Inhaltsangabe
Inhaltsangabe.............................................................................................................................. 2
1. Zugangsproblem 3
2. Biographie 4
3. Nitschs Werk 6
3.1 Aktionsmalerei 6
3.2 Das Orgien Mysterien Theater 6
3.3 Exposition 8
4. Intentionen 9
4.1 Grundlegung 9
4.2 Kulturzitate 9
4.3 Das Bacchanal als Ausdruck der Lebensfreude 10
4.4 Protest 11
4.5 Provokation 11
5. Wirkungen 13
5.1 Kulturzitate 13
5.2 Das Bacchanal als Ausdruck der Lebensfreude 14
5.3 Protest 15
5.4 Provokation 16
5.5 Gesamtbeurteilung 17
6. Das O.M. Theater als Ritual - Stellungnahme 18
7. Schlußbetrachtung 20
Literaturnachweis 22
2
1. [Zugangsproblem]
Befasst man sich mit dem Werk von Hermann Nitsch, so fällt es schwer die Intention des Künstlers zu erfassen. Der Grund dafür liegt darin, daß man auf die Vermittlung durch das Wort der Beobachter und Kunstwissenschaftler angewiesen ist, die einen im Grunde nicht vermittelbaren sondern lediglich erfahrbaren Prozess beschreiben, und selber an den Ereignissen nicht teilgenommen hat. Folglich bleibt man im Bereich der Mutmaßungen, mögen diese auch gut begründbar sein, und eine Beurteilung, ob Nitsch das intendierte Ziel erreicht, fällt daher sehr schwer.
In seinem Orgien-Mysterien-Theater (O.M. Theater) versucht Nitsch durch reale Tieropferungen, durch Malaktionen mit Blut, Fleisch und Gedärm durch Zerreißen der Opfer und Trinkgelage, die im Wechsel mit Ruhephasen stattfinden, die dionysisch - sinnliche Erfahrbarkeit des Ritus neu zu beleben. Diese Vorgehensweise steht im Gegensatz zu dem christlichen Gottesdienst, der nur eine rein symbolische Opferung zulässt.
Ziel des O.M. Theaters scheint es zu sein, eine archaische Form der Entrückung herbeizuführen. Zum einen. Zum anderen aber auch, einer widersprüchlichen Zone von Selbstverständlichkeit und Ignoranz entgegenzutreten. Einer bürgerlich industriellen Gesellschaft nämlich, die den Tötungsakt mechanisiert, das Fleisch in der Medizin technologisiert und die Erotik in einem Marketingzusammenhang trivialisiert.
In dieser Erlebnis - und Produktionsform werden, bei näherer Betrachtung, vielerlei Widersprüche und Paradoxien deutlich. Es stellen sich die Fragen nach der Organisierbarkeit des Exzesses, der seiner Natur nach doch chaotisch ist, sowie nach seiner Übertragbarkeit in die Form der Bilder. Transportieren diese Relikte der Malaktionen und der O.M. Theater wirklich den so wichtigen grenzgängerischen, kathartischen Prozess, den zu erfahren Vorraussetzung für jedes echte Verständnis ist, oder wirken diese Bilder nicht doch eher wie bloße Schmierereien, allenfalls etwas obszön, weil ein Prozess eben nicht fixierbar ist? Zudem ist der Exzess eine Entität, die sich jeder Definierbarkeit entzieht, da sein Wesen die Ungreifbarkeit ist.
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Will Nitsch durch das Ausleben des Exzesses und der Aggression, im Zerreißen, Schmieren, Schütten und Besudeln, Zerstampfen und Zerdrücken und Zerwühlen eine Reinigung von diesen Gefühlen herbeiführen, so ist diese bestenfalls durch direkte Teilnahme an den Geschehnissen erfahrbar. Ob so etwas in ein Ritual überführbar oder durch die von Nitsch dabei produzierten Bilder auch dem Nichtteilnehmenden mitteilbar ist, will ich hier in Zweifel ziehen. Manche Autoren behaupten, daß Nitsch diese Vermittlung gelingt. Doch ist ihren Texten das Vorwissen des Diskurszusammenhanges anzumerken. Diese Katharsis wäre aber etwas, das sich auch dem unbedarften Beobachter erschließen müßte. In dieser Arbeit werde ich untersuchen, inwieweit Nitsch seine Ziele erreicht.
