Proseminar:
Römische Germanienpolitik am Beispiel der Provinz Germania inferior SoSe 2002
Die Niederlage des Lollius 16 v. Chr. - eine Annäherung
Jörg-Philipp Thomsa
LA Sek I/II
Geschichte, Germanistik
Reichweinstr. 21
47441 Moers
2
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 2
2. Die Situation in Germanien unmittelbar vor der Niederlage des Lollius. 3
3. Zur Person des Markus Lollius. 6
3.1 Die Niederlage des Lollius. 7
4. Die Folgen der Niederlage. 9
4.1 Die Feldzüge des Drusus. 12
5. Abschlussbetrachtung. 18
6. Literaturverzeichnis S 19
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1. Einleitung
In der älteren Forschung, wie z.B. bei T. Mommsen, wurde die äußere Politik des Augustus häufig als einheitlicher Gesamtprozess gesehen, der auf persönlichen Entscheidungen, langfristigen Plänen, Programmen und Konzeptionen beruhen würde. Bis heute herrscht eine Forschungs-kontroverse, ob Augustus in Germanien eher eine imperialistische oder eine defensiv orientierte Außenpolitik mit dem Ziel einer Gebiets- und Friedenssicherung anstrebte. Will man ein paar Positionen aufgreifen, so muss man sicherlich Karl Christ erwähnen, der in den zahlreichen Feldzügen der Römer am Rhein das Motiv begründet sieht, lediglich 1 . K.-W. Welwei vertritt die Auffassung, eine bewaffnete Aufklärung durchzuführen
dass eine komplette Beherrschung des Gebietes zwischen Rhein und Elbe seitens der Römer nie beabsichtigt gewesen sei und die vereinzelten Feldzüge 2 . Dieser einen Abschreckungseffekt mit großer Tiefenwirkung verursachen sollten 3 und D. Kienast 4 entgegen, die den Forschungstendenz stellen sich z.B. A. Heuss Plan mit dem Ziel einer Okkupation Germaniens vom Rhein zur Elbe ins römische Reich erkennen wollen.
Das Leitmotiv meiner Ausführungen ist die argumentative Auseinander-setzung mit der Frage, ob nach der Niederlage des Lollius eine neue Phase der „Germanienpolitik“ des Augustus eingeleitet wurde, die darauf abzielte, eine Expansion des römischen Reiches zu erreichen.
Des Weiteren werde ich die Niederlage des Lollius im Jahr 16 v. Chr. problematisieren und in einen knappen, für das Verständnis der „clades Lolliana“ wichtigen Gesamtzusammenhang stellen. An die Schilderung der Ereignisse der Niederlage schließen sich die Darstellungen über die zunächst unmittelbaren
1 Christ, Zur augusteischen Germanienpolitik, in: Römische Geschichte und
Wissenschaftsgeschichte, Darmstadt 1982, S. 201 (Im Folgenden verwende ich Kurztitel)
2 K.-W. Welwei, Probleme römischer Grenzsicherung am Beispiel der Germanienpolitik des
Augustus, in: Rom, Germanien und die Ausgrabungen von Kalkriese, Osnabrück 1999, S. 679
3 A. Heuss, Römische Geschichte, Paderborn-München-Wien-Zürich (6. Aufl.) 1998, S. 303
4 D. Kienast, Augustus. Prinzeps und Monarch, Darmstadt 1999, S. 362f
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Folgen an, nämlich die Alpenfeldzüge und die Feldzüge des Drusus, später noch die des Tiberius, um gerade diese sich an das Jahr 16. v. Chr. anschließenden Strategien zu beleuchten und deren Stellenwert abzuleiten. Aufgrund der vielfach verworren anmutenden Interpretations-versuche über vorhandene respektive nicht vorhandene Pläne etc. stütze ich meine Ausführungen durch exakte und breitgestreute Quellenbelege und versuche so der Gefahr zu entgehen, nicht belegbare spekulative Thesen zu promulgieren, auch wenn die detaillierte Auflistung vielleicht etwas ungewöhnlich erscheint. Aus Platzgründen werden nur die wichtigsten Auszüge aus den Quellen ausgeführt.
