.1 Ätiologie und Symptomatik
Es gibt keine hauptsächliche Ursache für die Entstehung von Burnout. Vorraussetzung dafür ist vielmehr das Zusammenspiel diverser Faktoren in der individuellen Lebenssituation, der Arbeitssituation und den eigenen Werten. „Typischerweise sind Menschen in Berufen mit hohem Arbeitsdruck und wenigen individuellen Gestaltungsmöglichkeiten betroffen (…). Diese Konstellation wird als „high demand, low influence“ bezeichnet.“ So wird das Burnout-Syndrom entweder als Folge eines Überengagements, eines emotional belastenden zwischenmenschlichen Kontakts am Arbeitsplatz oder als Resultat des gesellschaftlichen Wandels verstanden. 5
Individuelle psychologische Faktoren sind neben äußeren Belastungen mitentscheidend bei der Entstehung von Burnout. „Oft wirkt schon die Diskrepanz zwischen hohem persönlichen Einsatzwillen, großen Erwartungen und dem grauen Arbeitsalltag ernüchternd. Dazu kommt in manchen Fällen die mangelhafte gemütsmäßige Belastbarkeit im Umgang mit Patienten, Kunden, Schülern usw. (…) Häufig sind es auch Menschen mit Leistungswillen und Idealismus, die ihren beruflichen Aufgaben zwar gerecht werden wollen, dann aber bitter feststellen müssen, dass die erwarteten Erfolge und Anerkennungen ausblieben (…). So werden Misserfolge im Arbeitsfeld dann nicht nur als Kränkungen, sondern sogar als
4 vgl. Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information, 2006, S. 674
5 vgl. Bergner, 2004, S. 410
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Hendrik Heitland, 2007, Das Burnout-Syndrom, Munich, GRIN Publishing GmbH
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