Freien Universität Berlin.
Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften
Kunsthistorisches Institut
Lofts in Berlin seit 1951
- Vom Fabrikraum zur Luxuswohnung -
Freie wissenschaftliche Arbeit zur Erlangung
des akademischen Grades Magistra Artium
vorgelegt von: Sabrina von der Heide
vorgelegt im: Oktober 2006
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 4
2. Forschungsstand ... 6
3. Zum Begriff zum Begriff »Loft« ... 10
3.1. Der Wandel des Loftbegriffs ... 10
3.2. Was ist »Loft Living«? ... 13
4. Die Anfänge des Lofts ... 15
4.1. New York als Vorreiter des Loft Livings ... 16
4.1.1. Die »Factory« von Andy Warhol ... 19
4.2. Die Entwicklung der Berliner Industrie ... 20
4.2.1. Grundlagen der Frühindustrialisierung Berlins ... 23
4.2.2. Die Industrie ab Mitte des 19. Jahrhunderts ... 24
4.3. Die innerstädtische Industriearchitektur Berlins und ihre Gebäudetypen im 19. und 20. Jahrhundert (als Grundlage für Lofts) ... 26
4.3.1. Die typologische Entwicklung vom Wohnhaus mit gewerblich genutzten Nebengelassen zum Berliner Gewerbehof. ... 31
4.3.2. Die »Berliner Mischung« ... 34
4.4. Die Anfänge der Loftnutzung in Berlin ... 36
4.4.1. Die »Community« ... 39
4.4.2. Gentrifikation ... 42
5. Nutzungsmöglichkeiten von Lofts ... 45
5.1. Grundgestaltungsprinzipien ... 45
5.1.1. Der Grundriss ... 48
5.1.2. Einbauten und Raumteiler – die »zweite Etage« ... 49
5.1.3. Innenausstattung und Möbel ... 50
5.2. Leben im Loft ... 51
5.2.1. Wohnen und Arbeiten ... 52
5.2.2. Kultur und Nachtleben ... 53
6. Lofts in Berlin - die Entwicklung vom Fabrikraum zur Luxuswohnung ... 55
6.1. Die Umwandlung ehemaliger Fabrikgeschossetagen in Lofts - ausgewählte Beispiele ... 56
6.1.1. Berlin-Pankow ... 57
6.1.1.1. Standort Heynstraße 15 ... 57
6.1.2. Berlin-Prenzlauer Berg ... 64
6.1.2.1. Standort Marienburger Straße 10 ... 65
6.1.3. Berlin-Friedrichshain ... 69
6.1.3.1. Standort Kadiner Straße 20a - »Wollgarnfabrik« ... 71
6.1.3.2. Standort Reichenberger Straße 80: Wohnloftquartier »Paul-Lincke- Höfe – Loft Rio« ... 74
6.1.4. Berlin-Wedding ... 79
6.1.4.1. Standort Exerzierstraße 24 ... 80
6.2. Ausblick - Neubaulofts ... 84
6.2.1. Der Loft-Neubaukomplex in Berlin-Mitte, Linienstraße 42/43 ... 85
6.2.2. Das Projekt »Car Loft« in Berlin-Kreuzberg ... 86
7. Fazit ... 88
Anhang... 91
Quellenverzeichnis ... 91
Literaturverzeichnis ... 91
Monographien, Beiträge in Handbüchern und Sammelbänden: ... 91
Zeitschriften ... 95
Allgemeine Online – Nachschlagewerke: ... 96
1. Einleitung
Das Phänomen des »Loft Livings« begann im New York der 60er Jahre, als Andy Warhol in eine leer stehende Fabrikgeschossetage einzog, die durch die Bezeichnung »Factory« Berühmtheit erlangte.1 Von New York ausgehend, ist das Leben in alten Fabrikgeschossetagen dann in den 70er Jahren auch nach Europa gekommen. In vielen Großstädten Europas, wo aufgrund der Industrialisierung große Fabriken und Lagerhallen und so genannte Gewerbegeschossbauten entstanden, die nach und nach zu leer stehenden Gebäuden wurden, zogen ebenfalls wie in New York Künstler, Lebenskünstler und Studenten in diese zu Beginn illegalen Wohnmöglichkeiten ein, um in diesen Räumen leben und arbeiten zu können, ohne hohe Mietpreise bezahlen zu müssen.2
Ab den 1980er Jahren erkannten Stadtplanungsämter, Wohnungsbaugesellschaften, Immobilienmakler und Architekten, dass das Leben in Lofts nicht nur zur Revitalisierung von Innenstädten dient, sondern dass die Vermarktung des Loft Livings eine hohe Nachfrage an kaufkräftigen Interessenten auslöst. Dadurch ist seit einigen Jahren eine absolute Trendwende im Umgang mit industriellem Gebäudeund Flächenbestand erkennbar3, die mit der höherwertigen Umnutzung alter Hafen- und Industrieareale in den 1980er Jahren in vielen Städten mit industrieller Vergangenheit und einer funktionalen Neubestimmung von Standorten und Gebäudekomplexen aus dem 19. Jahrhundert ihren Anfang nahm.4
Während also zu Warhols Zeiten Fabriketagen zu Wohnungen verwandelt wurden, um Geld zu sparen, müssen Loft-Besitzer oder –Mieter heute für den Traum vom individuellen Leben bereit sein, viel Geld auszugeben.5
In dieser vorliegenden Arbeit soll die Entwicklung der ehemaligen Fabrikgebäude, von denen viele zum Abriss deklariert wurden und immer noch werden, zu den ersten Lofts bis hin zu luxuriösen Lofts, mit dem besonderen Blick auf die Innenraumgestaltung herausgestellt werden. Zum Forschungsgegenstand dieser Arbeit gehören nur die Lofts, die sich in Fabrikgeschossbauten befinden, da in diesen Gebäuden das Phänomen »Loft Living« begann.6 Damit unterliegen leer stehende Bauwerke, wie etwa Mühlen, Turbinenhäuser, große Industriehallen und auch leer stehende Schulgebäude oder alte Scheunen in ländlichen Gebieten7 keiner Darstellung und werden somit von der zu behandelnden Thematik ausgegrenzt.
