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Über Bölls "Irisches Tagebuch" und Giordanos "Mein irisches Tagebuch"

Reisen - Sehen - Lesen - Schreiben

Titel: Über Bölls "Irisches Tagebuch" und Giordanos "Mein irisches Tagebuch"

Seminararbeit , 2003 , 20 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Brendan Bleheen (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Fremderfahrung wirkt unterschiedlich auf die Textproduktion beider Autoren. Während Bölls Interesse und Liebe für die grüne Insel zu einem schriftstellerischen Annäherungs- und Anpassungsversuch führt, indem er sich in die Lage der Iren versetzt, reagiert Giordano darauf, indem er seiner Arbeit noch zielstrebiger nachgeht, und sich für die Konfliktpartei, mit der er sympathisiert und sich identifiziert, engagiert. Der Schriftsteller Werner Bergengruen schrieb "Wir reisen nicht nur an andere Orte, sondern vor allem reisen wir in andere Verfassungen der eigenen Seele". Wie weit man zu reisen bereit ist, hängt von dem eigenen Verhältnis zur Heimat ab. Bölls besseres Verständnis des irischen Zeichensystems ist wahrscheinlich sowohl auf sein kritische Haltung Deutschland gegenüber als auch auf die geringere emotionale Distanz des rheinländischen Katholiken zu Irland und den Iren zurückzuführen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einführung

II. Reisen

II.i. Voraussetzungen

II.ii Reisezeit

II.iii Reisemittel

III. Sehen

III.i Giordano

III.ii Böll

IV. Lesen

IV.i Der erweiterter Lesebegriff bei Cazort Zorach

V. Schreiben

V.i Wirkung des Reisens auf das Schreiben Bölls

V.ii Wirkung des Reisens auf das Schreiben Giordanos

VI. Schlußbetrachtung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Diese Arbeit untersucht den Einfluss von Reiseerfahrungen auf den Schreibstil und die Wahrnehmung zweier Autoren, Heinrich Böll und Ralph Giordano, bei ihren Reisen durch Irland. Ziel ist es zu analysieren, wie die Autoren mit der Fremdheit des Landes umgehen, wie ihre unterschiedlichen Voraussetzungen ihre Texte prägen und inwiefern sich die fremde Umgebung in ihre jeweilige literarische bzw. journalistische Ausdrucksweise übersetzt.

  • Vergleichende Analyse von Bölls Irischem Tagebuch und Giordanos Mein irisches Tagebuch
  • Untersuchung der Reisevoraussetzungen und deren Auswirkung auf das Irlandbild
  • Bedeutung der Wahrnehmung ("Sehen") und intertextueller Bezüge ("Lesen") für den Schreibprozess
  • Auswirkung der Fremderfahrung auf die sprachliche Gestaltung und Erzählweise

Auszug aus dem Buch

V.i Wirkung des Reisens auf das Schreiben Bölls

Im Irischen Tagebuch, heißt es bei Rezensent Kurt Hohoff (Rheinischer Merkur vom 12. Juli 1957), habe Böll sich freigeschrieben. Reich-Ranicki (Reich-Ranicki S. 135) lehnt diese Interpretation ab, da er im Irischen Tagebuch das Werk eines weiterhin engagierten Autors sieht. Es ist jedoch nicht zu leugnen, daß Böll mit diesem Reisebericht eine neue Richtung einschlägt. In ihrer fundierten Arbeit zur Struktur und Form des Textes weist Cecile Cazort Zorach auf die Progression und Dualität in den einzelnen Kapiteln hin. Böll hat die Gelegenheit des Reisens genutzt, um mit neuen Erzählformen zu experimentieren, die wenig mit traditionellen Formen des Reiseberichts zu tun haben. Im Laufe der Reise erkennt er, daß traditionelle empirische Berichterstattung der Wahrheit des irischen Alltags nicht gerecht wird, und zieht sich als Ich-Erzähler zurück, um mit einem "superior, non-empirical Irish way of coming to grips with reality" (Cazort Zorach, S. 128) zu experimentieren, so zum Beispiel in den Kapiteln 'Die schönsten Füße der Welt' und 'Das neunte Kind der Mrs. D.', in denen der Ich-Erzähler gar nicht erst auftritt. Stattdessen versetzt sich der Autor in die Lage der Einheimischen, eine Methode, die er schon in einer früheren Episode andeutet, als er in der Kirche im Dubliner Slum von Kevin Cassidy liest, der im selben Jahr geboren wurde wie der Autor und 13-jährig starb. Nach Verlassen der Kirche versucht sich Böll in sein Leben hineinzudenken, sich vorzustellen, wie sein Lebenslauf als Ire sich hätte sein können.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einführung: Diese Einleitung führt in die historische Faszination Deutschlands für Irland ein und erläutert die Forschungsfrage bezüglich des Einflusses von Fremderfahrung auf die Literatur der beiden Autoren.

