GLIEDERUNG
1. EINLEITUNG S. 3
2. DER GESELLSCHAFTLICHE WANDEL
S. 4
2.1. Der Hoffnungsträger „Wissensgesellschaft“
S. 4
2.2. Die Sensibilisierung der Gesellschaft
S. 5
3. DER WANDEL UNTERNEHMERISCHER TÄTIGKEIT
S. 7
3.1. Der Einsatz von Managern im Unternehmertum
S. 7
3.2. Leitbilder in unternehmerischen Entscheidungen
S. 8
3.3. Die Entmachtung der Manager
S. 9
3.4. Die Einschaltung von Beratern - Der Beraterkapitalismus
S. 11
4. FAZIT
S. 14
LITERATURLISTE S. 16
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1. EINLEITUNG
Der Begriff der Wissensgesellschaft ist in aller Munde. Vor allem in der Politik wird er gerne gebraucht, um damit die Gesellschaft, in der wir leben, zu beschreiben. Weniger klar ist allerdings, was tatsächlich unter diesem Begriff verstanden werden soll. Martin Heidenreich hat die Punkte anhand von Arbeitspapieren der OECD herausgearbeitet, die als Merkmale der Wissensgesellschaft im Zentrum der politischen Diskussion stehen.
„Erstens geht es um neue Informations- und Kommunikationstechnologien, zweitens um Innovationen, drittens um einen veränderten Stellenwert von Bildung und viertens um zunehmende Bedeutung wissensbasierter Tätigkeiten und Wirtschaftsbereiche.“ 1
Fraglich ist jedoch, „ob eine Gesellschaftsform durch Wissen definiert werden kann, obwohl keine Gesellschaft ohne Wissen auskommt.“ 2 Dennoch fand der Begriff der Wissensgesellschaft, der bereits in den 60er und 70er Jahren geprägt wurde, seinen Weg in die sozialwissenschaftliche Diskussion. 3 In der als zentrales Merkmal der „heutigen“ Wissensgesellschaft auf die „Veränderungsbereitschaft und die Fragilität gesellschaftlicher Strukturen“ hingewiesen wird. 4 Unter dieser Konstellation haben auch die Manager von Unternehmen ihre Entscheidungen zu treffen und müssen sich auf die neusten Veränderungen schnell reagieren. In vielen Fällen greifen sie dabei auf die Dienste von externen Unternehmensberatern zurück.
Daher soll im ersten Teil der Arbeit die Stellung des Wissens in der Wissensgesellschaft und welche Veränderungen sich dabei für die gesellschaftlichen Strukturen ergeben haben, beleuchtet werden. Anschließend wird die Entwicklung unternehmerischer Tätigkeit nachvollzogen und herausgearbeitet, aus welchen Gründen Manager unter den veränderten Strukturen, Berater für ihre Entscheidungen hinzuziehen mussten.
1 Heidenreich, Martin, 2002: Merkmale der Wissensgesellschaft. Zu finden unter http://www.unibamberg.de/sowi/europastudien/dokumente/blk.pdf (Zugriff vom 06.08.2006), S. 3.
2 Ebenda, S. 1.
3 Vgl. ebenda.
4 Vgl. ebenda, S. 2.
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2. DER GESELLSCHAFTLICHE WANDEL
2.1. Der Hoffnungsträger „Wissensgesellschaft“
In den 60er und 70er Jahren zeichneten sich bereits die Probleme der Industriegesellschaft ab. Mit zunehmendem ökonomischem Wachstum, als Garant für gesellschaftlichen Wohlstand, der vor allem auf technische Innovationen aber auch auf Rationalisierung in den Produktionsbereichen zurückzuführen ist, zeichnete sich wachsende soziale Ungerechtigkeit als deren Folge ab.
Vor diesem Hintergrund setzte 1969 Peter F. Drucker mit „The Age of Discontinuity“ die Hoffnung auf die neuen wissenschaftlichen Forschungsbereiche, wie Quantenphysik, physikalische Chemie und andere, die ganz neue Industriezweige schaffen könnten. 5 In der sich abzeichnenden „Wissensgesellschaft“ wären dann nicht mehr die Kapitalbeschaffung und die Diskrepanzen zwischen Kapital und Arbeit, sondern die Erzeugung, Verteilung und Nutzung von Wissen die zentralen Merkmale. 6
Mehr Aufsehen erlangte Daniel Bell 1973 mit seinen Ausführung über die Entstehung einer „Postindustriellen Gesellschaft“, in der das theoretische Wissen alle gesellschaftlichen Systeme als „axiales Prinzip“ durchzieht. Wichtigste Akteure in dieser Gesellschaft sind die Wissenschaftler und Ingenieure als Produzenten theoretischen Wissens. Ihre zentrale Aufgabe ist es, Technologien zu entwickeln, mit denen der technische Fortschritt und das damit einhergehende Wirtschaftswachstum bewusst geplant werden können, sodass zukünftig nicht mehr auf unsichere intuitive Urteile zurückgegriffen werden muss. 7
Damit ist die Aussicht auf die „Wissensgesellschaft I“, wie Christine Resch diese Form der gesellschaftlichen Ordnung bezeichnet, von Optimismus und Wissenschaftsgläubigkeit gekennzeichnet. Die Entwertung des Erfahrungswissens und der gleichzeitigen Heraushebung theoretischen Wissens wird getragen von dem Wunsch, Gesellschaft und Fortschritt plan- und berechenbar zu machen. 8
5 Vgl. Stichweh, Rudolf, 1998: die Soziologie und die Informationsgesellschaft, in: Friedrich, J./ Lepsius, M.R./ Mayer, K.U. (Hg.), Die Diagnosefähigkeit der Soziologie. Sonderheft 38 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. Opladen, S.436.