2. [Biographie] 1
Hermann Nitsch wird am 29. August 1938 in Wien geboren. Im Alter von fünf Jahren erlebt er intensiv das Leid und die Brutalität menschlichen Daseins in den Bombardements alliierter Luftangriffe. Nach seinem Schulabschluß 1956 besucht er die graphische Lehr- und Versuchsanstalt in Wien.
Häufige Aufenthalte im naheliegenden, ländlichen Weinviertel vermitteln dem jungen Nitsch prägend den ruralen Lebensrhythmus von Sähen und Ernten, Füttern und Schlachten. In dieser Zeit beginnt er sich intensiv mit Literatur, Kunst und Philosophie auseinanderzusetzen.
Neben graphischen Arbeiten versucht er sich vor allem dichterisch zu äußern, doch empfindet er das Wort als ungenügend. Der Bereich der Symbole und Zeichen, in dem er sich hier bewegt, ist ihm zu entfernt von der Wirklichkeit, die er durch sein Schaffen berühren will.
1959 lernt er durch Georges Mathieu die Aktionsmalerei kennen 2 (siehe 3.1). Durch den deutlich physischeren Charakter des Mediums der Malerei, besonders aber durch die Aufhebung der Grenzen zwischen Künstlern und Publikum, die zu einer Annäherung und Durchdringung von Kunst und Leben führen soll, nähert sich Nitsch seinem Ziel, der Durchdringung von Kunst und Realität.
Der Ereignischarakter dieser Kunst folgt dem, bereits im ‚ready-made’ Marcel Duchamps 3 formulierten Gedanken der Darstellung der Realität durch sich selbst, der die ‚Konzeption’ als
1 Biographische Daten, soweit nicht anders vermerkt der Internetseite www.Charimklocker.at entnommen
2 Entgegen
3 Lexikon der Kunst
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konstituierendes Element für das Kunstwerk zugrunde legt. Die ist eine für die Entwicklung der modernen Kunst grundlegende Anschauung.
Ende der Fünfziger Jahre entwickelt Nitsch die Idee des Orgien Mysterien Theaters, die ihn von da an unablässig beschäftigt. Das O.M.- Theater ist eine neue Form des Gesamtkunstwerkes, ein sechs Tage dauerndes Festspiel, in dem durch die Inszenierung realer Geschehnisse alle fünf Sinne der Teilnehmer angesprochen werden sollen. Zwischen 1960 und 1966 veranstaltete er Aktionen und Ausstellungen in Wien, die aufgrund ihres orgiastischen Charakters mehrere Prozesse und drei Gefängnisstrafen nach sich ziehen. Nach 1966 dehnt er seine Aktionen und Ausstellungen in zahlreiche Städte Europas, der USA und Australiens aus, hält Vorträge und veranstaltet Konzerte.
Im Jahr 1971 kauft er Schloss Prinzendorf an, wo er in den Jahren 1974 und 1984 Teile seines Sechstagespiels umsetzt. 1985 lernt Nitsch Rita Leibor kennen, mit der er ab 1986 zusammenlebt und die er 1988 heiratet. Sie wird ihm eine unersätzliche Hilfe für den Aufbau seines Lebenswerkes.
Seit 1989 lehrt Nitsch eine Klasse im Bereich für interdisziplinäre Kunst an der „Hochschule für bildende Kunst“ in Frankfurt am Main und leitet immer wieder an der Salzburger Sommerakademie Klassen für Malerei. 1995 beauftragt die Wiener Staatsoper Hermann Nitsch die Ausstattung der Oper ‚Herodiade’ von Jule Massenet zu übernehmen und bei der Inszenierung Regie zu führen. Im gleichen Jahr wird seine Personalausstellung im Wiener Künstlerhaus als beste Präsentation ausgezeichnet. Kurz darauf wird er vom österreichischen Bundesministerium zum (Ehren-) Professor ernannt.
