Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1. Einführung 3
2. Die Vandalen 4
2.1. Das Volk bis zum Erreichen Spaniens 4
2.2. Von Spanien bis nach Nordafrika 6
3. Das Vandalenreich unter Geiserich 7
3.1. Die Eroberung Nordafrikas 7
3.2. Operationen auf See 9
3.3. Der römische Angriff 10
4. Die Vorraussetzungen für den Feldzug 12
4.1. Die Lage in Karthago 12
4.2. Die Lage in Byzanz 14
5. Der Vandalenfeldzug unter Belisar 16
5.1. Durchführung des Feldzuges 16
5.1.1. Die erste Phase 17
5.1.2. Die zweite Phase 19
5.2. Folgen 21
6. Die Provinz Nordafrika 23
6.1. Die Lage nach dem Feldzug 23
6.2. Der Aufstand Stotzas 24
7. Zusammenfassung 25
Quellenverzeichnis 27
Literaturverzeichnis 27
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1. Einführung
Mit der im Volksmund geläufigen Verwendung des Begriffs Vandale wird zum größten Teil ein zerstörungswütiger Mensch assoziiert. Im weiteren Sinne gelingt noch die Verknüpfung mit einem germanischen Volksstamm, der sich besonders barbarisch und grausam verhalten hatte. Die Hintergründe zu der Verbindung von Vandalen mit Zerstörung hatten zwar in dem zeitgenössischen Auftreten ihren Ursprung, jedoch erfolgte die feste Zuordnung erst zu der Zeit der Französischen Revolution durch ein Mitglied des Nationalkonvents. Henri Grégoire, der damalige Bischof von Blois, prägte den Begriff, indem er bei der Beschädigung von Kunstwerken durch radikale Jakobiner insgesamt von Vandalismus sprach. Dieser oberflächliche und gerade in Deutschland weit verbreitete Geschichtsirrtum veranlasste mit die Analyse der Herkunft des germanischen Volksstammes der Vandalen und ihres Weges, der sie zu einer Konfrontation mit dem römischen Reich führte. Die Völkerwanderung, die ihren Ursprung nicht im Zerstörungstrieb ihrer Teilnehmer hatte, sondern stattdessen eine Reaktion auf den Hunnensturm unter ihrem König Attila war, veranlasste die Vandalen genauso zur Wanderschaft in Richtung Südosteuropa wie die Angeln und Sachsen in Richtung der Britischen Inseln. Da die Analyse der Geschichte und des Handelns des Vandalenvolkes wichtig für die Motivation des Kaisers Justinian ist, erfolgt sie in einem nicht geringen Anteil in dieser Arbeit. Dabei ist sie stets im Zusammenhang des Verhältnisses mit dem römischen Reich zu sehen, da beide nicht voneinander zu trennen sind. Problematik der Analyse ist die nicht vorhandene vandalische Quellenbasis, da quellenmäßige Belege nur indirekt in den Zeugnissen ihrer Gegner vorhanden sind, wie dem byzantinischen Schreiber Prokop, dem Kleriker Hieronymus und diverser gallischer und afrikanischer Geistlicher. Die in dieser Arbeit verwendete Quelle des Prokop über die Vandalenkriege ist nur in dem zeitlichen Zusammenhang seiner Anwesenheit bei den Geschehnissen als glaubwürdig zu sehen, da er bei den Ereignissen vor seiner Zeit keinen genauen Bezug oder Quellen besaß bzw. diese nicht angab. Auch ist bei Prokop zu beachten, dass er in seinen Werken über die Kriege sich um Neutralität bemühte, aber gerade in seinen Anekdota ein stark tendenziöses Bild seiner in den eben erwähnten Werken als weitestgehend neutral betrachteten Kontrahenten darstellte. Die Vandalenforschung an