Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis.................................................................................................................... II
Inhaltsverzeichnis.................................................................................................................... II
Abk ürzungsverzeichnis. V
Abbildungsverzeichnis VII
Tabellenverzeichnis. VIII
1. Einleitung 1
2. Die Überalterung der Gesellschaft in Deutschland. 1
2.1 Bedeutung des demographischen Wandels 1
2.2 Ursachen der demographischen Überalterung 4
2.2.1 Geburtenentwicklung 5
2.2.2 Lebenserwartung 6
2.3 Prognosen bis 2050 7
2.4 Auswirkungen auf das Gesundheits- und Sozialwesen. 8
2.4.1 Gesetzliche Rentenversicherung 8
2.4.2 Gesetzliche Krankenversicherung. 9
2.4.3 Gesetzliche Pflegeversicherung 10
2.4.4 Strukturwandel des Alters 13
2.4.5 Chancen und Risiken. 15
3. Geriatrie 16
3.1 Begriffserklärung 17
3.1.1 Gerontologie. 17
3.1.2 Geriatrie. 17
3.1.3 Akutgeriatrie und Geriatrische Rehabilitation 18
3.2 Gesetzliche Strukturen 19
3.3 Aufgabenbereiche. 19
3.3.1 Zielsetzung 19
3.3.2 Prinzipien 21
3.3.3 Gestaltung der Zusammenarbeit. 21
3.4 Rehabilitation und Pflege 22
3.5 Geriatrische Tagesklinik 23
3.6 Erkrankungen in der Geriatrie. 24
3.6.1 Indikationen. 24
3.6.2 Krankheitsbilder 25
3.6.3 Spezielle Erkrankungen. 26
3.7 Der geriatrische Patient 26
3.7.1 Physische Veränderungen 26
3.7.2 Psychische Veränderungen 27
3.7.3 Soziale Veränderungen 28
3.8 Das therapeutische Team 29
3.8.1 Der ärztliche Dienst. 29
3.8.2 Aktivierende therapeutische Pflege. 30
3.8.3 Physiotherapie 30
3.8.4 Ergotherapie 30
3.8.5 Psychologie und Klinische Neuropsychologie. 31
3.8.6 Logopädie. 31
3.8.7 Sozialarbeit- psychosoziales Angebotsspektrum 32
4. Klinische Sozialarbeit in der Geriatrie. 33
II
4.1 Bedeutung der Klinischen Sozialarbeit in unserer Gesellschaft 33
4.2 Definition 34
4.3 Sozialpädagogisches Handeln 34
4.3.1 Ziele. 34
4.3.2 Zielgruppen 35
4.3.3 Kompetenzen und Aufgaben. 36
5. Praxisnahe Fallbeispiele 40
5.1 Fallbeispiele 40
5.1.1 Fallbeispiel 1 40
5.1.2 Fallbeispiel 2 42
5.1.3 Fallbeispiel 3 44
5.1.4 Fallbeispiel 4 45
5.2 Geriatrische Behandlungsverlauf 47
5.2.1 Krankenhausaufnahme 47
5.2.2 Arztgespräch. 49
5.2.3 Sozialstatus. 50
5.2.4 Teamgespräch. 53
5.2.5 Angehörigengespräch. 55
6. Poststationäre Versorgungsstrukturen 58
6.1 Selbsthilfepotentiale 58
6.2 Pflegende Angehörige entlasten. 61
6.3 Leistungen ambulanter Pflegedienste. 63
6.4 Mobile geriatrische Rehabilitation 64
6.5 Hilfepotential durch bürgerschaftlich engagierte Helfer und Helferinnen. 66
6.6 Jung für Alt. 67
7. Barrieren im Klinischen Sozialdienst. 68
7.1 Aufnahmeprozess im Krankenhaus. 69
7.1.1 Aufnahme 69
7.1.2 Einsatzgebiet des Sozialarbeiters 69
7.1.3 Öffentlichkeitsarbeit. 70
7.2 Arztgespräch. 71
7.2.1 Arzt-Patienten-Beziehung 71
7.2.2 Arzt-Patienten-Verhältnis. 72
7.2.3 Einsatzgebiet des Sozialarbeiters 72
7.3 Therapeutisches Team. 73
7.3.1 Kooperation über Dritte 73
7.3.2 Sozialarbeiter im Team 74
7.3.3 Kommunikationen und Dokumentation 75
7.3.4 Weiterbildung. 76
7.3.5 Teilnahme an Gremien 77
7.3.6 Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen 78
7.3.7 Seelsorger 78
7.4 Klinischer Sozialdienst. 79
7.4.1 DRG 79
7.4.2 Gesprächsraum 80
7.4.3 Rollenkonflikt. 81
7.4.4 Identitätsverlust des Sozialarbeiters 81
7.4.5 Entlassungsmanagement 83
7.4.6 Integrierte Versorgung 85
8. Zusammenfassung. 87
III
9. Literatur. 88
10. Anhang 93
IV
Abkürzungsverzeichnis
AHB Anschlussheilbehandlung
ATL Aktivitäten des täglichen Lebens
AWO Arbeiterwohlfahrt
BGB Bürgerliches Gesetzbuch
bzw. beziehungsweise
d.h. das heißt
DRG Diagnostic Related Groups
DRK Deutsches Rotes Kreuz
DVSG Deutsche Vereinigung für Sozialarbeit im Gesundheitswesen e.V.
EKG Elektrokardiogramm
etc. et cetera
ggf. gegebenenfalls
GKV Gesetzliche Krankenversicherung
GPV Gesetzliche Pflegeversicherung
GRV Gesetzliche Rentenversicherung
GTK Geriatrische Tagesklinik
i.d.R. in der Regel
MDK Medizinischer Dienst
Mill. Millionen
SGB Sozialgesetzbuch
u.a unter anderem
V
WHO Weltgesundheitsorganisation
z.B. zum Beispiel
z.Z. zur Zeit
ZNS Zentralesnervensystem
VI
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 Geburtendefizit.
Abbildung 2 Lebenserwartung
Abbildung 3 Bevölkerungszahl.
