Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis IV
Abkürzungsverzeichnis V
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise 2
2. Gegenstand und Wesen der Balanced Scorecard (BS)C 3
3. Begriffsverständnis und Charakter der Früherkennung 8
4. Die originäre BSC und ihr Potenzial zur Früherkennung 13
4.1 Die integrative Gesamtsicht und die Perspektiven der BSC 13
4.2 Früh und Spätindikatoren der BSC 16
4.3 - der BSC 18
4.4 Beurteilung der originären BSC im Rahmen der Früherkennung 20
5. Darstellung und Beurteilung der Varianten
- Früherkennung 24
5.1 Ableitung der Kriterien für die Beurteilung der Varianten 25
5.2 Früherkennung innerhalb der Perspektiven der originären BSC 27
PLUS
5.2.1 Die Balanced Scorecard 28
5.2.2 Die Risk Enhanced Balanced Scorecard 30
5.2.3 Beurteilung der Varianten 32
5.3 Balanced Scorecard mit eigenständiger Risikoperspektive 34
5.3.1 Grundlegende Darstellung der Variante 34
5.3.2 Beurteilung der Variante 35
III
5.4 Die Balanced Chance and - 38
5.4.1 Orientierung am Unternehmenswert 39
5.4.2 Strategische Erfolgsfaktoren als Quellen des Unternehmenswertes 40
5.4.3 Wirkungszusammenhänge 42
5.4.4 Beurteilung der Balanced Chance and - 43
5.5 Die - Balanced Scorecard 47
5.5.1 - Balanced Scorecards 48
5.5.2 Supplementäre - 53
5.5.3 Beurteilung der - Balanced Scorecard 54
6. Zusammenfassende Beurteilung der Varianten -
Früherkennung 57
7. Schlussbetrachtung 61
Anhang I: Chancen und Risikoindikatoren der - VII
Anhang II: Konzeptioneller Aufbau einer - VIII
Literaturverzeichnis IX
IV
Abbildungsverzeichnis
Abb 1: Perspektiven der originären Balanced Scorecard 4
Abb 2: Die Balanced Scorecard als Managementsystem 6
Abb 3: Klassifikation von Früherkennungssystemen 10
Abb 4: Frühwarnung Früherkennung und Frühaufklärung 12
Abb 5: Frühindikatoren auf Basis einer Balanced Scorecard 18
Abb 6: Beispiel von - der originären BSC 19
Abb 7: Möglichkeiten einer - Früherkennung 24
Abb 8: Die Balanced Scorecard PLUS 29
Abb 9: Risiken innerhalb der Perspektiven der Risk Enhanced Balanced
Scorecard und zusätzliche Unternehmensumfeldbetrachtung 30
Abb 10: - der Risk Enhanced Balanced Scorecard 31
Abb 11: Balanced Scorecard mit eigenständiger Risikoperspektive 34
Abb 12: Beispiel einer Risikoperspektive der Balanced Scorecard 35
Abb 13: Die Balanced Chance and - 38
Abb 14: - der - 43
Abb 15: Das Konzept der - Balanced Scorecard mit
integrierter Früherkennung 47
Abb 16: Exemplarische Umsetzung eines strategischen Erfolgsfaktors der EFBSC
mit integrierter Früherkennung 50
Abb 17: Beispiel mathematischer Verknüpfungen zwischen Messkriterium und
Frühindikatoren der EFBSC 52
Abb 18: Schematische Darstellung einer supplementären - mit
integrierter - 54
Abb 19: Vergleich der Varianten - Früherkennung 58
V
Abkürzungsverzeichnis
a. Quellen-Abkürzungen
BFuP = Betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis
CM = Controller Magazin
DB = Der Betrieb
DBW = Die Betriebswirtschaft
DStR = Deutsches Steuerrecht
HBR = Havard Business Review
Hrsg. = Herausgeber
KRP = Kostenrechnungspraxis
WiSt = Wirtschaftswissenschaftliches Studium
zfbf = Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung
ZfCM = Zeitschrift für Controlling und Management
ZfgK = Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen
ZP = Zeitschrift für Planung
b. Sonstige Abkürzungen
Abs. = Absatz
AktG = Aktiengesetzbuch
BCR-Card = Balanced Chance- and Risk-Card
BI = Business Intelligence
BSC = Balanced Scorecard
CRM = Customer Relationship Management
DCF = Discounted Cash Flow
EFBSC = Erfolgsfaktoren-basierte Balanced Scorecard
EI = Environmental Indicator
ERP = Enterprise Resource Planning
EVA = Economic Value Added
F-C = Finanz-Controlling
FES = Früherkennungssystem
FIS = Führungsinformationssystem
HGB = Handelsgesetzbuch
I-C = Investitions-Controlling
IDW = Institut der Wirtschaftsprüfer
VI
IT = Informationstechnologie
JA-C = Jahresabschluss-Controlling
KonTraG = Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich
KPI = Key Performance Indicator
KuE-C = Kosten-und Erfolgs-Controlling
L-C = Logistik-Controlling
M-C = Marketing-Controlling
MIS = Management-Informationssystem
MIT = Massachusetts Institute of Technology
MK = Messkriterium
MVA = Market Value Added
P-C = Produktions-Controlling
Personal-C = Personal-Controlling
PS = Prüfungsstandard
RAROC = Risk Adjusted Return On Capital
R-C = Risiko-Controlling
REBS = Risk Enhanced Balanced Scorecard
RM = Risikomanagement