Zunächst wird der Begriff »Loft« und die Thematik des Loft Livings genau erklärt und dargestellt. Daraufhin werden die Anfänge des Lofts herausgearbeitet, bevor auf die Entwicklung der Berliner Industrie und die Industriearchitektur Berlins eingegangen wird, die die Grundlage für die Entstehung des Loft Livings bilden. Es werden besondere Erscheinungsformen, die sich mit der Entwicklung des Lebens in brachliegenden Fabriketagen einstellten, wie die Phänomene der »Community« und der »Berliner Mischung«8, die besonders in Kreuzberg ihre Anfänge hatten, beschrieben und anhand von Beispielen dargestellt. Zur Unterstützung des Verständnisses der einzelnen beschriebenen Loftbeispiele liegt dieser Arbeit ein Bildband bei, dessen zum Lesen parallele Nutzung sich zum besseren Verständnis empfiehlt. Sämtliche Abbildungsnachweise sind dem Bildband beigefügt. Anschließend geht der vorliegende Text auf die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten von Lofts ein, die sich nicht nur in der Grundrissgestaltung und in der Innenausstattung, sondern auch in den verschiedenen sozialen Nutzungsformen, wie z.B. kultureller Einrichtungen, widerspiegeln. Darauf aufbauend werden aus unterschiedlichen Berliner Stadtbezirken insgesamt fünf Lofts als Beispiele für die Umnutzung vom ehemaligen Fabrikraum zur luxuriös eingerichteten Wohnung vorgestellt, beschrieben und miteinander verglichen. Am Ende der vorliegenden Arbeit gibt die Autorin einen kurzen Ausblick auf die Weiterentwicklung des Loft Living- Gedankens von der Sanierung alter Fabrikgebäude zu bereits entstandenen Neubauloftkomplexen.
Verwendete und zitierte Literatur ist im Quellenverzeichnis aufgeführt. Eine Ausnahme bilden Internetquellen, auf die mit vollständiger URL in den Fußnoten verwiesen wird.
2. Forschungsstand
Im Folgenden wird der aktuelle Forschungsstand zum Thema Lofts in Berlin – vom Fabrikraum zur Luxuswohnung dargestellt.
Wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Lofts in Berlin mit dem Schwerpunkt der Innenarchitektur und der Innenausstattung und im Speziellen mit der Entwicklung einer Fabrikgeschossetage zu einer Luxuswohnung existieren bisher nicht.9 Es gibt lediglich zwei deutschsprachige veröffentlichte wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit dem Thema der Loftproblematik befassen. Zum einen wäre das die Arbeit mit dem Titel »Gebäudekunde: Loftliving«10 und zum anderen die Diplomarbeit »Loft Living – ein Umnutzungskonzept ehemaliger Industriebauten zur Revitalisierung von Innenstädten«11.
Die Publikation mit dem Titel »Gebäudekunde: Loftliving« entstand am Lehrstuhl Entwerfen mit dem Schwerpunkt Verkehrsbauten und Arbeitsstätten unter der Leitung des Professors Axel Oestreich der Technischen Universität in Cottbus. Diese Literatur geht unter anderem auf die Entstehung und Geschichte sowie die Bauweise von Gewerbehöfen in Berlin anhand einiger Beispiele ein. Darunter befinden sich die Paul-Lincke-Höfe in Berlin-Kreuzberg12, der Gewerbehof in der Cuvrystraße 20 bis 23, der sich ebenfalls in Berlin-Kreuzberg befindet und die Gutenberg Druckerei im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. 13 Zusätzlich zu den Beispielen der ehemaligen Fabrikgeschossgebäude wird in dieser Arbeit auch die Thematik des Loft Livings erläutert.
