2
INHALTSVERZEICHNIS
INHALTSVERZEICHNIS 2
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS 5
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 7
ANHANGSVERZEICHNIS 9
1. EINLEITENDE PROBLEMBETRACHTUNG 10
1.1. HINFÜHRUNG ZUR PROBLEMSTELLUNG 10
1.2. ZIELSETZUNG, AUFBAU UND ABGRENZUNG DER MASTER THESIS. 13
2. DARLEGUNG DER THEMENBEREICHE. 14
2.1. THEORETISCHE FUNDIERUNGEN DER KLEINSTGRÜNDUNGEN 14
2.1.1. Begriffliche Eingrenzungen 14
2.1.2. Besonderheiten im Gründungsprozess von Kleinstgründungen 16
2.1.3. Merkmale von Geschäftsbeziehungen zwischen Kreditinstitut und
Kleinstgr ünder. 19
2.2. AKTUELLE FINANZIERUNGSSPEZIFIKA DER BANKE-N UND KREDITLANDSCHAFT IN
DEUTSCHLAND 23
2.2.1. Struktur des deutschen Bankwesens unter Betrachtung der Strategien-
Fokussierung der Kreditinstitute 23
2.2.2. Öffentliche Fördermittel und ihre Wirkungsabsicht 29
2.2.3. Weitere relevante Finanzierungsrahmenbedingungen 31
3. KLEINSTGRÜNDUNGEN IM AKTUELLEN VERÄNDERUNGSPROZESS DER
KREDITINSTITUTE. 33
3.1. DIFFERENZIERTE ANFORDERUNGEN AN EINE GESCHÄFTSBEZIEHUNG UND
FINANZIERUNG SEITENS DER GESCHÄFTSPARTNER 33
3
3.2. UNTERSCHIEDLICHE MERKMALE DER GESCHÄFTSBEZIEHUNG UND FINANZIERUNG
AUFGRUND DER STRUKTUR DES DEUTSCHEN BANKWESENS. 37
3.3. OPTIMIERUNGSANSÄTZE IM SPANNUNGSFELD ZWISCHEN KLEINSTGRÜNDERN UND
KREDITINSTITUTEN 38
4. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG ZUR FINANZIERUNG VON
KLEINSTGR ÜNDUNGEN 40
4.1. ZIELSETZUNG DER EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG 40
4.2. UNTERSUCHUNGSDESIGN. 41
4.3. STRUKTURDATEN DER UNTERSUCHUNG 42
4.4. SEPARATE ANALYSE DER RELEVANTEN THEMENBLÖCKE NACH AUFFÄLLIGKEITEN43
4.4.1. Segmentierungsfelder im deutschen Bankensystem in Bezug auf die
Kundengruppe der Kleinstgründungen 43
4.4.2. Einstiegskriterien. 46
4.4.3. Ablauf einer Finanzierungsanfrage von Kleinstgründern 48
4.4.4. Entscheidungsfindung. 51
4.4.5. Einbezug öffentlicher Finanzierungsmittel 54
4.5. BEDEUTENDE INTERDEPENDENZEN DER ITEMS UNTER BETRACHTUNG DER
ABH ÄNGIGKEITSAUSPRÄGUNG. 56
4.5.1. Beeinflussung durch das Item Institutsgruppe 56
4.5.2. Bestimmungsgrößen für die Anforderungen an den Kleinstgründer 60
4.5.3. Rahmenbedingungen beim differenzierten Beratungsangebot der
Kreditinstitute 66
4.5.4. Einflussgrößen der Beraterentscheidung zur Kreditvergabe 73
4.6. ZUSAMMENFASSUNG DER WICHTIGSTEN UNTERSUCHUNGSERGEBNISSE 80
4
5. MÖGLICHKEITEN EINER NORMATIVEN IMPLIKATION ZUM NUTZEN BEIDER
GESCH ÄFTSPARTNER 86
5.1. KOMBINATION DER THEORETISCHEN GRUNDLAGEN MIT DEN ERKENNTNISSEN DER
AKTUELLEN STUDIE 86
5.2. ABZULEITENDE NOTWENDIGE REAKTIONEN DER GESCHÄFTSPARTNER. 94
5.2.1. Aktive Auswahl der Hausbank durch den Kleinstgründer 94
5.2.2. Veränderung der Aufstellung bei den Kreditinstituten. 98
5.3. INNOVATIVE ALTERNATIVEN ALS AUSBLICK FÜR WEITERFÜHRENDE
VERÄNDERUNGSPROZESSE.............................................................................................. 102
6. ABSCHLIEßENDE BETRACHTUNG 105
AG Aktiengesellschaft AGB Allgemeine Geschäftsbedingungen Aufl. Auflage BAFin Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Bd. Band bspw. beispielsweise BT-Drucks. Drucksache des Bundestags BVR Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken bzgl. bezüglich bzw. beziehungsweise ca. circa d.h. das heißt Dr. Doktor DSGV Deutscher Sparkassen- u. Giroverband DtA Deutsche Ausgleichsbank EG Europäische Gemeinschaft ERP European Recovery Program et al. et alii (und andere) EU Europäische Union EUR Euro evtl. eventuell ff. fortfolgende (Seiten) GbR Gesellschaft bürgerlichen Rechts GEM Global Entrepreneurship Monitor Hrsg. Herausgeber i.d.R. in der Regel i.H.v. in Höhe von IHK Industrie- und Handelskammer inkl. inklusive i.S. im Sinne KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau KGaA Kapitalgesellschaft auf Aktien
6
MaRisk Mindestanforderungen an das Risikomanagement max. maximal Mio. Million(en) Nr. Nummer o.ä. oder ähnlich(e)(s) o.g. oben genannte(n) o.V. ohne Verfasser Prof. Professor S. Seite(n) sog. sogenannt(e)(n) TEUR Tausend Euro u. und usw. und so weiter u.v.m. und viel(e) mehr USA United States of America vgl. vergleiche vs. versus z.B. zum Beispiel ZKA Zentraler Kreditausschuß
7
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Graphik Nr. 1: Zahl der inländischen Bankstellen 2005 28
Graphik Nr. 2: Hausbankprinzip 29
Graphik Nr. 3: Anforderungen an die Hausbank 34
Graphik Nr. 4: Anforderungen an den Kleinstgründer 35
Graphik Nr. 5: Beurteilung der Vorteilhaftigkeit einer Geschäftsbeziehung durch die
Kreditinstitute bei Kleinstgründungen 36
Graphik Nr. 6: Strukturdaten der Untersuchung. 42
Graphik Nr. 7: Kundensegmentierung. 44
Graphik Nr. 8: Überblick über die Kundensegmentierung 45
Graphik Nr. 9: Einstiegskriterien allgemein 46
Graphik Nr. 10: Einstiegskriterien nach Institutsgruppen 46
Graphik Nr. 11: Detaillierte Einstiegskriterien nach Institutsgruppen 47
Graphik Nr. 12: Ablauf einer Finanzierungsanfrage 50
Graphik Nr. 13: Entscheidungsgrundlagen einer Kreditvergabe 52
Graphik Nr. 14: Entscheidungskriterien einer Kreditvergabe 53
Graphik Nr. 15: Entscheidungskriterien einer Kreditvergabe nach Mittelwerten 54
Graphik Nr. 16: Signifikante Abhängigkeiten des Items Institutsgruppe 56
Graphik Nr. 17: Institutsgruppe in Relation zu aktiver Beratung und dem durchschnittlichen
Anteil der öffentlichen Mittel 58
8
Graphik Nr. 18: Abhängigkeiten der Einstiegskriterien zu anderen Items. 61