ROCE = Return On Capital Employed
RORAC = Return On Risk Adjusted Capital
RTR = Risk Tracking and Reporting
SEF = Strategischer Erfolgsfaktor
UWK = Ursache-Wirkungszusammenhang
VAR = Value At Risk
V-C = Vertriebs-Controlling
1
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
Die heutigen Unternehmen und Unternehmensumfelder sind von zunehmender Dy- namik und Komplexität gekennzeichnet. 1 Im Rahmen dieser Doppelherausforderung ist die Unternehmenssituation bspw. geprägt von permanent verschärfendem Wett- bewerb, schnellem technologischen Wandel, immer kürzeren Produktlebenszyklen oder Veränderungen der Kundenwünsche. Strategische Entscheidungen sind – spezi- ell im Hinblick auf immaterielle Ressourcen – infolge dieser Turbulenz verstärkt von Unsicherheiten geprägt. 2 In Anbetracht der skizzierten schwierigen Rahmenbedin- gungen wird es für Unternehmen zur kritischen Erfolgsgröße, zeitgerecht zu han- deln. 3 Erforderlich sind an dieser Stelle Informationssysteme, die mit genügend Vor- laufzeit auf zukünftige, für das Unternehmen relevante Ereignisse hinweisen und in diesem Sinne das Management bezüglich der Realisierung von Chancen und der Eingrenzung von Risiken unterstützen. Verstärkt wird die Notwendigkeit zu einer solchen frühzeitigen Wahrnehmung zudem durch das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG), welches Aktiengesellschaften und andere zur besonderen Berichterstattung verpflichtete Unternehmen explizit zur Ein- richtung eines Systems zur Früherkennung auffordert. 4
Vor diesem Hintergrund gewinnt das Kennzahlen- und Managementsystem der Ba- lanced Scorecard (BSC) von Kaplan/Norton immer mehr an Bedeutung. Als Instru- ment zur Umsetzung von Strategien ist die BSC in der Praxis mittlerweile weit ver- breitet. 5 Die strategische Zielumsetzung und die damit einhergehende Strategievisua- lisierung ermöglichen es dabei, „immer ein Auge auf die Risiken zu haben, welche die Umsetzung eben dieser Ziele gefährden.“ 6 Dies deutet implizit bereits auf die Möglichkeit hin, die BSC im Rahmen einer betrieblichen Früherkennung anzuwen- den. 7 Hierzu tragen auch weitere konzeptionelle Charakteristika der BSC bei, wie etwa die Unterscheidung zwischen Ergebnis- und Leistungstreiber und die Berück- sichtigung von Ursache-Wirkungszusammenhängen. Eine Kombination und Integra- tion von BSC und Früherkennung erscheint folglich sinnvoll. In der betriebswirt-
1 Vgl. hierzu und im Folgenden: Morganski (2003), S. 1f.; Link/Weiser (2006), S. 1ff. 2 Vgl. Berger/Buchner (2000), S. 30f.
3 Vgl. Link/Weiser (2006), S. 104f.
4 Vgl. Diederichs (2004b), S. 27ff.; siehe hierzu Kapitel 3 dieser Arbeit.
5 Vgl. Speckbacher/Bischof (2000), S. 802; Weber et al. (2006), S. 9f.
6 Höhner/Rossitsch (2003), S. 221.
7 Vgl. Romeike (2005), S. 24.
2
schaftlichen Literatur lassen sich nun eine ganze Reihe von Varianten BSC- gestützter Früherkennung finden.
1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, aufbauend auf den Grundkonzeptionen von Ba- lanced Scorecard und Früherkennung, die verschiedenen Varianten BSC-gestützter Früherkennung darzustellen und diese hinsichtlich ihrer Vor- und Nachteile zu unter- suchen. Dabei sind folgende Fragestellungen von Bedeutung: Warum ist das originä- re Konzept der BSC zur Früherkennung geeignet? Welche Möglichkeiten gibt es, Früherkennung und BSC zu verbinden und wie sind die verschiedenen Ansätze zu systematisieren? Welche Grenzen existieren in Bezug auf die verschiedenen Integra- tionsvarianten? Und wie sind die Varianten untereinander zu bewerten?
Hierzu soll neben einer anfänglichen Begriffsbestimmung zunächst das Potenzial der originären Balanced Scorecard nach Kaplan/Norton zur Früherkennung von Chancen und Risiken aufgezeigt werden. Dabei sollen insbesondere diejenigen Merkmale der
BSC herausgestellt werden, die eine betriebliche Früherkennung mit Hilfe eben die-
ser BSC ermöglichen können. Danach werden ausführlich die Möglichkeiten einer BSC-gestützten Früherkennung dargelegt. Diese Darstellung wird jeweils durch eine entsprechende Beurteilung der jeweiligen Variante flankiert. Zudem werden vor der Abhandlung Anforderungskriterien abgeleitet, mit deren Hilfe die individuelle Beur- teilung und schließlich eine zusammenfassende, vergleichende Bewertung der Va- rianten möglich gemacht werden soll. Die Arbeit wird mit einer kritischen Betrach- tung der Möglichkeiten und Grenzen BSC-gestützter Früherkennung abgeschlossen.
