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1. Einleitung
In Deutschland wird der Feminismus sofort mit der Frauenbewegung um Alice Schwarzer gleichgesetzt. Zwar war diese Bewegung für Deutschland nicht unbedeutend, jedoch ist diese nur ein winziges Glied in einer langen Kette der Frauenbewegungen. Die Frauenbewegungen fanden zumeist begleitend zu den wissenschaftlichen Debatten der feministischen Theorie in der Internationalen Beziehung (IB) statt. Damit ist die feministische Theorie der IB so stark wie kaum eine andere Theorie der IB mit einer politisch-gesellschaftlichen Bewegung verknüpft.
Seit Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich bereits eine Frauenbewegung, die von den beiden Weltkriegen unterbrochen wurde. Erst der gesellschaftspolitische Aufbruch der 1960er und 1970er Jahre verhalf der Frauenbewegung zu neuem Aufschwung. Obwohl die wissenschaftlichen Debatten wie auch die Bewegung des Feminismus zumeist Hand in Hand gingen, erlosch das öffentliche Interesse an den Frauenbewegungen. Hingegen stieg der Zuwachs an den wissenschaftlichen Debatten enorm. Besonders die drei Klassiker: „Bananas, Beaches & Bases“ von Cynthia Enloe, Christine Sylvesters „Feminist Theory and International Relations in a Postmodern Era“ und „Gender in International Relations. Feminist Perspectives on Achieving Global Security“ von Ann J. Tickner waren an diesen Debatten maßgeblich beteiligt. Als besonders fruchtbar erwies sich der kritische Dialog unter den Feminismusvertretern, der mehrere Strömungen innerhalb der Feminismus Theorie aufblühen ließ. 1
Mit der Weiterentwicklung der feministischen Theorieansätze nahmen natürlich auch die Stimmen der Kritiker immer weiter zu. Gerade diese kritischen Perspektiven der feministischen Theorie der IB sind in dieser Arbeit von Interesse.
1 Finke Barbara, Feministische Ansätze, in: Siegfried Schieder/ Manuela Sindler (Hrsg.), Theorien der
Internationalen Beziehungen, Opladen 2003, S.477
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2. Feminismus
Der Feminismus setzt sich aus unterschiedlichen Perspektiven kritisch mit den herrschenden Ansätzen der IB auseinander. Aus diesem Grund kann es auch keine einheitliche feministische Großtheorie geben, sondern es gibt mehrere Strömungen, die jedoch von einer gemeinsamen Basis ausgehen. 1
„Almost all feminist perspectives have been motivated by the common goal of attempting to describe and explain the sources of gender inequality, and hence woman`s oppression, and to seek strategies to end them.” 2
Dabei steht das sog, „Gender“- Konzept 3 an erster Stelle. Unter dem „Gender“- Konzept wird ein durch soziale Strukturen aufgebautes Geschlechterverhältnis verstanden. Die stereotypischen Geschlechterrollen sind durch die Gesellschaft konstruiert und beeinflusst worden, aber nicht biologisch determiniert. Dieses Geschlechterverhältnis drückt das Herrschaftsverhältnis der Männer über die Frauen aus. Folglich verstehen die Vertreter der Feminismus Theorie Politik auch als patriarchalische Politik und fordern „auch das Private ist politisch“ 4 . Der normative Anspruch der Vertreter des Feminismus ist dabei emanzipatorisch- herrschaftskritisch orientiert. Ihr politisches Ziel ist, die Selbstbestimmung der Frau und die Ausgrenzungen, Benachteiligung und Unterdrückung der Frauen zu überwinden. Sie wünschen sich „international relation which is sensitive to gender“ 5 .
Bei der Untersuchung des „Gender“ -Konzepts stützt sich jede feministische Strömung auf die androzentrischen Ansätze. Im Androzentrismus steht der Mann im Mittelpunkt des gesamten Geschehens. Lediglich in der epistemologischen (erkenntnistheoretischen) Vorgehensweise unterschieden sich die verschiedenen Strömungen der Feminismus Theorie.
1 Krell Gert, Weltbilder und Weltordnung, Nomos 2000, S. 217
2 Tickner J. Ann, Gender in International Relations, Columbia University Press New York 1992, S.15
3 Finke Barbara, Feministische Ansätze, in: Siegfried Schieder/ Manuela Spindler (Hrsg.), Theorien der Internationalen Beziehungen, Opladen 2003, S.479
4 Finke Barbara, Feministische Ansätze, in: Siegfried Schieder/ Manuela Spindler (Hrsg.), Theorien der Internationalen Beziehungen, Opladen 2003, S.477
5 Whitworth Sandra, Feminism and International Relations, Macmillan Press 1994, S.24
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Unter den verschiedenen Richtungen der feministischen Theorie der IB., wie die radikale, die liberale, die postmoderne, die sozialistische, die schwarze, die marxistische und die psychoanalytische Feminismus Theorie, gelten die liberale Feminismus Theorie, die radikale Feminismus Theorie und die postmoderne Feminismus Theorie als die zentralen Kategorien. Von Sandra Harding auch als „feminist empiricism“, „feminist standpoint“ und „feminism postmodernism“ bezeichnet. 1
a) Liberaler Feminismus oder „Bringing the women in“
Eine der ersten feministischen Theorien war der liberale Feminismus. Dieser stellte die These auf, dass die Frauen von allen wichtigen öffentlichen Sphären, wie dem wirtschaftlichen und dem politischen Bereich, ausgeschlossen werden. Dabei gab es zwei Kategorien, die es zu untersuchen und zu erklären galt, zum einem die Unterrepräsentation der Frauen in der Gesellschaft und zum anderen inwieweit Frauen bereits integriert sind.
Das Hauptanliegen des liberalen Feminismus ist jedoch die Aufdeckung des Androzentrismus in den unterschiedlichen Theorieansätzen.
Als liberaler Feminismus gelten darin vor allem Arbeiten zum „Bringing woman in“, die Frauen als Akteurinnen in den zentralen Handlungsfeldern internationaler Politik sichtbar machen wollen.
Die Gender- Blindheit soll nach dem liberalen Feminismus durch methodologische Normen für die sozialen Wissenschaften beseitigt werden. b) Radikaler Feminismus oder “Difference between women and men” Die radikale Feminismus Theorie geht über den liberalen Feminismus hinaus. Sie arbeitet nicht nur die Diskriminierung der Frauen gegenüber dem männlichen Geschlecht heraus, sondern auch die „Difference between woman and man“. Dabei wird auf die biologischen wie auch sozioökonomischen Unterschiede zwischen Mann und Frau eingegangen, die die Geschlechterrollen dichotomisieren 2 . Daraus folgern die Vertreter dieser Theorie, dass
1 Sylvester Christine, Feminist Theory and International Relations in a postmodern era, Cambridge University Press 1994. S. 31
2 dichotom: in zwei Begriffspaare eingeteilt
Arbeit zitieren:
Ute Badulescu, 2003, Feminismus in den internationalen Beziehungen, München, GRIN Verlag GmbH
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