Inhaltsverzeichnis
Glossar 3
4
I. Liberia - Ein ständiger Unruheherd
6
II. Failed states - Ein theoretisches Analysekonzept
1. Ursachen eines Staatszerfalls 6
2. Phasen des Zerfallsprozesses 7
a. Die erste Phase: Schwacher Staat 7
b. Die zweite Phase: Zerfallender Staat 8
c. Die dritte Phase: Staatszerfall 9
9
III. Liberia - Genese eines failed state Konfliktes
1. Herrschaft Doe - Der Anfang vom Ende? 10
a. Auslöser zur Erosion des Staates 10
b. Lonley Rider: USA 12
c. Präsident Doe - Einleitung zur Anarchie 13
2. Liberias Bürgerkrieg: Phasen des failed state Prozess 14
a. Ausbruch des Bürgerkrieges: Wandel des schwachen Staates 14
b. Der Übergang zum failed state 15
c. Einfluss interner und externer Akteure auf den Friedensprozess 16
3. Liberia: Regiert von einem Warlord 18
a. Präsident Taylor: In den Fußstapfen von Doe 18
b. Einfluss interner und externer Akteure: Ein Beitrag zum Frieden 20
22
VI. Liberias Entwicklung und Chancen durch die neue Präsidentin
1. Das neue Wunderland Liberia? 22
2. Johnson-Sirleaf: Garantin für mehr Frieden? 23
24
V. Eine neue Zeit bricht an in Liberia
26
VI. Literaturverzeichnis
2
Glossar
AFL Armed Force Liberia ECOWAS Economic Community of West African States ECOMOG ECOWAS Monitoring Group UNMIL UN Mission in Liberia GEMAP Governance and Economic Management Assistant Plan IGNU Interim Government of National Unity IMF International Monetary Fund INPFL Independent National Patriotic Front of Liberia (Prince Johnson) LURD Liberians United Reconciliation and Democracy MODEL Movement of Democracy in Liberia NPFL National Patriotic Front of Liberia (Charles Taylor) NPP National Patriotic Party RUF Revolutionary United Front (Sierra Leone) ULIMO United Liberation Movement for Democracy in Liberia NTGL National Transitional Government for Liberia
3
I. Liberia - Ein ständiger Unruheherd
„ He killed my ma (mother), he killed my pa (father), but I will vote for him...“ 1 Mit diesem in der liberianischen Bevölkerung bekannten Wahlslogan gewann Charles Taylor als stärkster Warlord die Präsidentschaftswahl am 19. Juli 1997 mit seiner Partei National Patriotic Front (NPP) mit 75,33 Prozent der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 82,8%. 2 Auf diese Weise erhoffte sich die Bevölkerung, den seit 24. Dezember 1989 von Charles Taylor ausgelösten Krieg zu beenden und Ruhe und Ordnung nach Liberia zu bringen. Gegründet am 26. Juli 1847 als „Land der Freien“ 3 von ehemaligen Sklaven afrikanischer Abstammung aus Amerika, sollte nach mehr als einem Jahrhundert die Herrschaft der Ameriko-Liberianer über die indigenen Liberianer beendet werden und mit ihr eine relativ friedliche Phase in der Geschichte Liberias. Nach dem blutigen Regimesturz 1980 des ameriko-liberianischen Präsidenten William Tolbert (1971- 1980) durch den späteren Militärdiktator Samuel Doe beginnt die Phase ständiger Unruhen und blutiger Auseinandersetzungen. 4 Mit der Wahl von Charles Taylor endete diese Phase liberianischer Geschichte nicht. Bis heute steht Liberia unter der seit 16.01.2006 amtierenden Präsidentin Johnson- Sirleaf auf dem failed state Index von Foreign Policy auf Platz 11 5 und der Bertelsmann Transformationsindex 2006 ordnet Liberia in die sogenannte Postkonfliktgesellschaften ein, die versuchen, zu verfassungsmäßigen Ordnungen zurückzufinden 6 .