3
2. Gegenstand und Wesen der Balanced Scorecard (BSC)
Bei der von Kaplan/Norton entwickelten Balanced Scorecard, die mit dem Terminus „ausgewogener Berichtsbogen“ bzw. „ausgeglichenes Kennzahlensystem“ übersetzt werden kann, handelt es sich um ein Kennzahlen- und Managementsystem. 8 Die Vi-
sion und Strategie eines Unternehmens können mithilfe der BSC in konkrete qualita- tive und quantitative Ziele und dazugehörende Messgrößen übersetzt werden. Es wird folglich eine Strategieimplementierung ermöglicht und gleichzeitig eine kenn- zahlenbasierte Darstellung der Unternehmensstrategie erreicht. Die grundlegende Formulierung von Strategien ist damit nicht Gegenstand der BSC, sondern deren präzisere Ausgestaltung. 9 Das Kennzahlen-Konzept der BSC fokussiert dabei auf eine multidimensionale, ausgewogene Kennzahlenbasis. 10 Herauszustellen ist, dass
auf Größen von wirklich essentieller strategischer Bedeutung abgestellt wird, die Erfolgspotenziale, Erfolgspositionen und Wettbewerbsvorteile beschreiben. 11
Abbildung 1 zeigt den grundsätzlichen Aufbau der BSC nach Kaplan/Norton. Als integriertes System von vier ausgewogenen Kennzahlenkategorien beinhaltet die
BSC in ihrer originären Version monetäre Kennzahlen, die über Ursache-
Wirkungsketten mit den für die Unternehmensstrategie bedeutungsvollen Aspekten von Kunden, internen Prozessen sowie Entwicklung und Lernen verbunden sind. 12
Die BSC betont damit die finanziellen Ziele, beinhaltet aber auch deren Leistungs- treiber. Der Interessenlage der Eigner kommt in der Grundversion der BSC somit eine bevorzugte Beachtung zuteil. 13 In diesem Zusammenhang wird vorgeschlagen,
die Anzahl der Messgrößen je Perspektive auf ca. sechs zu limitieren, um die Über-
8 Vgl. Kaplan/Norton (1997), S. 7ff.; Müller-Stewens/Lechner (2001), S. 527f.; Horstmann (1999), S. 193; Kaufmann (1997), S. 421f.; Fratschner (1999), S. 14; Gleich (1997a), S. 432; Bea/Haas (2005), S. 200f.; Steinmann/Schreyögg (2005), S. 271; Greiner (2003), S. 38; die Übersetzung ist zwar vielgebraucht, jedoch irreführend, da es sich bei der BSC nicht nur um ein Berichtsinstru- ment handelt. Vgl. Gleich/Höhner(2002), S.151; siehe zum Praxiseinsatz Weber et al. (2006),S. 9f. 9 Vgl. Kaufmann (1997), S. 422; Horváth (1999), S. 311.
10 Vgl. Weber/Schäffer (2000a),S.1f.; Link/Weiser (2006), S. 46f.; so beschreiben Kaplan/Norton in ihrem ersten Havard-Business-Review-Beitrag die BSC als „a set of measures that gives top man- agers a fast but comprehensive view of the business.“ Kaplan/Norton (1992), S. 71.
11 Vgl. Link/Weiser (2006), S. 47; Klingebiel (2000), S. 75.
12 Vgl. hierzu und im Folgenden: Kaplan/Norton (1997), S. 8; Kaufmann (1997), S. 423; Fratschner (1999), S. 14; Gehra/Samtleben (2005), S. 383; Waldkirch (2002), S. 320; Morganski (2003), S. 17; die von Kaplan/Norton vorgeschlagenen Perspektiven stellen das Ergebnis empirischer Unter- suchungen und Erfahrungen der Autoren dar. Vgl. Wolf (2003), S. 91; Kaplan/Norton (1997), S. 33. Siehe Kapitel 4.1 für eine ausführlichere Darstellung der Perspektiven.
13 Vgl. Klingebiel (1998), S. 8.
4
sichtlichkeit und Handhabbarkeit des Konzeptes zu gewährleisten. 14 „Balanced“ deu- tet nun auf eine gewisse Ausgewogenheit hin, bezüglich: 15
• kurzfristigen und langfristigen Zielen
• monetären und nicht-monetären Kennzahlen
• Früh- und Spätindikatoren
• externen und internen Performance-Perspektiven Diese Ausgewogenheit führt zu einer Sichtweise, die eine ganzheitliche Nachverfol- gung der Entwicklung der Geschäftsvision möglich macht. 16 BSCs können auf Un- ternehmensebene, auf Geschäftsbereichsebene, auf Abteilungsebene oder auf Perso- nenebene entstehen. 17 Durch BSCs auf allen Stufen des Unternehmens werden kas- kadenartig durchgängige, streng visions- und strategiegeleitete Zielketten geknüpft. Hierdurch wird sichergestellt, dass die gesamte Unternehmung an der Strategie aus- gerichtet wird und an der Strategieverwirklichung partizipieren kann. 18
Abb. 1: Perspektiven der originären Balanced Scorecard
Quelle: Kaplan/Norton (1997), S. 9.
