Universität Tübingen 18. Juni 2001 Institut für Soziologie Seminar: Familiensoziologie
Sommersemester 2001
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Phänomene wie die Emanzipierung der Frau und rechtliche Verbesserungen im Arbeitsgesetz bezüglich der Gleichstellung sind Zeugnis dafür, dass die Frau in dieser Gesellschaft nicht immer den Stand und die Rechte hatte, wie heute. Doch ob sich die Lage der Frau tatsächlich im Vergleich zu früher gebessert hat soll anhand dieses Referats beleuchtet werden. Dazu werden hier Aufsätze von Keddi, Seidenspinner, Rerrich und Weidenfeld herangezogen, die sich mit Arbeitsteilung, Ungleichheit und Rollenverständnis befasst haben.
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(Seitenzahlen in diesem Abschnitt beziehen sich auf die Literaturangabe Keddi/Seidenspinner) 1977 trat das neue Familienrecht in Kraft, welches die geschlechtsspezifische Arbeits- und Rollenteilung zwischen Frau und Mann aufhob und damit beide Partner dazu veranlassen sollte gleichermaßen im Haushalt mitzuwirken. Die Vorstellung der partnerschaftlichen Arbeitsteilung in Haushalt und Familie hat sich in der Öffentlichkeit 10 Jahre nach Einführung des Familienrechts durchgesetzt. Sind Frauen in einer Partnerschaft vollzeit-berufstätig, so werden sie meist mit einer Doppelbelastung konfrontiert, da sie in der Regel neben der Arbeit noch den Haushalt verrichten. Daraus lässt sich ableiten, dass die Arbeitsteilung im Haushalt praktisch nicht stattge-funden hat, was für alle Altersgruppen, Schichten und Lebensformen gilt (160). Die häusliche Arbeitsteilung gilt also als ein Indikator für soziale Ungleichheit zwischen den Geschlechtern (161).
Mit diesen Aussagen wäre ein Fazit quasi schon vorweggenommen. Was hier jedoch noch interessieren soll, ist, wie und warum es zu dieser Doppelbelastung der Frau kommt, und warum oder weshalb sie sich diese Ungerechtigkeit „gefallen” lässt. Männliche Partner begrüßen zwar die partnerschaftliche Organisation des Haushalts, doch lediglich in der Theorie. An der Umsetzung hapert es. Dazu soll an späterer Stelle mehr gesagt werden (160).
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Eine Mädchenbefragung von Seidenspinner und Burger (1982) hat übrigens verdeutlicht: Mädchen lehnen Hausarbeit ab, werden von der erwerbstätigen Mutter zu deren Entlastung jedoch herangezogen. Die Söhne werden dagegen weitgehend verschont. Daher wünschen sich Mädchen einen Partner, der die Arbeitsteilung umsetzt; die Jungs bevorzugen hingegen die traditionelle Arbeitsteilung (161).
Es gibt jedoch einen Hoffnungsschimmer bezüglich der Arbeitsteilung, denn bei jüngeren, unverheiratet zusammenlebenden Paaren ohne Kinder und bei Paaren mit einem höheren Bildungsgrad der Frau findet die Aufgabenverteilung in Haushalt und Alltag eher statt, als in traditionellen Familien. Es lässt sich also sagen: Kinder, Ehe und Ehedauer wirken der Arbeitsteilung bislang entgegen (161). Gleiches gilt für Entscheidungen. Moderne Partnerschaftsbeziehungen sind auch hierbei, in der Regel, viel liberaler als traditionelle.
Je mehr Kinder in einer Partnerschaft sind, desto höher ist der Anspruch des Mannes Karriere zu machen. Mögliche Gründe hierfür sind das genervt sein durch die Kinder aber auch die Notwendigkeit die höhere Kostenbelastung durch einen größeren Verdienst auszugleichen.
Junge Väter beschäftigen sich eher mit ihren Kindern als mit den „minderwertigen” häuslichen Arbeiten. Die Frau, so könnte angenommen werden, die durch die Einführung von Haushaltsgeräten deutlich in der Hausarbeit entlastet sein sollte, Verrichtet jedoch tatsächlich nach Feierabend des Mannes die noch nicht erledigten Hausarbeiten (162). Wie es um die tatsächliche Arbeitszeit exklusive der Pausen beider Geschlechter bestellt ist, soll hier allerdings nicht bewertet werden.
Keddi und Seidenspinner bauen ihre Thesen auf Umfrageergebnisse auf. Dabei fällt zunächst auf, Ehemänner schätzten ihre Mitarbeit im Haushalt höher ein, als ihre Frauen. Der Grund hierfür sind zum einen subjektive geschlechtsspezifische Wahrnehmungsunterschiede, aber auch die Interviewmethode. So wurden die Antworten der Männer vom Geschlecht des Interviewpartners beeinflusst. Der sozialen Erwünschtheit willen gaben Männer gegenüber weiblichen Interviewerinnen häufiger an, im Haushalt mitzuarbeiten, als gegenüber Männern. Durch gleichmäßige Verteilung von weiblichen und männlichen Interviewern erhielt man jedoch ein repräsentatives Umfrageergebnis. Umgekehrt gilt gleiches auch für die Frauen.
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Arbeit zitieren:
Robert Conrad, 2001, Partnerschaft und Arbeitsteilung, München, GRIN Verlag GmbH
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