VII
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1 Lebenserwartung bis 2050 96
Tabelle 2 Erwerbsalter 96
Tabelle 3 Rentenaltersgrenze 97
Tabelle 4 Höhe der Leistungen 98
VIII
1. Einleitung
Alt werden wollen die meisten Menschen in Deutschland, aber keiner will alt sein. Verwundert das? Unsere Gesellschaft zeichnet sich nicht damit aus, ältere und hilfebedürftige Menschen im Mittelpunkt des Interesses zu stellen. Die Gesundheitspolitik und der dazu parallel verlaufende demographische Wandel beeinflussen die Umsetzung geriatrischer Versorgungsstrukturen. Die Geriatrie erhebt den Anspruch, für die immer größer werdende Zahl der älteren Patienten, Konzepte zu entwickeln, die wesentlich zur Lösung des Gesamtproblems beitragen können. Gesetzliche und Strukturelle Veränderungen im Gesundheitssystem werden nicht von allen älteren Menschen positiv bewertet. Einige ältere Menschen sind mit der Angebotsvielfalt der gesellschaftlichen Netzwerke unzufrieden, ziehen sich zurück und resignieren letztendlich. Dieser Entwicklung entgegen zu wirken, erfordert eine professionelle Unterstützung durch den Klinischen Sozialdienst. Die Praxis signalisiert, dass die Effektivität und Effizienz nur entscheidend gesteigert werden kann, wenn geriatrische also ganzheitliche Be-handlungsstrategien konsequent angewandt werden. Das immer weiter zu optimierende Niveau der geriatrischen Versorgung gegenüber der politisch verfolgten Kostensenkung im Ge-sundheits- und Sozialsystem zwingen den Klinischen Sozialdienst zu einer neuen Positionierung und eigenem Rollenverständnis im System. Das Ziel, älteren Menschen bei der Erschließung sozialer Ressourcen und bei der Aktivierung eines patienteneigenen Netzwerkes zu unterstützen, ist nur durch eine intensive Zusammenarbeit mit internen und externen Leistungsträgern durchzusetzen. Eine Herausforderung für den Klinischen Sozialdienst ist es, sich mit den gegenwärtigen Tendenzen auseinanderzusetzen und daraus resultierende Angebote zu strukturieren, um die ältere Generation vom Abseits in den Mittelpunkt der spezifischen Ver-sorgungssysteme zu stellen.
2. Die Überalterung der Gesellschaft in Deutschland
2.1 Bedeutung des demographischen Wandels
In den Medien wird man oft mit den Aussprüchen, „Unsere Gesellschaft wird älter“ und Deutschland wird eine alte, arme und graue Nation, konfrontiert. Hinter diesen Aussagen verbirgt sich die hochbrisante Problematik des demographischen Alterns der Bevölkerung in
1
Deutschland. Der demographische Wandel stellt Politik und Gesellschaft vor neue Aufgaben (vgl. Tesch-Römer 2006, S. 11).
Diesen Herausforderungen müssen sich nicht nur die Sozial- und Finanzpolitiker sondern auch die Altersforscher stellen. Das Altern berührt nicht nur jeden Menschen sondern die Wirtschaft, die Sozialstruktur und das Gesundheitsversorgungssystem der Gesellschaft. Dieses neue Phänomen „Altern“ hat zur Folge, dass nach neuen Ideen, Programmen und Maßnahmen gesucht werden muss, um zu erreichen das Gesundheit und Wohlbefinden gesellschaftlich akzeptiert sowie wirtschaftlich kompetent durchgesetzt werden kann (vgl. Gatterer 2003, S. Vorwort).
Die Strukturen der modernen Gesellschaften haben sich erheblich gewandelt, weil sich die Altersverteilung bereits heute und auch auf längere Sicht verändert und dadurch eine „neue“ Gesellschaft entstanden ist. Viele moderne Gesellschaften sind auf dem Wege zur „ergrauten Gesellschaft“, weil bis zur Mitte des nächsten Jahrhunderts der Anteil der über 60-jährigen Menschen sprunghaft ansteigen und dann mehr als ein Drittel der Bevölkerung ausmachen wird. Die niedrige Geburtenhäufigkeit und steigende Lebenserwartung haben eine langfristige verlaufende Strukturverschiebung im Altersbau zu Ungunsten der jüngeren Bevölkerungsanteile ausgelöst (vgl. Prahl 1924, S. 9f). „Ein wichtiger Bestandteil der schleichenden Revolution des demographischen Wandels ist die Alterung der Gesellschaft: Nicht allein die absolute Zahl alter und hochaltriger Menschen sondern insbesondere ihr relativer Anteil an der Bevölkerung steigt und wird in den nächsten Jahrzehnten bei zugleich schrumpfender Gesamtbevölkerungszahl stärker als je zuvor zunehmen“ (Tesch-Römer 2006, S. 11). Das bedeutet, Altern ist ein nicht umkehrbarer langfristiger Vorgang, der zudem globale Ausmaße annimmt. Deshalb ist es von enormer Bedeutung den Prozess der demographischen Alterung in seinen komplexen Wirkungen am gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang zu messen. Dabei gerät die Gesellschaft in ihren verschiedenen Teilbereichen immer mehr unter Veränderungsdruck. Es wird nicht nur Flexibilität oder ein theoretisches Grundverständnis von Solidarität verlangt sondern auch die generelle Bereitschaft, für benachteiligte Gruppierungen in unserer Gesellschaft einzustehen. Die Alterung der Bevölkerung führt unerlässlich zu Veränderungen der GRV, GKV und GPV. Dies resultiert aus dem zunehmenden quantitativen Anteil der Älteren und den qualitativen Veränderungen, weil chronische Krankheiten und Pflegebedürftigkeit eine enorme Herausforderung für Gerontologie, Geriatrie sowie für die Gesundheits- und Sozialpolitik darstellen (vgl. Schimany 2003, S. 13). Der Gesundheitszustand über die gesamte Lebensspanne hinweg ist im entscheidenden Maß für die individuelle Lebensqualität verant-wortlich. Mit dem fortschreitenden Alter steigt das Risiko einer Verschlechterung des Ge-
2
