Inhaltsverzeichnis
1. Der verkannte Kracauer - Die mangelnde Rezeption des Kracauerschen Werkes in
Deutschland. 2
2. Biografie. 3
3. Werk 4
3.1. Werk und Philosophie 4
3.2. Untersuchung von Massenrevuen, Fotografie und Film 6
3.3. Einzelne Werke 8
3.4. Erkenntnistheoretische Ansichten in „Von Caligari zu Hitler“ am Beispiel von „Das
Cabinet des Dr. Caligari“ 10
4. Die bleibende Aktualität Kracauers 12
Literaturangaben. 13
1
1. Der verkannte Kracauer - Die mangelnde Rezeption des Kra-cauerschen Werkes in Deutschland
Ein Zitat Theodor W. Adornos von 1964 beschreibt die Rezeption des Werkes von Siegfried Kracauer in Deutschland: „In den letzten Jahren wurden in Deutschland eine Reihe von Schriften Siegfried Kracauers wieder zugänglich. Aber das Bild des Autors ist der deutschen Öffentlichkeit aus ihnen, den vielverzweigten, bislang nicht so deutlich geworden, wie es gebührte.“ 1 Adornos Feststellung behält bis heute seine Gültigkeit. So bestätigt Gertrud Koch 1996: „Die Rezeption Kracauers steht noch immer nicht nur auf tönernen, sondern auch noch auf wenigen Füßen.“ 2
Dieser Umstand mag sich aus den vielfältigen Bezeichnungen des Siegfried Kracauers erklären: Neben Publizist, Romancier, Feuilletonist und Essayist stehen hier auch Soziologe, Architekt, Philosoph und Filmwissenschaftler. 3 Kracauer selbst hat sich jedoch nie als „Film-Mann“, sondern als „Kulturphilosophen oder auch Soziologen und als einen Poet dazu [...]“ 4 verstanden. Der Film stellte für Kracauer nur ein Hobby, ein Mittel um gewisse soziologische und philosophische Aussagen machen zu können, dar. Im klassischen Sinne war Kracauer also weder Philosoph noch Soziologe. Sein Werk lässt sich damit nur schwierig in heutige Sparten der Geisteswissenschaften einordnen. Und auch als Publizist konnte er bis heute nicht untersucht werden, da das volle Ausmaß seiner journalistischen Tätigkeit bis heute nicht bekannt ist. 5
Ein weiterer Grund für die mangelnde Rezeption Kracauers ist sein Verhältnis zur „Frankfurter Schule“. Kracauers besonderer Stil - seine Schriften waren anschaulicher, weniger philosophisch als die von Adorno oder Horkheimer - setzte ihn auf Distanz zur Frankfurter Schule. 6 Kracauer grenzte sich aber auch selbst von der Politik des Instituts ab. 7 Es ist deshalb nicht ohne Grund, warum Gertrud Koch Kracauer lediglich als „Verwandten der Frankfurter Schule“ 8 bezeichnet. Obwohl er mit Vertretern wie Adorno und Horkheimer enge persönliche Verhältnisse unterhielt, wiesen diese ihn künstlerisch in die zweite Reihe zurück. 9 Des Weiteren mag auch Kracauers Persönlichkeit die geringe Verbreitung seiner Werke in Deutschland unterstützt haben. Sein Sprachfehler und fremdländisches Aussehen machten es anderen Menschen nicht leicht, ihm nahe zu kommen. Aufgrund seines Sprachfehlers blieb
1 Theodor W. Adorno zitiert in Levin 1990, S. 229
2 Koch 1996, S. 11
3 vgl. Koch 1996, S. 11 und Volk 1996, Titelseite
4 Siegfried Kracauer zitiert in Koch 1996, S. 11 f.
5 s. Schett 1996, S. 293
6 ebd., S. 279 f.
7 Karsten Witte in Bundschuh 1980, S. 7
8 Koch 1996, S. 11
9 s. Schlaffer 1996, S. 51
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ihm auch eine wissenschaftliche Laufbahn an Universitäten der USA versperrt. So blieb Kracauer stets Einzelgänger und Individualist. 10
In dieser Arbeit wird die Persönlichkeit Siegfried Kracauers besonders unter der Berücksichtigung seines vielschichtigen Werkes betrachtet. Im ersten Teil geht es um das Leben Siegfried Kracauers, das vorwiegend von Exilerfahrungen und finanziellen Engpässen, aber auch der Schaffung großartiger Arbeiten geprägt ist. Auf diese wird im zweiten Teil dieser Ausarbeitung näher eingegangen. Dargestellt werden neben seiner Philosophie auch Kracauers Untersuchungen von Massenrevuen, Fotografie und Film. Darüber hinaus werden einzelne Werke Kracauers vorgestellt. Abschließend wird gesondert auf eines der kontroversesten Werke Kracauers, „Von Caligari zu Hitler“, eingegangen und dessen erkenntnistheoretische Überlegungen am Beispiel des Filmes „Das Cabinet des Dr. Caligari“ kurz erläutert.