Warum gilt Liberia als zerfallener Staat (failed state)? Warum kam es in Liberia, mit einer Verfassung (1822) angelehnt an die US Verfassung überhaupt zu einem Staatszerfallsprozess? Ist Liberia das heute tatsächlich noch? Mit dem Prozess des Staatszerfalls besteht immer die Möglichkeit, den Staat wieder aufzubauen oder diesen Zerfall zu manifestieren. In der Arbeit soll untersucht werden, ob unter Präsidentin Johnson-Sirleaf Liberia tatsächlich weiterhin ein typischer failed state ist oder ob sie die Richtige ist, um die Möglichkeit zu nutzten den Staatszerfallsprozess umzukehren. Um überhaupt eine solche mögliche Tendenz aufzeigen zu können, muss in einem ersten Schritt zunächst ein grundlegender Kriterienkatalog für einen failed state anhand einer Abgrenzung zu schwachen Staaten und zerfallenden Staaten erstellt
1 Williams 2002: 31
2 Vgl. Körner 1998: 125
3 Körner 2005: 172
4 Vgl. Smith/ Wiesmann 2003: 1f
5 Vgl. The failed state index. In: FP No. 1545, May/June 2006, S. 53
6 Vgl. Bertelsmann Stiftung (Hrsg.) 2005: 187
4
werden. Anhand diesem sollen in einem zweiten Schritt die Gründe für die Entwicklung Liberias in einen failes state untersucht werden. Dieser Schritt ist notwendig, da nur unter der Kenntnis der Ursachen eine adäquate Lösung für das failed state Problem Liberias möglich ist und bis heute die Ursachen noch immer präsent sind. Aus diesem Grund müssen die Ursachen genau dargestellt werden. Darauf aufbauend soll festgelegt werden, warum sich Liberia zu einem failed state entwickelte. Erst im nächsten Schritt soll mit Hilfe der vorangegangenen Erkenntnisse eine Tendenz aufgezeigt werden, ob Liberia im Jahr 2006 tatsächlich noch immer ein failed state ist und welche Chancen und Möglichkeiten durch die Präsidentin Johnson-Sirleaf bestehen, Liberia zu stabilisieren. Eine Tendenz ist deshalb nur anzuzeigen, da aufgrund der relativ kurzen Amtszeit und der durchaus langen Bürgerkriege eine Prognose nicht zu stellen ist.
Die Forschung über den failed state Komplex gilt als noch relativ junge Forschungsrichtung in den internationalen Beziehungen, die Anfang der 90er Jahre fast mit dem Ende des Kalten Krieges aufkam. Allgemein muss festgestellt werden, dass die theoretische Forschung bis heute wenig systematisiert ist. Zudem herrscht unter den verschiedenen Ansätzen von William Zartmann über Robert Johnson, Rainer Tetzlaff, Trutz von Trotz bis hin zu Ulrich Schneckner und vielen weiteren unterschiedliche Meinungen über die Ursachen und die Prozesse. Dies wird schon bei der unterschiedlichen Verwendung der einzelnen Begriffe deutlich, welche vom Staatszerfall über Staatskollaps bis hin zu Scheinstaatlichkeit reichen. Das State Failure Project, 1994 von Al Gore ins Leben gerufen, wie auch andere Ansätze versuchen den failed state anhand von Indikatoren und Abgleichen von Datensätzen aufzuweisen. Wiederum andere vertreten den Ansatz, dass der Staatszerfall ein Prozess und nicht anhand von Indikatoren festzulegen ist. Das Spektrum der zerfallenen Staaten gilt als sehr weit gefächert und aus diesem Grund soll in dieser Arbeit nur ein Idealtyp im weberischen Sinne entworfen werden. Hilfreich für die Erstellung der Idealtypen waren Annette Büttners „Staatszerfall als neues Phänomen der internationalen Politik“, die den Staatszerfall unter dem Aspekt von kommunikativem Handeln und Neorealismus beleuchtet, und der Aufsatz von Ulrich Schneckner, „Staatszerfall als globale Bedrohung“, welcher die Prozessfaktoren von Staatszerfallsprozessen darstellen. Wichtige Informationen über Liberia geben die Crisi Group und das Buch von Dirk van den Boom, „Bürgerkrieg in Liberia“. Allerdings findet Liberia in internationalen Zeitschriften und Zeitungen im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten wie beispielsweise Somalia und Ruanda keine besondere Beachtung.