Die BSC beschreibt in Bezug auf die Operationalisierung der Strategierealisierung einen Prozessablauf, der die gesamte strategische Unternehmensführung betrifft und
14 Vgl. Kaplan/Norton (1997), S. 159; Greiner (2003), S. 39; Klingebiel (2000), S. 75. 15 Vgl. Kaplan/Norton (1997), S. 10; Kaufmann (1997), S. 123f.; Horváth (1999), S. 307; Piser (2004), S. 147; Müller-Stewens/Lechner (2005), S. 708; Reichmann (2001a), S. 586. 16 Vgl. Horstmann (1999), S. 194; Friedag (1998), S. 292; Günther/Grüning (2001), S. 287. 17 Vgl. hierzu und im Folgenden: Kaufmann (1997), S. 423.
18 Vgl. Bea/Haas (2005), S. 201; Steinmann/Schreyögg (2005), S. 271; Greiner (2003), S. 39.
5
sich schrittweise vollzieht. 19 Ausgehend von der Vision und Strategie werden vom
Top-Management Ziele formuliert, die wiederum übersetzt werden bis hinunter auf die Ebene einzelner Leistungstreiber. Die Ziele werden dabei in Messgrößen über- führt. 20 Es folgt die Vorgabe von Zielwerten und die Veranlassung von Maßnahmen
zur Zielerreichung. Beziehungen zwischen Treibern und Obergrößen müssen heraus- gestellt werden. Solche Ursache-Wirkungsketten existieren zwischen den Perspekti- ven sowie zwischen den Operationalisierungsschritten. Sie werden im Laufe der Strategieumsetzungsdiskussion in einem top-down Prozess zu einem Netz der Ziel- beziehungen erweitert. 21 Die Ursache-Wirkungsbeziehungen sind ein Kernpunkt der
BSC. Sie sind in einer Kausallogik eng an den Wertsteigerungsgrundsatz ange- lehnt. 22
Herauszustellen ist nun, dass im Bedarfsfall die Perspektiven nach Kaplan/Norton auch verändert bzw. ergänzt werden können. 23 Das originäre Vier-Perspektiven-
Modell eignet sich somit nicht für jedes Unternehmen und ist für den speziellen Fall zu modifizieren. Insgesamt liefert das Konzept damit nur einen Denkrahmen, der unternehmensspezifisch auszugestalten ist. 24
Der Aufsatz von Kaplan/Norton „Using the Balanced Scorecard as a Strategic Ma- nagement System“ und das Buch „The Balanced Scorecard: Translating Strategy into Action” stellen nun ausdrücklich den Management-Aspekt der BSC in den Mittel- punkt. 25 Die Balanced Scorecard wird hier beschrieben als „the central organizing
framework for important managerial processes: individual and team goal setting, compensation, resource allocation, budgeting and planning, and strategic feedback
19 Vgl. hierzu und im Folgenden: Link/Weiser (2006), S. 48; Bea/Haas (2005), S. 202; Greiner (2003), S. 39; Reichmann (2001a), S. 592; Wolf (2003), S. 92ff.; Reichmann (2006), S. 592ff.
20 Vgl. hierzu und im Folgenden: Piser (2004), S. 150; Steinmann/Schreyögg (2005), S. 271f. 21 Vgl. Kaplan/Norton (1997), S. 11f.; Horváth (1999), S. 307.
22 Vgl. hierzu und im Folgenden: Kaplan/Norton (1997), S. 144f.; Müller-Stewens/Lechner (2005), S. 708f.; Weber/Schäffer (2000a), S. 2; Horváth (1999), S. 307; Wall (2001), S. 65ff.
23 Vgl. hierzu und im Folgenden: Kaplan/Norton (1997), S. 33f.; Müller-Stewens/Lechner (2005), S. 708 u. S. 711; Kaufmann (1997), S. 422; Unternehmen mit niedriger Fertigungstiefe würden bei- spielsweise eine gesonderte Lieferantenperspektive benötigen. Auch Modelle mit drei Perspekti- ven wie Shareholder, Growth und kontinuierliche Verbesserungsprozesse kommen in der Praxis zur Anwendung. Vgl. Kaufmann (1997), S. 426; weiter wird eine Ergänzung um eine Gesell- schaftsperspektive gefordert. Vgl. Waldkirch (2000), S. 319f., S. 322ff.; siehe insgesamt hierzu auch Günther/Grüning (2001), S. 291f. oder Morganski (2003), S. 18f.
24 Dies ist insofern von Bedeutung, als dass Strategie und Strategieumsetzung die Schaffung von Ein- zigartigkeit ausdrücken und es nicht Ziel sein kann, uniforme Lösungen in Form von „Mustersco- recards“ zu generieren. Vgl. Horváth (1999), S. 314 und die dort angeführte Literatur; Piser (2004), S. 149.
25 Vgl. hierzu und im Folgenden: Kaplan/Norton (1996b), S. 75ff.; Waldkirch (2002), S. 319; Kap- lan/Norton sehen in der Strategieentwicklung den innovativsten Aspekt der BSC, verstehen die BSC aber in erster Linie als Strategieumsetzungsinstrument. Vgl. Kaplan/Norton (1997), S. 261.