sich wurde in ihren Anfängen hauptsächlich durch französische Forscher geprägt, denen der französische Kolonialbesitz in Nordafrika eine ortsnahe Untersuchung erlaubte. Diese Arbeit ist grundsätzlich chronologisch aufgebaut und versucht, trotz der umfassenden Analyse der vandalischen Geschichte, die Absicht des oströmischen Kaisers Justinian in Bezug auf das Vandalenreich und seinen damit einhergehenden Feldzug dahingehend zu erörtern, ob diese Unternehmung ein geplanter erster
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Schritt zur Restauration des römischen Reiches in seiner vormals größten Ausdehnung oder eine kurzfristig angelegte Operation mit glücklichem Ausgang darstellte. Dabei wurde nicht nur die Vorgeschichte in Bezug auf das Verhalten der Vandalen betrachtet, sondern vielmehr auch die Folgen des Handelns Justinians und seiner unterstellten Führer in ihrem Verantwortungsbereich, so dass trotzdem hier der Raum für weitere Arbeiten zu den Folgeoperationen des Vandalenfeldzuges offen bleibt. Da die Betrachtung der byzantinischen Geschichte zugleich immer auch Kriegsgeschichte ist, ist die Rolle von Byzanz stets im Verhältnis zu den jeweiligen Machtzentren in Europa zu sehen. Der Forschungsstand wird dabei aktuell von Mischa Meier vorgegeben, der sich in seiner Abhandlung mit dem Zeitalter Justinians beschäftigt und dabei das oströmische Handeln dicht mit der Person und dem Willen des Kaisers verbindet, wobei er hier mehr reagierender als agierender ist. Auch er greift die Kontroverse über die Absicht Justinians auf, einen Feldzug gegen ein Volk trotz der Bedrohung aus dem Osten durch die Perser zu führen, auf dessen Ansatz im entsprechenden Kapitel dieser Arbeit weiter eingegangen wird.
2. Die Vandalen
2.1. Das Volk bis zum Erreichen Spaniens
Das germanische Volk der Vandalen bestand aus zwei Stämmen, denen der Hasdingen und der Sillingen. 1 Die Hasdingen stellten dabei den König der Vandalen und bildeten den Großteil der Marschgruppe, die sich im Zuge der durch den Einmarsch der Hunnen unter Attila ausgelösten Völkerwanderung auf den Weg in Richtung Westen machten. Als Siedlungsgebiet und somit Ablaufpunkt des Marsches der Vandalen gibt es keinen genau eingegrenzten Raum, da sowohl Quellenlage und archäologische Funde nicht eindeutig sind. Die Bestimmung des nördlichen Teils des heutigen Rumäniens als Siedlungsraum, d.h. etwa die Region Siebenbürgen 2 , geschah nach Ludwig Schmidt 3 durch die vorgenommene Zuordnung der hasdingischen Vandalen zum Volk der Alanen bereits vor ihrer Unternehmung, die sich aber erst auf ihrer Wanderung vorerst und in Afrika vollständig vereinigten. Über die Ursache und die Teilnehmer an der Wanderung gibt Prokop, mit der unpräzisen zeitlichen Einordnung um etwa 411 nach Christi Geburt, Aufschluss: „Die Vandalen […] trieb eine Hungersnot gegen die Germanen, die jetzt Franken genannt werden,
1 Schreiber, Hermann: Die Vandalen. Siegeszug und Untergang eines germanischen Volkes. München 1979, S.
78 f.
2 Ebenda, S. 84: Herrmann Schreiber gibt als Siedlungs- und Wohnsitz etwa dieselbe Region wie Schmidt an,
jedoch verwendet er die römisch-lateinischen Provinznamen Pannonia und Dakia.