Graphik Nr. 19: Abhängigkeiten der Unterlagenerfordernisse zu anderen Items. 64
Graphik Nr. 20: Beratungsangebote unterteilt nach Institutsgruppen 66
Graphik Nr. 21: Abhängigkeiten der Beratungsangebote zu anderen Items. 69
Graphik Nr. 22: Entscheidungsmerkmale unterteilt nach Institutsgruppen 74
Graphik Nr. 23: Entscheidungskriterien unterteilt nach Institutsgruppen 75
Graphik Nr. 24: Abhängigkeiten der Entscheidungsmerkmale zu anderen Items. 76
Graphik Nr. 25: Abhängigkeiten der Entscheidungskriterien zu anderen Items. 78
Graphik Nr. 26: Proportionalität der Entscheidungskriterien zu anderen Items 79
Graphik Nr. 27: Spannungsfeld der Kreditinstitute 87
Graphik Nr. 28: Spannungsfeld der Kleinstgründer. 88
Graphik Nr. 29: Unterschiede in den Institutsgruppen 90
Graphik Nr. 30: Kategorisierung der Auffälligkeiten und Abhängigkeiten bei der
Gesch äftsbeziehung zwischen Kleinstgründern und Kreditinstituten 92
Graphik Nr. 31: Schema der Kreditinstitutsauswahl durch den Kleinstgründer. 98
Graphik Nr 32: Ablaufmodell einer Betreuung von Kleinstgründern 101
9
ANHANGSVERZEICHNIS
Anhang Nr 1: Fragebogen zur Finanzierung von Kleinstgründungen 109
10
1. Einleitende Problembetrachtung
1.1. Hinführung zur Problemstellung
„Eine ausgeprägte Gründungskultur ist der entscheidende Erfolgsfaktor einer zukünftigen gesellschaftlichen Entwicklung.“ 1
In der derzeitigen wirtschaftlichen Lage, die von Nachrichten über hohe Arbeitslosigkeit und ständig neue Auswirkungen der Globalisierung geprägt ist, scheint diese Aussage erste Priorität zu haben. Die Anzahl der Unternehmens- oder Existenzgründungen ist wichtiger als je zuvor. Ein positives Gründungsklima kann empirisch in engen Zusammenhang zur wirtschaftlichen Lage gebracht werden. 2 Eine positive Gründungsbilanz kann jedoch in Deutschland bislang nicht gezogen werden. Die repräsentativste Aussage über Anzahl und Erfolg der Unternehmens-und Existenzgründungen im internationalen Vergleich gibt der Global Entrepreneurship Monitor (GEM), für rein Deutschland-bezogene Auswertungen kann der KfW-Gründungsmonitor als aussagekräftig herangezogen werden. 3 Demnach liegt Deutschland in 2004 mit einer Gründungsquote von 5,39% zwar über dem Stand von 2003 (5,1%), allerdings deutlich hinter dem Durchschnitt der befragten 35 Staaten von 8,44%. 4
Diese Problematik wird deshalb auf wirtschaftspolitischem Gebiet intensiver verfolgt als zuvor: Intensivierung der Entrepreneurshipforschung inkl. der Einrichtung zahlreicher Lehrstühle an Universitäten, Zusammenlegung der Deutschen Ausgleichsbank mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau inkl. Überarbeitung der Fördermöglichkeiten 5 und Einrichtung des Rat für Innovationen unter Vorsitz der Bundeskanzlerin Angela Merkel nach der Bundestagswahl 2005 6 sind nur einige Beispiele, die auf eine nachhaltige Verbesserung des Gründungsklimas in Deutschland zielen. In Auftrag gegebene Erhebungen belegen dabei verschiedene
1 Wehling, Prof. Dr. Detlef (2002), S. 14
2 Vgl. o.V. (KfW Gründungsmonitor, 2005), S. 5; vgl. Wehling, Prof. Dr. Detlef (2002), S. 14
3 Sonstige Statistiken (Umsatzstatistik, Selbständigenquote und Gewerbeanmeldungen) sind aufgrund der
Erfassungsart durch under- und overcoverage-Probleme gekennzeichnet und deshalb nicht für diese
Auswertung geeignet; Vgl. hierzu auch Struck, J. (1999)
4 Vgl. Global Entrepreneurship Research Association / Sternberg, Rolf / Brixy, Udo / Schlapfner, Jan-Florian
(2006), S.13; aktuellere Auswertungen des Global Entrepreneurship Monitors zum Zeitpunkt der Erstellung der
Arbeit noch nicht verfügbar
5 Vgl. Volk, Christine (2003)
6 Vgl. o.V. (Rat für Innovationen, 2006)
11
Ursachen für das nicht zufrieden stellende Gründungsklima. Dazu gehören insbesondere die gründungsbezogene Ausbildung, gesellschaftliche Werte und Normen und die immer wieder beanstandete Finanzierungsproblematik. Einer näheren Betrachtung ist insbesondere die Finanzierungsproblematik zu unterziehen, die vor dem Hintergrund einer von staatlicher Seite außerordentlich ausgeprägten Förderlandschaft auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar ist - in kaum einem der befragten Länder wird die Förderlandschaft so positiv beurteilt wie in Deutschland. 7
Einen näheren Blick auf die generelle Finanzierungsproblematik in Deutschland erlaubt eine aktuelle Unternehmensbefragung. Es zeigt sich, dass in den letzten Jahren die häufig beanstandete Kreditzurückhaltung der deutschen Kreditinstitute eine Verbesserung aufweist. Allerdings trifft dies nur auf die Kreditvergabe mit Beträgen ab 50 Mio. EUR. Betrachtet man die Kreditvergabe unter 1 Mio. EUR, sind die Anforderungen sogar noch gestiegen. Die Hälfte der Befragten gibt an, Probleme dabei zu haben, überhaupt noch Kredit zu erhalten. Bei ca. 65% der Befragten wurde die Kreditvergabe an die Bereitstellung von zusätzlichen Sicherheiten gebunden. 8 Sicherlich ist diese Untersuchung nicht nur auf Unternehmens- und Existenzgründer ausgerichtet, allerdings zeigt sich hier eine eindeutige Tendenz im Verhalten der Kreditinstitute. Eine Betrachtung der Gründungsfinanzierungen zeigt darüber hinaus, dass die meisten Gründer mit einem Anteil von 60,4% unter einem Finanzierungsbedarf von 50.000 EUR und damit stark unter der genannten Betragsschwelle von 1 Mio. EUR liegen. 9 Die generelle Zurückhaltung der Banken ist bereits hinreichend gescholten und beschrieben worden, 10 doch scheint nun ein neuer Trend im Sinne einer verstärkten Differenzierung aufzukommen.
