Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
IfK - Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaften
Hauptseminar (P5): Humor in den Medien
WS 2005/2006
′Spiegel-verkehrt′
Ungewollter Sprachwitz am Beispiel Hohlspiegel
Anita Müller
7. Semester
10.10.2006
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1. Einleitung 3
2. Der Witz als Textsorte 4
2.1 Zur Komik 4
2.2 Klassifizierung des Witzes allgemein 5
2.2.1. Notwendigkeit einer sprachwissenschaftlichen Betrachtung 5
2.2.2. Definitionen des Witzes: Forschungserkenntnisse 6
2.2.3. Genaue Einordnung des Untersuchungsgegenstandes 8
2.3. Der ungewollte Witz 9
2.3.1 Sprachliche Fehlleistungen mit komischem Effekt 9
2.3.2. Ausprägungen des unfreiwilligen Witzes 11
3. Der Hohlspiegel als Rubrik 12
3.1 Zur Bezeichnung 12
3.2 Einordnung im Magazin Spiegel 13
3.3 Ausdehnung in verschiedenen Textsorten und -quellen 14
4. Textbeispiele 15
4.1 Auswahlkriterium 15
4.2 Vielfalt der Zitate nach Herkunft 16
4.3. Vielfalt der Zitate nach Art der Irritation 19
4.3.1. Bezugsverschiebung durch Satzbau- und Ausdrucksfehler 19
4.3.2. Dopplungen und ′Wortungeheuer 23
4.3.3. Unpassende Wortwahl 24
4.4. Exkurs: Kurioses 26
5. Schlußbemerkung 27
Literaturverzeichnis 29
1. Einleitung
Humor in den Medien ist weit verbreitet. Täglich sehen wir uns mit einer Flut von Comedy-Sendungen im Fernsehen konfrontiert. Daß Humor aber auch in anderen Medien existiert, die diesen nicht als primären Gegenstand ihrer Arbeit sehen, wird oft vergessen. Zeitungen und Zeitschriften versuchen ihrem Leser ein seriöses Bild von Nachrichten- und Informationsübermittlung zu vermitteln. Bei genauer redaktioneller Arbeit können natürlich Formfehler in der Schriftsprache entstehen – meist bleiben diese aber unbemerkt, da sie in der Flut von Gedrucktem untergehen. Schade eigentlich, denn viele dieser Formfehler sind höchst amüsant! Sei es, weil der Lektor schlichtweg nicht aufgepaßt hat und die Fehler aus Unachtsamkeit ins Auge springen oder der Verfasser so übereifrig war, daß er übertriebene Formulierungen verwendet hat, und zwar so, daß eine Komik entsteht.
Wie kann Komik aus rein sprachlichen Fehlleistungen entstehen? Was genau macht einen Witz aus, der NICHT inhaltlich zu sehen ist?
Diese Fragen sollen im Laufe der vorliegenden Arbeit erörtert werden. Ich arbeite mit dem buchstäblich unnachahmlichen Witz im Hohlspiegel, einer Sammlung wirklich auffälliger Formulierungen, die, überlegt oder unüberlegt, aus den verschiedensten (meist) Printmedien zusammengetragen worden sind und ihren komischen Effekt in konzentrierter Ladung entfalten. Weil diese sprachlichen Ausrutscher leider beim täglichen Lesen oft übersehen werden aber den echten Witz ausmachen, sollen sie näher untersucht werden, denn konstruierte Witze sind teilweise so bemüht, daß sie kaum mehr komisch sind. Erzählt man heute denn noch Witze im klassischem Sinn á la ′kennst du den....′ oder liest man heute gar noch aus Witzbüchern vor? Nein. Es werden Anekdoten erzählt, die wir selbst erlebt
oder gesehen haben, die in unserem wahren Leben geschehen.
Leider wird dem spontanen, nicht-intendierten Witz auf Papier allgemein wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Der Witz an sich ist veraltet. Obwohl oder gerade weil der Witz in sprachwissenschaftlicher Hinsicht allgemein statisch geblieben ist, werden im theoretischen Teil dieser Arbeit meist Abhandlungen von Pionieren der Witzforschung, aus den 70er oder 80er Jahren, Grundlage sein, denn auch der spezielle Witz im Hohlspiegel benötigt ein Fundament, ohne daß er nicht erklärt werden kann. Klassische Witze werden – auch auf Rücksichtnahme auf den Leser – nicht als Beispiele dienen, da es sich bei den Hohlspiegel-Zitaten um Besonderheiten handelt, die in der Witzforschung meist nur am Rande erwähnt werden, und sie außerdem dem Thema zu fremd sind. Durch die hinreichende theoretische Erklärung unseres Untersuchungsgegenstandes ist die Zitierung von klassischen Witzen überflüssig. Es geht lediglich darum, Stück für Stück dem Phänomen des ungewollten Sprachwitzes näher zu kommen.
Folgend wenden wir uns dem Hohlspiegel als ′unserem Medium′ zu. Hierbei wird der Hohlspiegel als Forum der Sprachwitze, und ferner auch in Zusammenhang mit dem Nachrichtenmagazin Spiegel betrachtet. Da es über den Hohlspiegel selbst keine Literatur gibt, werden Erkenntnisse aus dem theoretischen Teil über den Witz mit Aussagen von Verfassern von Literatur über den Spiegel gemacht werden, um den Untersuchungsgegenstand einen Rahmen zu geben. Des weiteren werden Aussagen über das Auswahlkriterium zum vorliegenden Korpus getroffen.
Im praktischen Teil dieser Arbeit werden zahlreiche Beispiele aus dem Hohlspiegel in sprachwissenschaftlicher Hinsicht näher beleuchtet. Obwohl der fähige Leser natürlich den Sprachwitz erkennt, so wird er dennoch etwas näher betrachtet werden, um die einzelnen Besonderheiten der verschiedenen Fälle näher herauszustellen. Zusammengefaßt soll mit dieser Arbeit eine Analyse des ungewollten Sprachwitzes anhand des Hohlspiegel erfolgen. Hohlspiegel-Zitate als Witze zu untersuchen ist bisher – zumindest was die Literaturrecherche ergab – versäumt worden.
Schade, denn es gibt so viel zu entdecken.
[...]
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Anita Müller, 2006, Spiegel-verkehrt, Munich, GRIN Publishing GmbH
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