6
and learning.” 26 Diese Prozesse bilden einen Regelkreis und unterstützen die Strate- gieumsetzung langfristig (siehe Abbildung 2). 27 Sie sollen im Folgenden kurz skiz- ziert werden:
1. Vision und Strategie werden im Top-Management diskutiert und in konkrete
strategische Ziele und deren operative Steuerungsgrößen übersetzt.
2. Die strategischen Ziele und Maßnahmen werden miteinander verknüpft und
an alle Ebenen des Unternehmens vermittelt und kommuniziert.
3. Im Planungsprozess werden strategische Maßnahmen abgestimmt und Bud-
gets/Ziele definiert, die auch als Messgröße für persönliche Anreizsysteme dienen.
4. Während der Umsetzung erfolgen permanent Abstimmungsprozesse zwi-
schen Weg und Ziel. Es entsteht ein Feedback zur Überprüfung der Zielerrei- chung und die Initiierung von Lernprozessen. 28
Abb. 2: Die Balanced Scorecard als Managementsystem
Quelle: In Anlehnung an Kaplan/Norton (1997), S. 194.
Zusammenfassend ist die Balanced Scorecard als Hypothesensystem zu kennzeich- nen, deren Wesen geprägt ist von Ausgewogenheit, Operationalisierung von Strate- gien sowie komplementäre Verknüpfung von Strategieelementen. 29 Die BSC ist da- mit konzeptionell als Antwort auf eine Reihe von Kernproblemen der Unterneh- menssteuerung zu deuten, die an dieser Stelle noch einmal zusammengefasst wer-
26 Kaplan/Norton (1996a), S. ix.
27 Vgl. hierzu und im Folgenden: Kaplan/Norton (1997), S. 11ff., S. 184ff.; Friedag (1998), S. 294; Gleich (1997a), S. 434; Horváth /Gaiser (2000), S. 17f.; Kaufmann (1997), S. 424; Stein- mann/Schreyögg (2000), S. 233f.; Günther/Grüning (2001), S. 290; Greiner (2003), S. 39. 28 Siehe hierzu auch Hanser/Gaiser (1999), S. 36, die die BSC als Instrument zum Wissensmanage- ment sehen.
29 Vgl. Horváth (1999), S. 309; Kaufmann (1997), S. 424.
7
den. 30 Hierzu gehören der mangelnde Informationsgehalt und die fehlende Eignung finanzieller Kennzahlensysteme, insbesondere bezüglich der Beurteilung immateriel- ler, intangibler Investitionen sowie das fehlende Stakeholder-Management-Konzept für die strategische Planung, die unzureichende Kommunikation und Umsetzung der Unternehmensstrategie und Fragen der Verhaltenssteuerung.
Die Balanced Scorecard ist in ihren Grundzügen in den 1990er Jahren entstanden. 31 Ausgangspunkt war die bereits angesprochene Finanzfokussierung und Vergangen- heitsorientierung bisheriger Kennzahlensysteme sowie die mangelnde Strategieum- setzung. Mit akademischer Beratung von Professor Robert Kaplan initiierte die Be- raterfirma Nolan Norton Institute, unter Führung von David Norton, im Jahr 1990 ein Forschungsprojekt mit 12 US-amerikanischen Großunternehmen unter dem Thema „Performance Measurement“. 32 1992 veröffentlichten Kaplan/Norton die aus der Praxis heraus entwickelten Ergebnisse im Havard Business Review. 33 In einer 1993 veröffentlichten Studie beschrieben sie, wie die BSC genutzt werden kann, „to trans- late .. mission and strategic objectives into operational measures that employees could follow to structure new customer relationships with targeted market seg- ments.” 34 In den darauf folgenden Jahren wurde die BSC in zahlreichen Unterneh- men praktisch umgesetzt und entwickelte sich vom Kennzahlensystem zum Füh- rungs- bzw. Managementsystem. 35
Neben der BSC existiert eine Vielzahl anderer Performance Measurement-Konzepte, die im Vergleich zur BSC teilweise zeitgleich, aber auch schon mit zeitlichem Vor- lauf entwickelt und publiziert wurden. 36 Zu nennen sind hier bspw. das Quantum Performance-Konzept, das Data-Envelopment-Analysis-Konzept, das Tableau de Bord oder die Performance Pyramid, auf die an dieser Stelle jedoch nicht ausführli- cher eingegangen werden sollen.
30 Vgl. hierzu und im Folgenden: Speckbacher/Bischof (2000), S. 796ff.; Horváth /Gaiser (2000), S. 19f.; Weber (2000), S. 5ff.; Simons (2000), S. 186 u. 22f.
31 Vgl. Horváth (1999), S. 305; Speckbacher/Bischof (2000), S. 796; Müller-Stewens/Lechner (2005), S. 708; Greiner (2003), S. 38; Weber et al. (2006), S. 10.
