Inhaltsverzeichnis
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Einleitung 3
1. Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs: eine Nomadengottheit? 4
1.1 Biblischer Befund 4
1.2 Das religionsgeschichtliche Modell nach Alt 5
1.3 Der religionssoziologische Ansatz nach Albertz 7
2. Der Gott des Moses: eine Berg- und Sturmgottheit? 8
2.1 Historische Rekonstruktion 8
2.1.1 Der Exodus 9
2.1.2 Der Aufenthalt am Gottesberg 10
2.1.3 Wüstenwanderung und Landnahme 10
2.2 Die Bedeutung des Moses 11
2.3 Das Gotteskonzept der Exodusgruppe 12
3. Kanaanäische Transformation: Synkretismus im Kulturland 14
3.1 Das Verhältnis von kanaanäischer und israelitischer Religion 14
3.2 JHWH und El 16
3.3 JHWH und Aschera 18
Exkurs : Kritik am monotheistischen Zugang zur Welt 19
Schlusswort 21
Literaturverzeichnis 22
2
1. Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs: eine Nomadengottheit?
1.1 Biblischer Befund
Die Vätererzählung in Gen 12-50 handelt vom Leben Abrahams, Isaaks und Jakobs und ihrer Beziehung zu Gott. 1 Als Abraham von Gott berufen wird, ist dies nach der Konzeption einer wahrscheinlich vorexilischen Redaktion der eigentliche Beginn der israelitischen Religion, denn dieser Gott ist identisch mit JHWH. Dies zeigt deutlich Ex 3f, wo sich JHWH dem Moses im brennenden Dornbusch offenbart und ihm auch seinen Namen nennt. Seine erste Selbstvorstellungsformel lautet hier allerdings: „Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.“ (Ex 3,6) 2 Jedoch wird die Angelegenheit etwas komplizierter, wenn nur drei Kapitel später die priesterschriftliche Bearbeitungsschicht in Ex 6 davon spricht, dass Moses der erste sei, dem Gott seinen Namen JHWH offenbart, er den Vätern jedoch als El-Šaddaj erschienen wäre. 3
Dass Gott in der Bibel verschiedene Namen haben kann, verhalf der Redaktionskritik zur Einsicht, dass im Pentateuch verschiedene Überlieferungsströme zusammen geflossen sein mussten, wenngleich das klassische Schichtenmodell längst zur Diskussion steht. Neben den beiden häufigsten Gottesbezeichnungen JHWH und Elohim findet sich eine Reihe von Umschreibungen, die schon allein aus dem Verbot in der jüdischen Tradition resultieren, den Namen Gottes (resp. JHWH) auszusprechen. Um etwas über die Religion der Erzväter zu erfahren, kann man unter den biblischen Texten - ungeachtet des Quellenwertes - eigentlich nur Gen 12-50 konsultieren. 4 Hier fallen sogleich ganz bestimmte Typen von Gottesbezeichnungen ins Auge. Einige seien genannt 5 : zum einen begegnet „der Gott meines Vaters“, wobei das Possessivpronomen wechseln kann (Gen 31,5.42; 2Chr 17,4), aber häufig steht auch explizit ein Personenname als Genitivattribut wie in „der Gott Abrahams“ (Gen 31,42.53) oder „der Gott Nahors (Gen 31,53). Zum anderen finden sich aber auch Appellativa in Verbindung mit einem Personennamen - meist einem der Väter - die sehr ungewöhnlich, ja sogar ziemlich archaisch anmuten, wie „Schild Abrahams“ (Gen 15,1b), „Schrecken Isaaks“ (31,42a.53b) und „Starker Jakobs“ (49,23f).
1 Die erst sekundäre genealogische Verknüpfung der drei Erzväter steht außer Diskussion. Vgl. etwa
H.Donner, 89.
2 Vgl. R.Albertz, 49.
3 Dto.
4 Aus welcher Perspektive die Genealogie Israels in diesen Geschichten jedoch geschildert wurde, wird
sich weiter unten noch zeigen.
5 Eine schöne Übersicht liefert M.Köckert, 915f.
4
Neben den unterschiedlichen Gottesbezeichnungen differiert die Religiosität der Väter im Vergleich zu späteren Zeiten aber vor allem auch in der Gottesvorstellung. Von einer übernatürlichen Unnahbarkeit und Unantastbarkeit Gottes wie im späteren Zentralkult, die nur durch kultische Mittler überwunden werden kann, fehlt jede Spur. Vielmehr wird Gott als ein unmittelbarer persönlicher Begleiter der (halb-) nomadischen 6 Sippen gedacht, der bedingungslos seinen Beistand und seine Hilfe gewährt. 7 Um diesen Befund war spätestens seit Albrecht Alt eine leidenschaftliche Diskussion entbrannt. Deren Verlauf kann im Folgenden nicht exakt nachgezeichnet werden, aber zumindest soll die Position Alts kurz dargelegt sein, und mit dem religionssoziologischen Erklärungsmodell von Rainer Albertz soll eine der wichtigsten gegenwärtigen Antworten auf die Theorie einer Väterreligion als Vorläufer der JHWH-Religion angeführt werden.
1.2 Das religionsgeschichtliche Modell nach Alt
Hatte die alttestamentliche Wissenschaft die Väterreligion lange Zeit als fromme Rückprojektion angesehen, die dazu dienen sollte, eine historische Linearität und Kontinuität des JHWH-Glaubens zu erzeugen 8 , so stufte Albrecht Alt den historischen Quellenwert der Vätersagen weitaus höher ein, und meinte, in ihnen einen typisch nomadischen Religionstyp ausmachen zu können, der gewissermaßen eine Vorstufe zur JHWH-Religion darstellte.