Die Konsequenzen dieser verstärkten Differenzierung sind besonders problematisch, als dass die Anzahl der Kleinstgründungen in Deutschland im Kontrast zur stabilen Gesamtheit der Unternehmensgründungen weiter zunimmt. 11 Auch wenn diese Kleinstgründungen nicht in erster Linie die volkswirtschaftliche Lage wesentlich verbessern können, so tragen sie doch zu einer Verbesserung des Gründungsklimas und zur Stärkung einer Kultur der Selbständigkeit bei. Selbständigkeit muss in
7 Vgl. Global Entrepreneurship Research Association / Sternberg, Rolf / Brixy, Udo / Schlapfner, Jan-Florian
(2006), S. 27
8 Vgl. KfW Bankengruppe (2006)
9 Vgl. KfW Bankengruppe (2005), S. 15
10 Vgl. z.B. Marschall, Birgit (2002)
11 Vgl. KfW Bankengruppe (2005)
12
Deutschland wieder zu einer selbstverständlichen und attraktiven Alternative zur abhängigen Beschäftigung etabliert werden, um ein positives Unternehmerbild zu fördern und auch die Anzahl innovativer Gründungen an internationales Maß anzupassen. 12
Der Zusammenhang dieser differenzierten Zurückhaltung zur aktuellen Entwicklung der deutschen Kreditinstitute ist offensichtlich. Bereits seit einigen Jahren wird die deutsche Bankenlandschaft von einem tief greifenden Veränderungsprozess begleitet. Globalisierung, der Abbau von Wettbewerbshindernissen und die damit fortschreitende internationale Verflechtung der Kapitalmärkte führen nach den erfolgten Restrukturierungsprozessen nun zu einem verstärkten Fokus auf eine Ertragsoptimierung, um international marktfähig zu bleiben. Allein die Betrachtung der Entwicklung der Bruttozinsspanne in Deutschland zeigt eine enorme Margenerosion. 13 Hinzu kommt der Trend zur Disintermediation und eine erhebliche Dynamik - nicht zuletzt durch die technologische Entwicklung - der Finanzmärkte. Von 2000 bis 2003 wurde der Personalbestand in der deutschen Kreditwirtschaft als Reaktion auf diese Entwicklungen um ca. 50.000 Stellen reduziert, Unternehmensbereiche ausgegliedert oder vollständig neu aufgestellt. Eine konsequente Kostenreduzierung hat dabei in die schwarzen Zahlen zurückgeführt. 14 Doch die o.g. Entwicklung schreitet weiter voran, so dass die Kreditinstitute gezwungen sind, sich zukunftsfähig aufzustellen. Dabei stehen neben einer weiterhin wettbewerbsfähigen Kostenbasis die konsequente klare Fokussierung auf Kernkompetenzen und Zielkunden, eine optimierte Kunden-Nutzen-Strategie und eine überlegene Risiko- und Kreditpolitik im Zentrum der Anstrengungen. 15
In diesem Zusammenhang scheint es von Grund auf problematisch, im Bereich der Kleinstgründer eine verbesserte Kreditvergabepolitik zu erreichen - auch wenn sehr wohl Unterschiede zwischen den einzelnen Bankengruppen in der Verteilung der Kreditvolumina zu finden sind. Die Voraussetzungen, wie hohe Transaktions- und Prozesskosten, verbunden mit hohen Risiken und meist gering erwarteten Renditen, sind jedoch für alle Kreditgeber im Sinne einer Ertragsoptimierung nachteilig.
12 Vgl. Global Entrepreneurship Research Association / Sternberg, Rolf / Brixy, Udo / Schlapfner, Jan-Florian
(2006)
13 Vgl. o.V. (Deutsche Bundesbank, 1968-2005)
14 Vgl. o.V. (Deutsche Bank Geschäftsberichte 2000-2004); o.V. (Dresdner Bank Geschäftsberichte 2000-2004);
o.V. (HypoVereinsbank Geschäftsberichte 2000-2004); o.V. (Commerzbank Geschäftsberichte 2000-2004)
15 Vgl. Schierenbeck, Prof. Dr. Dr. h.c. Henner (2003), S. 17
13
Zahlreiche Fördermöglichkeiten der KfW - insbesondere im Bereich der
Mikrodarlehen - beachten diese Hintergründe durch Zahlungen von Bearbeitungsentgelten an die durchleitenden Kreditinstitute oder der speziellen Einrichtung von Mikrodarlehen, werden aber nur begrenzt genutzt. Die Ziele der öffentlichen Kreditvergabe werden jährlich nicht erreicht.
Kleinstgründer befinden sich damit nicht nur im Spannungsfeld von volkswirtschaftlicher Bedeutung zur Unterstützung eines positiven Gründungsklimas einerseits und aufgrund ihrer Komplexität und des Risikoprofils strategischer Kreditenthaltung durch die Kreditinstitute andererseits, sondern auch - durch die Kreditenthaltung bzw. den Kreditwunsch bedingt - im Verhältnis zu den Kreditinstituten.
1.2. Zielsetzung, Aufbau und Abgrenzung der Master Thesis
Diese Arbeit wird den deutschen Finanzierungsmarkt mit spezieller Betrachtung der Bedingungen für Kleinstgründer detailliert untersuchen. Es wird die aktuelle Situation bei den Kreditinstituten mit den Merkmalen für die Kreditvergabe an Kleinstgründer aufgezeigt. Im Fokus steht dabei neben der Ausrichtung der Kreditinstitute auf diese spezielle Kundengruppe die anfängliche Geschäftsbeziehung, d.h. die Vorgehensweise bis zur endgültigen Kreditentscheidung. Ziel ist es, im Spannungsfeld zwischen Kreditinstituten und Kleinstgründern Möglichkeiten für eine Verbesserung der Kreditvergabe aufzuzeigen und damit einen Beitrag zu einer Verbesserung der Gründungskultur in Deutschland zu erlangen.
