Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Definition der Begriffe 3
2.1. Dadaismus 3
2.2. Surrealismus 3
3. Pre-Dada in New York 4
3.1. Der Einfluss der europäischen Avantgardisten 4
3.2. Die Aerographien 5
4. Ein neuer Anfang in Paris 6
5. Photographie 7
5.1 Rayographie 8
5.2 Solarisation 9
6. Ready-mades 10
7. Filme 11
7.1. Le Retour à la raison 11
7.2. Emak Bakia 12
7.3. L Etoile de Mer 13
7.4. Les Mystères du château de dés 14
8. Schlusswort 15
9. Literaturverzeichnis 16
1
1. Einleitung
„Ich habe keinerlei Probleme anzubieten, nur Lösungen.“ 1
Man kann Man Rays Œuvre keiner bestimmten Kunstrichtung zuordnen, seine Werke bleiben immer „Dada-Realistik oder Sur-Dada-Realismus“ 2 , auch wenn in seinen frü- heren Arbeiten der dadaistische Anteil sicherlich überwiegt. 3 Man Ray experimentierte Zeit seines Lebens mit den verschiedensten künstlerischen Techniken, er war Maler, Schriftsteller, Verleger, Photograph, Objektkünstler und Filmemacher. Er war der einzige amerikanische Dadaist, und verfolgte konsequent seine Prinzipien: Freiheit, Kreativität, Humor, Unabhängigkeit und Anarchismus. Er war der einzige amerikanische Avantgarde Künstler, der nicht daran interessiert war, eine moderne amerikanische Kunst zu schaffen. Er ‚wollte’ mit seinen Bildern nichts erreichen.
Seine große Bedeutung für die europäische Kunstgeschichte liegt darin, dass er dem französischen Dadaismus, zu einer Zeit, als dieser gerade in sich selbst zerfiel, den entscheidenden Übergang zum Surrealismus ermöglichte. In seinen Werken, aber auch in seiner Person selbst, vereint er die wichtigsten Merkmale beider Kunstrichtungen: der surrealistischen und der dadaistischen Kunst.
In dieser Hausarbeit werde ich die Entwicklung Man Rays, vom Beginn seiner Malerei in der Pre-Dada Zeit, über seine Zeit als Photograph in Paris und seine Rück- kehr nach Amerika, verfolgen. Schwerpunkte möchte ich auf die von ihm entdeckten neuen Möglichkeiten der Photographie, seine Ready-mades und Filme setzen. Zudem werde ich, an kurzen Beispielen, jeweils die Einflüsse des Dadaismus und des Surrea- lismus in seinen bekanntesten Werken darlegen.
1 Alain Sayag und L’Ecotais (Hrsg.): Man Ray – Das Photographische Werk. München: Schirmer/Mosel Verlag 1998, S.212.
2 Hans Richter: Dada – Kunst und Antikunst. Köln: DuMont Verlag 2 1970, S.200.
3 Dies liegt zum größten Teil daran, dass der beginnende Surrealismus mit Dada fast identisch war. Z.B. gibt uns Salvador Dali noch 1929 eine Beschreibung des Surrealismus, die auch auf den Dadaismus zu- trifft: „Der Surrealismus ist die Systematisierung der Konfusion. Der Surrealismus schafft scheinbar eine Ordnung. [...] Der Surrealismus ist destruktiv, aber er zerstört nur, was er als Ketten betrachtet, die unsere Vision einschränken.“ Ebd., S. 200.
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2. Definition der Begriffe
2.1. Dadaismus
„Dada haßt Kunst, aber Dada erneuert die Kunst durch eine ‚künstlerische Anti-Kunst- Bewegung’.“ 4 Obwohl die Dada-Bewegung nur einige Jahre dauerte (1916 – 1922) gelang es ihr, die Kunst und Kunstwahrnehmung des 20. Jahrhunderts umfassend zu verändern. 5 Die Dada-Bewegung war der totale Bruch mit der Vergangenheit, eine Rebellion gegen Traditio- nen, Glauben, Ideologien, gesellschaftliche Hemmungen und Barrieren (wozu auch die Ästhetik zählte). Gerne bezeichneten sich die Dadaisten selbst als ‚die freiesten Menschen der Welt’. Der Dadaismus war eine Internationale Bewegung, unabhängig von nationalen Grenzen, Religionen oder Berufen. Er war eine direkte Konsequenz des Ersten Weltkrieges: Die jungen Künstler machten die bürgerliche Gesellschaft für den Krieg verantwortlich und zeigten ihren Protest in ihrer Kunst und großangelegten öffentlichen Aktionen. „The beginnings of Dada were not the beginnings of art, but of disgust.“ 6 Die meisten Dadaisten standen aus politischen Gründen in enger Verbindung mit dem Kommunismus, dem Anarchismus und den revolutionären Bewe- gungen.