sundheitszustandes, insbesondere fühlen sich ältere Menschen häufig durch gesundheitliche Beschwerden in ihrem subjektiven Wohlbefinden beeinträchtigt. Dennoch ist das Erreichen eines hohen Alters nicht zwangsläufig mit Gebrechen, Krankheiten und Verlusten verbunden. Denn anders als früher sind alte Menschen heute gesünder, mobiler und aktiver (vgl. Prahl 1924, S. 10). Einerseits setzt sich die ältere Bevölkerung selbst mit den Anforderungen, Einschränkungen und Belastungen des Alters auseinander und auf der anderen Seite haben aber auch alte Menschen einen Anspruch auf eine Auswahl von Dienstleistungen und auf Mitbeteiligung an der Organisation sozialer Angebote (vgl. Karl 1993, S. 12). Eigenbeteiligung, Vor-sorge oder Selbstbestimmung sind dabei bedeutende Schlagwörter. Viele Dienstleistungen müssen sich den steigenden Marktmechanismen anpassen und umfangreiche Angebote anbieten. Der aktuelle demographische Wandel sowie die Einführung der GPV führten zu einem entscheidenden Paradigmenwechsel: dem anspruchsberechtigen Pflegebedürftigen wird die Rolle eines Kunden zugewiesen. Die geplanten Veränderungen im Gesundheitswesen zielen in dieselbe Richtung. Eine neue Krankenhausfinanzierung oder so genannte integrierte Ver-sorgung ist der Nachweis dafür (vgl. Zippel 2003, S. 13). Das Alter, Altern und alte Menschen befinden sich in der heutigen Zeit wie zu keiner anderen Epoche im Mittelpunkt des Interesses und der Handlungsmaxime des Gesundheitswesens. Der individuelle Lebensplan und die Lebensinhalte der Betroffenen sind bedeutungsvolle Entscheidungshilfen bzw. die oberste Richtschnur für den Sozialarbeiter. Die Aufgabe des Sozialarbeiters ist es, die Versorgungs-, Absicherungs- und Angebotssysteme dem Betroffenen transparent zu machen (vgl. Zippel 2003, S. 14). In Krisensituationen, in denen rasche professionelle Hilfe gefordert ist, besteht in vielen Fällen das Problem, dass der Markt öffentlicher Dienstleistungen nicht einfach zu überschauen und zu beurteilen ist. Kurzfristige erreichbare und unbürokratisch wirksame (niederschwelliger) Unterstützungsangebote sind daher gleichermaßen gefordert, wie auf lange Sicht angelegte Anpassungen der Hilfen (vgl. Böhme 2004, S. 122). Die Aufgabe des Sozialarbeiters ist es sowohl die Einzelfallebene zu betrachten, als auch die regionale und politische Ebene zu fördern (vgl. Zippel 2003, S. 14). Eine richtige Balance zwischen den Alternativen des Einzelnen und den Entfaltungschancen, die eine Gesellschaft gewährt, ist die Voraussetzung, um die Ziele ihrer Bürger und Bürgerinnen zu verwirklichen (vgl. Böhme 2004, S. 122). Diverse Akteure wie z.B. Politik, Medien und Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Berufsgruppen können dabei behilflich sein, individuell zugeschnittene Hilfen für die Zielgruppe Älterer früh genug zu entwickeln, anzuwenden und bei auftretenden Veränderungen der Situation neu anzupassen. Fördernde Faktoren, wie individuelle Ressourcen der Betroffenen und externe Ressourcen der Gesellschaft erlangen im höheren Alter zu-
3
nehmend an Bedeutung. Die verschiedenartigen Angebote lassen die Autonomie und Lebensqualität älterer Menschen aufrechterhalten oder sogar entscheidend verbessern (vgl. Böhme 2004, S. 120).
Durch die Überalterung der Gesellschaft wird immer mehr der Strukturwandel der Familie beeinflusst. Die Familie wird kleiner, instabiler und die Familienphase ist zeitlich begrenzt. Im Gegenzug steigen jedoch die gestellten Anforderungen der innerfamiliären Pflege an die erwachsenen Kinder an, die für die hochbetagten Eltern sorgen (vgl. Karl 1993, S. 12). Dennoch erweckt es den Anschein, dass die Familie ein abstrakter Wert in unserer Gesellschaft geworden ist. Bis zum heutigen Zeitpunkt hat vor allem die Familie die Hauptlast getragen, wenn es darum ging, ältere Angehörige zu ermutigen, zu stützen und beiläufige Einschränkungen auszugleichen. Vielfach werden jedoch durch die erforderlichen Hilfen die Belastbarkeitsgrenzen überschritten. Deshalb ist es notwendig, präventiv einzugreifen, indem zusätzliche Hilfestellungen, die über das familiäre Netzwerk hinausgehen in die Unterstützung mit einzubeziehen. Angesichts der Tatsache, dass immer mehr Menschen älter werden, sind zum einen nicht nur klare Regelungen erforderlich, die den Einzelfall betrachten sondern auch gesamtgesellschaftliche Schritte, die sich mit der Vorbereitung auf das Altern beschäftigen. Moderne Gesellschaften werden durch Institutionen, Großaggregate oder Wertesysteme und durch die altersmäßige Zusammensetzung der Bevölkerung charakterisiert. Die Soziologie steht bei alledem in enger Kooperation mit der Bevölkerungswissenschaft (Demographie), die seit langem Statistiken über Geburten, Sterblichkeit, Gesundheit oder Krankheit aufstellt. Aufgrund von Erhebungen und Statistiken kann man die Entwicklung und Zusammensetzung der jeweiligen Bevölkerung ableiten (vgl. Schroeter 1999, S. 25).
2.2 Ursachen der demographischen Überalterung
Politische Vorhaben und Entscheidungen, die für Staat und Gesellschaft wichtig sind, zeigen immer deutlicher einen Zusammenhang mit der Bevölkerungsstruktur auf. Sie stellt die inneren Gesetzmäßigkeiten unter folgende zwei Tendenzen: eine Bevölkerungsabnahme, die auf einen Abfall der Anzahl der Neugeborenen unter die Zahl der Sterbefälle zurückzuführen ist. Das bedeutet einmal weniger Menschen, aber langfristig auch eine Schmälerung der Elternbasis der nachfolgenden Generationen. Bei der Betrachtungsweise bleibt der Einfluss der Migranten auf den Altersprozess unberücksichtigt, da beständige Zuwanderungen langfristig den Altersprozess nur im geringen Maße beeinflussen.