Hierzu werden in Kapitel zwei die relevanten Themenbereiche mit dem aktuellen Stand der Literatur und der allgemeinen Situation kurz dargelegt. Daran anschließend werden in Kapitel drei erste Optimierungsansätze auf Grundlage der aktuellen Differenzen am Markt für Finanzierungen von Kleinstgründungen erarbeitet. In Kapitel vier folgt eine empirische aktuelle Untersuchung, die anhand einer Umfrage bei Kreditinstituten in Deutschland die grundlegendsten Besonderheiten der entstehenden Geschäftsbeziehung zwischen Kreditinstitut und Kleinstgründer und der Finanzierungsanfrage bis -entscheidung ausarbeitet. Der Fokus liegt dabei auf den zu Beginn genannten Merkmalen, die dem Spannungsfeld zwischen
14
Kreditinstitut und Kleinstgründer ihren Rahmen geben. Mit eben diesem Fokus erfolgt in Kapitel fünf auch die Zusammenführung der theoretischen Grundlagen mit der praxisnahen Untersuchung aus Kapitel vier. Aus den Erkenntnissen der Untersuchung werden Optimierungsmöglichkeiten aufgezeigt, die eine Kreditvergabe an Kleinstgründer zukünftig sowohl für Kreditinstitute als auch für Kleinstgründer effektiv und den Anforderungen entsprechend gestalten, um das derzeit bestehende Spannungsfeld zu minimieren. Die Arbeit endet mit einer abschließenden Betrachtung in Kapitel sechs.
2. Darlegung der Themenbereiche
2.1. Theoretische Fundierungen der Kleinstgründungen
2.1.1. Begriffliche Eingrenzungen Die Beschäftigung mit der Literatur zum Thema Existenz-und
Unternehmensgründungen zeigt, dass es sich zwar in der Theorie der Wissenschaften um ein noch relativ junges Forschungsfeld handelt, dass aber aufgrund der wirtschaftspolitischen Bedeutung zahlreiche Veröffentlichungen zu finden sind. Entrepreneurship gilt dabei als Oberbegriff der Gründungsforschung und beschäftigt sich als Teildisziplin der Betriebswirtschaftslehre mit allen Teilbereichen des Realphänomens Unternehmensgründung. 16
Wissenschaftlich standardisierte, allgemein akzeptierte Definitionen der Begriffe Unternehmens-, Existenzgründer bzw. Unternehmens- und Existenzgründungen bislang. 17 fehlen Besonders die Vielzahl verschiedener Arten von
Unternehmensgründern in Abhängigkeit von der Art des zu gründenden Unternehmens macht eine eindeutige Definition schwierig. 18 So wird zwischen derivativen und originären Gründungen sowie Einzelgründungen und Kooperationen unterschieden. 19 Dabei können sowohl derivative als auch originäre Gründungen imitatorische bis innovative Konzepte aufweisen. Die ursprüngliche Definition eines Unternehmensgründers i.S. des ökonomischen Ansatzes von Schumpeter als innovativem, kreativem und zerstörerischem Pionierunternehmer 20 wird somit
16 Vgl. Fallgatter, Michael J. (2002), S.1ff.
17 Vgl. Casson, Mark (2003), S.1; Saßmannshausen, Sean Patrick (2001), S.129; Chell, Elizabeth / Haworth,
Jean / Brearley, Sally (1991), S.1
18 Vgl. Saßmannshausen, Sean Patrick (2001), S.129
19 Vgl. Saßmannshausen, Sean Patrick (2001), S.129
20 Vgl. Schumpeter, J.A. (1934/1993/1997); Schumpeter, J.A. (1949/1998)
15
aufgeweicht. Vielmehr ist in der Betriebswirtschaftslehre der Unternehmensgründer als dispositiver Faktor 21 für die Entwicklung des Unternehmens entscheidend. Entrepreneurship in der aktuellen Literatur präsentiert das Forschungsfeld als ein junges Unternehmen, das von der Unternehmerpersönlichkeit geprägt wird und wo die Durchsetzung der Ideen auf kognitiver, persönlicher und kommunikativer Ebene stattfindet. 22
Des Weiteren muss an dieser Stelle kurz auf die Unternehmensphasen eingegangen werden, um auch den zeitlichen Horizont einer Unternehmens- / Existenzgründung abzustecken. Die eigentliche Gründung findet zum Zeitpunkt der Gewerbeanmeldung bzw. der Unterzeichnung des notariellen Gesellschaftervertrags statt. Dennoch wird der Begriff der Gründung wesentlich weiter gespannt: von der Entstehungsphase, in der es neben Ideenfindung und Marktanalyse um die Planung der Parameter des Geschäftsbetriebs geht, über die benannte Gewerbeanmeldung (bei
Kapitalgesellschaft zusätzlich über die Handelsregistereintragung) bis zur Etablierungsphase, in der nicht nur der organisatorische Aufbau, sondern insbesondere der Ausbau der Kunden- und Lieferantenkontakte weiter verfolgt wird. 23 Die Existenz- / Unternehmensgründung endet nicht stichtagsbezogen, sondern steht vielmehr vor der Herausforderung, nach der Etablierung am Markt eine stabile Positionierung zu erreichen.
Wie bei der Definitionslage der Entrepreneurshipforschung ist auch eine Definition von Kleinstgründungen in keinem der großen Entrepreneurship-Werke zu finden. Es zeigt sich darüber hinaus, dass in der Literatur meist der Fokus auf die bereits unter Kapitel 1.1. dieser Arbeit benannten, direkt wirtschaftlich wirksamen Gründungen gelegt wird. Eine spezifische Betrachtung der Kleinstgründungen mit gesellschaftlichem Sekundärnutzen fehlt. Lediglich die KfW erfasst eine praxisbezogene Definition von Kleinstunternehmen. Dies hängt eng damit zusammen, dass bei den Erhebungen der KfW explizit nach der jeweiligen Gründungsart und des Gründungsvolumens differenziert wird und die Zahl der Kleinstgründungen in den letzten Jahren stetig zugenommen hat.
„Kleinstunternehmen sind Unternehmen, die weniger als 10 Mitarbeiter und einen
21 Vgl. Gutenberg, Erich (1998)
22 Vgl. Wehling, Prof. Dr. Detlef (2002), S.26
23 Vgl. Sabisch, Helmut (1999), S. 22
16
Jahresumsatz oder eine Jahresbilanzsumme von höchstens 2 Mio. EUR haben.“ 24 Im Sinne der oben genannten Gründungsphase kann somit die Differenzierung von Kleinstgründungen aus dieser Definition abgeleitet werden als in der Gründungsphase befindliche Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern und einem voraussichtlichen Jahresumsatz oder einer voraussichtlichen
Jahresbilanzsumme von höchstens 2 Mio. EUR.