3 Schmidt, Ludwig: Geschichte der Wandalen. 2. Aufl. München 1942, S. 12.
4
und an den Rheinstrom vorzudringen; mit ihnen zogen die Alanen, ebenfalls ein gotischer Volksstamm.“ 4 Dieser Marsch, der etwa 400 begonnen haben soll, wurde laut Schmidt in einem Brief des heiligen Hieronymus indirekt erwähnt, da er über Zusammenstöße vieler germanischer Völker mit römischen Grenztruppen entlang der Donau seit Beginn des Hunnenvormarsches schrieb. Dadurch leitete Schmidt eine Bewegung aus ihrem Siedlungsgebiet entlang der römischen Grenze in Richtung Westen ab. 5 Am von römischen Truppen entblößten und zugefrorenen Rhein trafen, wie Prokop auch berichtete, um die Jahreswende 406/07 die Vandalen und ihr Gefolge auf die Franken und setzten nach einer für die hasdingischen Vandalen verlustreichen Schlacht 6 über die römischen Heerstrassen ihren Marsch durch Gallien in Richtung der südwesteuropäischen Provinzen fort. 7 In der Phase der Durchziehung der nord- und westfranzösischen Provinzen (Belgica und Gallia Lugudunensis) und der Zerstörung und Plünderung ganzer Regionen sowie Städte, wurden bereits erste Legenden um das Volk der Vandalen geboren, die aber, wie auch Schmidt anmerkt 8 , zwar Tatsachen enthielten aber trotzdem stark übertreibende Tendenzen beinhalteten. Die Orientierung der Vandalen nach der Provinz Hispania dürfte verschiedene Gründe gehabt haben. Zum einen ist der weiterhin bestehende Druck durch andere sich auf Wanderschaft befindende germanische Völker, wie der Westgoten und der Sueben, zu nennen, zum anderen gab der Feldzug des durch römische Truppen in Britannia gewählten Kaisers Konstantin III. gegen die Provinz Gallia durchziehende Germanenstämme einen entsprechenden Ausschlag. 9 Die Grenze zu Hispania in den westlichen Pyrenäen, die durch im Auftrage Roms stehende barbarische Truppen entblößt wurde, überschritten die Vandalen und ihre Anhänger nach Schmidt am 28.09. oder am 13.10.409 während des Zuges auf der römischen Heerstrasse bei Pamplona. 10 Prokop beschreibt diese Phase in einem Satz ohne eine genaue Orts- oder Zeitangabe: „Von dort [Gallia] siedelten sie unter [ihrem neuen König] Godegisel nach Spanien über“. 11
4 Prok. BV I 3.
5 Schmidt, Geschichte der Wandalen, S. 13.
6 Ebenda, S. 16: Schmidt bezieht sich auf die Quelle des Frigidus, wonach durch den fränkischen Überfall ca. 20000 Mann und der König Godigisel gefallen sein sollen.
7 Schreiber, Die Vandalen, S. 87 f.
8 Schmidt, Geschichte der Wandalen, S. 18.
9 Schreiber, Die Vandalen, S. 93 f.
10 Schmidt, Geschichte der Wandalen, S. 20 f.
11 Prok. BV I 3.
5
2.2. Von Spanien bis nach Nordafrika
Die Festsetzung der hasdingischen sowie Teilen der sillingischen Vandalen, der Alanen und der Sueben erfolgte durch eine in Rom geförderte Aufteilung der Provinz Hispania, da den Römern die Mittel fehlten, die Barbaren aus den Provinzen fernzuhalten bzw. zu vertreiben. 12 Die Aufteilung wurde durch Los erreicht, führte aber weiterhin zu Konflikten unter diesen vier Völkern, die sich auch in ihrer Intensität auf die Stabilität der Region auswirkten. Damit waren die eben erwähnten Völker als Föderaten vertraglich ermächtigt worden, in Spanien zu bleiben, da „Honorius mit Godegisel einen Vertrag [abschloss], dass die Vandalen das Land besetzen sollten, ohne es zu plündern“ 13 . Schmidt bemerkte die Erwähnung der Vertragspartner Honorius und Godegisel, die Prokop erwähnt, zwar als einen Irrtum des Autors 14 , da es Valentinian III. und Gunderich, wie auch Schreiber anmerkt 15 , gewesen sein müssten, jedoch wurde durch diesen Vertrag um 411 erstmals eine vertraglich zugesicherte Aufenthaltsgenehmigung für die Vandalen in einer römischen Provinz ausgestellt. Die von Rom in dieser Zeit beabsichtigte Vernichtung sämtlicher Germanenvölker in Spanien durch Zuweisung der Provinz sowohl an Vandalen als auch an die Westgoten scheiterte etwa 418 nach dem Abzug des Westgotenkönigs und der anschließenden Vernichtung eines römischen Heeres durch die Vandalen in Südspanien. 16 Parallel zu den Ereignissen zwischen den Völkern muss die Situation der vandalischen Könige betrachtet werden. Nach dem Fall des Godegisel vor den Rheinübergängen im Dezember 406 übernahm sein ältester Sohn Gunderich die Herrschaft über die Hasdinger, an zweiter Stelle befand sich „Geiserich, ein Bastard [und] ein Kriegsheld von rastloser Tatkraft“ 17 , das bedeutete, dass Geiserich als unehelicher Sohn einer wahrscheinlich nicht vandalischen Frau gezeugt wurde. 18 Dieser Geiserich übernahm um etwa 428, nach dem Tod des Bruders in Sevilla, 19 trotz seiner Herkunft den Thron der Vandalen, wobei die Übernahme durch Volkswahl bestätigt worden sein soll. 20 Als Ausgangspunkt für weitere Handlungen der Vandalen diente die Region Baetia, das heutige nach den Vandalen benannte Andalusien. Geiserich hatte während seiner Zeit als Prinz zwischen 420 und 428 den Flottenbau vorangetrieben, wahrscheinlich mit den Erfahrungen der Bewohner in den spanischen Küstenstädten, der von den Römern durch
