Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Hauptteil 3
2.1. Zum Begriff „literarisches Motiv“ 3
2.2. Leitmotive 4
2.3. Weitere Motive 6
2.3.1. Situationsmotive 6
2.3.2. Typusmotive 7
2.3.3. Raummotive 8
2.3.4. Zeitmotive 8
2.3.5. Dingmotive 9
3. Schlussbemerkung 10
4. Literaturverzeichnis 11
2
1. Einleitung
Georg Büchner begann die Arbeit an der Erzählung „Lenz“ bereits 1835. Das Werk ist nie vollendet worden, es befindet sich aber in einem fortgeschrittenen Entwurfstadium. Es handelt sich also um ein Fragment, welches erst posthum veröffentlicht wurde. Die Novelle erzählt von der Figur des jungen Künstlers Lenz, der zunehmend dem Wahnsinn verfällt. Besonderen Wert legte Büchner, der u. a. Medizin studierte, auf die Beschreibung des Krankheitsverlaufes, vor allem aus Lenz eigener Sicht. In dieser Arbeit wird untersucht, welche literarischen Motive der Autor einsetzt. Weiterhin wird eruiert, wie diese Motive unter anderem Lenz Gefühlswesen, seine Einsamkeit und Krankheit veranschaulichen. Es werden die Leitmotive, z. B. die zahlreichen Landschaftsbeschreibungen und Symbole der religiösen Welt, sowie weitere prägnante Motive auf ihren Einsatz und ihre Wirkung in der Erzählung untersucht.
2. Hauptteil
2.1. Zum Begriff „literarisches Motiv“
Es gibt keine verbindliche Definition des Begriffes „literarisches Motiv“; die Hauptproblematik besteht darin, dass der Begriff „Motiv“ aus anderen Kunstgattungen (Musik, bildende Kunst) stammt und für die Literatur im Nachhinein übernommen wurde. Daher existieren verschiedene Ansätze der Begriffsdefinition: Mit einem literarischen Motiv ist die kleinste strukturbildende und bedeutungsvolle Einheit innerhalb eines Textganzen gemeint. 1 D. h., es kann als Oberbegriff über bestimmte Stoffgefüge bzw. als Beschreibung von etwas Allgemeinen gesehen werden. 2 Im engeren Sinne handelt es sich um eine thematische Konstellation, die gegebenenfalls die dramatische Handlung auslösen kann bzw. beschreibende, bildliche oder symbolische Funktion hat.
Zudem unterscheidet die deutsche Thematik zwischen Motiv, Stoff und Thema: Das Motiv wird als kleinste semantische Einheit bezeichnet, der Stoff als Kombination von Motiven und das Thema als abstrahierte Grundidee des Textes. 3
1 vgl. Metzler, S. 455
2 vgl. Frenzel, S. 12
3 vgl. Metzler, S. 455
3
Das Motiv wird auf zwei Ebenen verwendet: bei der immanenten Strukturanalyse von
Texten und bei intertextuellen Beziehungen. Das Motiv hat als kleinste
bedeutungstragende Einheit verschiedene Funktionen: formale oder semantische
Gliederung , Verbindung von Themenkomplexen, Spannungsaufbau, Anschaulichkeit,
Entfaltung von Bedeutungspotenzial. Es werden verschiedene Motive unterschieden:
Auf der Strukturebene findet man vorrangig Leit- und Nebenmotive. Auf der
Inhaltsebene differenziert man zwischen Situations-, Typus-, Raummotiven, etc. Darauf
wird im Hauptteil genauer Bezug genommen.
Ich möchte den Begriff Motiv in dieser Arbeit als tradierbares intertextuelles Element
in der Literatur benutzen. Eine besondere Bedeutung kommt dem Leitmotiv zu. Beim
Leitmotiv handelt es sich um eine sich im Text wiederholende Formeinheit, die einer
nachvollziehbaren Strukturierung und der symbolischen Vertiefung dient. Sie ist also
intratextuell, wiederholt sich konstant und hat vor allem stilistische und
charakterisierende Funktion.
2.2. Leitmotive im Lenz-Fragment
Eines der prägnantesten Leitmotive ist die Beschreibung der Natur als Äquivalent der
Gem ütszustände des Lenz. In der Literatur ist diese Funktion des Landschaftsmotives
nicht ungewöhnlich: Es wird häufig eingesetzt, um die Gefühle der Person zu spiegeln
oder eine bestimmte Stimmung hervor zu rufen. Gleich zu Beginn wird der Leser durch
die Naturschilderung an die ambivalente, sich ständig verändernde Gefühlswelt des
Lenz herangeführt: „strich schwer und feucht durch das Gesträuch, so träg, so plump.“ 4
„Anfangs drängte es ihm in der Brust, wenn das Gestein so wegsprang, der graue Wald
sich unter ihm schüttelte, und der Nebel die Formen bald verschlang“ 5
„[D]er Sonnenschein dazwischen durchging , so dass ein helles, blendendes Licht
über die Gipfel in die Täler schnitt.“ 6
Georg Büchner verwendet verschiedene Mittel, um die Natur und parallel dazu Lenz
Wahrnehmung und seine seelische Verfassung zu veranschaulichen. Büchner versieht
die Landschaft mit menschlichen Eigenschaften (Anthropomorphisierung), lädt die
Bilder mit Akustik (auditive Sprache) auf und bedient sich einer sehr lebendigen
Sprache (Vitalisierung) 7
4 Büchner: Lenz, 136
5 ebd.
6 ebd.
7 vgl. Strehlow, 20
4
Arbeit zitieren:
Barbara Schilling, 2004, Die literarischen Motive in Georg Büchners Lenz-Fragment, München, GRIN Verlag GmbH
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