5
II. Failed State - Ein theoretisches Analysekonzept
„Der Begriff des „failed state“ ist eine sehr junge Schöpfung der Völkerrechtsdogmatik“ 7 Aus diesem Grund hat sich noch keiner der Ansätze tatsächlich in der Politikwissenschaft fest etablieren können. Meist wird kaum über die Darstellung von konkreten Fallbeispielen hinausgegangen und es sind nur wenige wirklich theoretische Veröffentlichungen des Phänomens des Staatszerfalls zu finden. Gerade aus diesem Grund soll hier keine Diskussion oder Darstellung einzelner Ansätze erfolgen. Das wesentliche für diese Arbeit ist die Erstellung eines konkreten Analysekonzeptes.
Schon die Begrifflichkeit des failed state weist daraufhin, dass ein politisches System nicht mehr in der Lage ist, seine spezifischen Kernaufgaben zu erfüllen. Daraus lässt sich folgern, dass der Staatszerfall ein mehrstufiger Prozess ist. Dabei muss darauf hingewiesen werden, dass dieser Prozess nicht deterministisch zu einem Staatszerfall führen muss. 8 Der Staatszerfallsprozess wird allgemein in drei Phasen gegliedert, die in schwacher Staat (weak state), Staatsversagen (failing state) und Staatszerfall (failed state) unterteilt sind. Die begrifflichen Zuweisungen der drei Phasen weichen bei den meisten Autoren voneinander ab, und auch die Charakteristik dieser Phasen ist unterschiedlich. Bei allen ist jedoch anzumerken, dass der Übergang von dem einen Zustand in den nächsten eher fließend ist und meistens nicht klar abgegrenzt werden kann. Aus diesem Grund soll hier ein Idealtyp erstellt werden anhand dessen der Zustand von Liberia untersucht werden soll. Dabei wird eine Synthese mehrerer Forschungsansätze geschaffen, um die gesamte Bandbreite der Ereignisse genauest möglich innerhalb dieser Stufen einordnen zu können. „ Indikatoren haben das Potential, ein recht genaues Bild von der Situation eines Staates zu vermitteln. Allerdings können sie unmöglich alle Dimensionen von Staatszerfall erfassen. Ferner sind sie keinesfalls
als Ersatz für eine Theorie zu gebrauchen, sondern höchstens als dazu komplementär.“ 9
1. Ursachen eines Staatszerfalls
Annette Büttner geht von verschiedenen Ursachen des Staatszerfalls aus. Ihre Erklärungsansätze der Ursachen reichen vom politischen System über das wirtschaftliche bis zum rechtlichen System. Abschließend stellt sie fest, dass sowohl die wirtschaftlichen Ursachen als auch das Rechtssystem abhängig sind von den Diktionen des politischen Systems. Anhand dieser Feststellung geht sie einen Schritt weiter und stellt innerhalb des politischen Systems die Dichotomie zwischen internen und externen Akteuren fest. Für
7 Vgl. Bartl 1999: 74
8 Vgl. Lambach 2002: 60
9 Vgl. ebd. S. 49
6
Büttner sind beide Akteure wesentliche Einflussfaktoren für den Staatszerfallsprozess. 10 Für sie gibt es folgende Ursachen: Den Wandel von der Bipolarität in eine Multipolarität, Verteilungskämpfe um Ressourcen, soziale Disparitäten, unvollständiges Nationbuilding, Zusammenbruch eines umfassenden staatlichen Versorgungssystems sowie nachlassendes Interventionsinteresse externer Akteure. 11 Wichtig sind darüber hinaus Cleaveges, Korruption, Klientelismus und Kleptokratie. 12 Dabei genügt es für den Staatszerfall, dass mindestens eine dieser Ursachen gegeben ist. Diese Ursachen sollen herangezogen werden, um die Frage zu klären, warum sich Liberia zu einem failed state entwickelt hat.