6 Vgl. Heidenreich, Martin, 2002: Die Debatte um die Wissensgesellschaft, in:Böschen, St./ Schulz-Schaeffer, I. (Hg.) Wissenschaft in der Wissensgesellschaft. Obladen (ebenfalls zu finden unter www.uni-bamberg.de/sowi/europastudien/dokumente/wissensgesellschaft_2002.pdf), S. 9.
7 Vgl. Bell, Daniel, 1984 (1972, 1974): Die Dimensionen der nachindustriellen Gesellschaft, in: Kern, Lucian (HG.), Probleme der postindustriellen Gesellschaft. Königstein/Ts., S.88 ff.
8 Vgl. Resch, Christine, 2005: Berater-Kapitalismus oder Wissensgesellschaft? Zur Kritik der liberalen Produktionsweise. Münster. S. 30 u. S. 34.
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Doch diese Wissenschafts- und Fortschrittsgläubigkeit sollte spätestens in den 80er Jahren erschüttert werden. Im April 1986 ereignete sich die Reaktorkatastrophe im russischen Tschernobyl. Im gleichen Jahr veröffentlichte Ulrich Beck sein Buch „Risikogesellschaft“, in dem er auf die Nebenfolgen des industriellen Fortschritts aufmerksam machte. Welche Rolle dabei die zuvor noch als Hoffnungsträger dargestellte Wissenschaft einnimmt und welche Auswirkungen sich daraus für die „Wissensgesellschaft“ ergeben, soll im Folgenden behandelt werden.
2.2. Die Sensibilisierung der Gesellschaft
Die technische Fortschrittseuphorie der Industriegesellschaft begleitet vom blinden Vertrauen in die Errungenschaften der Wissenschaft führen nach Beck geradewegs in die „Risikogesellschaft“. Die Nebenfolgen des industriellen Fortschritts, die „Modernisierungsrisiken“ wie Beck sie nennt, konfrontieren die Industriegesellschaft mit ihren eigenen Produkten. 9
„Der Übergang von der Industrie- zur Risikoepoche der Moderne vollzieht sich ungewollt, ungesehen, zwanghaft im Zuge der verselbständigten Modernisierungsdynamik nach dem Muster der latenten Nebenfolgen. […] Die Risikogesellschaft ist keine Option, die im Zuge politischer Auseinandersetzungen gewählt oder verworfen werden könnte. Sie entsteht im Selbstlauf verselbständigter, folgenblinder, gefahrentauber Modernisierungsprozesse.“ 10
Diese Nebenfolgen sind von einer zu spezialisierten Wissenschaft, die im Auftrag der Wirtschaft arbeitet, produziert worden. 11 Da diese Nebenfolgen jedoch latent sind, also im Verborgenen lauern, müssen sie erst erkannt, definiert und dann publiziert werden, um von der Gesellschaft als Modernisierungsrisiken wahrgenommen zu werden und ein Risikobewusstsein hervorzurufen. Der Wissenschaft wird dabei die Definitionsmacht zugeteilt, da nur sie die Fähigkeit besitzt, die vielschichtigen „Ursache-Wirkungs-Komplexe“ zu begreifen. 12 Doch zu jeder Expertise findet sich eine Gegenexpertise. 13 Also obliegt es den Medien, die diese veröffentlichen, und letztlich jedem Einzelnen abhängig von seiner Bildung und seinen Informationsgrad, was er wem glaubt. 14
9 Dies bezeichnet Beck als „reflexive Modernisierung, im Gegensatz zur einfachen Modernisierung die durch die Fortschrittsgläubigkeit die Industriegesellschaft kennzeichnet. Vgl Volkmann, Ute, 2000: Das schwierige Leben in der zweiten Moderne - Ulrich Becks „Risikogesellschaft“, in: Schimank, U./ Volkmann, U. (Hg.), Soziologische Gegenwartsdiagnosen I, Opladen. S. 24.
10 Beck, Ulrich, 1993: Die Erfindung des Politischen. Frankfurt/M. S. 36. Zit. in: Volkmann, Ute, 2000, S.
24.
11 Allerdings kann man der Wissenschaft aufgrund der „institutionalisierten Nichtzuständigkeit“ nach Beck nicht die Verantwortung zuweisen. Vgl. hierzu Volkmann, Ute, 2000, S. 29 ff.
12 Vgl. Volkmann, Ute, 2000, S. 26 f.
13 Vgl. ebenda, S. 32.
14 Vgl. ebenda, S. 28.
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Julia Wiedersich, 2006, Der Berater-Kapitalismus in der Wissenschaftsgesellschaft, Munich, GRIN Publishing GmbH
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