2.1.2. Besonderheiten im Gründungsprozess von Kleinstgründungen
Wie bereits erwähnt, zielt die Literatur häufig auf die Gründungen, die sofort wirtschaftlich messbare Ergebnisse mit sich bringen, wie z.B. Schaffung von Arbeitsplätzen, Herstellung von neuen Produkten, Erschließung neuer Märkte - de facto einen gesamtwirtschaftlichen Nutzen und innovativen Erfolg aufweisen können. 25 Die Gruppe der Kleinstgründer fällt häufig nicht in diese Kategorien. Meist handelt es sich um Einzelgründungen ohne weitere Angestellte, 26 imitatorische Gründungen in bereits bekannten Märkten mit bekannten Produkten. Es fehlen somit der innovative Charakter und der messbare Erfolg aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive. Seit der Schaffung der „Ich-AG“ erlebt Deutschland jedoch eine Gründungswelle dieser Art von Gründungen. 27 Neben der Wirksamkeit dieser Gründungen weisen Kleinstgründungen allerdings besondere Merkmale im Gründungsprozess auf, die im Folgenden anhand der übergeordneten Schritte einer Neugründung kurz skizziert werden sollen.
Gründungsrisiken und Gründungschancen
Die Motive zur Existenz-/Unternehmensgründung sind vielfältig, doch insbesondere bei Kleinstgründungen stellt das Motiv der Gründung aus der Arbeitslosigkeit oder aufgrund fehlender Erwerbsalternativen den größten Anteil dar. 28 Daraus resultiert, dass anstatt der Realisierung eigener Ideen die Existenzsicherung im Vordergrund steht. Die bestehenden Risiken einer Existenzgründung im persönlichen Bereich wie
24 KfW Mittelstandsbank (2005), S. 1
25 Vgl. z.B. Kirschbaum, Prof. Dr. Günter / Naujoks, Dr. Wilfried (2000); Wehling, Prof. Dr. Detlef (2002); Fittgen,
Kristina (2002); Böhm, Dr. Anne (1999); Börner, Christoph J. / Grichnik, Dietmar (Hrsg.) (2005); Käppeler,
Franz / Sanft, Erhard (1998); Casson, Mark (2003); Fallgatter, Michael J. (2002); Klandt, Prof. Dr. Heinz (2000);
Timmons, Jeffry A. (1999) u.v.m.
26 Vgl. o.V. (KfW Gründungsmonitor, 2005), S.25/26
27 Vgl. o.V. (KfW Gründungsmonitor, 2005), S.2; Global Entrepreneurship Research Association / Sternberg, Rolf
/ Brixy, Udo / Schlapfner, Jan-Florian (2006), S.14
28 Vgl. ebenda
17
z.B. unsichere Zukunft, höhere Belastung, geringere Freizeit sowie die ökonomischen Risiken wie mangelhaftes Kundennetz, geringes Eigenkapital, mangelnde Erfahrungs- und Vergangenheitswerte und Verschlechterung der Konjunktur stehen demnach den Perspektiven der Arbeitslosigkeit wie Sozialhilfe, Hartz IV und Ausgliederung aus der Gesellschaft entgegen. 29 Durch die Existenzgründung werden neben den Risiken eben auch Chancen ermöglicht, die im Falle der sich durch Arbeitslosigkeit bemerkbar machenden Abwärtsspirale der Gesellschaft 30 kaum anders erreichbar erscheinen. Die Aufnahme der Selbständigkeit scheint demnach in diesen Fällen die in jedem Fall bessere Alternative. Die Gründungsmotivation ist entsprechend groß, jedoch ist auch die Risikobereitschaft wesentlich höher als bei anderweitig motivierten Gründern.
Gründungskonzept (Business-Plan)
Die generelle Notwendigkeit zur Erstellung eines Business-Plans ist aus vielerlei Hinsicht unabdingbar. Zum einen wird sich der Gründer über die Erstellung einer detaillierten Markt- und Konkurrenzanalyse sowie der Beschreibung der Zukunftsaussichten über weitere Chancen und Risiken bewusst und kann seinen Geschäftsbetrieb entsprechend planen. Zum anderen ist auch der Finanzplan für die realistische eigene Einschätzung des Vorhabens notwendig. Die Erstellung eines solchen Business-Plans, bei dem je nach Ausprägung des Unternehmens und der geplanten Tätigkeit bereits die erste Zusammenfassung zwischen 5-10 Seiten umfassen kann, nimmt nicht nur viel Zeit, sondern auch eine Menge Expertenwissen in Anspruch. Es sind betriebswirtschaftliche Kenntnisse in hohem Maße notwendig. Alternativ kann ein Wirtschaftsprüfer / Steuerberater - vor allem für die Planrechnungen - zu Rate gezogen werden. 31 Für Gründungen, bei denen der Business-Plan nur die Zielgruppe „Kreditinstitut“ zur Bereitstellung von Finanzierungsmitteln i.H.v. z.B. bis zu 10.000 EUR erreichen muss, ist dieser Aufwand kaum zu rechtfertigen. In den meisten Fällen wird deshalb kein ausführlicher Business-Plan erstellt, sondern lediglich eine kurze Zusammenfassung mit einer Übersicht für Rentabilitätsvorschau / Umsatzplanung / Liquiditätsplanung vorgelegt.
29 Vgl. Willke, Gerhard (1995), S. 40/41
30 Vgl. Welzer, Harald / Wacher, Ali / Heinelt, Hubert (1988)
31 Vgl. Klandt, H. (1999)
18
Planung des Geschäftsbetriebs
Zur Planung des Geschäftsbetriebs gehören die Parameter Rechtsform, Standort, Personal, Organisation, Marketing sowie Steuern und Versicherungen. 32 Natürlich stehen Gründern alle möglichen Rechtsformen bei der Auswahl zur Verfügung, bei Kleinstgründern jedoch beschränkt sich die tatsächliche Umsetzung meist auf Einzelunternehmen / Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) oder bei freien Berufen auf Partnerschaftsgesellschaften. Dies hängt eng mit den vorhandenen finanziellen Mitteln zusammen. Denn alle weiteren Rechtsformen bringen entweder die Notwendigkeit zur Erstellung eines notariellen Vertrags oder zur Einzahlung eines Mindestkapitals mit sich. Im Falle des ausdrücklichen Wunsches nach Haftungsbegrenzung wird außerdem häufig die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) gewählt, meist jedoch hängt dies auch mit der geplanten Umsatz- und Gewinnhöhe und der damit zusammenhängenden steuerlichen Betrachtung als Kapitalgesellschaft zusammen und betriff damit die volumenmäßig größeren Kleinstgründungen.
Die Personalfrage wird bereits in der Definition von Kleinstgründungen mit der Beschränkung auf bis zu 10 Mitarbeitern beantwortet. In der Realität zeigt sich sogar, dass die meisten Gründer den Start zuerst alleine versuchen, jedoch durchaus planen, weitere Mitarbeiter nach der ersten Anlaufphase einzustellen. 33 Die Wahl der Organisationsform des Geschäftsbetriebs rückt damit verbunden ebenfalls in den Hintergrund.