Diese Nomadenreligion weise sich vor allem durch zwei Charakteristika aus. Zum einen sei sie von Grund auf polytheistisch, auch wenn Alt die Erzväter durchaus als Nomaden sieht, und ihre Religion zumindest in der Steppe, wenn nicht gar in der Wüste entstanden wissen will. Alt verweist zur Begründung dieser Annahme auf Gen 31,53. 9 Die unterschiedlichen Gottesbezeichnungen seien ein polytheistisches Relikt, und bezögen sich demnach keineswegs auf dieselbe Gottheit.
Dies ist insofern innovativ, da lange Zeit vor allem im 19. Jahrhundert gerade die nomadische Herkunft - zumindest eines Teils - des israelitischen Stämmeverbandes als eine bedeutende Ursache für die Entstehung des israelitischen Monotheismus angesehen wurde. 10 Das andere Charakteristikum wäre ein typisch nomadisches. Denn aus der un-
6 ZurDiskussion um die Sozietät der Erzväter siehe weiter unten.
7 Vgl. R.Albertz, 62.
8 Gegenüber der Tradition, die bemüht war, den Gott der Väter stets mit JHWH zu identifizieren.
9 Vgl. A.Alt, 16f. Der masoretische Text weist eine pluralische Verbalform auf, die auf zwei unterschied-
liche Subjekte schließen lässt.
10 Auch wenn E.Renans Formel „Le désert est monothéiste“, Œuvres complétes 8, 147, längst obsolet ist,
dürfte sie zur Zeit Alts noch eine gewisse Reputation in der Theorie um die Entstehung des Mono-
theismus gehabt haben.
5
terschiedlichen Gottesvorstellung, die sich in den Vätersagen manifestiert hat, entwickelte Alt die Vorstellung einer vorrangigen Personengebundenheit des jeweiligen Gottes, hervorgerufen durch individuell vorzustellende Gottesoffenbarungen, wobei der Name des Offenbarungsträgers in der Gottesbezeichnung erhalten blieb. Die Heiligtumsgründungssagen taugen hier als Antithese gegen die lokale Ungebundenheit nicht, denn hinter ihnen verbirgt sich eine Instrumentalisierung der Erzväter in Form von Ätiologien. H.Donner bemerkt dazu treffend: „Israel hat sich nach der Landnahme die alten kanaanäischen Heiligtümer [...] zu eigen gemacht, hat Anspruch auf sie erhoben und ihre sakrale Würde auf Jahwe zurückgeführt, der sich den Erzvätern schon vor der Landnahme dort offenbart haben sollte.“ 11 Nach Alt ist dieser Befund religionsgeschichtlich mit der Sesshaftwerdung nomadischer Gruppen in Palästina zu erklären, woraus zunächst eine Verschmelzung mit den lokalen kanaanäischen El-Numina erfolgte, bevor durch die Ausbildung eines gesamtisraelitischen Nationalbewusstseins diese Gottesbildsynthesen singularisiert bzw. alle mit JHWH identifiziert wurden. Die Vorstellung einer Sammlung des israelitischen Stammesgefüges an den Pforten des gelobten Landes - was der biblischen Darstellung entspricht - wo die nomadische Vätergottheit mit dem Bergnumen der Exodusgruppe verschmilzt, und diese synthetische Gottheit dann ins Kulturland gebracht wird, erweist sich als zu kursichtig. An eine solche Geschlossenheit auf allen historischen und sozialen Ebenen ist im Wachzustand nicht zu denken. Dass die Gottesbezeichnungen und -beziehungen der Vätersagen auf eine Varietät innerhalb der israelitischen Religion hinweisen, scheint unbestritten. Aber ob für diesen Sachverhalt die geschichtliche Interpretation Alts angemessen ist, wurde in letzter Vergangenheit immer mehr angezweifelt, auch wenn er religionsgeschichtliche Analogien u.a. bei den Nabatäern festgestellt haben will. Auch wenn Herbert Donner nicht alle Kritikpunkte am Modell Alts als berechtigt ansieht, und er viele offenstehende Fragen formuliert, die Alt angemessen beantwortet zu haben scheint, sieht auch er den Hauptansatzpunkt für eine kritische Betrachtung in der Frage, ob die Erzväter des AT tatsächlich Nomaden gewesen sind. Das alte Gegenüber von Kulturlandbauern und Transhumanznomaden wurde durch eine Reihe soziologischer Forschungen längst durch den Antagonismus zwischen Stadt und Land abgelöst. 12 Dies ist auch für die mehr religionssoziologisch ausgerichteten Betrachtungen von Rainer Albertz axiomatisch.
11 Vgl. H.Donner, 87.
12 Vgl. ders., 92f.
6
Arbeit zitieren:
Patrick Müller, 2002, Die Entwicklung der JHWH-Vorstellung von der Erzelternzeit bis zur Landnahme, München, GRIN Verlag GmbH
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Heinz W. Roehm
Gott der sog. Erzväter.
Wo ist denn die Wahrheit geblieben? Warum ist Abraham ein ganz bestimmter Gott erschienen, obwohl der doch bereits einen in Ur gehabt hatte? Wenn Laban, sein Verwandter, doch so um seine Götter, die ihm seine Tochter gestohlen hat, so bemüht war, so kann Abraham logischerweise nur denselben Gott/Götter gehabt haben! Außerdem liegen dann zwischen Joseph u. Mose graue Zeiten (Jahrhunderte). Dass dann Seth eine Hauptrolle bekam könnte durchaus verständlich sein.
am Sunday, March 16, 2008-