4
Die zweite überragende Tendenz wird mit der Alterung der Bevölkerung oder akademisch exakter demographischer Alterung bezeichnet. Das Nachwachsen von geburtenschwachen Jahrgängen und die steigende Lebenserwartung in höheren Alterstufen bewirkt eine Gewichtsverlagerung zu den Jahrgängen hin, die in der zweiten Lebenshälfte stehen (vgl. Schimany 2003, S. 15). Daraus resultiert, dass das fiktive Durchschnittsalter der Bevölkerung ansteigt. Diese Entwicklung ist im Komplex unter Berücksichtigung entscheidender Faktoren, wie Geburtenentwicklung und Lebenserwartung zu betrachten.
2.2.1 Geburtenentwicklung
Die demographische Literatur verwendet Begriffe wie „Fruchtbarkeit“ und „Fertilität“. Diese werden gewöhnlich als sinnverwandte Wörter gebraucht oder eingesetzt (vgl. Schimany 2003, S. 159). Ein Rückblick auf die Geburtenrückgänge während des Industrialisierungsprozesses soll verdeutlichen, dass dies mit eine Ursache der demographischen Alterung ist. Der erste Geburtenrückgang ereignete sich mit der ersten Phase der Industrialisierung und hat sich zwei Generationen lang bis hin zur Weltwirtschaftskrise 1929 hingezogen. Vor dieser Zeit dominierte die bäuerliche Kultur. Es musste mehr Nachwuchs gezeugt werden, damit das Überleben der Eltern sichergestellt werden konnte und aufgrund der hohen Kindersterblichkeit, die positive Bevölkerungsbilanz mit mehr Geburten als Sterbefällen kompensiert werden. In den Jahren 1871-1880 wurde eine Frau 45 bis 50 Jahre alt und brachte oft 5 Kinder zur Welt (vgl. Bundesministerium 1994, S. 7). Ab 1930 und folgenden Jahren waren es nur noch 2,2 bis 2,0 Kinder. Dies ist das Resultat der beiden Weltkriege sowie der Weltwirtschaftskrise. Die Geburtenentwicklung zeigt in Deutschland seit 1945 einen starken ungleichmäßigen Verlauf. In ihr spiegeln sich die Entwicklungen im Altersaufbau der Bevölkerung wieder, die überwiegend auf die Menschenverluste der beiden Weltkriege zurückzuführen sind und so noch Generationen später nachwirken. Sie ist andererseits geprägt durch die Veränderungen der ganz persönlichen Entscheidungen darüber, wie viele Kinder eine Frau wann zur Welt bringt. Um die Fertilität zu erfassen, analysiert man das Geburtenverhalten und die Kinderzahl von Frauen und Paaren. Dieses Verhalten (also auch Unterlassungen) nannte Gerhard Mackenroth „generatives Verhalten“. Es ist abhängig von sozialen und ökonomischen Strukturen, kulturellen Wertesystemen und familiären Sinnorientierungen. Eine starke Zunahme der Geburten gab es erst in den 50er Jahren, als viele Paare die im Krieg und in der unmittelbaren Nachkriegszeit aufgeschobene Familiengründung nachholten. Ein weiteres Geburtenhoch folgte in
5
der ersten Hälfte der 60er Jahre. Dieser Babyboom lässt sich durch das Wirtschaftswunder und den daraus resultierenden gestiegenen Wohlstand erklären. Anfang der 70er Jahre war jedoch wieder ein starker Geburtenrückgang zu verzeichnen. Der säkulare Geburtenrückgang ist das Ergebnis veränderter Kinderzahlen je Frau (vgl. Bundesministerium 1994, S. 7). Die Anzahl der Frauen, die sich zur Kinderlosigkeit entschließen oder keine Kinder bekommen können, hat kontinuierlich mit steigendem Lebensstandard zugenommen. So bringen z.Z. in Deutschland rund 30% aller Frauen bis zum 32. Lebensjahr keine Kinder mehr zur Welt und unter Akademikerinnen liegt der Anteil sogar bei 40% (vgl. Zippel 2003, S. 21). Auch in der Zukunft wird die Gesellschaft mit weiteren Geburtenrückgängen rechnen müssen. Ursache dafür ist, dass jede folgende Müttergeneration kleiner sein wird, als die vorherige. Bei der Fortsetzung dieser demographischen Entwicklung wird sich das Geburten-defizit von 144 000 im Jahr 2005 in den nächsten 40 Jahren auf ca. 570 000 bis 600 000 erhöhen (Abb.1).
2.2.2 Lebenserwartung
Eine weitere bedeutende Ursache des demographischen Altersprozesses ist die Zunahme der Lebenserwartung der Bevölkerung. Die zunehmende Lebenserwartung ist immer im Zusammenhang mit einer sinkenden Sterblichkeit zu betrachten. Immer mehr Menschen werden immer älter. In den früheren Generationen wurden die Menschen selten älter als 35 Jahre. Die Geschichte zeigt, das der Prozess des Alterns weniger die Folge der Natur als vielmehr der Zivilisation der verschiedenen Zeitepochen ist (vgl. Schimany 2003, S. 101). Von der Frühgeschichte bis zum 18. Jahrhundert betrug die Lebenserwartung im Durchschnitt relativ gleichbleibend 30 bis 35 Jahre. Zum Ende des 19. Jahrhunderts ist ein Anstieg auf rund 45 Jahre zu verzeichnen (Abb. 2).