1998 choreographiert der Leiter des Staatsoperballetts der Wiener Staatsoper das Ballett ‚Mythos’ zu Nitschs Streichsextett Dionysos.
Im gleichen Jahr wird vom 3. bis 9. August auf Schloß Prinzendorf das 6-Tage-Spiel des O.M.- Theaters durchgeführt. Dies kann als erster Versuch der Realisierung von Nitschs künstlerischem Lebenswerk angesehen werden.
Im darauffolgendem Jahr werden die Relikte, Reliktinstallationen und Videos des 6-Tage-Spiels im Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig, im Palais Liechtenstein, Wien und im Kiscelli Museum in Budapest ausgestellt. Die Musik des 6-Tage-Spiels wird im ORF Radiokulturhaus in Wien, im Hamburger Bahnhof, im Museum für Gegenwart in Berlin und in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn aufgeführt.
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3. [Nitschs Werk]
3.1 [Aktionsmalerei]
Neben seinen dichterischen und graphischen Arbeiten, beschäftigt sich Nitsch ab Ende der 50er Jahre mit der Aktionsmalerei, die zu seiner wichtigsten Ausdrucksform wird. Als Teil der Aktionskunst versucht die Malaktion die Trennung zwischen Publikum und Künstler aufzuheben. Sie will im Zusammenspiel zwischen künstlerischer Darbietung und dem provozierten Eingreifen des Publikums eine Bewegung initiieren, die im realen Raum und in der realen Zeit stattfindet, also Teil des Lebens selbst ist. 4 Das Wesensmerkmal des Kunstwerkes ist seine Konzeption als Ereignis. Diese Konzeption und nicht die Einzigartigkeit des Werkes ist sein konstituierendes Element.
In seinen Malaktionen wendet sich Hermann Nitsch in exzessiven und orgiastischen Aktionen mit rituellem Charakter, durch Beschütten, Bespringen oder Zerstören der Leinwand, gegen die etablierte Kunst und gegen gesellschaftliche Tabus. Den simplen Farbauftrag erweitert er um Schütten, Schmieren und Rinnenlassen. Das Wühlen in Farbe wird als konzeptionelles Element hinzugenommen, ebenso wie das Zerreißen, Schütten und Schmieren von Fleisch, Gedärmen und Blut.
Das Produkt der Malaktion, das Gemälde, erhebt für sich nicht den Anspruch des Artefakts, so es nicht durch Verwendung in Installationen in neue Zusammenhänge gestellt wird.
3.2 [Das Orgien Mysterien Theater]
Das Orgien Mysterien Theater ist die von Hermann Nitsch Ende der fünfziger Jahre entwickelte neue Form des Gesamtkunstwerkes auf der Grundlage des Wiener Aktionismuses. Erste Aufzeichnungen dazu stammen von 1958.
Der Begriff des Gesamtkunstwerkes bei Nitsch, wenn auch unter Einfluss von Richard Wagners Vorstellungen entwickelt, unterscheidet sich doch von dessen ‚Aufgehen der Einzeldisziplinen in höheres Ganzes’ oder von der ‚Ästhetisierung des gesamten Lebensbereiches’ in Jugendstil, Bauhaus und de stijl 5 .
Für Nitsch konstituiert sich das Gesamtkunstwerk in der Totalität der Eindrücke, mit denen er alle fünf Sinne während der Aktion, teilweise bis zur Schmerz- und Ekelgrenze, anspricht. Dieses Konzept entwickelte er vor dem Hintergrund der Tiefenpsychologie C.G. Jungs und Siegmund Freuds.
4 Lexikon der Kunst
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Arbeit zitieren:
M.A. Sven Stemmer, 2002, Exzess und Ritual bei Hermann Nitsch, München, GRIN Verlag GmbH
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