12 Schreiber, Die Vandalen, S. 103.
13 Prok. BV I 3.
14 Schmidt, Geschichte der Wandalen, S. 23.
15 Schreiber, Die Vandalen, S. 101-03.
16 Schmidt, Geschichte der Wandalen, S. 24-26.
17 Prok. BV I 3.
18 Schreiber, Die Vandalen, S. 103.
19 Schmidt, Geschichte der Wandalen, S. 27.
20 Ebenda, S. 28.
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Gesetz 419 wegen der vermuteten Gefahr für das westliche Mittelmeer untersagt worden war. 21 Bereits 425 sollen vandalische Schiffe die Balearen und die Küste Mauretaniens in Nordafrika erreicht haben, um, wie Schmidt behauptete, Erkundung zu betreiben. 22 Über die Gründe der Überfahrt nach Nordafrika über die Strasse von Gibraltar mit dem gesamten Volk der Vandalen und der Alanen äußert sich Prokop dahingehend, dass es sich um ein Gesuch um Bundesgenossenschaft des Statthalters der Provinz, Bonifatius, handelte, da er in Rom in Ungnade gefallen sein sollte und Verbündete benötigte. 23 Schmidt und Schreiber zweifeln an dieser Aussage Prokops und sahen in der Überführung des Vandalenvolkes durch Geiserich auf der einen Seite die mögliche Basis für eine friedliche Existenz wegen der andauernden Bedrohung durch Westgoten und Hungersnöte und zum anderen die Möglichkeit der Abwendung der römischen Gefahr durch Kontrolle der Getreideversorgung des westlichen Reiches in Nordafrika, dessen Verteidigung in diesem Zeitraum durch innere Konflikte, auf die Prokop anspielt, geschwächt worden war und die angebliche Anwerbung der Vandalen über diesen Zustand hinwegtäuschen sollte. 24
3. Das Vandalenreich unter Geiserich
3.1. Die Eroberung Nordafrikas
Aus welchen Gründen die Vandalen unter Geiserich die Strasse von Gibraltar überquerten, die nach Prokop als „Meerenge von Gades“ 25 nach einer Stadt in Südspanien bezeichnet wurde, kann nicht genau geklärt werden. Jedoch ist bei der gesamten Überführung eines Volkes (inklusive der Alanen, da Geiserich wie auch Gunderich „Rex Vandalorum et Alanorum“ waren) 26 von einem Kontinent auf den Anderen von der Absicht einer endgültigen Umsiedelung auszugehen. Die Größe der übergesetzten Masse auf den vandalischen Schiffen soll dabei etwa 80000 betragen haben, die sich aus zum aus einer Zählung vor der Überfahrt und zum anderen durch die Einteilung „in Tausendschaften, an deren Spitze er [Geiserich] nicht weniger als 80 Obersten stellte […], damit es den Anschein gewinne, als ob sein Heer aus 80000 Mann bestehe“ 27 , ergab. Hier muss, wie Prokop andeutete, jedoch von einer Gesamtzahl ausgegangen werden, so dass die Anzahl der wehrfähigen Männer weitaus geringer gewesen sein muss. Die Überfahrt erfolgte in mehreren Pendlerzügen um etwa 429
21 Ebenda, S. 23 f.
22 Ebenda, S. 28.
23 Prok. BV I 3.
24 Schreiber, Die Vandalen, S. 109. und Schmidt, Geschichte der Wandalen, S. 29.
25 Prok. BV I 3.
26 Schreiber, Die Vandalen, S. 111.
27 Prok. BV I 5.
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Quote paper:
Benjamin Pommer, 2007, Der byzantinische Vandalenfeldzug, Munich, GRIN Publishing GmbH
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