2. Biografie
Siegfried Kracauer wird am 8. Februar 1889 in Frankfurt am Main als Sohn einer jüdischen Familie geboren. Durch die Anregung seines Onkels Isidor Kracauer, Lehrer am Philanthropin in Frankfurt und Autor der Studie „Zur Geschichte der Juden in Frankfurt am Main 1150-1824“ (Frankfurt a. M. 1925-1927), entwickelt Kracauer schon früh das Interesse am Schreiben. Schon kurz nach Beendigung der Realschule im Jahre 1906 erscheint sein erster Artikel in der „Frankfurter Zeitung“. Im Anschluss studiert Kracauer Architektur in Darmstadt, Berlin und München, wo er 1911 sein Diplom erwirbt. 11 Nebenbei beschäftigt er sich auch mit philosophischen und soziologischen Fragen und besucht Vorlesungen in Philosophie und Soziologie, wobei ihn besonders Georg Simmel prägt. 12 Seine etwa zehnjährige Arbeit als Architekt, die Kracauer von jeher als „Brotberuf“ betrachtet hat, 13 erfüllt ihn „nicht gerade mit Euphorie“ 14 . Während seiner Anstellungen als Architekt in München, Frankfurt am Main und Osnabrück promoviert er 1915 und publiziert Aufsätze in philosophischen Zeitschriften. 1921 wird er Feuilleton-Redakteur für die Frankfurter Zeitung. Kracauers Interesse weitet sich auf den Film aus, wobei für ihn auch als Filmkritiker der gesellschaftliche Aspekt bestimmend bleibt. Ein guter Filmkritiker muss deshalb laut Kracauer auch gleichzeitig Gesellschaftskritiker sein. 15 In diese Zeit fällt auch die Bekanntschaft mit Theodor W. Adorno und Leo Löwenthal - künftigen Vertretern der Frankfurter Schule -, mit denen er eine enge, lebenslange Be- 10 s.Bundschuh 1980, S. 5 ff.
11 vgl. Koch 1996, S. 15 f. und www.suhrkamp.de
12 vgl. Arnold 1980, S. 82 und Bundschuh 1980, S.4
13 s. Bundschuh 1980, S.4
14 Koch 1996, S. 16
15 vgl. Arnold 1980, S. 82, Bundschuh 1980, S.4 f. und www.suhrkamp.de
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ziehung pflegt. 16 Adorno sah in Kracauer einen der wichtigsten Anreger für seine eigenen kulturphilosophischen Arbeiten: „Nicht im leisesten übertreibe ich, wenn ich sage, dass ich dieser Lehre mehr verdanke als meinen akademischen Lehrern.“ 17 Später entstehen auch Freundschaften zu Walter Benjamin und Ernst Bloch. 18 1930 zieht Kracauer mit seiner Frau Lili Ehrenreich nach Berlin um und übernimmt dort die Feuilleton-Redaktion der Frankfurter Zeitung. Die Stimmung in der Berliner Redaktion wird jedoch zunehmend antisemitisch und Kracauer bekommt Gehaltskürzungen. 1933 erfolgt die Emigration der Kracauers nach Frankreich. Das Versprechen, für die Frankfurter Zeitung weiter arbeiten zu können, löst sich bald auf und Kracauer wird entlassen. Daraufhin folgt eine schwierige Zeit im Exil mit finanziellen Engpässen, Kämpfen um Aufträge und Internierung. Vereinzelte Publikationen Kracauers erscheinen in französischen und Schweizer Zeitungen. 19 Bereits in den Jahren des französischen Exils beginnt Kracauer sich auch wissenschaftlich mit dem Phänomen des Faschismus auseinander zu setzen. Nach abenteuerlicher Flucht über Marseille durch Spanien bis Lissabon gelingt den Kracauers im Jahre 1941 schließlich die Emigration in die USA. In den USA ist Siegfried Kracauer dann Stipendiat verschiedener Forschungseinrichtungen, hat aber auch dort finanzielle Probleme und kann sich nie ganz etablieren. In New York findet Kracauer zunächst eine Anstellung an der Film Library des „Museum of Modern Art“. Die nächsten Jahre verbringt er mit Auftragsstudien. 20 1947 erscheint Kracauers „From Caligari to Hitler“ und 1949 beginnt er mit der Arbeit an der „Theory of Film“ - seine beiden größten Werke zum Film. 1952 wird er Forschungsdirektor für Angewandte Sozialwissenschaften an der Columbia University in New York. 21 1966 stirbt Siegfried Kracauer in New York an einer Lungenentzündung. 22
3. Werk
3.1. Werk und Philosophie
Die Werke Siegfried Kracauers spiegeln seine Persönlichkeit als Einzelgänger wider. Sie erscheinen „eigenbrötlerisch“. Übernimmt Kracauer etwas aus der intellektuellen Tradition, so tritt dies immer eigenwillig gebrochen auf. 23 Sein Werk zeichnet ein ungewöhnlicher philoso-
16 s.Koch 1996, S. 17
17 Theodor W. Adorno zitiert in Schett 1996, S. 276
18 s. www.suhrkamp.de
19 vgl. Arnold 1980, S. 82 und Koch 1996, S. 176 f.
20 vgl. Bundschuh 1980, S. 8 f., Koch 1996, S. 177, Müller-Koch 2006 und www.suhrkamp.de
21 vgl. Arnold 1980, S. 83, www.polunbi.de und www.suhrkamp.de
22 s. Koch 1996, S. 178
23 s. Schröter 1980, S. 21
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Arbeit zitieren:
Annira Busch, 2007, Siegfried Kracauer, sein Leben und sein Werk, München, GRIN Verlag GmbH
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