32 Vgl. Horváth (1999), S. 305; Gleich (1997a), S. 432; Gehra/Samtleben (2005), S. 382;unter Perfor- mance Measurement wird die Beurteilung der Effektivität und Effizienz der Leistung und Leis- tungspotenziale unterschiedlichster Objekte im Unternehmen verstanden. Vgl.Bischof(2002),S. 97. 33 Vgl. hierzu und im Folgenden: Kaplan/Norton (1992), S. 71ff.
34 Kaplan (1998), S. 105; vgl. zur Fallstudie auch Kaplan/Norton (1993), S. 134ff.
35 Vgl. Kaplan/Norton (1996b), S. 75ff.; Horváth (1999), S. 306, S. 309; Kaplan/Norton (1996a). 36 Vgl. hierzu und im Folgenden: Gleich (1997b), S. 115f.; Günther/Grüning (2001), S. 283ff.; Grü- ning (2002), S. 23ff.; Klingebiel (1998), S. 1ff.; Gleich (2001), S. 45ff.; Gladen (2002), S. 10ff.; Hoffmann (2002), S. 33ff.; Klingebiel (2000), S. 44ff.
8
3. Begriffsverständnis und Charakter der Früherkennung
In Anbetracht der eingangs erwähnten Kontextfaktoren Variabilität und Komplexität liegt der Aufgabenschwerpunkt der Früherkennung vor allem darin, die Latenzzeit innerhalb der Reaktionszeit zu verkürzen, um eine ausreichende Reaktionszeit zu gewährleisten. 37 Gegenstand der Früherkennung ist folglich „die Wahrnehmung la- tent bereits vorhandener Chancen und Bedrohungen in einem so frühzeitigen Sta- dium, dass noch ausreichend Zeit für eine Planung und Realisierung von Strategien und Maßnahmen zur Nutzung der signalisierten Chancen oder zur Abwehr der ange- zeigten Bedrohungen verbleibt.“ 38 Chancen sind dabei als vermögensmehrende Aus- prägungen zukünftiger Entwicklungen (Gewinnmöglichkeit) zu verstehen. 39 Bedro- hungen bzw. Risiken beschreiben dagegen einen negativen Bereich, d.h. die Gefahr ungünstiger Entwicklungen (Verlustmöglichkeit). Herauszustellen ist an dieser Stel- le, dass sich Chancen und Risiken nicht losgelöst voneinander analysieren lassen. 40 Viele Umweltveränderungen sind ex ante nicht eindeutig als positiv oder negativ einzustufen, sondern können erst nach einer Spiegelung am Kompetenzprofil der Unternehmung bewertet werden. 41 Folglich impliziert der Begriff „Risiko“ in der Literatur oft auch die „Chance“. 42 Für die weiteren Ausführungen soll allerdings auf das dichotomische Begriffspaar „Chance - Risiko“ zurückgegriffen werden.
Die angesprochene Wahrnehmung im Rahmen der Früherkennung von Chan- cen/Risiken entspricht nun einer strukturierten und regelmäßigen Erfassung, Beo- bachtung und Beurteilung kritischer Situationsmerkmale im Bereich des Unterneh- mens und seines Umfeldes mit dem Zweck, Planungsprozesse in Gang zu setzen (Aktivierungsfunktion), Entscheidungen abzuwiegen (Fundierungsfunktion) und sämtliche Alternativen zu berücksichtigen (Optionsfunktion). 43 Konkrete Handlungs- empfehlungen, die eine Planung teilweise ersetzen, sind nicht Gegenstand der Früh-
37 Vgl. Link (2004), S. 124f.; Bea/Haas (2005), S. 293f.; Steinmann/Schreyögg (2005), S. 281. 38 Krystek (1996), S. 266.
39 Vgl. hierzu und im Folgenden: Gleißner/Romeike (2005), S. 9f.
40 Vgl. Romeike (2005), S. 23; Pedell (2004), S. 5.
41 Vgl. Bea/Haas (1995), S. 269; Seidel (1998), S. 363f.
42 Anzumerken ist, dass der Risikobegriff in der betriebswirtschaftlichen Literatur nicht einheitlich definiert wird. Vgl. Gleißner/Romeike (2005), S. 9; Weber et al. unterscheiden Risiken in symmet- rische und asymmetrische Risiken. Ein symmetrisches Risiko ist immer auf eine Entscheidung zu- rückzuführen und beinhaltet neben dem Risiko auch eine Chance. Bei einer asymmetrischen Risi- kosituation steht dem Unternehmen entweder ein Risiko oder eine Chance gegenüber. Vgl. Weber et al. (1999b), S. 1711f.; ähnlich ist die Aufteilung in reines Risiko (Schadensgefahr) und spekula- tives Risiko (aus unternehmerischen Handeln). Letzteres impliziert auch Chancen. Vgl. Bitz (2000), S. 235ff.; siehe zu den verschiedenen Risikoarten: Wall (2003a), S. 667f.
