Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG 3
DER KÖNIGSMORD 1208 4
Historischer Abriss der Ereignisse unmittelbar vor der Tat 4
Der Täter: Otto von Wittelsbach 5
Der Helfershelfer: Heinrich von Istrien 6
Der Nutznießer: Bischof Ekbert von Bamberg 7
Weitere Mitverschwörer? 9
DIE FOLGEN DES KÖNIGSMORDS 10
FAZIT 10
BIBLIOGRAPHIE 12
2
Einleitung
Am 21. Juni 1208 lagen Freude und Trauer, Ausgelassenheit und Bestürzung so nah bei einander wie kaum. Gerade waren die Gäste und das Brautpaar einer rauschenden Hochzeitsfeier aus Bamberg abgereist, da musste auch schon eine Beerdigung zelebriert werden. Das Opfer: König Phillip von Schwaben. Der Staufer auf dem Höhepunkt seiner Macht gegenüber dem Gegenkönig Otto IV von Braunschweig hatte gerade das Hochzeitspaar, seine Nichte Beatrix von Burgund und Otto von Andechs-Meranien, selbst noch vermählt. Er ruhte sich zu Ader gelassen aus, als sein Mörder Otto von Wittelsbach das Zimmer stürmte und mit einem gezielten Streich zum Hals erst Philipp und dann auch noch dessen Truchsess Heinrich von Waldburg niederstreckte 1 .
Im Reich brach Chaos aus. Der Reichsfriede war mit dem Tod des Königs dahin 2 . Die politische Situation durcheinander gewirbelt, ja ganz auf den Kopf gestellt durch einen Mann, der eigentlich durch ein Bündnis mit seinem Opfer vertraglich gebunden war, und der an dessen Seite kämpfte. Persönliche Rache lautete die gängigste Antwort auf die Frage nach den Motiven von Otto von Wittelsbach für diesen Mord. Die Bestrafung erfolgte zügig: Auf dem Frankfurter Hoftag im November 1208 wurden Otto von Wittelsbach und zwei zur Beihilfe zum Mord verdächtigte Brüder aus dem Hause Andechs-Meranien, Bischof Ekbert von Bamberg und Markgraf Heinrich von Istrien, für friedlos erklärt 3 . Die Friedloslegung war eine noch schwerere Strafe als Acht und Oberacht, denn sie war unlösbar. Ein sicher gerechtfertigtes Urteil für einen Mord. Aber war es wirklich eine Tat aus persönlichen Motiven oder gab es weitere Beweggründe? Hatte man überhaupt alle Beteiligten als Täter überführen können, oder sollte es noch andere Hintermänner geben, die vom Tod des Königs profitieren konnten?
Im Rahmen dieser Arbeit können diese Fragen nur unzureichend, wenn überhaupt, beant-wortet werden. Aus der zeitlichen Distanz betrachtet scheinen die Bamberger Ereignisse wie eine mittelalterliche Kriminalgeschichte, die nun teilweise neu aufgerollt werden soll. Nach ein kurzen Überblick über die damalige politische Lage, rücken im Hauptteil dieser Hausarbeit die drei Verurteilten in den Mittelpunkt. Anhand ihrer möglichen Motive soll versucht werden eine Antwort auf die aufgeworfenen Fragen zu finden .
1 Winkelmann, E.: Philipp von Schwaben und Otto IV von Braunschweig, Darmstadt 1963 (Nachdruck der
Leipziger Originalausgabe von 1873), Bd. 1 S. 466
2 Csendes, P.: Philipp von Schwaben, Darmstadt 2003, S. 193
3 Hucker, B.: Der Königsmord von 1208. Privatrache oder Staatsstreich? In: H. Lothar (Hg.): Die Andechs-
Meranier in Franken, Mainz 1998 S. 111
3
Obwohl Otto IV in den Jahren 1202/03 seine Machtposition durch Bündnisse mit den Fürsten von Böhmen und Thüringen, sowie dem dänischen König enorm ausbauen konnte und er sogar die erneute Unterstützung Englands erlangen konnte, waren diese Erfolge in den Folgejahren mehr Schein als eine wirkliche Umkehr der Machtverhältnisse 4 . Die englische Niederlage und der Verlust der Normandie 1204 spiegelten auch das Kräfteverhältnis im deutschen Thronstreit passend wieder. Die eindeutige Dominanz Philipps von Schwaben wird auch daran deutlich, dass nicht nur der Bruder Ottos IV, der Pfalzgraf Heinrich, sich dem Staufer zuwandte, sondern auch der größte Unterstützer des Welfen bei der Königswahl, Adolf von Köln 5 . Seit der erneuten Wahl mit anschließender Krönung am 6.Januar. 1205 war Philipp entgültig seinem welfischen Widersacher überlegen, der in der Folgezeit eine militärische Niederlage nach der anderen einstecken musste 6 . Im Sommer 1208 plante Philipp den letzten welfischen Widerstand mit einer eindeutigen militärischen Übermacht in Braunschweig zu brechen. Dieser Heereszug wäre wohl erfolgreich gewesen, doch die Ereignisse in Bamberg machten alle Planungen zu Nichte, und es fand innerhalb kürzester Zeit eine Umwälzung der Situation statt: Otto trat aus seiner Rolle als Gegenkönig heraus, schaffte die Vereinigung der beiden verfeindeten Häuser und hatte auf einmal die Unterstützung aller Anhänger, die zuvor fest an der Seite Philipps gestanden waren. 7
Alles bloß ein Zufall, durch die Tat eines Einzelnen mit persönlichen Motiven, oder steckte doch mehr dahinter? Es ist nicht leicht, die damaligen Ereignisse aus einer zeitlichen Distanz von fast 800 Jahren genau nachzuverfolgen. Durch die Analyse der drei wichtigsten beteiligten Personen und deren Intentionen können jedoch weitere Aspekte ergründet werden, die die Vermutung bestätigen, dass es möglicherweise doch nicht die Tat eines Einzelnen war.
4 Hampe, K.: Deutsche Kaisergeschichte, Heidelberg 1949, S. 247
5 Hampe, K.: (1949), S. 247
6 Besonders schmerzlich dürfte die Eroberung Kölns durch Philipp im Jahre 1206 gewesen sein, da dies Ottos
Hauptstützpunkt gewesen ist. Vgl.: Hampe, K.: Deutsche Kaisergeschichte, Heidelberg 1949, S. 247
7 Hampe, K.: (1949), S. 249
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Arbeit zitieren:
Martin Gruner, 2004, Die Entscheidung im Streit um die Krone: Der Königsmord zu Bamberg 1208, München, GRIN Verlag GmbH
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