Marketing wird als eine häufige Misserfolgsursache in der Gründungsforschung angesehen. 34 Insbesondere bei Kleinstgründungen erscheint die Umsetzung einer durchdachten und intensiven Marketingstrategie schwierig. Allein durch die fehlenden Mitarbeiter führt die Gründung im Allgemeinen bereits zu einer operativen Auslastung des Gründers. Jeder zusätzliche Aufwand wird versucht zu minimieren. Marketing als nur schwer messbares Ziel tritt deshalb häufig hinter unbedingt notwendige Tätigkeiten wie z.B. Standort-, Produktplanung oder Behördengänge in den Hintergrund und wird auf erste möglichst schnelle Maßnahmen zur Kundenakquisition begrenzt.
Die Planung der steuerlichen Seite findet meist im Rahmen der Erstellung der Planrechnungen statt. Versicherungsausgaben werden ebenfalls in diesem Rahmen
32 Vgl. Wöhe, Dr.Dr.Günther / Döring, Dr.Ulrich (2000), S. 805
33 Vgl. o.V. (KfW Gründungsmonitor, 2005), S. 25/26
34 Vgl. Grumls, M. (1999); Hauschildt, J.(1983)
19
geplant. 35 Viele Kleinstgründungen stehen von finanzieller Seite her zu Beginn meist auf schwachen Füßen, die o.g. höhere Risikobereitschaft geht zu Lasten der Planung. Deshalb stehen lediglich die Versicherungen im Vordergrund, die vor unbeeinflussbaren Risiken schützen und in diesen Fällen die Existenz sichern können. Weitere Versicherungen werden häufig auf spätere Zeitpunkte verschoben. Dies betrifft insbesondere die eigene Absicherung und Altersvorsorge aufgrund der nicht vorhandenen Rentenversicherungspflicht für Selbständige.
Planung der Finanzierung
Die Finanzplanung unterteilt sich in sechs verschiedene Teilpläne: Investitionsplan, Kostenplan, Umsatzplan, Ergebnisplan, Kapitalbedarfsplan und Liquiditätsplan. 36 Die höhere Risikobereitschaft von Kleinstgründern führt auch in der Finanzplanung dazu, dass die Detailtreue als weniger wichtig eingestuft wird. Während bei der detaillierten Planungsrechnung von Unternehmensgründern häufig aufgrund hoher
Investitionskosten die erste Zeit bis zum so genannten break-even ein negatives Ergebnis aufweist und somit eine mittelfristige Kennzahlenberechnung essentiell ist, hat bei Kleinstgründern eine Kosten- und Umsatzplanung mit kurzfristig positivem Ergebnis Priorität. Investitionen werden dementsprechend niedrig gehalten und auf das Nötigste begrenzt. Bei den sich daraus ergebenden Finanzierungsbeträgen unter 50.000 EUR stellt sich darüber hinaus nicht die Frage nach Eigenkapital- oder Fremdkapitalfinanzierung - geschweige denn nach Mezzaninem Kapital oder gar Finanzierungshilfen durch Business Angels. Es werden lediglich
Fremdkapitalaufnahmen bei Banken oder die Beantragung öffentlicher Fördermittel in Betracht gezogen. 37
2.1.3. Merkmale von Geschäftsbeziehungen zwischen Kreditinstitut und Kleinstgründer
Die Rolle der Hausbank von Kleinstgründern wird - orientiert an o.g. Gründungsphasen - erst in der Finanzplanung konkret. In den zuvor genannten Phasen sind evtl. Gründungsberater oder die IHK beteiligt - nicht jedoch die
35 Vgl. Klandt, H. (1999)
36 Vgl. Ditges, Prof. Dr. Johannes / Arendt, Uwe (2002); vgl. Kirschbaum, Prof. Dr. Günter (Hrsg.) (2003), S.42 ff.
37 Vgl. Global Entrepreneurship Research Association / Sternberg, Rolf / Brixy, Udo / Schlapfner, Jan-Florian
(2006), S.30/31
20
Hausbank. 38 Einziger Anlass für einen früheren Einbezug der Bank ist eine Auswahl der späteren Hausbank oder die erste Anfrage zu Finanzierungsanforderungen. Die Hausbank von Kleinstgründern muss dabei nicht nur den allgemeinen Kundenerwartungen gerecht werden, sondern auch auf die zuvor genannten Besonderheiten der Kleinstgründer eingehen.
Eine Geschäftsbeziehung zwischen Kreditinstituten und Kunden erhält ihren rechtlichen Rahmen durch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen. 39 Die Merkmale einer Geschäftsbeziehung werden hieraus allerdings nicht ersichtlich. Zur Filterung dieser Merkmale ist eine Betrachtung der tatsächlichen Abläufe sinnvoll. Eine Kategorisierung ist bspw. hierfür in Form des jeweiligen Motivs zur Aufnahme einer Geschäftsbeziehung möglich. Da hier jedoch die generelle Geschäftsbeziehung betrachtet werden soll, ist eine Kategorisierung nach zeitlichen Phasen am ehesten angebracht: Auswahl des Geschäftspartners, Beginn der Geschäftsbeziehung und Ausbau der Geschäftsbeziehung.
Auswahl des Geschäftspartners
Auch wenn in der Regel der Kunde auf das ausgewählte Kreditinstitut zugeht, um ein Konto zu eröffnen, findet die Auswahl des Geschäftspartners sowohl auf Seite des Kreditinstituts als auch auf Seite der Kunden statt.
Die Auswahl durch die Kreditinstitute erfolgt bereits durch die festgelegte Strategie sowie die dadurch bedingt stattfindende Segmentierung der Zielkundengruppen. 40 Die Beurteilung und Auswahl der potentiellen Kunden erfolgt dabei mittels Diagnose von Leistungsinanspruchnahme, Abwanderungswahrscheinlichkeit und
Ausfallwahrscheinlichkeit und die sich dadurch bestimmende Vorteilhaftigkeit einer Geschäftsbeziehung. Da es kaum Möglichkeiten für methodische
Berechnungsgrundlagen aufgrund der Vielzahl der Parameter gibt, werden häufig Erfahrungsparameter aus der tatsächlichen Kundenbetreuung vor Ort zu Grunde gelegt. 41 Ziel ist dabei, intensiv auf Bedürfnis- und Präferenzstruktur der Zielgruppe einzugehen und aus der Spezialisierung Vorteile zu erzielen sowie eine starke
38 Vgl. Kirschbaum, Prof. Dr. Günter (Hrsg.) (2003)
39 Einzusehen auf den jeweiligen Internetseiten sowie erhältlich bei allen Kreditinstituten; vgl. auch o.V.
(Sparkassen-AGB, 1993); o.V. (Banken-AGB, 2000)
40 Vgl. Büschgen, Hans E. (1995), S. 298
41 Vgl. Böhm, Dr. Anne (1999), S. 284-285/337
21
Marktpositionierung in dem anvisierten Segment zu erreichen. 42 Banken sind zusätzlich auch öffentlichem Druck ausgesetzt, bestimmte Personengruppen als Kunden zu akzeptieren und können somit nicht immer frei über das zu bearbeitende Kundensegment entscheiden. 43 Im Bankalltag hat sich seit einiger Zeit eine Aufteilung von gewerblichen und Privatkunden ergeben. Dabei werden diese Gruppen weiter nach der Art der von ihnen abgenommenen Leistungsbündel untergliedert. Hierfür sind eigene organisatorische Einheiten implementiert, die sich der Betreuung und Verwaltung dieser Kundengruppen annehmen. 44 Spezielle Konditionsgestaltungen und Produktausgestaltungen lassen darüber hinaus eine noch detailliertere und nach aktuellem Fokus steuerbare Kundenauswahl möglich werden.