2. Phasen des Zerfallsprozesses
Für die klare Darstellung des failed state Liberia und dessen Untersuchung ist es notwendig, einen klar abgrenzbaren Kriterienkatalog für die einzelnen drei Phasen zu schaffen. Aus diesem Grund genügt es nicht nur, auf die normativen Grundlagen von Staatszerfallsthesen zurückzugreifen. Hierfür ist es nötig und wichtig, einzelne bestimmte Indikatoren zur genaueren Ziehung von Grenzen der einzelnen Phasen des Staatszerfalls zu schaffen. Orientiert an Schneckner hat der Staat Funktionen in drei Kernbereichen (Gewaltmonopol, staatliche Dienstleistungen, politische Ordnung) inne. Innerhalb dieser Staatsfunktionen listet Schneckner mehrere Indikatoren auf, die Anzeichen von einer Dysfunktionalität dieser Staatsaufgaben sind. Je mehr Indikatoren erfüllt sind, desto eher lässt sich von einer Erosion des gesamten Staates sprechen. Teile seiner Indikatoren sollen für die verschiedenen Phasen herangezogen werden. Hauptsächlich basieren die verschiedenen Merkmale auf der Zuteilung durch Büttner. In allen drei Phasen ist eine abnehmende staatliche Legitimität nach innen und außen, eine abnehmende Handlungs- und Funktionsfähigkeit eines Staates und ein schwacher gesellschaftlicher Zusammenhalt in unterschiedlich starker Ausprägung zu verzeichnen. 13
a. Die erste Phase: Schwacher Staat
In schwachen Staaten besteht das Gewalt- und Steuerungsmonopol noch weitgehend, allerdings treten bereits Defizite innerhalb staatlicher Dienstleistungen und innerhalb der politischen Ordnung auf. 14 Merkmale des schwachen Staates sind, dass die staatlichen Institutionen dysfunktional werden, sich bereits feste Widerstandsgruppen gegen staatliches Handeln formieren und sich informelle Parallelinstitutionen bilden. 15 Eine wichtige Rolle
10 Vgl. Büttner 2004a: 29-37 und 45- 54
11 Vgl. Büttner 2004b: 2-4
12 Vgl. Lambach 2002: 62-67
13 Vgl. Klemp 2005: 23
14 Vgl. Schneckner 2003: 13
15 Vgl. Büttner 2004b: 5
7
Arbeit zitieren:
Ute Badulescu, 2006, Liberia - Genese eines 'failed state'-Konfliktes, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Fragile Staaten - Ein globales Problem. Antworten der Europäischen Uni...
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Hausarbeit (Hauptseminar), 30 Seiten
Punk in der DDR. Wahre Rebellion oder Spaßnische
Politik - Politische Systeme - Historisches
Hausarbeit, 26 Seiten
Konfliktanalyse: Diskussionspapier zum Liberia-Konflikt mit dem Fokus ...
Politik - Internationale Politik - Region: Afrika
Seminararbeit, 40 Seiten
Gibt es eine kosovarische Identität?
Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Der politische Einfluss der Frauen in der späten Römischen Republik
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Magisterarbeit, 73 Seiten
Friedenskonsolidierung durch Institutionenbildung im Kosovo
Politik - Internationale Politik - Region: Südosteuropa, Balkan
Hausarbeit (Hauptseminar), 30 Seiten
Als der Rock'n'Roll Deutschland veränderte
Hausarbeit (Hauptseminar), 16 Seiten
Politik - Internationale Politik - Thema: Völkerrecht und Menschenrechte
Hausarbeit (Hauptseminar), 16 Seiten
Isaiah Berlin: Positive und negative Freiheit
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 19 Seiten
Die Verflechtung von Staat und Kirche in den USA
Politik - Internationale Politik - Region: USA
Seminararbeit, 22 Seiten
Das makrosoziologische Cleavage-Konzept nach Lipset und Rokkan
Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten
Seminararbeit, 24 Seiten
Die Neue Christliche Rechte - Religion als politische Determinante
Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche
Hausarbeit, 21 Seiten
Gesellschaftsvertrag contra sozialgeschichtliche Evolution: Jean-Jaque...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Besiedlung Sibiriens bis zum Ende des 2. Weltkriegs
Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung
Seminararbeit, 16 Seiten
Ute Badulescu hat den Text Liberia - Genese eines 'failed state'-Konfliktes veröffentlicht
Ute Badulescu hat einen neuen Text hochgeladen
Estados Fallidos: El Abuso de Poder y el Ataque a la Democracia = Fail...
Gabriel Dols, Noam Chomsky
Somalia at the Crossroads: Challenges and Perspectives in Reconstituti...
Abdulahi A. Osman, Issaka K. Souare
Somalia at the Crossroads: Challenges and Perspectives in Reconstituti...
Abdulahi A. Osman, Issaka K. Souare
0 Kommentare