43 Vgl. Link/Weiser (2006), S. 105 und die dort angeführte Literatur; Reichmann (2001), S. 523; Link (2004), S. 125.
9
erkennung. 44 Ein besonderer Bedeutungsschwerpunkt der Anwendung von Früher- kennung ist damit in der Problemstellungsphase und in der Beurteilungs- /Entscheidungsphase zu sehen, da hier insbesondere auf das Signalisieren strategisch relevanter Chancen/Risiken mit zeitlichem Vorlauf abgestellt wird, um noch Mög- lichkeiten zur Initiierung adäquater Maßnahmen zu garantieren. 45
Früherkennungssysteme (FES) als betriebliche Ausprägung von Früherkennung stel- len nun spezielle Arten von Informationssystemen dar, die einen spezifischen Output in Form der oben erläuterten Früherkennungsinformationen generieren. 46 FES ent- sprechen somit in höchstem Maße einer Feedforward-Orientierung bzw. einem Feed- forward-Control. 47 Das Feedforward-Prinzip besagt, dass Veränderungen der Stell- größe im Gegensatz zum Feedback-Prinzip an Input-Kontrollen anknüpfen, d.h., „dass bereits das Auftreten von Störgrößen unmittelbar zu einer solchen Verände- rung der Stellgröße führt, dass es zu keinem Zeitpunkt zu unzulässigen Abweichun- gen der Regelgröße kommt.“ 48 Früherkennungssysteme sind folglich wesentliche Bestandteile eines proaktiven Risikomanagements (RM), indem sie im Rahmen der Risikoidentifikation Gefahren und Chancen für das Unternehmen möglichst frühzei- tig, vollständig und kontinuierlich aufspüren. 49 Insgesamt ist festzuhalten, dass Früh- erkennung geprägt ist von Zeitgewinn, Risikominimierung, Sensibilisierung bzgl. der Relevanz von Umweltbedingungen und Systematisierung, d.h. Vernetzung der sys- tematischen und kontinuierlichen Unternehmensumweltüberwachung. 50
FES werden nun nach vielfältigen Gesichtspunkten klassifiziert. 51 Abbildung 3 gibt
hierzu einen kurzen Überblick. In der Literatur ist die Unterteilung der Früherken- nung in drei Generationen verbreitet. 52 Die erste Generation beinhaltet kennzahlen- und hochrechnungsorientierte Früherkennungssysteme, d.h. FES lassen sich unmit- telbar aus den generellen Unternehmenszielen und aus Teilzielen des Unternehmens
44 Vgl. Wolf (2002), S. 127.
45 Vgl. Krystek/Müller-Stewens (1999), S. 516; Link/Weiser (2006), S. 103ff.
46 Vgl. Link/Weiser (2006), S. 104ff.; Link (2004), S. 124ff.; Hammer (1992), S. 175 bzw. Horváth (2003), S. 398; Bea/Haas (2005), S. 293; Hieber (2003), S. 256.
47 Vgl. hierzu und im Folgenden: Link/Weiser (2006), S. 11f. u. S. 104f.; Link (2004), S. 124 u. S. 118f; Müller (2001), S. 214.
48 Link (2004), S. 119.
49 Vgl. Romeike (2005b), S. 272ff.; Wolf (2003), S. 70f.; Emmerich (1999), S. 1079; siehe zum Be- griff Risikomanagement Wall (2003b), S. 675f. oder Wolf (2003), S. 45ff.
50 Vgl. Kunze (2000), S. 34f.
51 Vgl. Hartmann (2001), S. 18; Link (2004), S. 127; siehe Niemeyer (2004), S. 75ff. für einen umfas- senden Überblick.
52 Vgl. Krystek/Müller (1999), S. 178ff.; Link (2004), S. 125ff.; Klopp (1999), S. 43; Müller (2001), S. 215ff; Horváth (2003), S. 399f; Weber (2004), S. 527f; Bea/Haas (2005), S. 294; Romeike (2005), S. 274f.; Hieber (2003), S. 256.
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ableiten. 53 Es werden folglich vorrangig Kennzahlen und Planungshochrechnungen des Rechnungswesens verwendet. Beide Ansätze sind in Wissenschaft und Praxis von einem hohen Verbreitungsgrad gekennzeichnet. 54
Abb. 3: Klassifikation von Früherkennungssystemen
Quelle: Reichling (1992), S. 234.
Die indikatororientierte Früherkennung ist Teil der zweiten Generation. 55 Kenn- zeichnend für diese Art von FES ist die konsequente und gerichtete Suche nach rele- vanten Entwicklungen auch außerhalb des Unternehmens. Hierbei werden Ursachen- indikatoren verwendet, die die Erreichung der Ziele beeinflussen und potenzielle Problemursachen darstellen. 56 Wesentlich ist, dass möglichst alle essentiellen In- und Umsysteme der Unternehmung abgedeckt werden und dass die Erfassung und Aus- wertung systematisch und regelmäßig erfolgt. Hier kann bspw. die BSC als Struktu- rierungshilfe sinnvoll sein. 57
Die dritte Generation von Früherkennungssystemen fungiert als strategisches Radar und orientiert sich an den strategischen Erfolgspotenzialen der Unternehmung. 58 FES dieser Kategorie basieren auf sogenannten „Soft Facts“, die erstmals 1976 in der „Theorie der schwachen Signale“ von Ansoff angeführt wurden. 59 Als wichtiger Im- pulsgeber auf dem Gebiet der Früherkennung beschreibt Ansoff, dass vage Hinweise der Ausgangspunkt für Diskontinuitäten in den verschiedensten Bereichen sind, d.h.