II. Reisen: Dieses Kapitel analysiert die biographischen und situativen Voraussetzungen der Autoren, die zeitlichen Unterschiede der Reisen sowie die genutzten Verkehrsmittel als Rahmenbedingungen ihrer Erfahrung.

III. Sehen: Hier wird untersucht, wie die journalistische bzw. flaneurhafte Perspektive der Autoren ihre jeweilige Art der Landschafts- und Szenenbeschreibung maßgeblich prägt.

IV. Lesen: Dieses Kapitel betrachtet die intertextuellen Bezüge und den erweiterten Lesebegriff, durch den die Autoren versuchen, das fremde Zeichensystem Irlands zu entschlüsseln.

V. Schreiben: Der Hauptteil analysiert, wie die Reiseerfahrungen direkt die Erzählformen, den Schreibstil und die Syntax der beiden Autoren verändert haben.

VI. Schlußbetrachtung: Dieses Kapitel fasst zusammen, wie Reisen als Entwicklungsprozess des Schreibenden fungiert und bewertet die unterschiedlichen Anpassungs- und Identifikationsstrategien von Böll und Giordano.

Schlüsselwörter

Irland, Heinrich Böll, Ralph Giordano, Irisches Tagebuch, Mein irisches Tagebuch, Reiseliteratur, Fremderfahrung, Kulturkontakt, Intertextualität, Schreibstil, Journalismus, Wahrnehmung, Reisebericht, Identität, Literaturanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert und vergleicht die Reiseberichte von Heinrich Böll und Ralph Giordano über Irland und untersucht, wie die jeweilige Fremderfahrung ihre literarische Produktion beeinflusst hat.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentral sind die Aspekte des Reisens, Sehens, Lesens und Schreibens sowie deren Wechselwirkung bei der Auseinandersetzung mit einer fremden Kultur.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Reisen zu einer Entwicklung des Schreibenden führt und wie sich die Auseinandersetzung mit dem Fremden in der Textform und Syntax niederschlägt.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die Textvergleiche, strukturelle Analysen und die Einbeziehung sekundärliterarischer Konzepte (z.B. nach Galtung oder Cazort Zorach) kombiniert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich thematisch in die Bereiche Reisen (Voraussetzungen), Sehen (Wahrnehmung), Lesen (intertextuelle Annäherung) und Schreiben (Stilveränderungen).

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind unter anderem Fremderfahrung, Kulturkontakt, Intertextualität, journalistischer Stil und die literarische Auseinandersetzung mit einem bereisten Land.

Wie unterscheidet sich Bölls „Irisches Tagebuch“ von Giordanos Werk in Bezug auf den Schreibstil?

Böll nutzt einen eher parataktischen, assoziativen Stil, während Giordano einen stärkeren journalistischen, oft hypotaktischen und durch Exkurse geprägten Schreibstil verwendet.

Inwiefern beeinflusst die Herkunft der Autoren ihre Wahrnehmung Irlands?

Bölls katholische Prägung und seine Flucht aus dem Nachkriegsdeutschland erleichtern ihm die Identifikation mit den Iren, während Giordano durch seine Erfahrung als Fernsehjournalist eine distanziertere, analysierende Perspektive einnimmt.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Über Bölls "Irisches Tagebuch" und Giordanos "Mein irisches Tagebuch"
Untertitel
Reisen - Sehen - Lesen - Schreiben
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,0
Autor
Brendan Bleheen (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V82805
ISBN (eBook)
9783638885898
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bölls Irisches Tagebuch Giordanos Mein Tagebuch
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Brendan Bleheen (Autor:in), 2003, Über Bölls "Irisches Tagebuch" und Giordanos "Mein irisches Tagebuch", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82805
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Leseprobe aus  20  Seiten
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