Diese Entwicklung ist hauptsächlich der fortdauernden Senkung der Säuglingssterblichkeit zu zuschreiben. In der Zeit von 1871-1881 sind rund ein Viertel aller Neugeborenen im ersten Lebensjahr gestorben. 1949-1951 waren es nur noch 6%. Im Jahr 2004 lag die Säuglingssterblichkeit bereits unter 6% (vgl. Eisenmenger 2006, S. 38). Eine ständige Steigerung der Lebenserwartung charakterisiert das 20. Jahrhundert. Der Gewinn an Lebenserwartung ist z.B. die Folge großer Leistungen im Gesundheitswesen, verbesserten Lebensbedingungen und Lebensstilen, stabiler und ausgeglichener Ernährung sowie ständig wachsendem Fortschritt in der Hygiene und der Medizin. Die Wahrscheinlichkeit alt zu werden, wird von Jahr zu Jahr größer (vgl. Gatterer 2003, S. 5). Auch für ältere Personen ist die durchschnittliche Lebenserwartung gestiegen. Mit der Lebenserwartung drückt die Statistik einen erwartbaren Lebens-
6
zeitraum aus, den Neugeborene zum jeweils angegebenen Zeitpunkt hatten bzw. heute haben. Die Auswertung der Statistik zeigt, das 60-jährige Männer bereits 1871-1881 mit einer weiteren durchschnittlichen Lebenserwartung von 12,1 Jahren registriert sind. Eine Frau kann hingegen von 12,7 Jahren ausgehen. 2002/2004 sind es für gleichaltrige Männer insgesamt 80 Jahre und für Frauen 84,1 Jahre (vgl. Eisenmenger 2006, S. 38). Obwohl aufgrund verbesserter medizinischer und sozialer Versorgung mit einem weiteren Anstieg der Lebenserwartung in der Zukunft zu rechnen ist, sind die Verbesserungspotentiale an einem bestimmten Zeitpunkt fast ausgeschöpft. Es stellt sich jedoch die Frage, wie sich die Gesellschaft und die Menschen mit dem Thema „hohes“ Lebensalter auseinandersetzen und wie die Entwicklung mit all ihren Folgen trotzdem für alle ein menschenwürdiges, finanzierbares, zukunftorientiertes Leben ermöglicht.
2.3 Prognosen bis 2050
Die Bevölkerungsentwicklung zeigt, dass die demographische Alterung einer der für das 21. Jahrhundert am klarsten erkennbaren Trends ist. Der demographische Wandel ist immens und macht es erforderlich, über Veränderungen im Bevölkerungsabbau intensiv nachzudenken und mögliche Konsequenzen aufzuzeigen. Die Einwohnerzahl Deutschlands von heute rund 82 Mill. wird aller Voraussicht noch bis 2050 auf rund 69 Mill. sinken (Abb. 3). Diese sich abzeichnende Entwicklung ist eine Herausforderung, der von allen Seiten aus begegnet werden muss. Hier sind nicht nur Politiker in Bund, Kommunen und Ländern zum Handeln aufgerufen sondern auch die Wirtschaft, das Gesundheitswesen, der Wohnungsmarkt, die Städte-und Verkehrsplanung, aber vor allem auch Bildung und Wissenschaft. Der demographische Wandel und die enorme Verlängerung der durchschnittlichen Lebenszeit dürfen nicht primär als Problem sondern müssen als Gewinn für unsere Gesellschaft gesehen werden. Ein Wunschtraum der Menschheit, möglichst alt zu werden, scheint zunehmend erfüllbar. Im Jahr 2050 wird die statistische Lebenserwartung der Frauen 88 Jahre und die der Männer 83,5 Jahre betragen (Tab.1). Diese Menschen sind weder der alte, graue Teil unserer Gesellschaft, noch sind sie als Rentenberg anzusehen. Sie sind vielmehr Menschen einer Generation, die es verdienen sich mit deren altersbedingten Problemen auseinanderzusetzen.
7
2.4 Auswirkungen auf das Gesundheits- und Sozialwesen
Der Altersprozess ist ein Anliegen der sozialen Sicherheit. Über die Hälfte aller für Systeme der sozialen Sicherheit aufgewandten Ressourcen sind für die Bereitstellung von Renten bestimmt. Die Gesundheitsausgaben und Programme für soziale Wohlfahrt, einschließlich Sondermaßnahmen für die Langzeitpflege gebrechlicher Betagter, kommen zu dem Beitrag hinzu. Dadurch wird das tägliche Leben zahlreicher alter und betagter Menschen positiv oder negativ beeinflusst. Sie schützen Einkommen, ihre Gesundheit, ihr Wohlergehen und ihre Würde als Bürger und Personen. Wörter wie „Überalterung“, „demographischer Niedergang“ oder „negative Bevölkerungsentwicklungen“ sollen nicht dazu führen, dass die demographische Entwicklung negativ bewertet wird. Durch die demographische Entwicklung werden das Ge-sundheits- und Sozialwesen stärker belastet. Die Wechselwirkungen zwischen dem deutschen Sozialsystem und der demographischen Entwicklung in Deutschland werden daher in Zukunft wichtige Determinanten der wirtschaftlichen Entwicklung bleiben. Reformen, Reformdebatten werden verlangt, weil ohne Reformen die heutige soziale und medizinische Versorgung nicht in gleicher bzw. verbesserter Qualität fortgesetzt werden kann (vgl. Zippel 2003, S. 25). Der Klinische Sozialarbeiter muss sich mit den gegebenen Daten der Bevölkerungsentwicklung auseinandersetzen, beobachten, immer auf den aktuellen Stand sein, um die Hilfen auf die ältere Generation abstimmen zu können.
2.4.1 Gesetzliche Rentenversicherung
Die demographische Alterung macht besonders den Rentenkassen zu schaffen. Immer weniger junge Menschen stehen einer wachsenden Zahl Älterer gegenüber. Die GRV steht aktuell wie kein anderes gesellschaftliches Subsystem im Mittelpunkt politischer Auseinandersetzung. Selbst eine sehr hohe Zuwanderung von jungen Menschen könnte den Altersquotient zwischen Menschen im arbeitsfähigen Alter zu den Menschen im Rentenalter nicht in Balance halten (vgl. Zippel 2003, S. 27). Im Jahr 2050 wird die Bevölkerung im Erwerbsalter um 22% bis 29% niedriger sein als 2005. Die zunehmende Zuwanderung wurde hier bereits mit einberechnet (Tab.2). Wenn man das Verhältnis von berufstätigen Personen zu Personen im Ren-tenstand aufrechterhalten will, müsste regelmäßig das Ruhestandsalter erhöht werden. Ein weiterer Weg ist, das Rentenniveau zu senken bzw. den Beitragssatz zu steigern. Die große Koalition der Bundesregierung hat sich 2007 für die Erhöhung des Renteneintrittsalters entschieden. Damit soll die Regelaltersgrenze von 2012 an, beginnend mit dem Jahrgang 1947
8
bis zum Jahr 2029, schrittweise auf 67 Jahre angehoben werden. Für die Jahrgänge ab 1964 gilt damit erstmals die Regelaltersgrenze von 67 Jahren (Tab.3). Das ohnehin schon komplizierte deutsche Rentensystem ist durch die neuen Reformen nicht einfacher zu verstehen. Im Gegenteil, die Erhöhung des abschlagfreien Renteneintrittsalters sorgt für Verwirrung. Es treten viele Fragen auf z.B. wann kann man in Rente gehen, welche Rentenarten gibt es, wann und für wen haben diese Gültigkeit. Diese Veränderungen im Rentensystem sind nur eine Vorstufe von weiteren Reformen. Heute müssen sich die Erwerbstätigen neben dem jetzt bestehenden Rentensystem zusätzlich eine Alterssicherung aufbauen. Die Umlagefinanzierung der GRV kann jedoch durch eine private Zusatzversicherung nicht ersetzt sondern nur ergänzt werden (vgl. Zippel 2003, S. 27). Der Sozialarbeiter hat nicht die Aufgabe der Rentenberatung im stationären Bereich sondern vielmehr muss er seine Sachkenntnisse einbringen, damit die Kompetenz und Selbstständigkeit der älteren Menschen weitgehend erhalten bleibt. Durch ein professionelles Handeln muss der Sozialarbeiter versuchen, die altersbedingten Belastungen für den Einzelnen und das Sozialgefüge so gering wie möglich zu halten. Die neuen Systemveränderungen bedingen, dass sich der Sozialarbeiter mit Veränderungen in seinem Tätigkeitsfeld auseinandersetzen muss, um alten Menschen Unterstützung zu geben und passende Hilfen anzubieten.