53 Vgl. hierzu und im Folgenden: Link/Weiser (2006), S. 106; Kühn/Fasnacht (2001), S. 93f; Reinecke (2004), S. 57; Bea/Haas (2005), S. 294f.
54 Vgl. Krystek/Müller (1999), S. 178; Sonnenschein (2005), S. 282; Welge/Al-Laham (1997),S. 798f. 55 Vgl. hierzu und im Folgenden: Link/Weiser (2006), S. 106; Krystek/Müller (1999), S. 179; Reich- ling (1992), S. 238; Bea/Haas (2005), S. 295f.; Liebl (1996), S. 6.
56 Vgl. hierzu und im Folgenden: Link/Weiser (2006), S. 106; Horváth (2003), S. 400; Bea/Haas (2005), S. 295f.; Krystek/Müller (1999), S. 179f.; insbesondere solche Indikatormodelle, die An- satzweise Interdependenzen abbilden und teilweise qualitativen Charakter haben, finden Verwen- dung. Vgl. Liebl (1996), S. 6.
57 Vgl. Romeike (2005), S. 24; Gebhardt (2002), S. 1717.
58 Vgl. Krystek/Müller-Stewens (1999), S. 498f.; Link/Weiser (2006), S. 107; Bea/Haas (2005), S. 298ff.
59 Vgl. Ansoff (1976), S. 129ff.
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kein von Menschen initiiertes Ereignis tritt unvorhergesehen ein. 60 Im Mittelpunkt steht somit das Abtasten von Informationen „überall und zu jeder Zeit.“ 61 Die schwa- chen Signale sind dabei relativ unstrukturierter, qualitativer Natur und lassen anfangs keine präzise Abschätzung zu. 62 Im Rahmen der FES der dritten Generation finden insbesondere die Instrumente Scanning und Monitoring Anwendung. 63 Scanning meint dabei das ungerichtete Abtasten und Rastern des Unternehmensumfeldes, qua- si in einem 360 Grad Radar. Zeitungen oder Expertengespräche stellen hier wichtige Wissensquellen dar. Monitoring stellt dagegen auf eine vertiefte, dauerhafte und ge- richtete Beobachtung ab. Strategisch essentielle Signale können bspw. mit Hilfe von Portfolio-Konzepten, der Trendforschung oder dem Konzept der Balanced Scorecard identifiziert und strukturiert werden. 64
Einige Autoren teilen die erste und zweite Generation von FES der operativen Früh- erkennung zu. 65 Die operative Früherkennung ist nach dieser Meinung folglich von der strategischen Früherkennung zu unterscheiden, die aus der dritten Generation von
FES besteht. Für die vorliegende Arbeit soll die zweite Generation von FES jedoch
nicht allein der operativen Früherkennung zugeordnet werden. Vielmehr wird der Standpunkt vertreten, dass die zweite Generation zum Teil operative und zum Teil strategische Aspekte der Früherkennung vereint (siehe Abbildung 3). Abzugrenzen von der Früherkennung sind die Frühwarnung und die Frühaufklärung, die trotz leicht unterschiedlicher Bedeutungen in der betriebswirtschaftlichen Diskussion – insbesondere im deutschsprachigen Raum – meist synonym verwendet werden (siehe Abbildung 4). 66 Die Früherkennung unterscheidet sich von der Frühwarnung da- durch, dass bei Letzterer lediglich auf das Erkennen von Gefahren abgestellt wird, um rechtzeitig Gegenmaßnahmen einleiten zu können. 67 Frühaufklärung bezieht sich zwar auch auf die frühzeitige Identifikation von Chancen und Risiken, leitet im Ge- gensatz zur Früherkennung aber gleichzeitig adäquate Gegenmaßnahmen ab. 68
60 Vgl. Müller-Stewens/Lechner (2001), S. 151; Bea/Haas (2005), S. 299ff.
61 Krystek/Müller (1999), S. 181.
62 Vgl. Krystek/Müller-Stewens (1999), S. 500; Bea/Haas (2005), S. 301.
63 Vgl. hierzu und im Folgenden: Romeike (2005), S. 25; Müller (2001), S. 218; Wolf (2002), S. 130; Schertler (2004), S. 1480; Müller-Stewens/Lechner (2005), S. 208.
64 Vgl. Link/Weiser (2006), S. 107 und die dort angeführte Literatur.
65 Vgl. hierzu und im Folgenden: Krystek/Müller (1999), S. 178ff.; Krystek (2003), S. 124ff.; Krystek (2005), S. 173; Rauscher (2004), S. 14ff.; Wolf (2002), S. 127ff.; Hartmann (2001), S. 19 und die angeführte Literatur.
66 Vgl. Hammer (1992), S. 175; Wolf (2002), S. 127; Müller (2003), S. 23; Loew (1999), S. 21. 67 Vgl. Romeike (2005), S. 273; Hieber (2003), S. 256; Piser (2004), S. 59 und die dort angeführte Literatur.
68 Vgl. Krystek (1996), S. 266; Wolf (2002), S. 127; Müller-Stewens/Lechner (2001), S. 151; Romei- ke (2005), S. 273.
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Christian Bauer, 2007, Möglichkeiten und Grenzen einer BSC-gestützten Früherkennung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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