Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis....................................................................................................................... 2
1. Psychoanalyse 3
2. Dekonstruktion 4
3. Psychoanalytische Literaturinterpretation und Dekonstruktion im Vergleich 5
Literaturverzeichnis. 6
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1. Psychoanalyse
Um den Begriff des ‚Kooperationsmodells’ 1 zu erklären, möchte ich auf die gegenseitige Abhängigkeit von Psychoanalyse und Literaturwissenschaft respektive Literaturinterpretation eingehen. Zur Darstellung seiner psychologischen Theorien, bezog sich Sigmund Freud oftmals auf literarische Werke; sein ‚Ödipus-Komplex’ sei hier Beispiel genug. In Der Dichter und das Phantasieren aus dem Jahr 1908 2 , unterstellt Freud wiederum jedem kreativen Schreibprozess, aus einer bewussten oder unbewussten Unbefriedigung des Autors heraus zu entstehen und benutzt für diesen Vorgang den Begriff der ‚Sublimierung’. Freud benutzt also jeweils das eine, um das andere zu erklären. Jedoch ist hier eine psychologische Akzentuierung zu erkennen, die quasi jeder literarischen Aktion, also auch der Literaturwissenschaft an sich, einen psychologischen Ursprung aufdrängt und somit einen pathologischen Charakter annehmen lässt. Nichtsdestoweniger hat sich diese Ansicht bis heute, zumindest latent, gehalten, wie neuere Veröffentlichungen in Bezug auf Freud und die Literaturtheorie belegen. 3
Der Psychologe Jacques Lacan 4 relativierte in den Nachkriegsjahren Freuds Ansicht über die Bedeutung der Psychoanalyse für die Literaturwissenschaft, indem er psychologisches Verständnis als Baustein für die verschiedenen Literaturinterpretationsmethoden voraussetzt, um einen möglichst komplexen Verstehenshorizont zu errichten. Dieses Verständnis erwächst aus seiner Verknüpfung vom Unbewussten und der Sprache, deren Zeichenaussagen er mit gleichen Strukturen ausgestattet sieht. 5
Wurde bisher versucht, den Text mit der Psyche des Autors in Einklang zu bringen, hält die psychoanalytische Literaturinterpretation noch einen weiteren Aspekt zur
Informationsgewinnung bereit; den des Lesers. Hier konzentriert sich der psychoanalytisch orientierte Literaturwissenschaftler zusätzlich auf die unterschiedlichen Reaktionen der Rezipienten. 6 Der Punkt, der in meinen Augen offen bleibt, ist die pauschale
1 RUTSCHKY, Michael (1981): Lektüre der Seele. Frankfurt a. M.(u.a.), zitiert nach: ANZ, Thomas (2002): Psychoanalytische Literaturinterpretation. In: JAHRAUS, Oliver & Stefan NEUHAUS (Hgg.): Kafkas ‚Urteil’ und die Literaturtheorie. Zehn Modellanalysen, S. 126-151.
2 Die Arbeit beruht auf einem Vortrag Freuds, der bereits 1907 stattfand und in der Wiener Tageszeitung Die Zeit abgedruckt wurde. Die vollständige Fassung wurde aber erst im März 1908, im Band 1 der literarischen Zeitschrift Neue Revue veröffentlicht; vgl.: FREUD, Sigmund (1908): Der Dichter und das Phantasieren. In: MITSCHERLICH, RICHARDS & STRACHEY (Hgg.)(1969): Sigmund Freud. Bildende Kunst und Literatur, S. 169-179.
3 DE BERG, Henk (2005): Freuds Psychoanalyse in der Literatur- und Kulturwissenschaft, S. 83-120.
4 LACAN, Jacques (1996): Das Spiegelstadium als Bildner der Ichfunktion. In: KIMMICH, RENNER & STIEGLER (Hgg.): Texte zur Literaturtheorie der Gegenwart, S. 177-188.
5 EAGLETON, Terry (1997): Einführung in die Literaturtheorie, S. 157.
6 DE BERG (2005), S. 97.
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Anwendungsmöglichkeit von psychoanalytischer Literaturinterpretation auf alle Texte, selbst auf nicht-reale Texte wie z.B. Märchen. Kafkas Urteil und der in diesem Text steckende ödipale und somit psychologische Konflikt, laden natürlich zu einer psychoanalytischen Interpretation ein.
2. Dekonstruktion
Der Begriff ‚Dekonstruktion’ wurde in den 1960er Jahren durch den französischen Philosophen Jacques Derrida geprägt und vereinigt die Lexeme DESTRUKTION und KONSTRUKTION, also ‚Abbau’ und ‚Aufbau’. Das hieraus entstehende Paradoxon weist auf den Grundgedanken der Dekonstruktion hin;
„den Nachweis [zu erbringen, P.H.], dass - und vor allem: wie - ein Text seine Bedeutung selbst hinterfragt, durchkreuzt und gerade
mit solchen Paradoxien Sinn schafft.“ 7
Kennzeichnend für diese Theorie ist der philosophische Ursprung, den erst die Amerikaner Paul de Man oder auch Geoffrey Hartman, auf die Literaturwissenschaft anwenden und als Methode der Literaturinterpretation [Deconstruction, P.H.] von den USA aus legitimierten. Sie analysierten Texte mit Hauptaugenmerk auf die Gegensätzlichkeit, aber eben auch auf die gleichzeitige gegenseitige Bedingtheit von Bedeutungsebene und materieller Ebene. So stellt die dekonstruktive Lesart unter anderem die „offensichtliche“ Oppositionalität von Begriffen wie ‚männlich’ und ‚weiblich’ in Frage, indem sie herausarbeitet, dass „[…] bestimmte Regelmäßigkeiten, die einen der beiden Begriffe und damit die unterscheidende Grenze zum anderen Begriff kennzeichnen, gleichermaßen für den anderen gelten.“ 8
Die hieraus entstandene Unschärfe der Abgrenzungen ist als Mehrdeutigkeit der in einem Text enthaltenden Zeichen und dadurch auch als Affront gegen die „Saussureschen“ Strukturalisten zu verstehen. Für Derrida „erscheinen vor allem Hegels Totalitätsdenken und Saussures linguistisches System als Inkarnationen einer mit dem Herrschaftsprinzip verquickten metaphysischen Begriffsbildung.“ 9
In Deutschland hielt sich der Erfolg der Dekonstruktion in Grenzen und ist eher im Zusammenhang mit der Debatte um die „Gadamersche“ Hermeneutik bekannt geworden. 10
7 PFLUG (2007):
Dekonstruktion / Deconstruction.
Zugegriffen am 27. Juni 2007 von
8 Ders., ebd., vom 27. Juni 2007.
9 ZIMA, Peter V. (1994): Die Dekonstruktion. Einführung und Kritik, S. 1.
10 WEGMANN, Nikolaus (1997): Dekonstruktion. In: WEIMAR, Klaus (Hrsg.): Reallexikon der Deutschen Literaturwissenschaft, S. 334-337.
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Arbeit zitieren:
Patrick Hillegeist, 2007, Dekonstruktion und psychoanalytische Literaturinterpretation - ein Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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