Die wissenschaftliche Abschlussarbeit des Fachbereiches Immobilienwirtschaft der Autorin Cassandra Müller der Fachhochschule Nürtingen mit dem Thema »Loft Living – ein Umnutzungsungskonzept ehemaliger Industriebauten zur Revitalisierung von Innenstädten« geht ebenfalls auf die Thematik des Loft Livings ein, beschränkt sich aber vor allem auf den Schwerpunkt der Wirtschaftlichkeit der aufgeführten Beispiele von Loftumnutzungsprojekten verschiedener Städte in Deutschland, bei denen ebenfalls die Paul-Lincke-Höfe in Berlin-Kreuzberg und auch die Edsion-Höfe in der Schlegelstraße 26/27 in Berlin-Mitte dargestellt sind.14
In diesen beiden Arbeiten werden vor allem Fabrikumnutzungskonzepte aus Berlin als Beispiele herangezogen. Die Konzentration dieser wissenschaftlichen Arbeiten liegt insgesamt betrachtet vor allem auf dem Verlauf der Sanierung bzw. Umnutzung von leer stehenden Gebäuden, die ehemals für gewerbliche und industrielle Zwecke errichtet wurden. Auf die Grundrissgestaltung und die Innenausstattung von Lofts wird in dieser Literatur nicht eingegangen.
Neben der oben aufgeführten Literatur existiert weiter eine große Anzahl nichtwissenschaftlicher Veröffentlichungen zum Thema Lofts. Der größte Teil dieser Publikationen besteht im Allgemeinen aus einer kurzen Einleitung und einer kurzen Erklärung des Begriffs »Loft«, auf die eine knappe Darstellung zur Entstehung dieses Wohntypus folgt. Der Hauptteil dieser Literatur beschränkt sich ausschließlich auf Abbildungen von Lofts mit einer Angabe der Stadt, in der sich das Loft befindet sowie einer unvollständigen Darstellung einiger Einrichtungsgegenstände, die sich in den jeweiligen Lofts befinden.15 Diese Bildbände präsentieren hauptsächlich Loftbeispiele aus New York, vereinzelt aber auch aus größeren Metropolen Europas, wie Spanien, Italien, England oder Frankreich.16 Andere Publikationen wiederum dienen dem Leser lediglich als Ratgeber im Zusammenhang mit der Umnutzung von alten Fabrikgebäuden und gehen oberflächlich auf die vielen Möglichkeiten einer Sanierung, Modernisierung und Innenraumgestaltung ein.
In den Zeitschriftenbeständen der Fachbibliotheken für Architektur und Kunstgeschichte der Berliner Universitäten und Fachhochschulen, die sich überwiegend auf Architektur im Allgemeinen und Innenarchitektur im Speziellen beziehen, werden einige Loftprojekte im Einzelnen erwähnt, aber kaum so dargestellt, dass anhand des auffindbaren bzw. vorhandenen Materials eine bestimmte Entwicklung eines ehemaligen gewerblichen Raumes in Berlin zu einem »Luxusloft« mit einer genauen Darstellung auf die Innenraumgestaltung nachvollzogen werden kann.
[ ... ]
1 Vgl. Tectum (Hrsg.), Lofts in Berlin, Antwerpen 2002, S. 19.
2 Vgl. Prokosch, Thilo, Gebäudekunde – Loftliving, Cottbus 1998, n. p. (192).
3 Vgl. Prokosch (1998), n. p. (153).
4 Vgl. Müller, Cassandra, Loft Living – ein Umnutzungskonzept ehemaliger Industriebauten zur Revitalisierung von Innenstädten, Nürtingen 2002, S. 6.
5 Vgl. Text: Leben im Loft – Große Freiheit und cooles Lebensgefühl, URL: http://www.rponline.de/public/article/themenwelt/immobilien/bauen/92231, Stand: 21.06.2005, zuletzt eingesehen am 22.10.2006.
6 Vgl. Vance (1999), S. 6.
7 Vgl. Vance, Peggy, Wohnen im Loft, Herford 1999, S. 62-81.
8 Vgl. Prokosch, Thilo, Gebäudekunde - Loftliving, Cottbus 1998, n. p. (90ff.), die Bezeichnung Berliner Mischung wird unter 4.3.2. dargestellt.
9 Stand: Oktober 2006.
10 Vgl. Prokosch, Thilo, Gebäudekunde – Loftliving, Cottbus 1998.
11 Vgl. Müller, Cassandra, Loft Living – ein Umnutzungskonzept ehemaliger Industriebauten zur Revitalisierung von Innenstädten, Nürtingen 2002.
12 Vgl. Loftbeispiel Standort Reichenberger Straße 80, Punkt 6.1.3.2.
13 Vgl. Prokosch (1998), n. p. (87ff., 149ff.).
14 Vgl. Müller (2002).
15 Vgl. Vance, Peggy, Wohnen im Loft, Herford 1999.
16 Vgl. Canizares, Ana Cristina G., Loft design source, New York 2004, vgl. auch Cuito, Aurora (Hrsg.), Lofts, Massachusetts 2004; Bahamon, Alejandro, New loftspace design, Köln 2004; Schleifer, Simone (Hrsg.), Das große Loftbuch, Köln 2005.
Arbeit zitieren:
Sabrina von der Heide, 2006, Lofts in Berlin seit 1951 , München, GRIN Verlag GmbH
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