Die Anforderungen seitens der Kunden an Ihre potentielle Hausbank können durch die Parameter für den Kundennutzen erläutert werden. Diese Parameter sind dabei vielfältig und individuell verschieden. Zu den wichtigsten gehören Präsenz / Erreichbarkeit, Multikanalfähigkeit, Servicequalität, Verhalten gegenüber Kunden, Flexibilität / Schnelligkeit, Eingehen auf Kundenwünsche, Kommunikationsstil und Qualität des Leistungsangebots. Dabei entscheidet nicht die Perfektion von einem der Parameter, sondern vielmehr die Kombination aller Parameter über die Gesamtbewertung des Nutzens für den Kunden. Wird dieser Nutzen ins Verhältnis zu anderen Banken gesetzt, ergibt sich ein komparativer Konkurrenz-Vorteil. Dies können die Eigenschaften „besser“ und/oder „billiger“ sein - je nach Marktposition (Billig- bis Luxusposition). 45 In Abwägung der subjektiven Präferenzen des Kunden kann er über die Bedeutung der Parameter und die für ihn optimale Bank entscheiden. 46 Problematisch ist hier jedoch die Transparenz und Vergleichbarkeit der einzelnen Parameter. Merkmale wie das Verhalten gegenüber Kunden sind meist von dem Gegenüber persönlich abhängig und in Zeiten einer hohen Fluktuation der Mitarbeiter schnell veränderlich. Gleiches gilt für Servicequalität, Flexibilität, Schnelligkeit, Kommunikationsstil etc., die zu einem großen Teil von dem jeweiligen Mitarbeiter oder Erreichbarkeit und Leistungsangebot, die von der aktuellen Strategie
42 Vgl. Büschgen, Hans E. (1995), S. 98
43 Vgl. ebenda, S. 99; siehe dazu Drucksachen des Bundestages (BT-Drucks. 14/3611 und BT-Drucks. 15/2500,
S. 7 zur Selbstverpflichtung durch die Kreditwirtschaft - freiwillige Empfehlung des Zentralen
Kreditausschusses (ZKA)
44 Vgl. ebenda, S. 298
45 Vgl. Schierenbeck, Prof. Dr. Dr. h.c. Henner (2003), S. 19
46 Vgl. Schierenbeck, Prof. Dr. Dr. h.c. Henner (2003), S. 19
22
des Kreditinstituts beeinflusst werden. Hinzu kommt die Homogenität der Bankleistungen, die hinsichtlich des Produktangebots kaum mehr Unterschiede erkennen lässt. Hier stehen meist lediglich die Konditionen im Vordergrund, die jedoch nur bei genauerer Betrachtungsweise vergleichbar sind. 47
Beginn der Geschäftsbeziehung
Nach dem getrennt voneinander stattgefundenen Auswahlprozess wird die Geschäftsbeziehung aufgenommen - diese erfolgt rein rechtlich bereits mit einer Anfrage bei der jeweiligen Bank bzw. bei der Terminvereinbarung mit dem nach den Segmentierungskriterien zugeordneten Berater. 48 Gründungen sind generell von Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Finanzierungsleistungen und einer gewissen Informationsasymmetrie gekennzeichnet. 49 Dies und die zuvor geschilderte hohe Abhängigkeit von den persönlichen Eigenschaften des jeweiligen Bankberaters begründet, warum der Beginn der Geschäftsbeziehung für eine langfristig positive Zusammenarbeit prägend ist. Als Prinzipal-Agent-Beziehung baut die Geschäftsbeziehung auf Vertrauen. Sowohl Bank als auch Kunde können dabei - in Zusammenhang mit der Produktnutzung - Prinzipal oder Agent sein. 50 Sowohl der Kunde als auch der Bankberater legen den Grundstein für die spätere Zusammenarbeit: Der Kunde trifft bereits jetzt erste Entscheidungen über die eventuelle Produktnutzung, der Berater über die in seinem Kompetenzbereich liegende mögliche Ausgestaltung der Kundenbeziehung von der Servicebereitschaft bis hin zur Kreditvergabe.
Ausbau der Geschäftsbeziehung
Die Fortführung der Erfolgsparameter aus dem Beginn der Geschäftsbeziehung ist im Ausbau der Geschäftsbeziehung unabdingbar. Hierzu gehört natürlich auch die bedarfsgerechte Beratung zu sämtlichen Kundenfragen - von der Überweisung über Anlage- / Kreditbedarf bis hin zur Altersvorsorge. Das Leistungsangebot muss zudem der genauen Qualitätsprüfung durch den Kunden standhalten können. Ebenso unterliegt der Berater in der konkreten Ausgestaltung der Geschäftsbeziehung einer näheren Betrachtung - entscheidend ist, ob an den in den ersten Gesprächen
47 Vgl. Preis-Leistungs-Verzeichnisse der Banken unter Gesamtbetrachtung der Konditionen
48 Vgl. o.V. (Banken-AGB, 2000)
49 Vgl. Schade, Mareike (2000), S. 21-24
50 Vgl. ebenda
23
angekündigten Attributen festgehalten werden kann. 51 Mit der Zufriedenheit mit Service und Leistung, mit der Kontinuität und einer möglichen Zukunft der Beziehung zum Ansprechpartner der Bank und mit der Kommunikation auf einer persönlichen Gesprächsebene wächst das Vertrauen. 52 Nicht nur das Vertrauen gegenüber der Bank ist hier von Bedeutung, sondern auch das Vertrauen des Beraters in den Kunden. Insbesondere in Verbindung mit einer Kreditvergabe bekommt der Vertrauensaspekt eine besondere Position. Die Vertrauensbasis kann sogar der Literatur nach in manchen Fällen als Sicherheitenersatz dienen. 53 Kleinstgründungen stellen jeden Bankberater vor die Herausforderung, eine Entscheidung ohne historischen Berechnungsgrundlagen zu treffen. Es existieren lediglich Planungsrechnungen, die versuchen, das betriebliche Geschehen den Einwirkungen des Zufalls und der Ungewissheit zu entziehen. 54 Eine Beurteilung der Kreditwürdigkeit kann somit nur anhand von Prognosen fallen - allerdings kann das Vertrauen zwischen Berater und Kunden in diesem Fall eine Beurteilung der Wahrheit der vorgelegten Unterlagen positiv beeinflussen.
