Gliederung:
Gliederung : 2
1. Einleitung 2
2. Der Vorhang des Parrhasios: Anekdote aus „Historia naturalis“ 2
3. Trompe-l’œil und Illusionismus in der Kunstgeschichte 4
4. Der Vorhang als Illusion und Täuschung. 5
5. Analyse und Interpretation „ Die Heilige Familie“ von Rembrandt 6
6. Illusion und Täuschung in der zeitgenössischen Kunst: Tom Früchtl 8
7. Abschliessende Betrachtung 9
8. Literaturverzeichnis. 11
9. Abbildungen 13
1. Einleitung
Die vorliegende Seminararbeit mit dem Titel „Der Vorhang des Parrhasios“ geht der Frage der Augentäuschung in der Kunstgeschichte nach.
Wie von Plinius überliefert, war bereits in der Antike eine wirklichkeitsgetreue und illusionistische Kunst Grund für Wettkämpfe unter Künstlern. Folgend wird neben der antiken Quellen von Plinius dem Älteren auch auf die Illusion und Täuschung zweier verschiedenen Kunstepochen eingegangen: dem Barock und der zeitgenössischen Kunst. Nach einer Analyse der „Heiligen Familie“ von Rembrandt wird das Thema Illusion und Täuschung anhand ausgewählter Werke des zeitgenössischen Künstlers Tom Früchtl skizziert und aufgezeigt.
Der Vorhang des Parrhasios: Anekdote aus „Historia naturalis“ 1
2.
Die „Historia naturalis“ von Plinius dem Älteren (23/24 n. Chr. bis 79 n. Chr.) ist ein umfangreiches antikes Werk. Plinius kann wohl als der erste Sachautor beschrieben werden, der in seinem Werk neben Betrachtungen über die Kosmologie, die Tierwelt oder von der Stellung des Menschen in der Natur, auch über die Kunst geschrieben hat. Er überliefert so eine der ältesten Quellen zu wirklichkeitsgetreuen Darstellungen in der Kunstgeschichte, welche ganz im Zeichen der Mimesis standen, sowie mit der Geschichte des Parrhasios auch eine Anekdote zur antiken Augentäuschung.
„Descendisse (Parrhasios) hic in certamen cum Zeuxis traditur et, cum ille detulisset uvas pictas tanto sucessu, ut in scaenam aves advolarent; ipse detulisse linteum pictum ita veritate repraesentata, ut Zeuxis alitum iudico tumens flagitaret tandem remoto linteo ostendi picturam; atque intellecto errore concederet palmam ingenuo pudore, quoniam ipse volucres fefellisset, Parrhasius autem se artificem.“ (Plinius nat. 35,65) 2 „Er (Parrhasios) soll zu einem Wettstreit gegen Zeuxis angetreten sein, und habe, als jener gemalte Trauben mit so großem Erfolg vorzeigte, dass Vögel auf die Leinwand zuflogen, selber einen gemalten leinenen Vorhang vorgelegt, wobei die Wahrheit so
1 vgl. Gudrun KIEWEG-VETTERS, Trompe-l’œil in der griechischen Malerei und Mosaikkunst,
Wien: 1997.
2 PLINIUS der Ältere, Naturkunde, Lateinisch-Deutsch, herausgegeben und übersetzt von G. Winkler
in Zusammenarbeit mit R. König, München 1993, Buch 35, XXXVI, pp. 55.
2
dargestellt war, dass Zeuxis, der durch das Urteil der Vögel ganz aufgeblasen war, dringend forderte, er solle den Vorhang endlich zurückschlagen und das Bild zeigen. Sobald er seinen Irrtum eingesehen hatte, trat er ihm in aufrichtiger Scham die Siegespalme ab, weil er selbst Vögel getäuscht hatte, Parrhasios aber ihn, den Künstler.“ 3 In „Historia naturalis“ berichtet Plinius also von einem Wettstreit zwischen Zeuxis und Parrhasios. Zeuxis hatte so realistische Trauben gemalt, dass die Vögel herbeiflogen, um nach ihnen zu picken. Parrhasios dagegen malte ein Bild, welches einen nicht minder wirklichkeitsgetreuen Vorhang zeigte. Zeuxis, stolz auf sein Werk, verlangte ungeduldig von Parrhasios, den Vorhang endlich beiseite schiebe, damit er das Bild betrachten könne. Zeuxis bemerkte seinen Fehler und sprach Parrhasios den Sieg zu. Schliesslich hätte er, Zeuxis, zwar die Vögel, Parrhasios aber selbst ihn, den Künstler täuschen können. Eine weitere Anekdote von Plinius zeigt auch, wie sehr Zeuxis dem Ideal eines vollkommen illusionistischen Bildes selbstkritisch gegenübertrat: einmal habe Zeuxis, so berichtet Plinius, ein Bild, das einen Knaben mit Trauben in der Hand darstellte, für schlecht befunden, gerade weil die Vögel nach den gemalten Trauben und nicht nach dem Knaben pickten. Dies habe gezeigt, dass er zwar die Trauben, nicht aber den Knaben täuschend echt gemalt habe, so Zeuxis.