2.4.2 Gesetzliche Krankenversicherung
Nach dem SGB V §1 sind die GKV als Solidaritätsgemeinschaften gegenüber den Versicherten verpflichtet, im Rahmen der bestehenden Gesetze, jeden Versicherten unabhängig von Alter, Geschlecht, Einkommen und sozialen Status, die notwendigen medizinischen Behandlungen zu gewährleisten. Die jeweiligen Leistungen müssen grundsätzlich dem anerkannten medizinischen Standard entsprechen sowie zweckmäßig und ausreichend sein. Durch den demographischen Wandel haben die GKV in Deutschland seit Jahren mit gewaltigen Finanzproblemen zu kämpfen. Am 1. April 2007 trat eine neue Gesundheitsreform in Kraft und weitere Änderungen werden bis 2011 folgen (Vöcking 2007, S. 16f). Die Leistungen der häuslichen Krankenpflege sind nicht nur auf den Haushalt des Versicherten begrenzt sondern sie können auch in anderen geeigneten Einrichtungen erbracht werden z.B. betreute Wohnformen, altersgerechtes Wohnen. Aufgrund der Altersprozesse, die uns noch bevorstehen, werden sich die Probleme weiterhin verschärfen. Zuverlässige Statistiken zeigen, dass die Be-handlungskosten im Alter ständig steigen (vgl. Zippel 2003, S. 28). Einerseits beeinflusst der demographische Wandel die Entwicklung von Gesundheit und Krankheit sowie die soziale
9
Absicherung von Gesundheitsvorsorge, Krankheitsbehandlung und Krankheitsfolgen. Andererseits wird der demographische Wandel vor allem über die Beeinflussung der Lebenserwartung von der Entwicklung und Ausgestaltung des Gesundheitswesens mit gestaltet (vgl. Schimany 2003, S. 410). Diese Tendenzen werden sich mit Sicherheit verstärken. Es wird sich vorwiegend um Krankenhauskosten, Arzneimittel und Ausgaben für den Zahnarzt handeln. Im Gegensatz dazu bleiben die Kosten für Heil- und Hilfsmittel relativ konstant. Das Sinken der Einnahmen der GKV ist aufgrund der Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben zurückzuführen. Die sich öffnende Schere zwischen zunehmenden Ausgaben bei sinkenden Einnahmen erfordert eine Erhöhung des Beitragsatzes der GKV oder das Versorgungssystem verringert sich bzw. die Eigenbeteiligung wird stark erhöht. Der Leistungskatalog der Krankenkassen ändert sich ständig. Es werden Leistungen gekürzt bzw. Zuzahlungen erhöht (vgl. Zippel 2003, S. 29).
In der sozialen Gerontologie ist aufgrund dessen ein präventiver Ansatz für die soziale Altenarbeit zu verzeichnen. Dem Sozialarbeiter wird ein komplexes Aufgabengebiet entgegengestellt, indem die Begriffe Krankheit und Gesundheit in der täglichen Arbeit mit den Betroffenen von zentraler Bedeutung sind. Gesundheit ist ein hohes Gut und es betrifft uns alle! Jeder in seinem Leben ist für seine eigene Gesundheit verantwortlich. Durch Erfahrungen mit der Gesundheit und Krankheit hat jeder Einzelne in unserer Gesellschaft eine Eigenverantwortung für sich und Andere, um Gesundheit im Alter bei demographischer Alterung nicht unbezahlbar zu machen.