2.2. Aktuelle Finanzierungsspezifika der Banken- und Kreditlandschaft in Deutschland
2.2.1. Struktur des deutschen Bankwesens unter Betrachtung der Strategien-Fokussierung der Kreditinstitute
Das deutsche Bankensystem gliedert sich in das Zentralbanksystem mit der Deutschen Bundesbank und den Landeszentralbanken sowie das
Geschäftsbankensystem - die Kreditinstitute, die aufgrund ihrer in Deutschland besonderen Unterteilung eine nähere Betrachtung erfordern. Die Gliederung erfolgt nach dem Prinzip der Wirtschaftsgesinnung in - Privatwirtschaftliche Kreditinstitute - privater Kreditbankensektor - Gemeinwirtschaftliche Kreditinstitute - Sparkassensektor - Genossenschaftliche Kreditinstitute - Genossenschaftsbankensektor. 55
51 Vgl. Schierenbeck, Prof. Dr. Dr. h.c. Henner (2003), S. 19
52 Vgl. ebenda
53 Vgl. Kirschbaum, Prof. Dr. Günter / Naujoks, Dr. Wilfried (2000), S.127
54 Vgl. Ditges, Prof. Dr. Johannes / Arendt, Uwe (2002), S. 47
55 Vgl. Grill, Wolfgang / Perczynski, Hans (2001), S. 40-51; vgl. Wurm, Gregor / Wolff, Dr. Karl / Ettmann, Bernd
(2001), S.12-14
24
Analog der Besonderheiten dieser jeweiligen Bankengruppen sind auch die Strategien bzw. der aktuelle Fokus der jeweiligen Banken nach Unterschieden oder Gemeinsamkeiten zu untersuchen. 56
Kreditbanken
Die Bezeichnung „Kreditbank“ wird durch die Deutsche Bundesbank geprägt und umfasst Großbanken, Regionalbanken, Zweigstellen ausländischer Banken und Privatbankiers. Die Unternehmensführung erfolgt in privatrechtlicher Form. Die Kreditbanken in Deutschland betreiben als Universalbanken alle Bankgeschäfte außer dem Pfandbriefgeschäft, das ausschließlich Realkreditinstituten erlaubt ist, und sind zu einem großen Teil international tätig. Zur Sicherung der Kundeneinlagen besteht ein Einlagensicherungsfonds. Die meisten privatwirtschaftlichen Banken sind Aktiengesellschaften und börsennotiert. 57 Zu den nach Bilanzsumme vier größten Kreditbanken in Deutschland gehören die Deutsche Bank AG, die Commerzbank AG, die Dresdner Bank AG und die Hypovereinsbank AG. Von insgesamt 510.000 Bankmitarbeitern in Deutschland entfallen ca. 87.416 und damit 17% der Bankmitarbeiter auf den Kreditbankensektor. 58 Die Strategien dieser Kreditbanken sind gewinnorientiert und damit generell vergleichbar, weisen jedoch bei genauerer Betrachtung einige Unterschiede auf.
Die Deutsche Bank AG als Deutschlands größte Kreditbank legt ihre Schwerpunkte auf den Ausbau ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit und ihrer weltweit starken Stellung. Mit 26.336 Mitarbeitern 59 stehen Wachstum bei ertragsstarken Produkten bei hoher Qualität in der Kundenbetreuung in Wachstumsregionen, aber auch in Europa und den USA im Vordergrund. 60 Konkret sollen sich diese Ziele in einer Vorsteuereigenkapitalrendite in Höhe von 25% und einer zweistelligen Wachstumsrate beim Ergebnis je Aktie niederschlagen. 61
56 Siehe die jeweils aktuellen Geschäftsberichte mit der Zusammenfassung der nächsten Ziele und Schwerpunkte
der Geschäftstätigkeit. Problematisch hierbei ist die Verfügbarkeit von Geschäftsberichten des Sparkassen-und Genossenschaftssektors, da prinzipiell der regionale Vorstand der Sparkasse / Volksbank eine eigene
Strategie festlegen kann. Im Bereich der Genossenschaftsbanken existiert jedoch der Bundesverband der
Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, auf dessen Veröffentlichungen zurückgegriffen werden kann -
im Sparkassensektor auf den Jahresbericht des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands.
57 Vgl. Grill, Wolfgang / Perczynski, Hans (2001), S. 40-51
58 Vgl. o.V. (Commerzbank Geschäftsbericht, 2006), S.45; o.V. (Deutsche Bank Jahresbericht, 2006), S.2; o.V.
(Dresdner Bank Geschäftsbericht, 2006), S.66; o.V. (Hypovereinsbank Geschäftsbericht, 2006), S.132
59 Vgl. o.V. (Deutsche Bank Jahresbericht, 2006), S.2
60 Vgl. o.V. (Deutsche Bank Jahresbericht, 2006), S.4/5
61 Vgl. ebenda, S.5
Arbeit zitieren:
MBA / Dipl.-Betriebsw.(BA) Stefanie Schnütgen, 2007, Optimierung bei der Finanzierung von Kleinstgründungen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Wettbewerbsstrategien von Beratungsunternehmen
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Belastungswirkungen der Erbschaftsteuerreform im Rahmen der Übertragun...
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern
Seminararbeit, 29 Seiten
Erfolgsfaktoren des persönlichen Verkaufsgesprächs
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Hausarbeit, 15 Seiten
Erfolgsfaktoren des persönlichen Verkaufsgesprächs
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Hausarbeit, 10 Seiten
Finanzierung von kleinen und mittleren Unternehmen - Eine empirische S...
BWL - Investition und Finanzierung
Diplomarbeit, 69 Seiten
Mikrofinanzinstitutionen als Beispiel für erfolgreiches Social Entrepr...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Diplomarbeit, 95 Seiten
Stefanie Conticello's Text Optimierung bei der Finanzierung von Kleinstgründungen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Stefanie Conticello hat den Text Optimierung bei der Finanzierung von Kleinstgründungen veröffentlicht
Stefanie Conticello hat einen neuen Text hochgeladen
High Performance MySQL / Optimierung, Backups, Replikation und Lastver...
Optimierung, Datensicherung & ...
Baron Schwartz, Peter Zaitsev, Vadim Tkachenko, Jeremy D. Zawodny, Kathrin Lichtenberg
Optimierung des bestehenden kriminalstatistischen Systems in Deutschla...
Empfehlungen der Arbeitsgruppe...
Grundlagen des Corporate Finan...
Birgit Wolf, Mark Hill, Michael Pfaue
0 Kommentare