Die schriftliche Quellenlage für das Thema dieser Arbeit ist überschaubar, Beachtung finden die Textstellen aus den Werken des Velleius Paterculus, Augustus, Tacitus, Strabo, Sueton und Cassius Dio.
2. Die Situation in Germanien unmittelbar vor der Niederlage des Lollius
Seit Caesars Vorstößen über den Rhein befand sich Germanien im römischen Blickfeld, für die römische Öffentlichkeit lag nichts näher, als von Oktavian sogleich die Fortsetzung der Offensive des Caesar gegen den „Bürgerschreck 5 . Augustus ging aber zunächst dazu über, in Gallien die Germanien“ zu erwarten
römische Herrschaft zu sichern und eine römische Administration zu bilden, sowie den Ausbau der Infrastruktur voranzutreiben, um eine engere Verbindung Galliens mit Italien zu schaffen und die Sicherung der Grenzen besser überwachen zu können. Die rechtsrheinischen Germanen blieben jedoch ständige Unruhestifter, die immer wieder den Rhein in der Gewissheit auf 6 , die nolens volens in die Schranken verwiesen lohnende Beute überquerten werden mussten.
5 K. Christ, Geschichte der Römischen Kaiserzeit. Von Augustus bis Konstantin, München (3.
Aufl.) 1995, S. 124
6 Bechert, Römisches Germanien zwischen Rhein und Maas. Die Provinz Germania Inferior,
München, Zürich 1982, S. 31
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Karl Christ hatte noch die Bedeutung der Flüsse als Begrenzungslinien angezweifelt, er sieht Siedlungskonzentrationen und politische Machtkerne als 7 . Die neuere und neueste entscheidend und für Operationsziele bindend
Forschung (z.B. Wolters, Deininger) hat darauf aufmerksam gemacht, dass manum die Ereignisse entlang dieses Gebietes zu verstehen - auch gerade die Bedeutung der Flüsse untersuchen und interpretieren muss:
Schon in Caesars Bericht „De bello Gallico“ wird das von ihm unterworfene Gallien als homogenes Gebiet beschrieben, das im Umfang östlich durch den 8 . Somit wurde der Rhein scheinbar zu Rhein von den Germanen abgegrenzt wird 9 . Die Funktion eines einer Demarkationslinie ethnischer Verschiedenheit abgrenzenden Flusses wurde auch durch die jeweils singuläre Beschreibung über die Kulturen der jeweiligen Volksgruppe konstituiert. Gleichzeitig wurde die Fläche seiner Eroberung evident, auch wenn er im Jahre 55 und 53 v. Chr. den 10 , zunächst wohl als Abschreckung gedacht, gleichzeitig aber Rhein überquerte
eine Demonstration militärischer und technischer Überlegenheit gegenüber den Germanen und die Symbolik eines auf unbegrenzten Progressus gerichteten Herrschaftsanspruchs und Sozialimperialismus.
Der Rhein bildete aber keinesfalls eine derart strikte Trennung der verschiedenen Kulturen. Caesar widmet sich in seiner Beschreibung den Menapiern, die ihre 11 . Beachtet werden müssen auch Landschaften beiderseits des Rheins besaßen
die Kontakte zwischen Galliern und Germanen. Im Kriegsfall warben die Gallier 12 . Julius scheinbar selbstverständlich auch Krieger ihrer Rheinnachbarn ab Caesar unterstreicht sein aktives Eingreifen in die rechtsrheinischen Strukturen 13 und dem Angebot durch die Deskription seiner guten Kontakte zu den Ubiern
7 Christ, Germanienpolitik, S. 201
8 Caes. Gall. 27,4
9 R. Wolters, Römische Eroberung und Herrschaftsorganisation in Gallien und Germanien. Zur
Entstehung und Bedeutung der sogenannten Klientel-Randstaaten, Bochum 1990, S. 134
10 Caes. Gall. 4,16; 6,9
11 Caes. Gall. 4,4,2
12 Caes. Gall. 6,2,1
13 Caes. Gall. 6,9,6
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2002, Die Niederlage des Lollius, München, GRIN Verlag GmbH
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