2.4.3 Gesetzliche Pflegeversicherung
Die GPV wurde mit dem Grundgedanken eingeführt, um dem Risiko der Pflegebedürftigkeit entgegenzuwirken und eine Grundversorgung der Pflegebedürftigen sicherzustellen (vgl. Schimany 2003, S. 431). Da die Zahl hochbetagter Menschen und der damit verbundene Anstieg chronischer Krankheitsfälle zunehmen wird, ist eine Erhöhung der Pflegebedürftigkeit in Deutschland zu prognostizieren. Mit der Einführung der sozialen und privaten GPV durch das Pflegeversicherungsgesetz, als eigenständige fünfte Säule der Sozialversicherung wurden die Leistungen bei Pflegebedürftigkeit und ihre Finanzierung umfassend neu geregelt. Die demographische Alterung hat auf die GPV Einnahmen senkende und Ausgaben erhöhende Wirkungen. Auch hier steigen die Pro-Kopf Ausgaben für Pflegeleistungen mit zunehmendem Alter steil an. Die Zahl der Pflegebedürftigen wird 2008 in Deutschland knapp 2 Mill. betragen und spätestens 2020 die 2,3 Mill. Marke überschritten haben. Grund für diese Entwick-
10
lung ist, dass sich bis 2050 die Anzahl der über 80-jährigen Menschen verdreifacht hat (vgl. Zippel 2003, S. 30). Weitere, ebenfalls demographisch bedingte Belastungen entstehen daraus, dass der Anteil der Personen, die lebenslang kinderlos bleiben, dramatisch gestiegen ist. Von den jüngeren Frauengenerationen bleibt jede dritte Frau zeitlebens kinderlos. Die Tendenz zur lebenslangen Kinderlosigkeit ist nach wie vor steigend. Der weit aus überwiegende Teil der Pflegeleistungen wird von den Kindern der Pflegebedürftigen und weiteren Angehörigen erbracht. Die Zahl der Pflegebedürftigen, die kinderlos geblieben sind und außerfamiliäre Pflegeleistungen in Anspruch nehmen müssen, wird sich erhöhen (Dorbitz 2005, S. 35). Aufgrund dessen ist es wichtig, die Pflegeinfrastruktur auszubauen, um den Grundsatz „ambulanter vor stationärer Pflege“ verstärkt gerecht zu werden. Nach §14 SGB XI sind Personen pflegebedürftig, die „(…) wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichem oder höheren Maße der Hilfe bedürfen“ (Sozialgesetzbuch 2005, S. 1251). Obwohl sich der Ge-sundheitszustand der Bevölkerung positiv entwickelt hat, steigt der Anteil der Personen, die aufgrund von Krankheit und Behinderung vor allem im hohen Alter beeinträchtigt sind. Eine Unterteilung dieser Einschränkungen erfolgt zum einen im Bedarf an Hilfen zur Haushaltsbewältigung (Hilfebedürftigkeit) und zum anderen im Bedarf an pflegerischen Leistungen zur Kompensation von körperlichen Beeinträchtigungen (Pflegebedürftigkeit) (vgl. Schimany 2003, S. 430). Die Einteilung der Pflegebedürftigkeit ist in drei Pflegestufen festgeschrieben. Voraussetzung für den Leistungsanspruch ist nur erfüllt, wenn mindestens ein Bereich der Selbstversorgung betroffen ist z.B. Körperpflege, Ernährung, Mobilität. Hilfsbedürftigkeit bei der hauswirtschaftlichen Versorgung allein begründet keine Pflegebedürftigkeit. Unterscheidung der drei Stufen:
- Erhebliche Pflegebedürftigkeit (Stufe I) : Personen, die mindestens einmal täglich bei wenigstens zwei Verrichtungen in den Bereichen Körperpflege, Ernährung oder Mobilität der Hilfe bedürfen, außerdem mehrfach wöchentlich bei der hauswirtschaftlichen Versorgung
- Schwerpflegebedürftige (Stufe II): Personen, die mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten Hilfe bedürfen, und
- Schwerstpflegebedürftige (Stufe III): Personen, die rund um die Uhr versorgt werden müssen (Statistisches Bundesamt 1998, S. 75).
Im weiteren Verlauf der demographischen Alterung dürfte dem Ausbau der geriatrischen Rehabilitation erhebliche Relevanz zukommen, da die Zahl der älteren Menschen steigt und Ein-
11
richtungen wie z.B. geriatrische Tageskliniken den Menschen helfen mit der Pflegebedürftigkeit umzugehen bzw. deren Folgen abzuschwächen. Leistungen der GPV gewähren Hilfen häuslicher Pflege:
- Pflegesachleistungen, Pflegegeld für selbst beschaffte Pflegehilfen. Möglich ist auch die Kombination von Geld- und Sachleistung.
- Pflegevertretung: Ist die häusliche Pflegeperson wegen Urlaub, Krankheit oder aus anderen Gründen verhindert, so kann eine Pflegevertretung für höchstens vier Wochen im Jahr in Anspruch genommen werden.
- Pflegemittel und technische Hilfen im Haushalt: Zur Erleichterung der Pflege bzw. selbstständigen Lebensführung des Pflegebedürftigen können z.B. spezielle Betten oder Zuschüsse zu pflegebedingten Umbaumaßnahmen beantragt werden. Die Pflegekassen bieten unentgeltliche Pflegekurse an, um die häuslichen Pflegekräfte zu unterstützen bzw. anzuleiten mit dem Ziel die Qualität der Pflege zu verbessern.
- Tages- und Nachtpflege: Kann die häusliche Pflege nicht ausreichend sichergestellt werden, ist eine teilstationäre Pflege in Einrichtungen der Tages- und Nachtpflege möglich. Die Aufwendungen hängen von der Pflegestufe ab.
- Kurzzeitpflege: Ist vorübergehend weder häusliche noch teilstationäre Pflege möglich, kann sich der Pflegebedürftige für höchstens vier Wochen pro Kalenderjahr in einer Kurzzeitpflegeeinrichtung pflegen lassen.
- Soziale Sicherung der Pflegenden: Die Pflegeversicherung zahlt die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung für derzeit 500 000 Pflegepersonen (Statistische Bundesamt 1998, S. 75; Tab.4).
Neben den häuslichen Pflegeleistungen nimmt der Bedarf an Vollzeitstellen immer mehr zu. Durch den gegenwärtigen demographischen Wandel wird dieser sich bis 2050 in Deutschland auf über eine halbe Mill. erhöhen. Ist eine häusliche und teilstationäre Pflege nicht mehr möglich, besteht alternativ Anspruch auf Pflege in einer vollstationären Einrichtung. Der Sozialarbeiter betrachtet im Zusammenhang die demographische Entwicklung und setzt diese in Beziehung mit den Erfordernissen, Möglichkeiten und Grenzen der Sozialsicherungssysteme (vgl. Zippel 2003, S. 31).