Die Anekdote über den Wettstreit der beiden Künstler ist unter dem Titel „Die Trauben des Zeuxis“ enthalten und ist wohl die bekannteste Geschichte des antiken Trompe-l’œil. Da leider die genaue Darstellung der Trauben nicht überliefert ist, ist natürlich die Frage, wie Zeuxis die Trauben malte: als Stilleben, als eine Weinlaube oder als reine Naturstudie. Im Vergleich zu römischen Wandmalereien und Mosaikkunst sind Darstellungen von Obst in der griechischen Malerei des 5. Jahrhundert weniger bekannt. 4
Im Vergleich zu der Geschichte über die Trauben, handelt es sich bei der Anekdote von Parrhasios um einen anderen Gegenstand, dem Vorhang. Während Zeuxis es „nur“ schaffte, Tiere, eben Vögel, zu täuschen, gelang es Parrhasios, einen Menschen und Künstler zu täuschen.
In der Anekdote wird von dem Vorhang als ein Leinenvorhang (linteum) gesprochen. Die Frage ist nun, wie erkannt werden konnte, dass der Vorhang aus Leinen war, denn im
3 PLINIUS der Ältere, Naturkunde, (cf. n 1), pp.55.
4 vgl. G. KIEWEG-VETTERS, Trompe-l’œil in der griechischen Malerei und Mosaikkunst,
(cf. n. 1), pp. 25.
3
Lateinischen hätten noch die Wörter velum oder aulaeum verwendet werden können. Es kann durch die Wortwahl des Plinius vermutet werden, dass Parrhasios die feine Struktur des Vorhanges so naturgetreu abgebildet hat, dass ein Leinenstoff erkennbar war. Dieser Aspekt würde die Tatsache nochmals unterstreichen, dass Zeuxis dermassen getäuscht werden konnte. 5
Da keine Werke beider Künstler erhalten sind, ist nicht sicher, ob sie überhaupt gelebt haben. Schliesslich muss noch angemerkt werden, dass es nicht möglich sein kann, dass ein Tier, wie in dieser Anekdote der Vogel, auf eine optische Täuschung reagiert. Daher muss diese Geschichte wohl metaphorisch verstanden werden.
Nichtsdestotrotz zeigt die antike Quelle des Plinius, dass die Augentäuschung bereits in der Kunst der Antike ein Thema war und es bereits eine Orientierung am Ideal der Mimesis gegeben haben könnte.
3. Trompe-l’œil und Illusionismus in der Kunstgeschichte
Die ersten Trompe-l’œil entstanden im 17. Jahrhundert, der Begriff dafür kam aber erst gegen Ende des 17. bzw. Anfang des 18. Jahrhundert auf. Ende des 18. Jahrhundert kam es mit der Französischen Revolution zum Niedergang des
Trompe-l’œil in Europa, während es im 19. Jahrhundert in Amerika wieder eine neue Blüte erfuhr. Von den Surrealisten wurde das Trompe-l’œil wieder im 20. Jahrhundert aufgegriffen. Hinter dem Begriff steht die Idee der Augentäuschung, während unter gleichnamiger Malerei (Trompe-l’œil-artige Malerei) „nur dieselbe Technik unter den gleichen oder ähnlichen Bedingungen“ bedeutet. 6
Trompe-l’œil kann unter Illusionismus eingeordnet werden. Der bildliche Illusionismus „[...] geht von der Vorstellung aus, dass ein Gemälde primär als Darstellung eines Gegenstandes und erst in zweiter Instanz als der Gegenstand an sich verstanden wird. Es wird der Wahrnehmungsvorgang des Trompe-l’œils in gewisser Weise umgekehrt.“ 7
5 vgl. G. KIEWEG-VETTERS, Trompe-l’œil in der griechischen Malerei und Mosaikkunst, (cf. n. 1), p. 29.
6 G. KIEWEG-VETTERS, Trompe-l’œil in der griechischen Malerei und Mosaikkunst, (cf. n. 1),
p. 14.
7 G. KIEWEG-VETTERS, Trompe-l’œil in der griechischen Malerei und Mosaikkunst, (cf. n. 1),
p. 15.
4
Arbeit zitieren:
Arzu Cevatli, 2007, Der Vorhang des Pharrasios, München, GRIN Verlag GmbH
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