2.2. Surrealismus
Der Surrealismus war im Grunde genommen eine Weiterentwicklung des Dadaismus. Deswe- gen waren viele der Hauptmerkmale des Surrealismus auch bereits, in einem chaotischeren Zustand, bei den Dadaisten vorhanden, z.B. das Experimentieren mit Automatismus, Zufall und gefundenen Objekten, innerhalb eines von sozialer Revolution geprägten gesellschaftlichen Umfelds. Im Gegensatz zum Dadaismus, der bei einigen zur einfachen Parole ‚Gegen alles!’ mutierte, wollte der Surrealismus die Kunst und die Gesellschaft, in der er lebte, verändern. Der Surrealismus war von Sigmund Freud und seinen Schriften zur Traumdeutung und zum Unter- bewussten inspiriert, und strebte eine neue Ordnung an, wogegen der Dadaismus jede Art von Ordnung und Regeln ablehnte. Man Rays Verbindung zu den Surrealisten lag hauptsächlich in der gemeinsamen politischen Distanzierung vom aufkommenden Faschismus, und der künstle- rischen Hinwendung zum Objekt.
In Man Rays Werken findet man viele Aspekte, die beide Kunstrichtungen gemeinsam haben, z.B. die Infragestellung der Wirklichkeit des Realismus, und die große Rolle, die
4 Hans Richter in: Frankfurter Kunstverein (Hrsg.): Man Ray – Inventionen und Interpretationen. Frank- furt: Frankfurter Kunstverein 1979, S.89.
5 Die Dada-Bewegung war z.B. maßgeblich an der Erforschung neuer Techniken und moderner Ausdrucks- mittel, wie der Collage, der Typographie, der Photographie, und des Films beteiligt.
6 Tristan Tzara in: William S. Rubin: Dada, Surrealism, and their Heritage. New York: Verlag des Mu- seums of Modern Art 2 1977, S.12.
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das Zufällige in ihrer Kunst spielt. Wegen seiner amerikanischen Herkunft sahen die Pariser Avantgardekünstler in Man Ray sogar den „Mythos des ‚Neuanfangs’“ 7 verkör- pert, der für sie eine große Rolle spielte.
3. Pre-Dada in New York
3.1. Der Einfluss der europäischen Avantgardisten „Ich könnte für mich beanspruchen, daß ich Dada in New York erfunden habe. 1912 vor Dada. Im Jahre 1919 brachte ich Dada mit Erlaubnis und Zustimmung anderer Dadaisten in New York heraus. Nur einmal. Das reichte. Die Zeit verdiente nicht mehr. [...] Ist Dada tot? Lebt Dada? Dada ist. Dadaismus.“ 8
Im Februar 1913 besuchte Man Ray die Armory Show in New York, und begegnete hier zum ersten Mal dem Werk Duchamps. Die Ausstellung der europäischen Avantgarde machte star- ken Eindruck auf ihn und gab ihm einen entscheidenden Anstoß in seiner künstlerischen Ent- wicklung. Er probierte z.B. die für ihn neue Technik des Kubismus aus. Seine Bilder waren aber, im Gegensatz zu den monochrom gehaltenen Bildern der ‚traditionellen’ Kubisten, leuch- tend bunt, wie z.B. AD MCMXIV (1914). In diesem Bild versucht Man Ray den Ausbruch des ersten Weltkrieges künstlerisch zu bewältigen. Der Horror des Krieges nahm damit, ähnlich wie bei vielen europäischen Dada-Künstlern, Einfluss auf seine frühen Werke. Nachdem er 1915 nach New York gezogen war, besuchte Man Ray oft die Galerie 291 des Photographen Stieglitz, wo er die moderne europäische Kunst kennen lernte. 9 Des weiteren traf er sich regelmäßig auf Versammlungen mit jungen, aufgeschlossenen Künstlern, die mit- einander ihre neuen Ideen diskutierten. Diese New Yorker Pre-Dada Gruppe wurde von den emigrierten europäischen Künstlern Marcel Duchamp und Francis Picabia getragen 10 , die einen großen Einfluss auf die jungen Künstler hatten. Sie forderten die jungen Künstler dazu auf, sich von ihrem sensuellen Kunstbegriff zu lösen, und auf einen mehr konzeptionellen zuzugehen. Dada präsentierten sie ihnen als eine radikale Ablehnung der europäischen Moderne, und sie verlangten von den Künstler, sich von europäischen Traditionen zu befreien, eine eigene Kunst
7 Merry Foresta (Hrsg.): Man Ray. 1890-1976. Sein Gesamtwerk. Zürich: Edition Stemmle Verlag 1994, S.233.
8 Hans Richter in: Frankfurter Kunstverein, S.48.
9 Stieglitz begeisterte Man Ray durch seine neuartige Idee, dass Photographie nicht nur Reproduktion unserer Welt sein muss, sondern selbst eine neue Welt kreieren kann. Man Ray lernte bei Stieglitz auch, dass die Performance beim Photographieren im Atelier genauso wichtig sein kann, wie die fertige Photo- graphie.
10 Man Ray lernte Duchamp 1915 kennen, ein Jahr später begegnete er zum ersten Mal Picabia.
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M.A. Melitta Töller, 2004, Man Ray - Ein Künstlerleben zwischen Surrealismus und Dadaismus, Munich, GRIN Publishing GmbH
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