12
2.4.4 Strukturwandel des Alters
Am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts konnte ein deutlicher sozialer und kultureller Struk-turwandel des Alters verzeichnet werden. Auf der gesellschaftlichen Ebene vollziehen sich Veränderungen in der Wertschätzung von Altwerden und Altsein. Die Altersbilder wandeln sich in einem offenbar steigenden Tempo und neue gesellschaftliche Muster kristallisieren sich heraus. „Der Begriff Alter(n) ermöglicht relativ generalisierende Aussagen: „Alter(n)“ beschreibt sowohl Prozesse teillebenslanger Veränderungen und Entwicklungen im zeitgeschichtlichen Prozess als auch Querschnittsituationen im jeweiligen gesellschaftlichen Feld. „Alter(n)“ umfasst eine lange und sich immer weiter ausdehnende Lebensspanne des Erwachsenenlebens. Alt werden und alt sind äußerst unterschiedliche Gruppen von Menschen in Deutschland“ (Jansen 1999, S. 10). Das Motto: „Mit dem Alter fange doch das eigentliche Leben erst richtig an, man könne im Ruhestand nun endlich das tun, was einem im fremdbestimmten Arbeitsprozess immer verwehrt wurde: seinen eigenen Interessen nachgehen, für sich selbst etwas tun“ (Böhnisch 1997, S. 251). Durch die zukünftige Überalterung in unserer Gesellschaft besteht die Gefahr, dass sich zwei deutliche Gegensätze ausprägen. Zum einen das „negative Alter“, d.h. im Alter steigen gesundheitliche Risiken und neue Probleme kommen hinzu. Der Verlust von produktiven Tätigkeiten, das Eintreten körperlicher Beschwerden sowie einem übersteigerten Bewusstsein für die Nähe des eigenen Todes beeinflussen den Altersprozess negativ. Bis heute fasziniert der Gedanke, dem Alter Aufschub zu leisten und die Motivation ist nach wie vor ungebrochen, die negativen Auswirkungen des Älterwerdens zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern. Es hat sich ein quantitatives positives Alter herausgebildet, das sich unter anderem durch ökonomischen Wohlstand, Konsum- und Frei-zeitorientierung auszeichnet. Merkmale wie Vernunft, Klugheit und Toleranz kennzeichnen das positive Alter.
Bis vor Jahrzehnten sind die Menschen davon ausgegangen, dass eine klare Abgrenzung der Lebensspanne, die zwischen dem Austritt aus dem Berufsleben und dem Lebensende lag, be-stand. Die Annahme hat sich jedoch aufgrund verbesserter psycho-physischer Befindlichkeit, materieller Lebenslage, gesellschaftlicher Wertschätzung oder subjektiver Lebensperspektive der Bevölkerung bzw. Population verändert. Dies zeigt, dass vielfältige Faktoren auf das Alter eines Menschen einwirken (vgl. Prahl 1924, S. 12). Dieser Altersstrukturwandel hat zu einer Neubewertung des Altseins geführt. Deshalb müssen wir hier zwischen dem biographischen Prozess des Alters und der gesellschaftlich-systematischen Definitionen des Alters unterscheiden. Die Altersphasen „Entberuflichung“, „Verjüngung des Alters“, „Singularisierung“
13
Arbeit zitieren:
Dipl.Sozialpädagogin Vivien Neubauer, 2007, Alter: Ein Rand- oder Kernthema in unserer Gesellschaft - Der Klinische Sozialdienst als Akteur in der Geriatrie, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Demografischer Wandel und bürgerschaftliches Engagement älterer Mensch...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Diplomarbeit, 198 Seiten
Controlling im Krankenhaus nach Einführung der DRG unter besonderer Da...
Diplomarbeit, 79 Seiten
Chancen und Möglichkeiten der Gesundheitsreform für die Leistungserbri...
Masterarbeit, 105 Seiten
Einsatz von Kostenmanagementinstrumenten im Krankenhaus unter DRG-Bedi...
Diplomarbeit, 90 Seiten
Unternehmensgründung einer freien KFZ-Werkstatt in ländlicher Umgebung
BWL - Unternehmensgründung, Start-ups, Businesspläne
Seminararbeit, 17 Seiten
Innovationsquellen - Ein Überblick über aktuelle Methoden der Innovati...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Wissenschaftlicher Aufsatz, 25 Seiten
Die Gründung einer Naturheilpraxis
Betriebswirtschaftliche Aspekt...
BWL - Unternehmensgründung, Start-ups, Businesspläne
Diplomarbeit, 101 Seiten
Franchising von Medizinischen Versorgungszentren - Entwicklung eines L...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Diplomarbeit, 74 Seiten
Die Balanced Score Card und ihre Einsatzmöglichkeiten in der Beschaffu...
Hausarbeit, 22 Seiten
Die Grenzen der Vollkostenrechung und die strategische Notwendigkeit d...
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern
Studienarbeit, 19 Seiten
Die Bedeutung und die Bestandteile der strategischen Situationsanalyse...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Hausarbeit, 14 Seiten
Kondratieff-Zyklus und diskontinuierliche Innovationen
Studienarbeit, 43 Seiten
Warum ist Demografie, Alterung und Gesundheit ein wichtiges Thema für ...
Hausarbeit, 20 Seiten
Marktchancen digitaler Produkt...
Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien
Masterarbeit, 125 Seiten
Demographischer Wandel - Auswirkungen auf die Pflegesituation in Deuts...
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Strategische Planung und strategisches Management
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Seminararbeit, 25 Seiten
Zur Bedeutung der Gesundheitswissenschaft für die Pflege am Beispiel d...
Pflegemanagement / Sozialmanagement
Hausarbeit, 39 Seiten
Geriatrie - Ein interdisziplinärer Ansatz in der Altenhilfe
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 31 Seiten
V. N.'s Text Alter: Ein Rand- oder Kernthema in unserer Gesellschaft - Der Klinische Sozialdienst als Akteur in der Geriatrie ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
V. N. hat den Text Alter: Ein Rand- oder Kernthema in unserer Gesellschaft - Der Klinische Sozialdienst als Akteur in der Geriatrie veröffentlicht
V. N. hat einen neuen Text hochgeladen
Klinische Psychotherapie mit älteren Menschen
Grundlagen und Praxis
Peter Bäurle, Hartmut Radebold, Rolf D. Hirsch
Jugendliche als Akteure im Verband
Ergebnisse einer empirischen U...
Katrin Fauser, Arthur Fischer, Richard Münchmeier
Steuerung staatlicher, gesellschaftlicher und privater Akteure in Port...
Besonders in den Politikfelder...
Heinz Meditz
Altern in Deutschland Band 4. Produktivität in alternden Gesellschafte...
Axel Börsch-Supan, Marcel Erlinghagen, Karsten Hank, Hendrik Jürges, Gert G. Wagner
Partnerwahl- und Heiratsmuster in modernen Gesellschaften
Der Einfluss des Bildungssyste...
Andreas Timm
Klinische Entwicklungspsychologie des Alters
Grundlagen für psychosoziale B...
Meinolf Peters
Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Nachfrage nach medizi...
Wechselwirkungen von Alter und...
Katrin Kern
0 Kommentare